Test zu Void Scrappers - Nintendo Switch
Eine Herausforderung für zwischendurch
-
12. April 2023 um 17:30 - Chris Holletschek
War man im vergangenen Jahr regelmäßig auf Streaming-Webseiten wie Twitch oder auch YouTube unterwegs, kam man phasenweise um ein bestimmtes Spiel quasi nicht herum: Vampire Survivors, für das nur ein italienischer Entwickler maßgeblich verantwortlich zeichnet, bot eine bis dahin selten gesehene Genre-Kombination aus Rogue-lite und Shoot ‘em up und eroberte die genannten Webseiten im Sturm. Dabei kann der Titel gewiss nicht durch seine packende Story überzeugen – denn es gibt im Grunde keine – und auch die Optik stößt nur bei wenigen auf ernsthafte Gegenliebe. Es ist vielmehr seine suchterzeugende Natur, die den Titel so anziehend macht. Aufgrund des prinzipiell einfachen Erfolgsrezepts etablierte sich in etwa zur selben Zeit ein weiteres Phänomen: Vampire Survivors-Klone schossen regelrecht aus dem Boden, kopierten das Spielprinzip und stülpten dem Ganzen meist nur eine etwas andere Optik über. Dagegen gab es aber auch Spiele, die sich zwar ebenfalls dem grundsätzlichen Konzept bedienten, durch weitere Kniffe aber dennoch etwas mit Alleinstellungsmerkmal schufen – beispielsweise Brotato oder 20 Minutes Till Dawn. Blickt man nun auf das kürzlich erschienene Void Scrappers, kommt die Begrifflichkeit „Vampire Survivors-Klon“ ebenfalls schnell in den Sinn. Ob der Titel aus dem Hause 8BitSkull aber noch mehr zu bieten hat, haben wir uns für euch angeschaut.
Bereits beim Start des Spiels fällt auf, dass es scheinbar sehr aufs Wesentliche reduziert scheint. Der Menübildschirm begrüßt euch mit dem Titel des Spiels, einem Raumschiff in Retro-Optik sowie der unendlichen Leere des Weltraums. Ihr könnt euch daraufhin entscheiden, entweder in Spiel zu starten, diverse Upgrades vorzunehmen oder die Gameplay- sowie HUD-Einstellungen feinzujustieren. Startet ihr in eine neue Spielrunde, eröffnet sich euch zunächst eine Charakterauswahl. Hier gilt es, sich für einen von den insgesamt zehn zur Verfügung stehenden Raumschiffpiloten zu entscheiden. Dabei mutet zwar kaum einer der Piloten menschlich an, bei Betrachtung von Namen und Kurzbeschreibung der Charaktere wird aber ein gewisser Humor deutlich, der auch in der deutschen Übersetzung einigermaßen funktioniert. So gibt es den „Dicken Dieter“, das Tempo von „Nitro“ ist schneller als das Rechtssystem und „Murphy“, der einzige Charakter, der zu Spielbeginn freigeschaltet ist, lebt für den Döner-Dienstag – nachvollziehbar.
Nach der Auswahl werdet ihr mit eurem Raumschiff in einer Top-Down-Ansicht in die große Leere geschmissen. Ihr seid aber nicht lange alleine, denn schnell werdet ihr von kleinen fiesen Angreifern behelligt. Mittels Projektilwaffe, die ganz automatisiert feuert, könnt ihr euch derer aber erwehren, sodass eure Aufgabe größtenteils darin besteht, durch Verwendung des linken Sticks auszuweichen. Darüber hinaus steht euch ein kurzer Sprint zur Verfügung, bei dessen Verwendung ihr kurzzeitig unverwundbar seid, um euch so aus brenzligen Situationen zu befreien. Wird ein Gegner besiegt, lässt dieser Schrott fallen, der von euch aufgesammelt werden kann. Habt ihr ausreichend Schrott beisammen, was durch eine entgegen des sonst minimalistischen Stils ungewöhnlich pompöse Leiste am oberen Bildschirmrand angezeigt wird, kommt es zu einer sogenannten „Aufschrottung“ (was im Englischen besser funktioniert: „Scrap up“, in Anlehnung an den Titel des Spiels). Dabei handelt es sich um ein Upgrade, das vielfältige Formen annehmen kann. Meist werden damit eure Waffen verbessert, beispielsweise durch einen kürzeren Cooldown oder höheren Schaden, oder es betrifft andere Gameplay-Mechaniken wie das Erhöhen der Wahrscheinlichkeit von sammelbaren Schilden, von denen ihr mit dreien an der Zahl ins Spiel startet, oder den Wert des gesammelten Schrotts.
Während einer Aufschrottung kommt ein weiterer Kniff zum Tragen, der das vorliegende Gameplaykonzept ausmacht: Ihr bekommt nämlich nicht nur eins, sondern gleich drei zufällig gewählte Upgrades präsentiert, von denen ihr euch immer nur eins aussuchen dürft. Garniert wird das Ganze mit hin und wieder auftauchenden Bossgegnern. Die unterscheiden sich optisch zwar meist nur kaum von den anderen Widersachern, halten aber deutlich mehr aus und lassen im Falle des Besiegens keinen Schrott, sondern ein Waffen-Add-on fallen. In gewohnter Manier bekommt ihr auch beim Einsammeln dieses Add-ons dreierlei Waffen präsentiert – dabei könnt ihr meist entscheiden, ob ihr ein gänzlich neues Geschoss eurem Arsenal hinzufügen oder eine bestehende Waffe deutlich verbessern möchtet. Erreicht eine eurer Waffen auf diese Weise die dritte Stufe, maximieren sich deren Werte im sogenannten „Ultimate“-Zustand. Ihr werdet also nicht alle Verbesserungen in ein Geschoss stecken können, sondern müsst zwangsläufig ein gewisses Arsenal aufbauen.
Mit Glück gesegnete Spielende können bei der Aufschrottung einen x2- oder sogar x3-Bonus erhalten
© 8BitSkull
Hinzu kommt, dass sich die Waffen grundsätzlich einer von vier Kategorien zuordnen lassen: Projektil-, Laser-, Orbital- und Explosionswaffen. Danach richten sich auch die bei der Aufschrottung erhältlichen Upgrades, sodass es möglich ist, mit einem gewissen Plan an eine Spielrunde heranzugehen. Denn passend dazu haben auch die Charaktere das ein oder andere Ass in Form von bestimmten Boni oder einer Spezialisierung auf bestimmte Waffentypen im Ärmel. So kann es beispielsweise sinnvoll sein, sich hauptsächlich den Orbitalwaffen hinzugeben oder sich vor allem mit Verbesserungen für den eigenen Sprint zu beschäftigen. Trotz des schnell erklärten Spielprinzips ergeben sich auf diese Weise vielfältige Herangehensweisen, sodass quasi kein Run dem anderen gleicht.
Da Void Scrappers keinerlei Handlung besitzt, sollt ihr über allerlei Freischaltbares zum Spielen motiviert werden – und das umfasst alle Bereiche des Spiels. Sowohl zusätzliche Charaktere als auch weitere Waffen sowie Upgrades können nur durch das Lösen vorgegebener Aufgaben erhalten werden. Dabei sind die Bedingungen fürs Freischalten nicht selten miteinander verknüpft. So könnt ihr manche Upgrades nur durch das Spielen mit bestimmten Charakteren erhalten, die wiederum nur durch Verwendung vorgegebener Waffen freigeschaltet werden können, für die ihr schließlich vordefinierte Upgrades nutzen müsst. Ein simples Prinzip, das bei mir aber durchaus funktioniert und für Motivation gesorgt hat. Am Ende einer Runde, das euch übrigens spätestens ab Welle 40 aufgrund übermächtiger Gegner zwangsläufig ereilen wird, werdet ihr zudem mit Credits versehen. Diese können im Menü für permanente Verbesserungen verwendet werden; weiteres Freischaltbares also.
Technisch liefert Void Scrappers auf der Nintendo Switch eine solide Leistung ab. Aufgrund des minimalistischen Designs in Retro-Optik könnte man zwar vorschnell der Meinung sein, dass ein flüssiges Spielerlebnis auch zu erwarten wäre, doch Vorsicht: Im Verlauf einer Spielrunde kommen immer mehr Gegner, immer mehr Waffen und somit immer mehr verschieden bunte Pixel zusammen. Daraus ergibt sich nicht selten ein (gewollt) ziemlich chaotisches Bild, das auf der Hybridkonsole über weite Teile auch mit ausreichender Framerate dargestellt wird. Wenn man es aber darauf anlegt, also beispielsweise mit voller Laserwaffen-Ausstattung durch eine große Horde von Gegnern sprintet, sinken die Bilder pro Sekunde deutlich, sodass ein Ruckeln vernommen werden kann. Darüber hinaus genießt das Spiel eine musikalische Unterstützung, deren elektronischer Einschlag mit ihren treibenden Bässen vor allem während einer Spielrunde positiv auffällt – im Eifer des Gefechts aber auch schnell in den Hintergrund rückt.
Unser Fazit
7
Spaßgarant