Düsteres Point-and-Click-Abenteuer birgt hübsch anzusehende Geheimnisse

Das Genre der Point-and-Click-Adventure begleitete mich zwar in meiner Kindheit, findet heute aber nur noch äußerst selten Platz mehr in meiner Spielesammlung. Als ich jedoch erstes Material zum neuen Children of Silentown sah, freute ich mich schon darauf, es mir auf meinem Sofa gemütlich zu machen und bei gedimmtem Licht in die Geschichte von Lucy und ihren Freunden in dem recht düsteren Ort einzutauchen. Veröffentlicht von niemand Geringerem als Publisher Daedalic Entertainment, welcher das Point-and-Click-Genre maßgeblich mit Reihen wie beispielsweise Deponia beeinflussen konnte, soll auch Children of Silentown mit diesem Anspruch auf Story- und Rätsel-Fans losgelassen werden. Ob mich Lucys Geschichte rund um den gefährlichen Ort jedoch letztendlich überzeugen konnte, erfahrt ihr in folgendem Test.


Der Ort, an dem Menschen verschwinden – aber bloß nicht fragen!


Point-and-Click-Adventures leben in gleichem Maße von ihrer Geschichte und ihren Rätselpassagen, die im besten Falle ein ansehnliches Gleichgewicht finden. Aus Spoiler-Gründen schneide ich die Story daher aber nur kurz an: Ihr verkörpert die bereits erwähnte Lucy, eine Teenagerin aus dem kleinen Dorf Silentown, das von einem dunklen und geheimnisvollen Wald umgeben ist. Seit Generationen schon verschwinden auf mysteriöse Weise besonders die älteren Bewohnerinnen und Bewohner des Dorfes. Zwar werden daraufhin verschiedene Vermisstenanzeigen aufgehängt, doch dienen diese nur dazu, die übrigen Dorfbewohnerinnen und -bewohner darüber zu informieren, welche Personen dieses Mal verschwunden sind. Die junge Lucy und ihre Freundesgruppe dürfen dabei nicht hinterfragen, was es mit den plötzlichen Verschwinden auf sich hat – noch weniger dürfen sie sich auf die Suche nach den Vermissten machen. Doch Lucy lässt sich nicht unterkriegen und möchte die Spirale des erzwungenen Schweigens brechen. Daraus entsteht eine teils gruselig-düstere, teils spannend inszenierte Geschichte mit sympathisch geschriebenen Charakteren.


Die Bewohner von Silentown sind mal mehr, mal weniger bereit, euch zu helfen.

© Daedelic Entertainment GmbH / Elf Games / Luna2

Die düstere Atmosphäre wird vom herausstechenden Artstyle sowie vom Soundtrack im gleichen Maße fantastisch unterstützt. Die Künstlerin Fabiola Allegrone des italienischen Entwicklerstudios Elf Games nutzt hier einen eher schlichten Zeichenstil, der dennoch einen hohen Detailgrad mitbringt, welcher das Dorf eher farbschwach erscheinen lässt und damit die düstere Geschichte und Atmosphäre gut unterstützt. Darüber hinaus interessant wie äußerst auffällig ist das Fehlen der Pupillen der Charaktere. Stattdessen erscheinen die großen Augen ziemlich leer, was gut die Hoffnungslosigkeit und Ratlosigkeit des Dorfes illustriert, welcher es ausgesetzt zu sein scheint. Zu hören sind überwiegend ebenfalls schlichte Klavier-Töne, die die Dialoge schön untermauern und nicht zu viel Aufmerksamkeit auf sich lenken. So wird ein ruhiges Entdecken und Aufdecken der Geheimnisse von Silentown ermöglicht.


Da nun der Rahmen von Children of Silentown definiert ist, kommen wir zum anderen Teil der Waage: die Point-and-Click-Elemente. Ich gebe zu, auf mich wirkte das Gameplay nach all den Jahren etwas fremd, dennoch fühlte ich mich schnell wohl. So erkundet ihr das Dorf, sprecht mit den Bewohnerinnen und Bewohnern und entfaltet so langsam die Geheimnisse, indem ihr unter anderem verschiedene Arten von Rätseln löst. Zu Beginn schaltet ihr neue Pfade oder Dialogoptionen frei, indem ihr ganz klassisch verschiedene Gegenstände kombiniert oder alleinstehend nutzt. Diese reichen von sehr zugänglichen und logisch-zusammenhängenden Rätseln bis hin zu recht weit hergeholten Kopfnüssen – es kann zwar auch durch meinen Wiedereinstieg ins Genre geschuldet sein, dennoch hätte ich mir an manchen Stellen Hilfsoptionen gewünscht, statt stumpf alle erdenklichen Möglichkeiten auszuprobieren. Auf solche Konflikte bin ich im Laufe des Spiels leider relativ oft gestoßen, was mir so den Einstieg in Children of Silentown erschwert hat – und die Rätsel werden kontinuierlich anspruchsvoller.


Die verschiedenen Rätselarten lockern das Gameplay angenehm auf.

© Daedelic Entertainment GmbH / Elf Games / Luna2

Als etwas angenehmer empfand ich die eher untypischen Rätselpassagen, auf welche Lucy mithilfe ihrer Gesangseinlagen trifft: Je nach Zeitpunkt des Spiels schaltet ihr Musiktöne frei, die schon bald ein Musikstück ergeben, welches euch neue Pfade und Dialogoptionen ermöglicht. Diese Fähigkeit ist interessant mit der Geschichte verbunden und fühlt sich so nicht als pures Mittel zum Zweck an. Je nach Musikstück könnt ihr beispielsweise in die Erinnerungen mancher Dorfbewohner blicken oder die Umgebung verändern. Diese kleinen Rätselchen lockern das Spielgeschehen wirklich angenehm auf und heben sich etwas von dem klassischen Point-and-Click-Gameplay ab. Solltet ihr gut durch die Rätsel kommen und nicht feststecken, sind Wendungen in der Handlung in angenehmen Abständen gesetzt und die Entfaltung behält eine angenehme Geschwindigkeit bei. Steckt ihr an manchen Stellen jedoch länger fest, kann das auch frustrierend wirken, fühlten sich neue Storyabschnitte für mich nämlich leider nicht sehr befriedigend an. Zwar ist das letzte Drittel des Titels mit am stärksten inszeniert, trotzdem hätte ich mir hier einen etwas spannenderen Verlauf der Geschichte gewünscht – das bleibt aber letztlich Geschmackssache. Es bleibt nach wie vor düster und mysteriös, so ganz aus den Socken hat mich die Geschichte von Children of Silentown aber leider nicht gehauen. Technisch läuft die Nintendo Switch-Version problemlos und durch den sympathischen Artstyle macht der Titel auch optisch einiges her.

Unser Fazit

7

Spaßgarant

Meinung von Michael Barg

Children of Silentown erzählt eine Geschichte über unausgesprochene Unterdrückung. Nach und nach verschwinden immer wieder geliebte Dorfbewohner – groteskerweise sollen die Vermisstenflyer jedoch nicht dazu aufrufen, sich auf die Suche nach ihnen zu begeben, sondern informieren, dass ihr diese Person wohl eher nicht mehr auf dem sonst lebhaften Dorfplatz wiedersehen werdet. Besonders Lucy aber möchte aus dem schweigsamen Strudel ausbrechen und nach ihren Geliebten suchen – lehnt sich dadurch aber nicht nur gegen das Dorf auf und erntet Spott, sondern setzt sich gleichzeitig der unaufgeklärten Gefahr des umgebenden Waldes aus. Die Story ist mysteriös und unheimlich, besitzt ein gutes Pacing, holte mich allerdings leider nicht vollends ab. Technisch läuft Children of Silentown astrein und sieht dabei fantastisch aus; auditiv wird Lucys Reise ebenfalls sehr gelungen unterstützt. Die verschiedenen Arten des Rätsellösens kombiniert mit Genre-typischen Elementen wie das Kombinieren und Anwenden von Gegenständen sind gut integriert und gehen wunderbar mit der Story einher. Ich hätte mir noch die Möglichkeit gewünscht, gerade bei Rätseln Hinweise erhalten zu können, damit Genre-Wiedereinsteiger wie ich es einer bin etwas galanter durch das Point-and-Click-Adventure geführt werden können.
Mein persönliches Highlight: Die verschiedenen Rätsel und der ansehnliche Artstyle.

Die durchschnittliche Leserwertung

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Kommentare 1

  • Marty92

    Turmritter

    Und wie lief das Spiel auf der Switch ?


    Also gerne auch noch etwas zu den technischen Aspekten des Spiels einfügen.