Test zu Peglin - Nintendo Switch
Von steinewerfenden Goblins
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27. September 2024 um 15:00 - Florian McHugh
Rogue-lites gibt es mittlerweile in allen Farben und Geschmacksrichtungen. Sei es als Slot-Maschinen-Spiel (Luck be a Landlord), als Poker-Legespiel (Balatro) oder, oder, oder. Mittlerweile gibt es eigentlich kein Genre, das nicht mit dem wiederkehrenden Spielprinzip in Berührung gekommen ist. Da dürfte auch nicht verwundern, dass sich Peglin das beliebte Genre des namensinspirierenden Peggle geschnappt und mit Rogue-lite Elementen verbunden hat. Wir erklären euch, wieso der Titel zwar durchaus die übliche Sog-Spirale aufbauen, aber auf Dauer dann eben doch nicht durchgehend fesseln kann.
Drachen sind gierig. Smaug saß beim Hobbit auf seinem Berg aus Gold, der aus dem gleichnamig bekannten Webcomic bekannte Slack Wyrm kann sich ebenfalls kaum von seinem goldenen Thron aufmühen und gefühlt jeder zweite Drache hat neben jungfräulichen Prinzessinnen ein Faible für das glitzernde Kleinod. Keine Überraschung also, dass die Drachen die namensgebenden Peglins regelmäßig um ihr mühsam Erspartes berauben und dabei auch noch deren Population dezimieren. Doch damit soll nun Schluss sein! Ein mutiger grüner Geselle macht sich auf, den fliegenden Reptilien das Handwerk zu legen, und ihr sollt ihn zum Ziel geleiten.
Erschwert wird dieses an sich noble Unterfangen dadurch, dass eure Spielfigur nur mit ein paar Steinen bewaffnet ist, mit denen diverse Gegner besiegt werden wollen. Spielerisch haben sich die Entwickler einen originellen Kniff ausgedacht und das Spielprinzip von Peggle mit Rogue-lite-Mechaniken verknüpft. Zur kurzen Auffrischung: In dem Arcade-Klassiker schießt ihr eine Kugel vom oberen oder unteren Bildschirmrand und versucht, mit möglichst wenig Versuchen unzählige kleine Spielsteine zu erwischen, bis keine mehr übrig sind. Peglin gibt euch theoretisch unendlich viele Versuche; praktisch gibt es im oberen Spielbereich jedoch eine Anzahl an Gegnern, die euch rundenweise Schaden zufügen und dadurch besiegt werden, indem ihr möglichst viele Steine mit einem Schuss abräumt. Damit keine Langeweile aufkommt, gibt es neben speziellen Steinen, die kritischen oder Flächenschaden verursachen, auch solche, die das Spielfeld wieder komplett aufbauen oder euren Ball in schwarze Löcher ziehen.
Doch nicht nur die Spielsteine, auch eure Bälle können modifiziert werden. Im Laufe eines jeden Durchgangs könnt ihr neue Bälle, die ihre eigenen Spezialeffekte mit sich bringen, kaufen oder freischalten. Sei es Gift- Feuer- oder Explosionsschaden, eine völlig veränderte Ballphysik, Rüstungsboni und viel mehr. Peglin kommt mit einer großen Anzahl an Bällen daher, die sich auch verbessern und teilweise modifizieren lassen. Mein persönlicher Favorit: der Transformer-Ball, den ihr aus verschiedenen Einzelbällen zusammenbastelt und am Ende zur Schadensschleuder wird. All dies ist jedoch auch notwendig, denn eure Widersacher kommen in unterschiedlichster Form daher und haben meist auch die eine oder andere spezielle Angriffs- oder Verteidigungstaktik in petto, auf die ihr eingehen müsst. Während sich manche Gegner in der Luft befinden und dadurch mit normalen Attacken nicht erreichbar sind, bleiben die Leichen von Baumgegnern liegen und dienen den übrigen Feinden als Schild. Die Krone dieser Ideenvielfalt stellen die Bosse dar, die das Spielfeld meist auch thematisch dominieren und mit einigen knackigen Herausforderungen daherkommen. Hier wird kreativ mit verschiedenen Ideen gespielt, euch das Leben zu erschweren, ohne dass Monotonie aufkommt.
Und so schlagt ihr euch von Welt zu Welt, die jeweils aus diversen Leveln bestehen, die in rogue-lite-typischer Baumstruktur aufgebaut sind. Ziel ist es, so weit wie möglich an den bösen Drachen heranzukommen und diesen zu besiegen. Ebenfalls genretypisch könnt ihr neue Inhalte freischalten, wenn auch deutlich reduzierter und mit mehr Aufwand. Neben eurem Standard-Peglin stehen euch weitere zur Verfügung, deren Freischaltkriterien es jedoch in sich haben. So müsst ihr zum Beispiel in einem Kampf eine bestimmte Anzahl an Rüstung aufweisen, einem einzelnen Gegner eine Menge an Giftschaden aufhalsen und so weiter. Hier lassen die Entwickler die sonst spürbare Kreativität deutlich vermissen. Auch die Langzeitmotivation könnte beim einen oder anderen unter euch etwas leiden, denn Peglin bringt einen Schwierigkeitsgrad mit sich, an dem man teils zu knabbern hat. Das ist gut für all diejenigen, die nach einer Herausforderung suchen, für die Sorte Spieler, die „nur mal schnell eine Runde spielen wollen“, könnte es jedoch aufgrund der Tatsache, dass ein Durchlauf durchaus einiges an Zeit fressen kann, zu Frust kommen. Bis es jedoch so weit ist, dürfte die gefürchtete Suchtspirale ihr Übriges tun; zumindest in meinem Fall wollte ich die Nintendo Switch abends oft nur widerwillig beiseitelegen, um endlich zu schlafen – die eine Runde wollte noch zu Ende gespielt werden.
Grafisch kommt Peglin in der mittlerweile allseits bekannten Pixeloptik daher, die ich gar nicht erst bewerten möchte, da sie reine Geschmackssache ist. Auf mich hat sie einen runden Eindruck gemacht und die Liebe zum Detail, die in den kleinen Schlachtfeldern bewiesen wird, hat durchaus Charme versprüht. Die Grafik bringt mit sich, dass das Spiel durchgehend flüssig läuft; einzig die Ladezeiten könnten etwas kürzer ausfallen. Musikalisch wartet das Spiel mit einigen fetzigen Titeln auf, die sich mir ins Gehirn gebrannt haben, vor allem das metal-lastige Theme der zweiten Welt. Die Steuerung wurde ebenfalls gut umgesetzt, sodass ihr mit den Analogsticks teilweise millimetergenau zielen und den Ball in die gewünschten Bahnen lenken könnt. Fans deutscher Lokalisationen dürfte es zudem freuen, dass alle Texte des Spiels übersetzt wurden.
Unser Fazit
8
Ein Spiele-Hit