Die Königsklasse auf der Nintendo Switch

Seit dem 2. Mai 2024 haben wir wieder die Möglichkeit, die Königsklasse des Motorradrennsports im heimischen Wohnzimmer oder unterwegs zu erleben. Die reguläre Saison ist in vollem Gange und Entwickler Milestone hat uns diesmal, anders als im Vorjahr, einen Monat früher an die virtuellen Lenker gelassen. Gerade die Königsklasse verspricht wieder Spaß und Spannung pur. Kann Francesco Bagnaia seinen 3. WM-Titel in Folge feiern oder hat Jorge Martin diesmal die Nase vorn? Und was ist mit Marc Marquez, der nun erstmals auf einer Ducati sitzt und damit wieder ein siegfähiges Motorrad hat?

Die Frage nach Spaß und Spannung stellt sich natürlich auch beim neuesten Vertreter der jährlich erscheinenden MotoGP-Serie. Wird es ein Start-Ziel-Sieg oder doch ein Ausrutscher ins Kiesbett? Diese Frage soll der Test der Nintendo-Switch-Version im Folgenden beantworten.


Eine gute Platzierung am Start ist für das Rennen oft schon die halbe Miete

© Milestone S.r.l / Dorna Sports S.L.

Bei Spielereihen, die in einem jährlichen Rhythmus erscheinen, stellt sich regelmäßig die Frage, wie viel hat sich im Vergleich zum Vorgänger verändert? Mal sind es nur angepasste Mannschaften mitsamt neuen Trikots, dann gibt es wiederum auch mal ganz neue Features. Im direkten Vergleich zu MotoGP 23 erwartet uns hier keine Gameplay-Revolution. Da sich der letzte Teil aber schon ganz gut spielen ließ, war das auch nicht unbedingt zu erwarten. Stattdessen stecken die Neuerungen eher im Detail. Gleich geblieben sind zum Beispiel die Spielmodi. Euch erwarten der Karriere-Modus, Grand Prix, Meisterschaft, Zeitfahren und Training. Viele Worte brauche ich hierzu sicher nicht verlieren, denn die Modi sind identisch zu denen der letzten Jahre.


Im Karriere-Modus erstellt ihr euch euren eigenen Fahrer, verdient durch gute Ergebnisse Rufpunkte und arbeitet euch von der niedrigsten Klasse hoch in die MotoGP, um dort um die WM zu kämpfen. Im Modus Grand Prix könnt ihr ein einzelnes Rennen mit einem beliebigen Fahrer bestreiten, in der Meisterschaft eine komplette Saison. Die Modi Zeitfahren und Training sind selbsterklärend, wobei ich anmerken möchte, dass die einzelnen Tutorials nicht mehr so zahlreich und ausführlich sind wie früher. Zusätzlich zu den Einzelspielermodi hat die Nintendo Switch-Version auch einen lokalen Multiplayer für bis zu acht Spieler. Doch während sowohl die Versionen der anderen Konsolen als auch die PC-Version über einen Online-Multiplayer und einen Splitscreen-Modus verfügen, fehlen diese auf der Nintendo Switch leider gänzlich.


In MotoGP 24 finden sich alle Strecken, Teams und Fahrer der aktuellen Saison. Angefangen bei der Moto3, der leistungsmäßig schwächsten Klasse, die mittlere Kategorie Moto2 und die stärkste Klasse, die MotoGP. Hier neu hinzugekommen ist in diesem Jahr der sogenannte Fahrermarkt. Dieser ermöglicht nun erstmals in dieser Serie den Team- und klassenübergreifenden Wechsel der Fahrer zu Beginn einer neuen Saison. Bislang war dies nur mit dem eigens erstellten Fahrer möglich, nicht jedoch mit den offiziellen Piloten. Jedoch habt ihr als Spieler auf diese Wechsel keinen großen Einfluss. Wer zu welchem Rennstall geht, wird euch lediglich in einer grafischen Übersicht angezeigt. Auch das spielinterne „Social Media“, wo ihr euch mit anderen Fahrern gut oder schlecht stellen könnt, hat nur einen marginalen Einfluss auf eure Karriere.


Ein weiteres neues Feature nennt sich „Adaptive Schwierigkeit". Hier passt sich das Niveau eurer Gegner auf der Grundlage eurer eigenen Leistungen an. Dazu braucht das System einige Rennen, aber alles in allem funktioniert das sehr gut. So gibt es kaum mehr Rennen, bei denen man hinterherfährt oder mit großem Abstand gewinnt. Einzig die Lernkurve ist mit diesem System nicht mehr so gut sicht- und nachvollziehbar wie bei dem manuell einstellbaren Schwierigkeitsgrad, zu dem man aber jederzeit wechseln kann.


Neu sind auch die „MotoGP Stewards“. Wie in der echten MotoGP werden hier kritische bis unfaire Fahrmanöver von euch oder der KI bewertet und gegebenenfalls verwarnt oder bestraft. Das beinhaltet ein Abkürzen auf der Strecke, Berührungen zwischen den Fahrern und sogar das Abdrängen von der Strecke anderer Piloten. Das kann eine simple Verwarnung nach sich ziehen, aber auch eine Long-Lap-Strafe oder die Aufforderung, sich um eine Position zurückfallen zu lassen. Auch wenn nicht jede Entscheidung nachvollziehbar ist, was übrigens in der richtigen WM genauso ein Problem ist, sorgt dieses Feature doch für ein Stück mehr Immersion.


Die Helm-Kamera ist zwar die immersivste, aber auch die herausforderndste Kameraperspektive

© Milestone S.r.l / Dorna Sports S.L.

Apropos Immersion: MotoGP 24 ist auf der Nintendo Switch, sofern ihr im TV-Modus spielt, durchaus ansehnlich, wenn ihr auch keine fotorealistische Grafik erwarten solltet. Im Handheld-Modus wird das Bild dagegen deutlich unschärfer. Die Framerate ist größtenteils stabil bei 30 FPS, was tatsächlich ein relativ gutes Geschwindigkeitsgefühl aufkommen lässt. Allerdings gibt es einige Einschnitte, mit denen diese Leistung erkauft wurde: In der aktuellen WM starten klassenübergreifend insgesamt 78 Piloten (aufgeteilt in 26 in der Moto3, 30 in der Moto2 und 22 in der MotoGP). Doch egal, in welcher Klasse ihr an den Start geht, das Grid besteht nur aus 16 Fahrern. Wer mit euch startet, entscheidet sich vor dem Rennen in zwei Qualifyings, sodass es immer variiert, wer in der Startaufstellung steht. Alle Piloten sind im Spiel vertreten. Jedoch nimmt es den Rennen einiges an Atmosphäre, ein so kleines Feld auf der Strecke zu haben.


Ein weiterer grafischer Einschnitt ist der Detailgrad der gegnerischen Piloten. Erst wenn ihr wirklich in Armreichweite seid, werden die vollen Texturen geladen, alles über dieser Distanz sieht deutlich detailärmer und etwas verwaschen aus. Das ist zwar nicht schön, da ich mich beim Fahren aber überwiegend auf die Strecke konzentrieren muss, fand ich das nicht sehr störend.


Bislang habe ich die Motorradspiele von Milestone (Ride, SBK und MotoGP) fast ausschließlich auf dem PC gespielt. Dort, aber auch an den anderen Konsolen, verfügen die Controller noch über analoge Schultertasten, womit sich Gas und Bremse speziell auf dem virtuellen Motorrad recht schön dosieren lassen. Da die Nintendo Switch nichts dergleichen unterstützt, war ich sehr skeptisch, was das Handling und den Spielspaß angeht. Doch ich musste feststellen, dass durch die Vielzahl an Fahrhilfen ein beinahe genauso gutes Handling möglich ist wie auf den anderen Plattformen. Ebenfalls gut gelungen ist das Gefühl für die verschiedenen Motorräder. Hier macht es sich durchaus bemerkbar, ob man ein Moto3 Bike mit ca. 85 kg und 60 PS oder eine MotoGP-Maschine mit 157 kg und 300 PS steuert. Was die Steuerung angeht, waren die Spiele der MotoGP-Serie noch nie wirklich einsteigerfreundlich, jedoch hat auch ein absoluter Neuling durch die verschiedenen Hilfen wie die bekannte Rewind-Funktion und das adaptive Schwierigkeitssystem auf jeden Fall Chancen, vorne mitzufahren und mit dem Spiel Spaß zu haben.

Unser Fazit

7

Spaßgarant

Meinung von Christian Spenkuch

MotoGP 24 hat mich positiv überrascht. Gerade im Hinblick auf die technische Limitation der Nintendo Switch und der für mich notwendigen Umstellung bei der Steuerung bin ich anfänglich skeptisch gewesen. Doch ich hatte nach kurzer Eingewöhnung sehr viel Spaß mit dem Spiel. Gerade an oder nach einem Rennwochenende der realen Vorbilder ist es eine Freude, die Strecken selbst virtuell befahren zu können. Wer MotoGP-Fan ist, macht auch in diesem Jahr meiner Meinung nach mit diesem Spiel nichts falsch. Es ist kein lauwarmer Aufguss des Vorgängers, man hat sich doch an einigen Punkten die richtigen Gedanken gemacht. Eine bessere Technik und mehr Umfang wären freilich wünschenswert; wer hier mehr möchte, sollte sich das Spiel auf einer anderen Plattform zulegen. Aber auch Nintendo Switch-Besitzer mit einem Faible für Motorräder und den Motorradrennsport werden hier auf ihre Kosten kommen.
Mein persönliches Highlight: Die Spannung in den Rennen bis zur letzten Kurve

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Die durchschnittliche Leserwertung

1 User hat bereits bewertet

Kommentare 1

  • Philipp_Watch

    Turmbaron

    Angemessene, faire und sachliche Bewertung. Klar, bei den großen Brüdern ist in Sachen Performance mehr drin, aber wer braucht das schon? Werde mir das Spiel gönnen, allerdings erst im Sale (bin eher Rally WRC Fan, aber was nicht ist, kann ja noch werden 😊😃)