Neuer Anstrich für ein JRPG der etwas anderen Art

Der 2016 bei uns in Europa für den Nintendo 3DS veröffentlichte JRPG-Titel The Legend of Legacy wurde unter der Mitarbeit von Veteranen der Final Fantasy- sowie SaGa-Reihen entwickelt. Daher waren die Erwartungen seiner Zeit an den Titel, der den Charme klassischer JRPGs einfangen wollte, recht hoch, wurden jedoch nicht vollends erfüllt. Dennoch öffnen Entwicklerstudio FuRyu und Publisher NIS America fast ein Jahrzehnt später nun ein weiteres Mal die Tore zum mysteriösen Kontinent Avalon und wollen mit einem HD Remastered, welches unter anderem auf der Nintendo Switch nach Abenteurern sucht, dem in Vergessenheit geratenen Titel neues Leben einhauchen.


Mysteriöse Scherben, die euch die Macht über die Elemente verleihen, spielen eine Schlüsselrolle in der Handlung

© NIS America

Ganze sieben Heldinnen und Helden stehen euch zur Auswahl, wenn ihr das Spiel zum ersten Mal startet: Elementalist Meurs, Bianca, ein Mädchen mit Amnesie, Schatzjäger Liber, Tempelritterin Garnet, Söldner Owen, Alchemisten Eloise oder Froschprinz Filmia – gleich zu Beginn habt ihr die Qual der Wahl. Egal welchen Charakter ihr wählt, es verschlägt euch in die Lande von Avalon, wo ihr vom Dorf Initium aus zu Erkundungen aufbrecht, um Schätze zu finden und den Geheimnissen des Kontinents auf den Grund zu gehen. Welchen Charakter ihr zu Beginn wählt nimmt Einfluss auf die Erzählperspektive, da dieser Charakter fortan als Hauptfigur fungiert. Zwei weitere der ursprünglichen Helden gesellen sich bereits von Beginn an zu euch, die anderen könnt ihr später recht unspektakulär irgendwo im Dorf Initium antreffen und eurer Gruppe hinzufügen. Dabei seid ihr jedoch stets auf drei aktive Gruppenmitglieder beschränkt. Untypisch für JRPGs braucht ihr bei The Legend of Legacy keinen besonderen Tiefgang der Handlung zu erwarten. Der Fokus liegt hier mehr auf der Erkundung sowie dem Kampfsystem.


Bei der Erkundung von Gebieten dürft ihr deren Karte vervollständigen, indem ihr alle Ecken und Enden der Welt von Avalon ablauft. So vervollständigte Karten könnt ihr als Informationen verkaufen. Die Erkundung lohnt sich aber auch jenseits der Kartografie, da sich überall Schätze verstecken, die ihr entweder zu Geld machen oder zur Ausrüstung eurer Charaktere gut gebrauchen könnt. Überall streifen nämlich Monster umher, denen ihr bei einer Berührung auf einem Kampfbildschirm entgegentreten könnt. Der besondere Kniff bei diesem Titel sind hierbei Kampfformationen, die eure Charaktere besondere Positionen einnehmen lassen. Geht ihr auf Angriff, erhöht sich ebendieser Wert, während ihr beim Blocken weniger Schaden einsteckt und sogar Angriffe auf eure Teamkollegen abfangen könnt. Zu Beginn des Spiels wirken diese Formationen noch recht uninteressant, gewinnen jedoch bei stärkeren Gegner immer mehr an Bedeutung, da diese eure Gruppe sonst im Handumdrehen auslöschen können. Geschieht dies, könnt ihr den Kampf entweder wiederholen oder müsst von eurem letzten Speicherpunkt aus wieder beginnen. Deshalb empfiehlt es sich auch, häufig Gebrauch von der Schnellspeicher-Funktion zu machen.


Bei der Erkundung von Avalon verschlägt es euch an die verschiedensten Orte

© NIS America

Neben dem Kampfsystem sind auch das Charakter- sowie Fähigkeitensystem besonders. Die Werte eurer Teammitglieder sind dabei nämlich nicht von einem Level abhängig – Charakterlevel gibt es sogar überhaupt nicht. Stattdessen erhöhen sich eure Statuswerte im Zusammenhang mit eurem Kampfverhalten. Greift ihr oft an, erhöht sich euer Angriff. Blockt ihr oft ab, erhöht sich eure Blockstärke. Steckt ihr oft Schaden ein, erhöhen sich eure Gesundheitspunkte und so weiter. Ähnlich verhält es sich mit den Fähigkeiten. Es gibt nämlich keinen klassischen Fähigkeitenbaum, sondern ihr schaltet neue Skills durch den Einsatz von anderen im Kampf frei und levelt diese auch über selbigen Weg auf. Ihr könnt eure Charaktere dabei mit verschiedenen Waffen ausstatten, um diese unterschiedliche Skills lernen zu lassen. Stärkere Fähigkeiten verbrauchen Skillpunkte, welche sich durch verschiedene Items oder Fähigkeiten sowie den Besuch eines Gasthauses in Initium wiederaufladen lassen. Welche Charakter mit welcher Waffe besonders gut umgehen kann, müsst ihr dabei selbst herausfinden. Stattet ihr eure Figuren richtig aus, können diese nämlich weitaus schneller neue Fähigkeiten erlernen, als bei einer unpassenden Waffenart.


Im Laufe der Handlung spielen verschiedene Elemente eine wichtige Rolle. So startet ihr euer Abenteuer in einem weitläufigen Waldgebiet, in dem das Wasserelement eine besondere Bedeutung hat. An bestimmten Orten erhaltet ihr Scherben, die auch euren Figuren die Macht über die Elemente gewähren. So könnt ihr beispielsweise das Wasserelement herbeibeschwören, um euer Team langsam am Ende jeder Kampfrunde heilen zu lassen, oder eure Skillpunkte dankt dem Windelement schneller regenerieren. Weitere Scherben lassen euch Zauber einsetzen, sobald ihr das dazugehörige Element herbeibeschworen habt. So könnt ihr Elementarschaden austeilen, Statuseffekte wirken oder euch heilen und vor Angriffen schützen. Setzt ihr Zauber oft genug ein, könnt ihr diese sogar lernen und ohne die Scherbe auszurüsten wirken. Es lohnt sich also, unterwegs nicht nur Ausschau nach allerhand Geheimnisse zu halten, sondern auch möglichst viele Gegner zu bekämpfen und dadurch eure eigenen Statuswerte und Fähigkeiten auszubauen.


Neben regulären Gegnern erwarten euch auch immer wieder Bosse, für die ihr mehr taktisches Feingefühl benötigt

© NIS America

So interessant die Mechaniken von The Legend of Legacy auch klingen, haben sie dennoch eine große Schwachstelle. Um es mit stärkeren Gegner aufnehmen zu können und letztendlich in der Handlung voranzuschreiten, müsst ihr euch auf eine gehörige Portion Grinding einstellen. Denn nur wenn ihr euer Statuswerte und Fähigkeiten durch fleißiges Kämpfen aufpoliert, werdet ihr mit den Herausforderungen zurechtkommen, die euch das Spiel recht bald entgegenwirft. Um wirklich Spaß beim Grinding aufkommen zu lassen, sollte ein Spiel im Idealfall aber auch einiges an Abwechslung bieten, um euch nicht mit den immergleichen Gegnern und Tönen zu langweilen. Doch genau das passiert leider bei The Legend of Legacy, da es keine besonders große Vielfalt an Gebieten und Gegnern gibt und letztere selbst in neuen Gebieten mit wenig veränderten Skins recycelt werden. Ihr solltet also eine ganze Menge an Geduld mitbringen und nicht vor stumpfem Grinding zurückscheuen, wenn ihr euch der Welt von Avalon hingeben wollt.


Grafisch merkt man dem Titel zwar an, dass er nicht eigens für die Nintendo Switch, sondern eine ältere Hardware entwickelt wurde, jedoch wurde das HD Remastered doch ordentlich aufgehübscht. Die Texturen wurden im Vergleich zum 3DS-Original ordentlich aufpoliert und wirken aufgrund des gewählten Artstyles, der gezeichnete Hintergrunde mit den bei Näherung aufploppenden Elementen im Vordergrund zu einer Art Bilderbuch-Ästhetik vereint, dennoch zeitgemäß. Auch in Bezug auf das Sounddesign konnten mich die sanften Klänge einer mystischen Welt begeistern. Wie bereits im Original müsst ihr jedoch mit einer englischen Sprachausgabe sowie auch nur englischen Bildschirmtexten zurechtkommen. Während meiner gesamten Testzeit konnte ich keine störenden Einbrüche in der Framerate oder gar Abstürze feststellen.

Unser Fazit

7

Spaßgarant

Meinung von Philipp Pöhlmann

The Legend of Legacy HD Remastered bringt ein fast zehn Jahre altes JRPG vom Nintendo 3DS auf moderne Plattformen, darunter die Nintendo Switch. Während der Titel nicht mit einer tiefgehenden Handlung und emotionalen Charakterbeziehungen glänzen kann, liegt der Fokus stattdessen auf der Erkundung der Regionen sowie dem Kampf- und Fähigkeitensystem. Leider wurde das nötige Grinding, um sich stärkeren Feinden gut gewappnet entgegenstellen zu können, durch die geringe Vielfalt an Gegnern und insgesamt wenig abwechslungsreichen Settings nicht gerade abwechslungsreich gestaltet. Immerhin wurde die Grafik für das HD Remastered so aufpoliert, dass Neueinsteiger sicherlich ihren Spaß mit dem Titel haben dürften – sofern sie mit der flachen Handlung leben können. Wer jedoch nach einem JRPG mit entsprechender Tiefe sucht oder mit den ausschließlich englischen Bildschrimtexten nichts anfangen kann, wird hier vermutlich schnell den Controller beiseite legen.

Die durchschnittliche Leserwertung

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Kommentare 6

  • wonderboy

    Turmfürst

    Kein Deutsch - Kein Kauf !

  • Vank84man

    Nintendo Fan 4ever ✌

    Sehr sehr schade das es keine Deutsche Texte hat.

    Deswegen wie leider bei vielen JRPG kein Kauf.


    Test ist natürlich trotzdem super geschrieben. :thumbup:

  • Darkseico

    Nintendo Fan

    Bei jrpgs bin ich auch raus wenn es die nur auf Englisch gibt. :/

    Schade um die ganzen guten Juwelen aber man kann eh nicht alles zocken. :D

  • Taner

    Turmfürst

    Kein Türkisch, kein Kauf :P

  • Wowan14

    Gamer aus Leidenschaft

    Ich finds ja immer witzig wie Leute sich auf der Gewinnerseite fühlen, wenn sie wegen einem fehlenden Feature ein Spiel nicht kaufen, obwohl sie im Grunde genauso Verlierer in dem Fall sind wie der Erschaffer/Publisher des Spiels

  • Solaris

    Günstige Intelligents

    Bei JRPGs die es nur in Chinesisch, Indonesisch und Klingonisch mit Untertiteln in Altgriechisch und Arimäisch gibt, ja da bin ich auch raus.