Test zu Romancing SaGa 2: Revenge of the Seven - Nintendo Switch
Ein generationsübergreifendes Abenteuer von Square Enix
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6. November 2024 um 13:00 - Niels Uphaus
Wenn man an RPGs von Square Enix denkt, fallen einem wohl zuerst Final Fantasy und Dragon Quest ein. Das japanische Studio hat jedoch deutlich mehr Rollenspiele zu bieten. Neben meinem Lieblingsbeispiel Xenogears gibt es seit 1989 eine Serie, die parallel zu Final Fantasy läuft und auf den Namen SaGa hört. Im Westen sind die ersten Teile deshalb auch als Final Fantasy Legend bekannt, erst später erhielt die Serie auch hierzulande ihren richtigen Namen. Der erfolgreichste Teil ist das 1993 erschienene Romancing SaGa 2, dessen Super Famicom-Original es nie in den Westen geschafft hat. Eine überarbeitete Version wurde jedoch 2017 unter anderem für die Nintendo Switch veröffentlicht. Mit Romancing SaGa 2: Revenge of the Seven könnt ihr nun ein komplettes Remake des Abenteuers erleben, welches wir uns in diesem Spieletest anschauen.
Vor langer Zeit retteten sieben Kämpfer, später als die sieben Helden bekannt, die Welt vor einer Monsterinvasion, verschwanden jedoch kurz nach ihrer heroischen Tat. Tausend Jahre später kehren sie jedoch in Form von Monstern zurück und terrorisieren die Welt von Romancing SaGa 2. In diesem Chaos schlüpft ihr in die Rolle von Gerald, einem von zwei Söhnen des Kaisers Leon des kleinen Reiches Avalon. Nach einem Aufeinandertreffen mit einem der Helden wandert die Krone zum jungen und unerfahrenen Gerald, der jedoch dank einer besonderen Fähigkeit das Wissen seines Vaters erben und so in die Schlacht ziehen konnte, um den Helden zu bezwingen.
Romancing SaGa 2 ist ein klassisches rundenbasiertes RPG. Ihr erkundet Städte, offene Gebiete und Dungeons und bezwingt Monster, im Spiel als Unholde beschrieben, und ihre Anführer. Unholde tauchen auf der Oberwelt auf. Kommt es zum Kontakt, wechselt ihr in einen separaten Kampfbildschirm. Dort könnt ihr entweder mit Waffen wie Schwertern, Bögen, bloßen Fäusten und mehr euren Widersachern Schaden zufügen. Auch Magie verschiedener Elemente wie Wasser, Feuer, Licht etc. können eure Charaktere erlernen, wobei jeder Gegner standesgemäß auch seine Schwächen hat. Neben effektiven Angriffen kann auch kritischer Schaden ausgeführt werden und manche Techniken haben als zusätzlichen Effekt bestimmte Stärken gegen ausgewählte Monsterklassen wie Untote, die dann besonders viel Schaden austeilen.
Am oberen Rand des Bildschirms seht ihr eine Leiste, die euch anzeigt, welcher Charakter, sei es ein Mitglied eurer Fünfergruppe oder aber ein Gegner, als Nächstes angreift. Techniken und Zauber benötigen sogenannte KP, Kampfpunkte, um eingesetzt zu werden. Warum man sich ausgerechnet für die Abkürzung KP entschieden hat, ist mir schleierhaft. Eure Lebensenergie wird hingegen als TP, Trefferpunkte, angezeigt. Wandern diese auf 0, verliert ihr ein Leben. Sind alle Lebenspunkte aufgebraucht, stirbt euer Held dauerhaft. TP heilen sich automatisch nach jedem Kampf, KP hingegen nur in Heilfeldern, mit Items oder in Gasthäusern und LP lassen sich bis auf wenige Ausnahmen gar nicht mehr aufladen. Neben Schaden können auch Statusveränderungen ausgelöst werden, die zum Beispiel dafür sorgen, dass ihr eure eigenen Verbündeten angreift. Auch solche Effekte enden spätestens nach dem Kampf. Für massiven Schaden gibt es die sogenannten vereinten Kettenangriffe. Setzt ihr genug effektive Angriffe ein, füllt sich die Rage-Leiste. Ist diese voll, könnt ihr zwei Angriffe hintereinander mit einem deutlich höheren Schadenswert ausführen. Füllt ihr die Leiste dann ein zweites Mal, können gleich drei Attacken eingesetzt werden. Im Laufe des Spiels schaltet ihr dann sogar die Option frei, vier und sogar fünf Attacken hintereinander einzusetzen.
Neben klassischen Kämpferklassen wie der Infanterie könnt ihr auch andere Talente wie Tänzer rekrutieren
© Square Enix
Bezwingt ihr die Gegner, erhaltet ihr Technikpunkte. Romancing SaGa 2 hat kein klassisches Level Up-System, stattdessen werden eure Waffen- und Zauberfähigkeiten dauerhaft verstärkt, wenn ihr Angriffe dieser Art während eines Kampfes eingesetzt habt. Mit der Zeit steigt auch die Anzahl an TP und KP, zudem erlernt ihr weitere Techniken. Die Grundattribute Stärke, Geschick, Tempo, Ausdauer und Magie können hingegen nicht erhöht werden. Ein besonderes Feature sind die Ausweichtechniken. Manchmal weichen eure Kämper bestimmten Angriffen aus. Mit etwas Glück können sie sich die Technik dann merken und diesem speziellen Angriff dauerhaft ausweichen. Ihr könnt jedoch maximal vier Ausweichtechniken gleichzeitig beherrschen. Kämpfe können auch beeinflusst werden, wenn ihr verschiedene Kampfformationen einnehmt. Stehen einige eure Verbündeten beispielsweise weiter vorne, ist die Chance, dass sie angegriffen werden, deutlich höher. Im Laufe des Spieles schaltet ihr eine Vielzahl möglicher Formationen frei.
Wir haben nun schon öfters über die verschiedenen Kämpfer gesprochen, die den Kaiser begleiten. Das Spiel bietet etliche Charakterklassen wie Infanterie, Waldläufer, Bogenschützen, Magier und ähnliches. Im Laufe des Spieles schaltet ihr durch Nebenmissionen weitere Klassen frei. Diese haben bereits bestimmte Affinitäten zu gewissen Waffen und Zauberelementen, lassen sich jedoch auch weiter aufleveln. Da sich die Grundattribute jedoch nicht verstärken lassen, wird ein Magier immer stärkere Zauber ausführen können als ein einfacher Soldat.
Die Geschichte von Romancing SaGa 2 spielt über viele Epochen. Nachdem ihr als Herrscher eine gewisse Anzahl an Taten vollbracht habt, gibt es einen Zeitsprung. All eure Helden und eure Verbündeten sind tot und ihr übernehmt die Rolle des nächsten Kaisers. Ihr habt dabei die Auswahl zwischen verschiedenen Kämpferklassen, die Herkunft scheint in Avalon seit dem Tod von Gerald wohl keine Rolle zu spielen. Umso mehr Klassen ihr freischaltet, desto mehr Optionen stehen euch zur Verfügung. Es wird zudem zwischen männlichen und weiblichen Charakteren entschieden. Manchmal lassen sich manche Missionen nur als Frau ausführen, ein anderes Mal könnt ihr nur als Korsare eine Quest annehmen. Nicht ausgewählte Helden könnt ihr in der Taverne eurem Team hinzufügen. Diese haben Zugriff auf bereits erlernte Techniken ihrer Vorgänger und erhalten auch ihr Equipment. So gesehen ist der Zeitsprung vom Gameplay her eher eine Belastung als ein Feature.
In den rundenbasierten Kämpfen trefft ihr auf eine große Auswahl an Gegnern, die jeweils eigene Stärken und Schwächen haben
© Square Enix
Das Bezwingen aller sieben Helden ist euer übergeordnetes Ziel, es ist aber auch durchaus möglich, dass ihr ganze Epochen durchschreitet, ohne auf einen von ihnen zu treffen. Romancing SaGa 2 folgt keinem linearen Pfad, ihr könnt Quests in unterschiedlicher Reihenfolge annehmen. Helft ihr bestimmten Volksgruppen, schließen sich diese im besten Fall eurem Reich an, was eure Umsätze erhöht, die ihr zum Beispiel dazu nutzen könnt, um in eurem Kaiserreich eine Schmiede oder eine Universität zu bauen, um bessere Ausrüstungsgegenstände zu erhalten. Deren Entwicklung kann jedoch mehrere Jahrhunderte in Anspruch nehmen, es ist also nicht unwahrscheinlich, dass erst eure Nachfolger in den Genuss der Früchte eurer Arbeit kommen. Weitere Belohnungen von Missionen sind neue Charakterklassen oder Kampfformationen. Es erschließt sich aus den Aufgaben nicht, welche von ihnen relevant sind, um zum nächsten der sieben Helden vorzustoßen. So löst man ganz von selbst auch optionale Quests. Es gibt beim Lösen der Probleme oftmals nicht nur einen Weg, manche eurer Entscheidungen haben zudem einen Einfluss auf Ereignisse, die viele Jahre später erst einen Effekt haben.
In der Welt von Romancing SaGa 2 könnt ihr nicht nur mit Menschen kommunizieren, Items aufsammeln und Monster und Bosse bezwingen, ab und an findet ihr auch Terminals, die euch einen Blick in die Vergangenheit ermöglichen. Diese zeigen euch, wie die sieben Helden zusammengekommen sind, um die Bedrohung der damaligen Zeit auszumerzen. So erfahrt ihr aber auch, warum die eigentlichen Erlöser in der Gegenwart zu Unholden geworden sind. Das Auffinden dieser Aufzeichnungen ermöglicht es zudem, weitere Fähigkeiten und neue Klassen freizuschalten. Es lohnt sich also, sie alle zu finden.
Romancing SaGa 2: Revenge of the Seven bietet noch eine Vielzahl weiterer Mechaniken, mit denen ich das Review noch strecken könnte. Allerdings sind dies Dinge, die ihr selbst erleben solltet. Doch wie ist meine Meinung nach gut 40 Stunden Spielzeit? Diese Frage ist nicht so leicht zu beantworten. Mein größter Kritikpunkt ist die Zeitsprung-Mechanik. Gameplaytechnisch hat sie nur bedingt einen Einfluss und für die Story ist sie eine große Belastung. Das liegt daran, dass der Titel eine gelungene englische und japanische Sprachausgabe hat, nach Gerald jedoch kein Herrscher mehr sprechen kann. Der Aufwand, alle anderen Zwischensequenzen mit jedem möglichen Charakter zu synchronisieren, wäre wahrscheinlich zu groß gewesen. Andere Personen sprechen also auch weiterhin, aber der zentrale Charakter der Geschichte, ihr, der Kaiser, schweigt und hat nur in Textform die Auswahl, die Story zu beeinflussen. Das ist das genaue Gegenteil von dem, was man in den ersten Spielstunden erlebt, in welchen die Story mit ihren Zwischensequenzen eine zentrale Rolle einnehmen darf.
Square Enix kann man jedoch nur bedingt einen Vorwurf für diese Entscheidung machen. Romancing SaGa 2 erschien ursprünglich für das Super Famicom, das nie eine Sprachausgabe hatte. Das Wechseln des Kaisers hat also nie wirklich einen Einfluss auf die übergeordnete Präsentation der Story gehabt. Das Entwicklerteam des Remakes hatte nun die Auswahl, diese Kernmechanik zu übernehmen und die Immersion damit einzuschränken oder das gesamte Konzept über den Haufen zu werfen. Um Fans nicht zu verärgern, war jedoch nur Option 1 die korrekte Auswahl.
Die Zeitsprünge führen jedoch oft zu kuriosen Situationen. So kann das Lösen mancher Probleme, wie etwa die Reparatur einer zerstörten Handelsbrücke, um Hunderte Jahre aufgeschoben werden. Manche Quests wiederum lassen sich nur mit dem Kaiser lösen, der sie auch begonnen hat. Solltet ihr genug andere Aktivitäten ausgeführt haben und damit einen Generationswechsel einleiten, verliert ihr dauerhaft Zugriff auf die Mission. Generell ist es unmöglich, die 100 % in einem Spieldurchlauf zu erhalten. Das beinhaltet nicht nur Quests, sondern ganze Charakterklassen, auf die ihr verzichten müsst.
Romancing SaGa 2: Revenge of the Seven bietet etliche Gebiete, die ihr erkunden könnt. Diese sind entweder durch Wege oder über eine Karte miteinander verbunden, eine Open-World habt ihr nicht vor euch. Viele der Gebiete, ganz besonders die Dungeons, sind zudem linear, was das freie Erkunden etwas einschränkt. Grafisch ist das Spiel ansprechend, auch wenn ich manchmal das Gefühl hatte, ein Remake eines Wii-Titels vor mir zu haben. Der Soundtrack hingegen ist großartig. Neben den neu aufgelegten Tracks habt ihr auch die Option, die ursprüngliche Musik auszuwählen.
Unser Fazit
8
Ein Spiele-Hit