In den Fußstapfen klassischer 2D-Action-Platformer

In den 1980er-Jahren ließen 2D-Action-Platformer wie Castlevania oder Ghosts 'n Goblins die Herzen vieler Actionliebhaber höher schlagen. Mit ihren schaurigen Umgebungen und dem grotesken Gegnerdesign schufen sie eine Ästhetik, die bis heute vielen in Erinnerung geblieben ist. Leider ist es jedoch – mit Ausnahme einiger weniger Lebenszeichen – in den letzten Jahren recht still um die einstigen Grusel-Action-Franchises geworden. Diese Lücke möchte Entwickler GameAtomic mit der relativ jungen Kraino-Reihe füllen, von der nun, rund ein halbes Jahr nach der Erstveröffentlichung auf Steam, der erste Ableger Kraino Origins seinen Weg auf die Nintendo Switch findet. Ob Kraino in der Lage ist, die großen Fußstapfen der Serien, die den Titel inspirierten, zu füllen, verraten wir euch in unserem Test.


Wenn sich die Kreatur gegen ihren Meister richtet ...


Der böse Dr. Batcula erschafft sich eine Armee aus Monstern, indem er mit der Macht der Magie und Wissenschaft gefallene Krieger wieder zum Leben erweckt, damit diese für ihn kämpfen. Doch sein Zauber wirkt nicht auf Kraino, der nach seiner Wiedererweckung nach wie vor auf der Seite des Guten steht und es sich zur Aufgabe macht, Dr. Batcula und seine Armee zu vernichten. Mehr Exposition braucht es nicht – und das ist vielleicht auch gut so, denn die deutsche Übersetzung wirkt so, als käme sie aus dem Google-Übersetzer – damit ihr euch in die Rolle des titelgebenden Skelettkriegers Kraino (mit seinem schicken Hut) in den Kampf gegen eine ganze Menge Untoter und anderer schauriger Wesen begeben könnt. Mittels einer kleinen Weltkarte, die zum Beispiel an Super Mario World – wenn Super Mario World ein Gruselspiel wäre – erinnert, begebt ihr euch zum ersten von insgesamt acht Leveln und mischt dort das Böse ordentlich auf.


Eine simple Weltkarte zeigt euch, welche Sammelgegenstände ihr in den Leveln bereits gefunden habt

© Elden Pixels

Gameplaytechnisch handelt es sich bei Kraino Origins um einen 2D-Action-Platformer, bei dem ihr die Level meist von links nach rechts erkundet, über Abgründe und schwebende Plattformen springt und dabei mit eurer treuen Sense um euch schlagen könnt. Währenddessen stellt sich euch eine Vielzahl an Gegnern in den Weg, von einfachen hin und her laufenden Ghouls und Skeletten über feuerspuckende Gargoyles bis hin zu lästig umherfliegenden Totenköpfen – an Vielfalt mangelt es hierbei nicht. Treffen euch die Gegner oder Hindernisse in der Umgebung, verliert ihr nicht nur etwas Lebenskraft, sondern werdet dadurch auch ordentlich zurückgeschleudert, vor allem im Sprung. Daher ist Vorsicht beim Voranschreiten geboten, denn es wird nicht nicht selten vorkommen, dass ihr durch den Rückstoß in einen Abgrund oder in tödliche Stacheln fallt. Sollte euer untoter Skelettkrieger erneut sterben, werdet ihr zu einem Checkpoint zurückgesetzt und verliert einen Teil eures gesammelten Geldes. Schafft ihr es, den Ort eures Ablebens erneut zu erreichen, könnt ihr das Geld dort wieder einsammeln. Sterbt ihr auf dem Weg dorthin erneut, ist das Geld verloren und euch wird der nächste Teil eures Vermögens entrissen. Glücklicherweise sind die Checkpoints recht großzügig verteilt, sodass ihr euch auf nicht allzu viel Frust einstellen müsst.


In den Leveln könnt ihr hin und wieder brüchige Wände zerstören, um geheime Bereiche dahinter zu offenbaren. Hier findet ihr Medallions bzw. Medallionfragmente, die eure Lebens- und Zauberkraft dauerhaft erhöhen können. Außerdem versteckt sich in den Leveln auch der reisende Händler Kalcimore, der euch Sekundärwaffen verkauft, die ihr unter Einsatz eurer Zauberkraft verwenden könnt. Darunter befinden sich beispielsweise ein Feuerball, den ihr geradeaus abschießen könnt, um Gegnern damit aus der Ferne den Garaus zu machen, eine Wurfaxt oder eine Bombe, die verdächtig an das Weihwasser von einem gewissen Belmont erinnert. Diese Sekundärwaffen werdet ihr auch brauchen, denn die Gegner werden mit der Zeit immer mehr und lassen sich immer fiesere Tricks einfallen, um euch das Vorankommen zu erschweren. Zwischen den Leveln erwarten euch noch kleinere Herausforderungen, bei denen ihr einen längeren Abschnitt ohne Checkpoints auf dem Weg meistern müsst, um Grüne Totenschädel zu erhalten, mit denen ihr die Sekundärwaffen sogar noch jeweils einmal upgraden könnt.


Als Highlight erwartet euch am Ende jedes Hauptlevels ein Bosskampf gegen ein Mitglied aus Dr. Batculas schaurigem Gruselkabinett

© Elden Pixels

Am Ende der Hauptlevel erwartet euch zudem jedes Mal ein Bosskampf. Hier ist sicherlich etwas Trial and Error gefragt, da die Bosse über deutlich mehr Lebensenergie als ihr verfügen und ihr deren Angriffsmuster erst einmal durchschauen müsst. Glücklicherweise befindet sich auch vor den jeweiligen Bossräumen jedes Mal ein Checkpoint, sodass ihr nach einem gescheiterten Versuch direkt erneut euer Glück probieren könnt. Während der Level findet ihr gelegentlich Heilitems in brüchigen Wänden, die eure Gesundheit wiederherstellen. Ansonsten habt ihr leider keine Heilungsmöglichkeit, weshalb ihr bei einem Respawn an einem Checkpoint auch wieder mit voller Energie startet. Die ebenfalls stark an Castlevania erinnernden Kerzen, die in allen Leveln herumhängen und von euch zerstört werden können, frischen dafür oft eure Magiepunkte auf, sodass ihr eure Sekundärwaffen fleißig einsetzen könnt. Lediglich bei den Bossbegegnungen solltet ihr euch gut überlegen, wann ihr welchen Zauber einsetzen wollt, denn hier gibt es keine Möglichkeit, die magische Energie wiederaufzufüllen.


Grafisch bietet Kraino Origins eine nette Pixeloptik, die jedoch aufgrund der Fülle an Spielen mit ähnlichem Look auf dem Markt nicht sonderlich hervorstechen kann. Lobenswert zu nennen ist aber die Tatsache, dass ihr bei der grafischen Darstellung zwischen mehreren Filtern wählen könnt, um die Optik ein wenig an eure Vorlieben anzupassen. Auch das Sounddesign ist grundsätzlich gelungen, dank der individuellen Songs, die in den einzelnen Leveln spielen. Wirklich lange im Ohr bleiben die Melodien jedoch nicht. Und auch sonst muss ich gestehen, dass ich bereits kurze Zeit nach dem Durchspielen schon feststellen kann, dass sich die Geschehnisse des doch recht kurzen Titels schon wieder aus meinem Gedächtnis verflüchtigen. Wer es drauf anlegt, kann Kraino Origins ohne Probleme in einer einzigen Sitzung durchspielen. Selbst wenn ihr an manchen Passagen wiederholt scheitert, dürfte euch der Titel kaum mehr als fünf Stunden an den Bildschirm fesseln.


Die ein oder andere Anspielung auf andere Spiele hat sich auch in die Welt von Kraino Origins eingeschlichen

© Elden Pixels

Zwar ist das Spiel während meiner Testphase nicht abgestürzt, jedoch bin ich wie ein ausgebildeter Spürhund gleich zweimal über einen Bug gestolpert, die zwar das Spiel nicht enorm beeinträchtigten, mich jedoch dazu zwangen, Kraino in den Tod fallen zu lassen, um weiterspielen zu können. So hatte ich das Inventar geöffnet, bin dann ins Nintendo Switch Home Menü zurückgekehrt und habe die Konsole ausgeschaltet, um das Spiel später wiederaufzunehmen. Dabei sah ich mich jedoch mit der Tatsache konfrontiert, dass sich das Inventar zumindest optisch nicht mehr schließen wollte. Während ich den Inventarbildschirm betrachten musste, lief das Spiel nämlich doch im Hintergrund weiter und ich konnte Kraino in einen Abgrund fallen lassen, wodurch ich nach dem Respawn am letzten Checkpoint das Inventar endlich schließen konnte. Ein anderes Mal ist die Kamera beim Durchschreiten einer Tür zum nächsten Bildschirm gefahren, während Kraino hingegen auf dem letzten Bildschirm und damit außerhalb des für mich sichtbaren Bereichs zurückblieb. Auch hier half nur der Sprung in die erlösenden Stacheln. Als wirklich störend hingegen empfand ich beim Testen die herabsinkenden metallischen Plattformen, die spät im Spiel eingeführt werden. Des Öfteren reagierte meine Sprungtaste nicht, wenn sich Kraino auf einer solchen Plattform befand, wodurch ich in den Tod stürzte. Ich habe sogar kurz an meinem Controller gezweifelt, bin mir indes jedoch sicher, dass hier eher die Interaktion von Kraino mit ebensolchen Plattformen einfach schlecht programmiert wurde. Grundsätzlich empfand ich den Schwierigkeitsgrad des Spiels aufgrund der vielen Checkpoints nie als frustrierend, wenn jedoch eine schlechte Umsetzung einer Tasteneingabe für wiederholte Tode verantwortlich ist, ist die Laune dann doch irgendwann im Keller ...

Unser Fazit

6

Überzeugend

Meinung von Philipp Pöhlmann

Kraino Origins versucht sich als 2D-Action-Platformer daran, den Durst vieler Fans der Klassiker wie Castlevania oder Ghosts 'n Goblins nach neuem Spielmaterial zu stillen. Dabei geht das Konzept von Gameplay, Optik und Sounddesign gelungen auf, wenngleich Kraino Origins meiner Meinung nach jedoch bei einer Spieldauer von nicht einmal fünf Stunden kaum aus der Masse an ähnlichen Titeln hervorstechen kann. Vor allem die zufällig beim einmaligen Durchspielen gefundenen Bugs sowie die Tatsache, dass die Steuerung bei bestimmten Plattformen nicht so möchte wie ich das gerne hätte, zeigen, dass es dem Titel noch am nötigen Feinschliff fehlt. Dennoch macht der Titel Vorfreude auf die aktuell in Entwicklung befindliche Fortsetzung Kraino ReAnimated, die ebenfalls für die Nintendo Switch erscheinen soll.

Die durchschnittliche Leserwertung

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Kommentare 1

  • Tomberyx

    Minish Mage

    Eine kurze Spieldauer empfinde ich mittlerweile nicht mal mehr als ein Manko solange der Preis das auch entsprechend widerspiegelt.

    Ich hab einige Spiele auf meinem Schandhaufen bei denen ich mir wünschen würde sie wären schneller durchgezockt, damit ich sie von der Noch To Do Liste streichen kann.