Test zu Worms Armageddon: Anniversary Edition - Nintendo Switch
Auch nach 25 Jahren immer noch spitze
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30. Oktober 2024 um 16:00 - Florian McHugh
Wir schreiben das Jahr 1999 und der damals 13-jährige Florian sitzt zusammen mit mehreren Schulfreunden zusammen vor einem PC. Wäre seine Mutter nun ins Zimmer gekommen, wäre sie mit hochroten Köpfen, lautem Gefluche und gleichzeitigem Gelache konfrontiert worden, denn entgegen ihrer Erwartung wurde da nicht das Benjamin Blümchen Reporterspiel gespielt, nein, viel schlimmer: Schusswaffen, Blut, Raketen, Teleporter sowie explodierende Schafe … und in all diesem Getümmel: Würmer. Nun gut, ich bin mir recht sicher, dass meiner Mutter schon damals klar war, dass wir keine Lernspielchen am PC gespielt haben, aber dass es in einem der damals angesagtesten Lokal-Multiplayer-Titeln darum ging, dass sich Würmer gegenseitig an die Gurgel gehen, hatte sie sicher nicht auf dem Schirm. 25 Jahre ist es also her, dass ich damals mit meinen Freunden Worms Armageddon gespielt habe, und nun könnt ihr das mit der Anniversary Edition ebenfalls auf der Nintendo Switch. Und das macht trotz längerer Ladezeiten und leicht hakeliger Steuerung immer noch genauso viel Spaß wie früher.
Am gängigen Spielprinzip des Klassikers hat sich bis heute wenig verändert: Ihr bekämpft mit einem Team an Würmern entweder ein von der KI gesteuertes Team oder ihr rangelt euch mit menschlichen Mitspielern. Dabei ist je ein Wurm aus jedem Team reihum dran und kann innerhalb eines begrenzten Zeitfensters mithilfe verschiedener Waffen und Hilfsmitteln Schaden am gegnerischen Team anrichten. Die einzelnen Würmer sind dabei völlig willkürlich auf den sehr zweckdienlichen Karten verteilt. Das Team, das am Ende noch mit mindestens einem Wurm auf dem Feld steht, hat gewonnen. Damals wie heute sind die Spielregeln schnell zu verstehen und auch die Steuerung hat man nach kurzer Zeit inne. Dabei ist Worms allerdings auch ein klassischer Vertreter des Prinzips „easy to learn, hard to master“ – jeder Spieler kann seinen Wurm problemlos zum nächsten Gegner bewegen, eine Dynamit-Stange neben ihm fallen lassen und dann schnell fliehen. Erfahrenere Haudegen schwingen sich hingegen mithilfe eines Ninja-Seils erst einmal in sichere Höhen, werfen dann eine Handgranate geschickt in einem genau kalkulierten Bogen zum Gegner und bringen sich danach in den letzten Sekunden in Sicherheit. Spaß hat dabei jeder, doch je komplexer die Manöver werden, umso spannender gestalten sich auch die Matches.
Für Komplexität sorgen auch die bis zu 46 Waffen, die teils von Anfang an zur Verfügung stehen, teils zufällig über dem Schlachtfeld in Kisten abgeworfen werden. Und diese Vielfalt war es schon immer, die Worms’ chaotischen Mehrspielerschlachten in die Hand spielte. Denn die Entwickler haben sich damals wie heute nicht allzu ernst genommen und so findet sich unter anderem die Heilige Handgranate aus Monty Python, ein Superschaf, das ihr fliegend durch den Level lenken könnt, oder ein Esel aus Zement, der vom Himmel fällt und alles unter sich begräbt. Zusätzlich spielt eine grundlegende Physik mit in die Manöver hinein. Wer eine Handgranate über einen weiten Bogen werfen möchte, muss nicht nur beachten, dass sie nicht zu früh in der Luft explodiert, sondern dass der Wind sie nicht wieder zurückweht. Und so entstehen Schlachten, die mitunter in ziemlichem Chaos enden können und wo am Ende kein Stein auf dem anderen bleibt.
Fernab der launigen Multiplayer-Matches könnt ihr auch in diversen Einzelspieler-Missionen euer Können unter Beweis stellen. Darin müsst ihr entweder Partien gegen die KI überstehen oder bestimmte Rahmenziele erfüllen. Wer sich in den Feinheiten des Spiels verbessern will, wird hier sicher einen Mehrwert finden, doch pure Solisten dürften schnell gelangweilt sein. Ein eher lustiges Gimmick ist die Handheld-Version, in der ihr eine Game Boy Color-Version des Spiels ausprobieren dürft. Doch mehr ist das Ganze dann auch nicht, denn diese Version spielt sich enorm friemelig und bietet, bis auf das Retro-Erlebnis, keinen wirklichen Mehrwert. Wer sich hingegen mehr für die Worms-Reihe an sich interessiert, darf in den Kriegstagebüchern stöbern. Dahinter verbirgt sich ein kleines digitales Museum, in dem die Entstehungsgeschichte der Serie in Form von Beiträgen, Fotos und Videos erzählt wird. Hier erfährt man auch die eine oder andere interessante Anekdote.
Und wie spielt sich das Ganze nun von der technischen Seite her? Wie zu erwarten, ist die Grafik hinter Armageddon keine, die die Nintendo Switch zum Schwitzen bringen dürfte, und das tut sie auch nicht. Zwar dauern die anfänglichen Ladevorgänge etwas länger, aber ist einmal ein Spiel gestartet, läuft das Geschehen flüssig auf dem Bildschirm ab. Die Steuerung war zumindest für mich, der die Reihe nur mit Maus und Tastatur kennt, anfangs etwas gewöhnungsbedürftig. Doch nach ein paar Matches wusste ich die Controller-Steuerung dann schon fast zu schätzen, da man hiermit relativ präzise zielen und arbeiten kann. Das Spiel wurde zudem komplett eingedeutscht, sodass keine Sprachbarriere entstehen dürfte.
Unser Fazit
8
Ein Spiele-Hit