Test zu Shin Megami Tensei V: Vengeance - Nintendo Switch

Ein Ablasshandel für eine sündhaft gute Erweiterung

Shin Megami Tensei V erblickte erstmals im November 2022 das Licht der Welt. Zu dieser Zeit erschien das Spiel konsolenexklusiv für die Nintendo Switch und konnte eine gute Figur abgeben – derart gut, dass das Spiel 9 Punkte in der Bewertung bei ntower absahnen konnte. Nun bricht das Siegel des postapokalyptischen Da'at mit einer Erweiterung ein weiteres Mal, diesmal auch auf verschiedenen Plattformen. Selbstverständlich habe ich es mir nicht nehmen lassen und einen genauen Blick auf Shin Megami Tensei V: Vengeance geworfen und bespreche hier, für wen sich diese sündhafte Erweiterung lohnt!


Hinweis: Es wird empfohlen, den Test zu Shin Megami Tensei V gelesen zu haben, da in diesem Bericht einige grundlegende Elemente (Gameplay etc.) nicht noch einmal besprochen werden.


Ein Kampf zwischen Ordnung und Chaos


Eine der wichtigsten Neuerungen in Shin Megami Tensei V: Vengeance ist die Handlung, die ihr direkt zu Beginn initiieren könnt. Hierbei werdet ihr an einem bestimmten Punkt am Anfang des Spiels vor die Wahl gestellt, einer mysteriösen Frau die Hand zu reichen, wovor allerdings gewarnt wird. Wenn ihr entgegen der Ordnung diese Person wählt, schlagt ihr einen neuen Pfad ein, der das bisher bekannte Abenteuer und das Schicksal der Welt in neuerliches Blutrot tränkt.


Die Qadištu, Yoko Hiromine und der Nahobino – erfahrt im Buch der Vergeltung, welches Schicksal alle verbindet

© SEGA / ATLUS

Die neue Handlung – Buch der Vergeltung genannt – macht sich anfangs nicht sofort bemerkbar. Abermals landet ihr im malerisch höllischen Tokyo, einem Hort der Dämonen, der fortan als Da'at bekannt ist. Nach etwa 30–60 Minuten sollte euch eine erste zentrale Änderung auffallen: der Auftritt von Yoko Hiromine. Sie stellt sich als Schülerin einer Mädchenschule und mit besonderen Fähigkeiten, die denen einer Heiligen ähnlich sind, vor. Nun werdet ihr mit ihr gemeinsam die neue Welt erkunden, diese junge Frau und ihre unkonventionellen Ansichten kennenlernen und den Kampf zwischen Ordnung und Chaos verfolgen und aktiv beiwohnen.


Was diese neue Handlung interessant macht, sind die subtilen Änderungen, die sich wie in einem Schmetterlingseffekt zu einem katastrophalen Sturm verdichten. Dabei steht eine neue teuflische Gruppierung, die Qadištu, im Mittelpunkt, die die bisherige Handlung in einen Sumpf aus Blut und Verzweiflung versinken lässt, bis die Geschichte vollständig von der eigentlichen Handlung entrückt ist und somit ein neues, eigenständiges Erlebnis bietet.


Eine positive Folge ist auch die Entwicklungskurve einiger Charaktere. Im Vorgänger hatte ich besonders kritisiert, dass die auftretenden Jugendlichen nicht wirklich in das Setting passten. Zwar wirken sie zu Beginn noch immer künstlich, durch den Fortschritt der Handlung und der damit einhergehenden Weiterentwicklung werden sie jedoch authentischer, sodass sie diesmal besser in das Chaos von Da'at integriert wirken.


Innovationen oder mehr vom Gleichen?


Eines der größten Verkaufsargumente neben der brandneuen Handlung sollen die vielen verschiedenen Neuerungen sein, die das Spiel bereichern. Dabei gibt es eine Vielzahl an kleineren positiven Änderungen, die allgemein jedoch nicht bahnbrechend sind.


Noch immer stehen die Kämpfe gegen Dämonen und gefallene Gottheiten im Mittelpunkt

© SEGA / ATLUS

Größeren Anpassungen wie neue Dämonen, Missionen oder auch neue Bereiche (z. B. das Dämonennest oder Bethels Shakan) sind hingegen offensichtlicher. Aber auch die Magatsu-Schienen vermögen es, Da'at, das generell sehr linear konstruiert wirkt, mehr Dynamik zu verleihen. Dabei könnt ihr sowohl neue Orte erreichen, aber auch einen guten Ankerpunkt finden, um an den Kraftquell zurückzukehren, ohne den Fortschritt wieder ablaufen zu müssen, nachdem ihr euch geheilt oder neue Items gekauft habt.


Das Dämonennest ist eine charmante Abwechslung. Hier könnt ihr mit euren Dämonen sprechen, indem ihr euch über einen Kraftquell hinteleportieren lasst. Gelegentlich kommt es dazu, dass sie euch sehr mögen, was wiederum dazu führt, dass sie sich verbessern, neue Attacken lernen oder euch ein Geschenk überreichen möchten. Auch ihr habt die Möglichkeit, Geschenke in der Welt von Da'at zu finden und sie euren treuen Begleitern zu geben. Das Nest ändert je nach Ort, an dem ihr euch befindet, sein Aussehen, sodass es abwechslungsreich bleibt. Jedoch wird man den vorgefertigten Dialogen mit den gewöhnlichen Dämonen schnell überdrüssig – anders dagegen verhält es sich mit dem Aogami. Wenn ihr bestimmte Situationen gemeistert habt, könnt ihr mit eurem Aogami sprechen und interessante Einblicke in die Gefühle des Protagonisten und des Aogamis erhalten. Eine Art Fotomodus rundet dieses regelmäßige, wenn auch kurzweilige Erlebnis ab.


Eine überaus interessante Erweiterung sind die menschlichen Charaktere, die euch für eine bestimmte Zeit begleiten. Vornehmlich Yoko ist es, die euch zur Seite steht und mit ihrer vielseitigen Magie gekonnt den Rücken freizuhalten weiß. Aber auch andere Charaktere, die ihr bereits im Basisspiel kennen, lieben oder hassen gelernt habt, werden euch eine Weile begleiten. Sie leveln wie eure Dämonen und können auch neue Skills erlernen. Ob ihr diese in eure aktiven Teams aufnehmt, ist selbstverständlich euch überlassen. Oft solltet ihr ohnehin situativ handeln, denn eines hat sich nicht geändert: Die einzelnen Kämpfe sind höchst strategisch – besonders bei Boss-Kämpfen – und bedürfen durchdachter Anpassungsfähigkeit!


Nichtsdestotrotz täuschen diese Änderungen über einen Fakt nicht hinweg: Es ist aus meiner Sicht noch immer das gleiche Spielgefühl. Teils sehr herausfordernde Kämpfe, gepaart mit mystischen Melodien und einer schillernden Welt, die in Sünde versunken scheint. Zwar schaffen einzelne Änderungen, das Spiel zu erweitern oder angenehmer oder anspruchsvoller zu gestalten, doch letztlich wurde in meinen Augen nur mehr vom Gleichen hinzugefügt oder Dinge, die weniger überzeugend im Vorgänger waren, ausgebessert. Diese Änderungen sind selbstverständlich nicht unerwünscht, doch dabei kommt es zu einem unangenehmen Problem …


Ein teures Vergnügen …


Ich habe nicht schlecht gestaunt, als Atlus bekannt gegeben hat, Shin Megami Tensei V: Vengeance als eigenständigen Vollpreistitel für die Nintendo Switch anzubieten. Unterm Strich fühlt sich für mich das Spiel mit der neuen Handlung mehr wie ein DLC als ein komplett neues Spiel an. Selbstverständlich muss mit einem solchen Spiel gewirtschaftet werden, aber wieso Besitzer des Originals Vengeance nicht wie eine Art DLC erstehen können, bleibt mir schleierhaft. Zwar mag das Spiel an manchen Stellen mehr Tiefe erhalten haben, aber ich würde an dieser Stelle behaupten, dass es sich hierbei nicht um ein grundlegend neues Spiel handelt oder es sich derart gewandelt hat, um erneut den Vollpreis zu verlangen.


Die untergegangene Welt schimmert auch hier in den verträumtesten Farben

© SEGA / ATLUS

Nachdem ich nun auch die PlayStation-5-Version angespielt habe – wo ein Vollpreistitel Sinn ergibt, da das Spiel auf dieser Plattform erstmals erschienen ist –, sehe ich diese Art der Preisgestaltung für Nintendo-Switch-Besitzer im besten Fall als ungünstig. Besonders technisch fällt hier ein großer Unterschied auf. Während die Version auf anderen Plattformen eher butterweich aussieht und läuft, hat die Version der Nintendo Switch mit den herkömmlichen Wehwehchen seines Vorgängers zu kämpfen. Hinzu kommt, dass viele Glitzerelemente dafür sorgen, dass die Framerate ins Schwitzen kommt – etwas, was bei den konkurrierenden Versionen kein Problem darstellt.


Das führt unweigerlich zu der Frage, für wen sich Shin Megami Tensei V: Vengeance für die Nintendo Switch wirklich lohnt. In meinen Augen ist das Spiel in den vergangenen Jahren zwar gealtert, wirkt aber für einen Nintendo-Switch-Titel noch immer solide. Wenn aber die Wahlmöglichkeit besteht, sollte man zu einer anderen Version greifen. Im Prinzip ist Shin Megami Tensei V: Vengeance für die Switch-only-Spielerschaft nicht verkehrt, besonders wenn jemand das Original bislang nicht gespielt haben sollte. Alle anderen Interessenten sollten dagegen für den Vollpreis dann schon das Maximum herausholen.


Zum Schluss kommen wir noch zur Gretchenfrage: Welche Handlung ist denn nun die bessere? Zunächst empfehle ich jedem, erst die neue Handlung gespielt zu haben. Sie erleichtert den Einstieg in das Thema des Spiels und ermöglicht, Bindungen zu den einzelnen Charakteren tiefer zu knüpfen. Dadurch wirkt die originäre Handlung dann trotz ihrer bekannten Schwächen wesentlich emotionaler. In meinen Augen ist die neue Handlung besser, was sowohl die Charakterentwicklung als auch den Spannungsbogen angeht, aber auch etwas vorhersehbarer, besonders die Weiterentwicklung der Charaktere betreffend. Alt oder neu – ich denke, hier dürfen sich die Geister scheiden.

Unser Fazit

9

Geniales Spiel

Meinung von Simon Münch

Ja, ihr lest richtig, Shin Megami Tensei V: Vengeance bleibt auf der 9. Das grundlegende Spielgefühl hat sich nicht geändert. Die Handlung wirkt nun vergleichsweise runder, ist dafür an vielen Stellen aber vorhersehbar, was im originalen Handlungsstrang in meinen Augen weniger der Fall gewesen ist. Der beißende Humor der Dämonen, die teils sehr intensiven Kämpfe und die mystische Welt Da'at sind aber wahre Garanten für eine unterhaltsame Spielzeit im oberen zweistelligen Bereich – sogar im dreistelligen, wenn man jeden Stein in Da'at umdrehen will. Fans von rundenbasierten Rollenspielen wie Pokémon sollten hier dringend zuschlagen, sofern noch nicht geschehen, denn Shin Megami Tensei V ist für mich eine geradezu perfekte Alternative zu den lieblichen Taschenmonster, nur eben für Erwachsene und eingefleischte Genre-Kenner. Interessenten empfehle ich, sofern möglich, eine andere Konsolen-Version zu wählen, um das Maximum aus dem Vollpreis zu holen.
Mein persönliches Highlight: Die langsame Eskalation einer bekannten Handlung und die frevelhafte Existenz von Yoko Hiromine

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Kommentare 10

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  • Vank84man

    Nintendo Fan 4ever ✌

    Ein schöner Testbericht :thumbup:

    SMT 5 Vengeance mit einer sehr guten 9 in der Bewertung ist völlig verdient.

    Hoffe ich werde die Zeit finden es zu spielen.

    Ist wirklich ein sehr schönes JRPG

  • Persona non grata

    Gast

    Ein sehr guter Test. Auch die Kritik an der Release-Politik spricht mir aus der Seele und ist ein Grund, warum ich es bisher nicht gekauft habe, und das erst machen werde wenn es für 20€ oder so zu haben ist. Ich mochte das "Original" durchaus, und hätte Lust Vengeance zumindest anzuspielen. Zumal ich Atlus und deren Spiele grundsätzlich mag. Aber nochmal Vollpreis ist es mir da halt dann auch wieder nicht wert. Alternativ wäre eine technisch bessere Switch 2 Version im kommenden Jahr eine Option, falls diese kommt. Da wäre ich bei einem spürbaren technischen Upgrade auch wiederum bereit etwas mehr auszugeben.

  • BANJOKONG

    Jrpg's Hunter!

    Vielen dank an die NTower Redakteure zu Test von smt 5 v!

    Ich besitze ja das Standard original Version und werde es nicht zum vollpreis holen .

  • Ande

    Meister des Turms

    Ich bin froh, habe ich damals nicht sofort zugeschlagen. Jetzt warte ich noch etwas weiter, bis der Preis von Vengeance auch etwas fällt.

    Wenn Atlus diese Politik weiterverfolgt, dann müssen sie sich in Zukunft nicht wundern, wenn die Leute ihre Spiele nicht mehr zum Start kaufen.

    Bei Monster Hunter hat es Capcom vorgemacht, dort gibt es im Handel eigentlich auch nur noch die Version mit Erweiterung, aber wer die alte Version hat kann jederzeit Upgraden.

  • Fire12

    Fauler Kater

    Sprang mir letzte Woche beim Einkaufen ins Auge

    Vollpreis(60€) ging für mich in Ordnung

    da ich es bis heute nicht geschafft habe das original zu daddeln^-^'

  • Sir Tonberry

    Turmritter

    Ich habe Shin Megami Tensei V noch sealed in meiner Sammlung stehen und bin bislang nicht dazu gekommen. Habe mich auch schon gefragt welche Version ich denn spielen soll als ich hörte dass Vengeance erscheint. Durch den Vollpreis scheidet diese Variante aber wohl aus.

  • Oblomov

    Polygon love

    Ich habe Shin Megami Tensei V noch sealed in meiner Sammlung stehen und bin bislang nicht dazu gekommen. Habe mich auch schon gefragt welche Version ich denn spielen soll als ich hörte dass Vengeance erscheint.

    In genau dem gleichen Dilemma stecke ich auch.. Sollte ich SMT Vengeance mal zu einem guten Preis im Handel entdecken, werde ich wohl upgraden.

  • Chri1986

    Turmheld

    Habe schon wieder 40 Stunden drin versenkt und bereue den erneuten Vollpreis überhaupt nicht.

    In meinen Augen bietet das Game von allem einfach mehr und wurde Quality of Live mässig massiv aufgewertet.

    Wenn man also das Original mochte lohnt es sich imo schon nochmal, alleine der sehr umfangreiche neue Soundtrack ist wieder grandios geworden.

    Würde gerne mal den 3ds Teil zocken, soll ja auch sehr gut sein.

  • AndreasJapan

    Turmbaron

    Seit letztes Jahr unterstütze ich es nicht mehr, wenn Entwickler bezüglich Ports und Remaster kundenunfreundlich agieren.


    In diesem Fall ist es die Tatsache, dass man sich kein Upgrade kaufen kann. Ich habe schon SMT V zum Vollpreis und die DLC gekauft.


    Klar gibt es hier neuen Content, trotzdem kann man bei anderen Publishern die Zusatzinhalte separat erwerben wie bei Monster Hunter und wieder andere nehmen nur 10€ für Upgrades, manche sogar gar nichts.


    Ich würde also höchstens 20€ für die Zusatzinhalte ausgeben, vielleicht auch 25€.


    In diesem Fall warte ich, bis es einen starken Preisverfall hatte oder im GamePass landet.

  • TWolfeye

    Turmritter

    Danke für den ausführlichen Test. Es scheint tatsächlich viel guter Content und QQL nachgereicht worden zu sein. :)


    Aber für 60€ und keine dlc Option auf der Switch… so was möchte ich iwie nicht unterstützen :(