Ein eigener Garten voller Grafik-Probleme

In den Frühlings- und Sommermonaten treibt es die Menschen wieder nach draußen und viele von ihnen kümmern sich nach den kalten Monaten wieder um ihren Garten. Egal ob es nur ein paar Pflanzen auf dem Balkon sind oder ein prächtiger Gemüsegarten – alle Pflanzen brauchen nach dem dunklen Winter ein bisschen Pflege und Liebe. Wer nicht raus möchte oder keinen Garten hat, kann sich das blühende Leben nun mit Garden Life: A Cozy Simulator auf die Nintendo Switch holen, denn auch hier steht der eigene, grüne Rückzugsort im Mittelpunkt des Gameplays und wir haben das Spiel für euch getestet, um zu sehen, ob das Spiel mit dem echten Gärtnern mithalten kann.


Der Gemeinschaftsgarten soll in neuem Glanz erstrahlen

© Nacon

Der Gemeinschaftsgarten ist seit dem Tod von Robin verlassen und Unkraut hat sich breit gemacht. Eigentlich sollte es ein schöner Ort zum Gärtnern und Entspannen werden, wo sich die ganze Gemeinde dran beteiligen kann, doch der Verlust wiegt schwer und jemand muss sich wieder um den Garten kümmern. Hier kommt ihr ins Spiel, denn euch wird der verlassene Garten anvertraut, auch wenn die Nachbarschaft euch mit Rat und Tat zur Seite steht.


Euer Tag beginnt dabei immer an der Bushaltestelle vor dem Gemeinschaftsgarten und anfangs müsst ihr erst einmal für Ordnung sorgen. Daher sind eure ersten Aufgaben das Ausreißen von Unkraut oder das Beseitigen von alten, verwelkten Pflanzen, ehe es schließlich daran geht, den Ort wieder beschaulich zu machen. Gerade zu Beginn bekommt ihr häufig Tipps an die Hand, sodass man die ersten Minuten als Tutorial sehen kann, in dem ihr auch die ersten Werkzeuge gestellt bekommt. Mit den ersten Samen in der Tasche könnt ihr dann auch schon loslegen und Rosenbüsche sowie Narzissen pflanzen. Die wachsen in einer gehörigen Geschwindigkeit zu vollständigen Pflanzen heran, sodass ihr gar nicht allzu lange auf Ergebnisse warten müsst.


Ansonsten bietet euch der Garten einen Schuppen, in dem auch Robin ihre Pläne für den Garten aufgeschrieben hat und wo ihr ein Samenbuch mit allen Pflanzen im Spiel findet. Etwas schade finde ich, dass ihr direkt alle 37 unterschiedliche Arten vor die Nase gesetzt bekommt und es dahingehend keine wirklichen Überraschungen gibt, welche Pflanzen euch im Spielverlauf begegnen. Allerdings gibt euch das Buch einige wichtige Tipps an die Hand, sodass ihr wisst, wann welche Pflanzen gut gedeihen und welche ihr im Winter lieber nicht anpflanzen solltet.


Diese hübsche Animation erscheint, sobald ihr eine neue Pflanze entdeckt

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Darüber hinaus könnt ihr im Schuppen auch euer Werkzeug verstauen sowie Samenpäckchen oder nicht ausgestellte Dekorationen lagern. Die Lagerungsmöglichkeiten solltet ihr stets nutzen, denn das Inventar bietet nur wenige Plätze und auch der Rucksack ist schnell voll mit Unkraut und anderen Dingen, die man während eines Tages sammelt. Eine Düngekiste gibt es ebenfalls, sodass ihr aus den Pflanzenresten und dem Unkraut wertvollen Dünger produzieren könnt.


Letztendlich besteht euer Alltag daraus, den Garten auf Vordermann zu bringen und Pflanzen zu hegen und zu pflegen. Dazu gehören das regelmäßige Gießen, das Beschneiden und das Düngen. An Regentagen könnt ihr euch das Gießen natürlich sparen, im Sommer müsst ihr dann aber, je nach Pflanze, öfter ran, damit euch eure Pflanzen nicht eingehen. Solltet ihr doch mal eine Pflanze verlieren, ist euer Fortschritt nicht ganz dahin, denn das Spiel schenkt euch die Samen der jeweiligen Pflanze, sodass ihr von vorne beginnen könnt. Dabei müsst ihr euch auch keine große Mühe geben und jede Pflanze gießen, was das ganze auf Dauer deutlich einfach gestaltet. Ein weiterer Faktor ist das Heranzüchten von seltenen Arten, denn die einzelnen Blüten unterscheiden sich, sodass die Pflanzen irgendwann auch seltene Arten produzieren können. So ist es zum Beispiel möglich, nach einiger Zeit schwarze Rosen zu erhalten.


Die seltenen Arten sind natürlich auch begehrt bei euren Nachbarn, denn die stellen euch regelmäßig verschiedene Aufgaben und möchten mit bestimmten Pflanzen beliefert werden. Vor dem Garten befindet sich eine Lieferkiste, in der ihr dann die entsprechenden Arten einlagern könnt, um dadurch die Quests abzuschließen. Die erhaltene Belohnung könnt ihr dann in der Innenstadt gegen neue Samen, besseres Werkzeug oder Dekorationsartikel einlösen. Die Innenstadt erreicht ihr mit dem Fahrrad, wobei euch allerdings nur bestimmte Bereiche zugänglich gemacht werden.


Leider ist die Grafik auf der Nintendo Switch alles andere als ansehnlich

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Im Garten selbst könnt ihr weitere Bereiche nach und nach freischalten, sodass ihr nicht nur mehr Platz zum Anpflanzen bekommt, sondern auch zum Beispiel ein Gewächshaus bepflanzen könnt. Leider ist auch dieser Platz irgendwann begrenzt, denn ihr könnt nur eine bestimmte Anzahl an Pflanzen setzen. Das ist vor allem ärgerlich, weil dadurch ein opulenter Garten gar nicht erst möglich ist. Durch die unterschiedlichen Dekorationsgegenstände könnt ihr auch euren Garten thematisch gestalten, wobei manche Items nur durch separate DLCs zu bekommen sind.


Letztendlich fokussiert sich Garden Life: A Cozy Simulator allein auf das Gärtnern, also die Aufgabe, die ihr auch immer in verschiedenen Farming-Simulationen erledigen müsst. Allerdings ist das Gameplay hier natürlich deutlich mehr darauf ausgelegt und allein das Züchten von seltenen Arten macht das Ganze schon deutlich komplexer. Leider bietet das Spiel nach den ersten Stunden wenig Neues, weswegen der Gameplay-Loop am Ende des Tages immer ähnlich verläuft.


Das kennt man allerdings schon von vielen Simulationen und wäre auch erst einmal kein Problem. Das Hauptproblem von Garden Life: A Cozy Simulator ist leider die Grafik und die Performance, denn wenn man Bilder und Videos von der PC-Version gesehen hat, kann man nur mehr als enttäuscht sein. Alles sieht unglaublich verwaschen aus und es macht einfach keinen Spaß, sich in solch einer Umgebung zu bewegen. Dadurch fallen auch die unglaublich vielen Details in der Umgebung kaum auf, die durchaus vorhanden sind. Ich hatte tatsächlich Probleme, längere Sessions zu spielen, da ich irgendwann Kopfschmerzen bekommen habe. Hinzu kommt eine ruckelige Performance und eine Bedienung, die teilweise einfach zu friemelig ist. Das ist leider jammerschade, denn als Pflanzenfreund hatte ich mich wirklich auf entspannte Gartenarbeit gefreut, doch leider kann das Spiel der ursprünglichen Beschreibung von einem „Studio Ghibli Art Style“ auf der Nintendo Switch nicht gerecht werden.


Hier kann man nur die Zeichnungen der einzelnen Charaktere, die man im Dialogfenster angezeigt bekommt oder die Darstellungen der Pflanzen im Samenbuch positiv herausstellen, denn die werden dem Versprechen wirklich gerecht und sind sehr schön inszeniert. Außerdem gibt es einen Geschichts- sowie Kreativmodus, in welchem euch alle Optionen von Anfang an zur Verfügung stehen, und Einstellungsmöglichkeiten für farbenblinde Menschen. Die Vertonung ist allerdings nur auf englisch vorhanden, deutsche Texte sind aber einstellbar.

Unser Fazit

6

Überzeugend

Meinung von Kerstin Steiner

Persönlich hatte ich mich sehr auf Garden Life: A Cozy Simulator gefreut, da ich mich selbst gerne mit Pflanzen und ihren individuellen Bedürfnissen beschäftige. Da war ein eigener Garten fast schon ein wahr gewordener Traum, auch wenn er erst einmal nur auf der Konsole existieren würde. Auch die Vorschau meines Kollegen Michael hatte mich positiv gestimmt, doch schon beim Anspielen merkte ich, dass leider Welten zwischen der PC- und Nintendo Switch-Version liegen. Denn der Gameplay-Loop hatte mich dann doch irgendwann gepackt, allerdings war das Spiel aufgrund der Grafik teilweise kaum spielbar, vor allem nicht längere Zeit am Stück. Solltet ihr also die Möglichkeit haben, dann greift lieber zur PC-Version, denn dort bekommt ihr den gleichen Spielspaß mit einer ansehnlichen Grafik und Performance.
Mein persönliches Highlight: Die schönen Zeichnungen im Samenbuch und in den Dialogfenstern

Meinung von Philipp Pöhlmann

Garden Life: A Cozy Simulator möchte euch das virtuelle Gärtnern auf der Nintendo Switch schmackhaft machen und entführt euch in einen Gemeinschaftsgarten, dessen Pflege und Verwaltung ihr euch annehmen dürft. Dabei begegnet ihr immer wieder diversen Charakteren, deren Artworks zwar nett anzusehen sind, storytechnisch braucht ihr hier jedoch nicht auf eine wirkliche Tiefe hoffen. Die Steuerung ging mir während meiner gesamten Testzeit recht ungewohnt von der Hand, weil ihr mit Dingen in eurer Umgebung immer nur interagieren könnt, wenn ihr euch davorstellt und diese anschaut. Hier wäre evtl. ein Editor-Modus recht angenehm gewesen, um die Benutzerfreundlichkeit zu erhöhen. Zudem widerspricht die Kürze der Tage, bis im Spiel die Sonne untergeht, ein wenig dem Versprechen eines „Cozy Simulators“. Wie im Haupttest bereits angesprochen, müsst ihr auf der Hybridkonsole im Bereich Grafik mit massiven Abstrichen rechnen. Texturen in eurer Umgebung sehen verwaschen aus, Schatteneffekte ploppen unvermittelt auf und auch die Framerate lässt zu wünschen übrig. Sollte euch der Titel also wirklich ansprechen, überlegt vor dem Kauf, ob ihr ihn euch nicht auf einer anderen Plattform zulegt.

Die durchschnittliche Leserwertung

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