Das große Fressen!

Im Stealth-Genre hat insbesondere die Ende der Neunzigerjahre erschienene Commandos-Reihe den Grundstein für Echtzeit-Taktik gelegt. Und auch wenn es sich eher um eine nischige Videospielkategorie handelt, so erscheinen ab und an weitere Spiele, die sich diesem bedienen – ein aktuelles Beispiel wäre Shadow Tactics. Wenn euch diese Titel generell zusagen, aber manchmal einen Hauch zu anspruchsvoll sind, oder ihr eher auf der Suche nach kurzweiligem (Mehrspieler)-Spielspaß mit ähnlicher Couleur seid, dann lest gerne weiter.


Futtern, was das Zeug hält


Pizza Possum ist zwar kein vergleichbares Echtzeit-Taktik-Spiel mit den eingangs erwähnten Merkmalen, bedient sich aber einiger Mechaniken, sodass ein strategisches Vorgehen durchaus ratsam ist. Denn wer sich blindlings die Opossum-Wampe vollschlägt, wird die riesige Pizza am Levelende nie zu Gesicht bekommen. Doch eins nach dem anderen.


Das Objekt der Begierde: Eine gigantische Pizza.

© Raw Fury

Als namenloses Opossum seid ihr auf einer ebenso namenlosen, mediterran anmutenden Küstenregion voller anthropomorpher Tierwesen auf der Mission, euch so viel zu Essen wie nur möglich einzuverleiben. Der größte Leckerbissen ist die gut bewachte Pizza von Hunde-Prinz bzw. -Prinzessin Bella Chonki – außerdem sei eine gestohlene Mafiatorte laut Aussage des Protagonisten die leckerste, die man sich nur vorstellen könne. Praktischerweise seid ihr als Opossum Allesfresser und so vertilgt ihr alle Speisen, die ihr auf eurem Weg findet. Frisches Obst, ganze Brote, Mini-Pizzen, Torten, ja sogar ganze Fischplatten mit Zitrone und Dill – alles fällt eurer Schnute zum Opfer. Die Fressorgie ist auch bitter nötig, denn jedes Stück Nahrungsmittel bringt euch eine unterschiedliche Anzahl an Punkten, die wiederum einen Balken füllen, der euch bei Vollendung einen Schlüssel beschert. Könnt ihr bei Levelanfang nur ein kleines Gebiet leerfuttern, könnt ihr mit den Schlüsseln jeweils ein Schloss öffnen, wohinter sich ein weiterer Levelabschnitt erstreckt.


Die Bewohner der Insel wollen ihren Nahrungsreichtum aber nur ungern mit euch teilen, weshalb lustig vor sich hinbrabbelne Hunde in Polizeikostüm umherpatrouillieren und euch jagen, sobald sie euch sehen. Von Gebiet zu Gebiet werden es davon immer mehr und die Aufpasser machen das unbeschwerte Essenstehlen immer schwerer, zumal andere tierische Bewohner ängstlich vor euch wegrennen und die Wachen aufmerksam auf euch machen. Dann hilft nur selbst wegrennen oder sich wahlweise in einem Busch verstecken und abzuwarten, bis die Luft rein ist. Doch Vorsicht: Habt ihr zu viel gegessen, verlangsamt euch ein vorübergehend dicker Bauch erheblich und ihr seid ein leichter zu fangendes Ziel.

Genug gemampft oder doch noch schnell den Teller mit Tomate und Mozzarella verputzen?

© Raw Fury


Diverse Extras wie ein Energydrink, eine Straßensperre oder auch Blitzbomben können zusätzlich helfen, eure Verfolger abzuschütteln. Insbesondere in den späteren Levelabschnitten sind diese Ausrüstungsgegenstände unerlässlich, da die Anzahl an Nahrungshütern immer mehr und die Umgebung verworrener wird. Solltet ihr geschnappt werden, dann ist eure Mampf-Mission vorerst beendet und ihr bekommt eine Bewertung präsentiert. Habt ihr einen Checkpoint in Form einer kleinen Opossum-Höhle freigeschaltet, dann startet ihr bei Neubeginn von dort. Das hat den Vorteil, dass ihr den Bereich häufiger hintereinander spielen und kennenlernen könnt.


So einfach die Spielmechanik klingt, so gestaltet sich im Übrigen auch die Steuerung. Jede in Reichweite befindliche Nahrung wird automatisch aufgesaugt und neben dem Joystick benötigt ihr nur eine weitere Taste, welche den beigeführten Gegenstand aktiviert. Das gestaltet den Spieleinstieg erfreulich einfach und leicht verständlich. Auf der Nintendo Switch macht das Spiel um eine der leckersten Speisen der Welt eine gute Figur, wenn auch das Bild etwas verwaschen wirkt. Wichtiger ist aber, dass in den hektischen Momenten die Framerate stets stabil bleibt und man präzise agieren kann – sowohl im Einzel- als auch im Mehrspieler-Modus. Die Umgebung, welche an ein italienisches Bergdorf erinnert, ist schlicht und strotzt nicht vor allzu vielen Details, wirkt aber durch seinen Comic-Look charmant und die herumliegenden Speisen sehen zum Anbeißen lecker aus. Sehr gut ausgefallen ist das Sounddesign. Seien es die vor sich hinsummenden Hundepolizisten auf ihre Patrouille, euer genüsslich schmatzendes Opossum oder auch dessen schelmisches Lachen, wenn es sich vor den Augen der Verfolger im Busch versteckt.


Zusammen spachteln, macht einfach am meisten Spaß.

© Raw Fury

Besonders glänzen kann Pizza Possum zudem im Couch-Koop-Modus, denn mit einem zusätzlichen Picknick-Partner macht es mindestens doppelt so viel Spaß. Ähnlich wie bei den LEGO-Spielen kann eine weitere Spielerin oder ein weiterer Spieler jederzeit dem laufenden Spiel als Waschbär beitreten. Eine weitere Gemeinsamkeit mit den Klemmbaustein-Videospielen ist die dynamische Kamera, welche, je nachdem wie weit die Charaktere voneinander entfernt sind, den Bildschirm unterschiedlich aufteilt. Eine gute Abstimmung, wer wo mampft, ist unerlässlich und die Jagd nach dem wertvollen Futter wird mitunter ziemlich chaotisch, was aber auch den Reiz ausmacht. In einem Moment fühlt man sich noch sicher, bis die Spielpartnerin oder der Spielpartner mit einer Meute an Polizeihunden hinter sich an euch vorbeisaust. Glücklicherweise ist das Spiel nicht sofort vorbei, sollte mal jemand geschnappt worden sein – stattdessen kommt dieser nach kurzer Zeit wieder ins Spiel.


Ein Kritikpunkt dürfte nichtsdestotrotz der geringe Umfang des Spiels sein. Hat man das eine Level durch, bleiben einem nur wiederholte Durchgänge, um den eigenen Highscore zu knacken oder neue Gegenstände und Trophäen freizuschalten. Ein weiteres Level, unterschiedliche Ziele, Herausforderungen oder eine andere Verteilung von Essen oder dem Hauptziel: Fehlanzeige. Das dürfte gemessen am günstigen Preis des Spiels zwar in Ordnung sein, ein etwas größerer Umfang wäre jedoch wünschenswert – das Potenzial wäre jedenfalls vorhanden.

Unser Fazit

8

Ein Spiele-Hit

Meinung von David Kuhlgert

Pizza Possum liefert fantastische Zutaten für kurzweiligen Spielspaß und macht Hunger auf mehr. Die klare Stärke ist der leichte Einstieg, der simple Spielablauf sowie die einfache Steuerung, die einen immer mal wieder schnell die Nintendo Switch in die Hand nehmen lassen, um sich durch ein Areal zu beißen. Das süße italienische Bergdorf mit den vielen herumliegenden Leckereien und das allgemeine Sounddesign runden das stimmige Gesamtbild ab. Leider bietet Pizza Possum vom Umfang her aber zu wenig Futter, um auf lange Sicht zu motivieren. Da wurde Potenzial verschenkt, was jedoch angesichts des günstigen Preises absolut zu verschmerzen ist. Insgesamt ist es ein gelungenes Spiel, welches als schmackhafter Snack für zwischendurch bei keinem Couch-Koop-Abend fehlen darf.
Mein persönliches Highlight: Der simple Spieleinstieg!

Awards

Spiele-Hit Multiplayer-Hit

Die durchschnittliche Leserwertung

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