Test zu Dave the Diver - Nintendo Switch
Ein herrlich schräger Genremix
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13. November 2023 um 15:30 - Florian McHugh
Es gibt sie, diese Titel, die man in einem Trailer sieht, die einen die Augenbraue erst skeptisch, dann interessiert heben lassen und bei denen man sich denkt: „Das behalte ich mal im Blick“. Genau solch einen Moment hatte ich mit dem Spiel Dave the Diver vom Entwicklerstudio Mintrocket. Der vermeintlich schräge Humor, ein abwechslungsreiches Gameplay und bizarre Bilder, die sich mir boten, versprachen mir damals ein interessantes Machwerk. Nun ist der Titel auch für die Nintendo Switch erschienen und ich konnte mich davon überzeugen, ob meine Erwartungen gerechtfertigt waren oder eben nicht. Nur so viel im Voraus: Dave the Diver ist ein wirklich abwechslungsreiches Spiel, das leider ausgerechnet an der Technik kränkelt.
Sonne, Strand, ein strahlend blaues Meer, ein Cocktail mit Schirmchen in den Händen – Herz, was willst du mehr? Dave hat all dies, denn zu Spielbeginn liegen wir irgendwo in der Karibik und lassen es uns gut gehen. Doch dann taucht plötzlich unser alter Bekannter Cobra auf, der uns von seinem Plan erzählt, ein Sushi Restaurant zu eröffnen und das auch noch direkt am „Riesigen Blauen Loch“, eine Anomalie, wo sich Fische aus aller Weltmeere tummeln und nur darauf warten, von uns gefangen und zu Sushi verarbeitet zu werden. So zumindest die anfängliche Prämisse von Dave the Diver, die sich im Laufe des Spiels jedoch noch um eine launige und interessante Geschichte rund um ein verlorenes Seevolk, militanten Naturschützern sowie die Vergangenheit unserer Verbündeten erweitert wird. Erzählt wird die Handlung hauptsächlich durch Dialoge, die wir mit unterschiedlichen Charakteren führen und die teils herrlich dargestellt werden und mitunter jeden Stereotyp durch den Kakao ziehen. Hier kommt auch eine der Stärken des Spiels zur Geltung: Der Humor und die teils überdrehten Figuren tragen einen erheblichen Teil dazu bei, dass man als Spieler stets an der Stange bleibt. Sei es der stoische Sushi-Chefkoch, der in ritueller Feinarbeit Fisch zerlegt, Daves Chef, der ihn ausnutzt und ausbeutet oder unser Waffenhersteller, der jedes noch so kleine Vorurteil des ungepflegten Nerds verkörpert. Untermalt wird das Ganze noch durch kleine Videosequenzen, die völlig banale Situationen übertrieben und völlig überdreht darstellen, ohne dass es albern wirkt.
In Sachen Gameplay unterteilt sich Dave the Diver in verschiedene Genres. Zum einen müsst ihr euch darum kümmern, dass das Sushi-Restaurant eures Chefs gut läuft. Hierfür müsst ihr Personal einstellen, das Menü des jeweiligen Abend zusammenstellen, neue Rezepte freischalten und auch die Gäste bedienen. Was am Anfang noch ganz lauschig beginnt, nimmt im weiteren Spielverlauf eine durchaus hektische Komponente an: Essen servieren, Getränke einschenken, stets den Bestand des Essens im Blick behalten, um bei Bedarf das Menü anzupassen … da kann schon trotz angeheuertem Personal einiges an Stress aufkommen. Denn eure Gäste bezahlen nicht nur ihr Essen, sie hinterlassen euch auch auf Social Media gute oder schlechte Bewertungen, je nachdem wie zufrieden sie mit eurem Besuch waren. Und von eben jenen Bewertungen hängt ab, welchen Rang euer Restaurant erhält, welche Menge an Personal ihr einstellen könnt und wie viele unterschiedliche Speisen in eurem Menü Platz finden. Dabei werden die einzelnen Mechaniken Stück für Stück eingeführt, sodass ihr stets eine neue Herausforderung erhaltet und das Spiel trotz des steigenden Anspruchs niemals unfair wird.
Abseits von euren abendlichen Aktivitäten als Aushilfskellner und Möchtegern-Manager seid ihr tagsüber als titelgebender Taucher unterwegs. Hier besteht eure Hauptaufgabe darin, Fische für den abendlichen Betrieb zu fangen sowie Materialien zu suchen, mit denen ihr eure Ausrüstung Stück für Stück verbessern könnt. Dazu taucht ihr mit Dave ins Riesige Blaue Loch, das ihr bis zu einem gewissen Grad frei erforschen könnt. Anfangs seid ihr dafür noch mit einer simplen Sauerstoffflasche, einer Harpune sowie einem Standard-Taucheranzug ausgerüstet, die euch hinsichtlich eurer Erkundung einschränken. Denn euer Sauerstofftank hat nicht unendlich Luft und euer Anzug hält anfangs auch nicht allzu viel Druck aus, weswegen ihr noch nicht in die Tiefen des Lochs vordringen könnt. Mit der Zeit und im Laufe der Handlung erweitert sich das Areal jedoch stets weiter, ihr dringt immer weiter in die Tiefen vor und findet dort die unterschiedlichsten Fische, Mineralien sowie andere Gegenstände.
Um das schmackhafte Fleisch für euer Sushi zu erhalten, müsst ihr Fische fangen. Dies geschieht entweder mithilfe eurer Harpune oder ihr geht etwas rabiater vor und tötet das Flossenvieh mithilfe eurer Nah- oder Fernkampfwaffen. Entschließt ihr euch für die klassische Harpunenjagd, müsst ihr eure Beute erst einmal verwunden bzw. ermüden, ehe ihr sie in Form eines kleinen Quicktime-Events, dass sich je nach ausgerüsteter Harpune unterscheidet, einfangen könnt. Manche Meeresbewohner sind dabei auch angriffslustig und aggressiv, sodass ihr euch mitunter auch mit brachialer Waffengewalt zur Wehr setzen müsst, wenn zum Beispiel ein Tigerhai zum Angriff bläst. Werdet ihr getroffen, verliert ihr wertvollen Sauerstoff; eine klassische Lebensanzeige gibt es nicht und sollte Dave das Zeitliche segnen, müsst ihr den Großteil eurer Beute zurücklassen.
Die Unterwassertouren gehören eindeutig zum Highlight des Spiels. Die Tiefen des Lochs eröffnen sich euch im Laufe der Handlung immer mehr und es macht einfach Spaß, neue, seltene Fische zu erlegen und abends ins Restaurant zu bringen, wodurch ihr mehr Geld verdient, um eure Ausrüstung zu verbessern und so weiter. Dieser Gameplay-Loop funktioniert überraschend gut, da er vor allem durch die Handlung um zusätzliche Mechaniken erweitert wird, sodass keine Monotonie aufkommt. Dazu bietet das Spiel auch diverse optionale Nebentätigkeiten, die euch hilfreiche aber selten spielentscheidende Belohnungen bringen und den Spielfluss weiter auflockern. Den Entwicklern gelingt der Balanceakt zwischen Routine und neuen Elementen dabei die meiste Zeit gut. Für mich persönlich fühlten sich manche der Tätigkeiten und vor allem Quick Time-Events dann aber irgendwann etwas zu viel an, wobei das letztendlich eine reine Geschmacksfrage ist.
Optisch kann sich Dave the Diver durchaus sehen lassen. Vor allem die Unterwasserwelten sehen wirklich schön aus und wenn das Sonnenlicht durch die Oberfläche des Wassers bricht, dann zaubert auch die Pixeloptik schöne Bilder auf den Bildschirm. Doch auch kleine Details wie die Tintenwolken von fliehenden Tintenfischen sowie die unterschiedlich detaillierten Fische zeugen von einer Liebe zum Detail, die ich so nicht erwartet hatte. Dem gegenüber steht dabei eine leider oft hakelige und träge Steuerung, die mich vor allem beim Zielen mit den Fernkampfwaffen das eine oder andere Mal um den Verstand gebracht hat. Was mitunter jedoch am nervigsten ist, sind die vergleichsweisen langen Ladezeiten, die auf der Nintendo Switch besonders störend sind und die in der heutigen Zeit so nicht sein sollten. Fans deutscher Lokalisierungen dürfen sich übrigens freuen: Dave the Diver wurde komplett ins Deutsche übersetzt – die Qualität ist größtenteils gut, leistet sich aber ab und an den einen oder anderen kleinen Fehler, wenn mal zu wörtlich ins Deutsche übersetzt wurde.
Unser Fazit
8
Ein Spiele-Hit