Test zu LEGO Horizon Adventures - Nintendo Switch
Die beliebte Spielreihe von Sony betritt unbekannte Gefilde
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5. Dezember 2024 um 12:00 - Krispin Berndt
Seit der Veröffentlichung von Horizon Zero Dawn im Jahre 2017 und mit dem Sequel Horizon Forbidden West 2022 entwickelte sich die Spielreihe von Guerrilla Games zu einem der größten Aushängeschilder von PlayStation. Nach dem Launch der beiden Spiele auf dem PC besucht Protagonistin Aloy nun erstmals die Gefilde der Nintendo Switch – ein für Sony Interactive eher ungewöhnlicher Schachzug. Der Schlüssel dazu liegt in den Händen von LEGO, denn mit LEGO Horizon Adventures transferiert das dänische Unternehmen das Action-Adventure in die Klemmbausteinwelt.
Damit der Elefant im Raum für das folgende Review genügend Platz zur Entfaltung bekommt, beantworten wir gleich zu Beginn eine der wohl meist gestellten Fragen: Nein, LEGO Horizon Adventures erzählt kein brandneues Abenteuer von Aloy. Im Grunde handelt es sich dabei lediglich um eine simple Nacherzählung der Ereignisse aus Horizon Zero Dawn – ummantelt von dem bekannten und beliebten Humor vergangener LEGO-Spiele.
Bereits zu Beginn gibt es ein Wiedersehen mit alten Bekannten: Den Langhälsen aus Lego-Steinen
© PlayStation / LEGO
Dennoch ist LEGO Horizon Adventures, wie die „große Schwester“, ein klassisches Action-Adventure. Spielt im Vergleich aber nicht in der Third-Person-, sondern größtenteils in der isometrischen Perspektive. Die Spieler schlüpfen in die Rolle der Protagonistin Aloy, die im jungen Alter in einer postapokalyptischen und von Maschinen kontrollierten Welt von der Stammesführerin Teersa gefunden wurde. Der Stamm der Nora nimmt Aloy stets als Außenseiterin wahr, jedoch findet sie einen geborgenen Platz an der Seite ihres Mentors Rost – außerhalb des Dorfes Mutterherz. Im späteren Alter möchte Aloy mehr über ihre Herkunft erfahren und beschließt, sich im Dorf auf die Suche nach Antworten zu machen.
Wie es der Zufall möchte, wird ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt das Dorf von dem feindlichen Carja-Stamm überfallen, zerstört und ein Großteil der Bewohner entführt. Darunter auch die Stammesführerin Teersa. Hier beginnt das Abenteuer von Aloy auf der Suche nach den Bewohnern des Nora-Stammes und nach Antworten zu ihrer Herkunft. Das Retten der Welt dürfte zunächst das kleinste Problem sein: Die Antagonisten Helis und der verborgene Schatten planen Übles mit den Maschinenwesen und entwickeln sich schnell zu einer der größten Bedrohungen der Menschheit.
Die Schauplätze in LEGO Horizon Adventures bestehen aus einzelnen Gebieten, die nacheinander für das erfolgreiche Vorankommen bereist werden müssen. Eine große, offene Spielwelt sollte nicht erwartet werden. Die einzelnen Level der Gebiete sind recht schlauchartig aufgebaut und lassen damit nur wenig Spielraum für spannende Erkundungstouren. Manchmal können in Seitenwegen Truhen mit Noppen – die Spielwährung – als Belohnung gefunden werden. Zusätzlich gibt es verteilt kleinere, zusammengefallene Bausätze, die mit einem simplen Tastendruck wieder aufgebaut werden können und anschließend ebenfalls eine Portion Noppen als Belohnung ausspucken. Versteckt sind die „Geheimnisse“ aber nicht, alternative oder zusätzliche Routen werden immer mit herumliegenden silbernen Noppen offensichtlich zur Schau gestellt.
Im Gegensatz zu LEGO 2K Drive, in welchem LEGO-Steine zuletzt in eine „reale“ Welt gesetzt wurden und ein wenig wie Fremdkörper in der Spielwelt wirkten, besteht die postapokalyptische, aber ziemlich farbenfrohe Welt von LEGO Horizon Adventures vollständig aus den Klemmbausteinen. Die lebendigen Umgebungen in einer eigentlich heruntergekommenen Welt sowie einer blühenden Flora und Fauna sorgen stets für eine passende Atmosphäre und sind ein visuelles Highlight – sogar auf der Nintendo Switch. Die vielen verschiedenen, aber durchweg feindseligen Maschinen aus Horizon Zero Dawn wurden originalgetreu nachgebaut und müssen jeweils auf ihre eigene Art und Weise besiegt werden – meist durch das Treffen ihrer hervorgehobenen Schwachstellen.
Am Ende eines Kapitels stellen stärkere Endbosse mit verschiedenen Angriffsmustern euer Können auf die Probe
© PlayStation / LEGO
Hier offenbart LEGO Horizon Adventures aber ebenfalls eine größere Schwachstelle: Die Kämpfe gegen die Maschinen und feindlich gesinnten Menschen. Beispielsweise kann Aloy lediglich mit ihrem Bogen angreifen, aber keinerlei Nahangriffe ausführen – und auch die Bewegungsabläufe der Protagonistin sind sehr begrenzt. Außer in hohen Gräsern verstecken und einem einfachen Sprung besitzt Aloy keine dauerhaften Fähigkeiten, die für Bewegungsfreiheit oder Abwechslung in den Gefechten sorgen könnten.
Im späteren Spielverlauf können weitere „besondere“ Waffen wie ein Feuer-Bogen, der Gegner oder hohes Gras in Brand steckt, oder ein Schock-Bogen, der Gegner vorübergehend außer Gefecht setzt, gefunden werden. Dazu gesellen sich temporäre „Fähigkeiten“ wie ein Steinetrenner oder Granaten für Flächenschaden sowie ein „Dash“, mit dem in eine Richtung ausgewichen werden kann. Spezialwaffen und Fähigkeiten können durch Zufall in Schatzkisten gefunden werden, besitzen aber nur eine begrenzte Haltbarkeit für eine maximale Anzahl an Einsätzen, höchstens jedoch bis zum Ende des Levels. Zumindest können Verbesserungen wie mehr Schaden oder höhere Reichweite im Tausch gegen Noppen verbessert werden – ähnlich dem Talente-Baum in Horizon Zero Dawn.
Sollte das Kämpfen mit dem Bogen schnell zur Langweile führen, schalten sich im Laufe des Spiels automatisch neue Wegbegleiter und damit weitere spielbare Charaktere mit anderen Angriffsstilen und Waffen frei. Wer auf der Suche nach Herausforderungen ist, kommt mit den unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden auf seine Kosten. Es gibt den Schwierigkeitsmodus „Story“ für alle Spieler, die mehr an der Geschichte interessiert sind, „Späherin“ für eine kleine Herausforderung, „Abenteurerin“ sorgt für eine angenehme Balance zwischen Kampf und Geschichte, „Maschinenjägerin“ setzt noch einmal einen drauf und „Heldin“ liefert die größte Herausforderung überhaupt – laut der Beschreibung des Spiels. Der höchste Schwierigkeitsgrad sorgt in Kämpfen durchaus für ein paar Schweißperlen auf der Stirn. Der Spielspaß wäre aber auch trotz der unterschiedlichen Charaktere und den verschiedenen Schwierigkeitsstufen noch einmal um eine große Ecke höher, wenn die Kämpfe etwas dynamischer und vielfältiger wären.
Wer den Spielspaß teilen und möglicherweise sogar verdoppeln möchte, der kann sich im kooperativen Spielmodus zusammen mit einem weiteren Spieler vor der Nintendo Switch in die Abenteuer von Aloy und ihren Begleitern stürzen. Je nach Spielverlauf stehen insgesamt vier spielbare Charaktere zur Auswahl, mit denen alleine oder gemeinsam die komplette Geschichte durchgespielt werden kann. In Kombination mit dem höchsten Schwierigkeitsgrad „Heldin“ sind die Kämpfe, insbesondere die knackigen Bosse, dann auch nicht mehr ganz so stressig.
In Mutterherz können mit der Zeit die wiederaufgebauten Gebäude mit witzigen Accessoires aus der LEGO-Welt geschmückt werden
© PlayStation / LEGO
Das Dorf Mutterherz ist der Dreh- und Angelpunkt und sorgt zwischen den Erkundungstouren und den Kämpfen in den unterschiedlichen Schauplätzen für ein paar erholsame Spielminuten. Durch das Voranschreiten der Geschichte können in Mutterherz immer mehr Gebäude repariert und nach „eigenen Wünschen“ angepasst werden, allerdings nur mittels vorgegebener Blaupausen. Das Highlight unter den Gebäuden ist der Schneider mit zahlreichen Kostümen für die Charaktere, darunter bekannte Figuren aus der Ninjago- und City-Themenreihe von LEGO.
Bis auf die vorgegebenen Bausätze und das Farbschema können aber keine Gebäude umplatziert oder mittels der eigenen Kreativität Stein für Stein aus dem Boden gestampft werden. Einen großen Mehrwert besitzen diese damit nicht und dienen in den meisten Fällen nur optischen Zwecken. Das Anpassen der Gebäude, beispielsweise eine Achterbahn oder Riesenrad auf das Dach setzen oder die Farben ändern, sind ein netter Zeitvertreib für zwischendurch, möchte (un-)bewusst aber auch ein kleines bisschen von der sehr überschaubaren Spielzeit von LEGO Horizon Adventures ablenken.
Wer nur Interesse an der Geschichte hat und ohne große Umwege von Schauplatz zu Schauplatz springen möchte, der dürfte ungefähr sieben Stunden mit LEGO Horizon Adventures beschäftigt sein. Im Anschluss kann in den bereits erkundeten Gebieten auf erneute Maschinenjagd gegangen werden. Dort warten stärkere Versionen der Maschinen erneut auf ein Gefecht mit euch. Dadurch können weitere kosmetische Inhalte für das Dorf und die Charaktere freigeschaltet werden. Ist diese Aufgabe ebenfalls gemeistert, können die Level mit den Expeditionen ein drittes Mal besucht werden. Hier warten dann kleine neue Abschnitte auf euch, die in den ersten beiden Durchgängen mit einem Schloss versiegelt waren. Spätestens im 3. Durchlauf kommt aber die Ermüdung zum Vorschein. Dafür sind die zusätzlichen Abschnitte zu eintönig. Im Endeffekt ist alles nach der Geschichte bloß ein Zeitvertreib um für das investierte Geld, und hier sprechen wir immerhin von satten 70 Noppen, möglichst viele Spielstunden aus dem Abenteuer zu quetschen. Das Maximum an Inhalten dürfte im Schnitt so bei 13 Stunden erreicht sein, für alle, die wirklich jeden Winkel erkunden und alles freischalten möchten.
Die animierten Zwischensequenzen sowie die Vertonung in deutscher Sprachausgabe müssen zwingend positiv hervorgehoben werden. Die meisten LEGO-Videospiele sind bekannt für ihren großartigen Humor für Jung und Alt – und auch LEGO Horizon Adventures reiht sich nahtlos in diese Riege ein. Den Spieler erwartet eine Mischung aus aufwendig animierten Kurzfilmen und actionreichen Szenen. Sogar die kleinen Dialoge zwischen den Charakteren sowie der Sprecher der Geschichte im Off wurden allesamt vollständig vertont.
Obwohl es auf dem Bildschirm oftmals zur Sache geht, behält die Nintendo Switch auch in actionreichen Kämpfen das Oberwasser
© PlayStation / LEGO
Mittlerweile ist es wohl ein offenes Geheimnis, dass die Nintendo Switch keine außergewöhnlich leistungsstarke Konsole ist und viele Spiele, abgesehen derer von Nintendo selbst, oftmals in einem technisch haarsträubenden Zustand veröffentlicht werden. In diesem Falle braucht sich die portable Version von LEGO Horizon Adventures aber definitiv nicht verstecken – auch nicht vor der deutlich potenteren Konkurrenz.
Insbesondere im Handheld-Modus des OLED-Modells konnten die kräftigen Farben der Spielwelt überzeugen. Die klotzige Klemmbaustein-Optik kommt der technischen Limitation der Nintendo Switch definitiv zu Gute, auch wenn im Vergleich zur PlayStation 5-Version natürlich trotzdem kleine grafische Abstriche gemacht werden müssen. Dafür kam es in der überschaubaren Spielzeit zu keinerlei Rucklern, spürbaren Einbrüchen der Framerate oder gar zu Abstürzen des Spiels. Selbst ein Bildschirm voller Gegner zwang die Hybridkonsole zu keinem Zeitpunkt merklich in die Knie. Wenn etwas kritisiert werden müsste, wären es höchstens die Ladezeiten vor und nach den Gebieten. Diese könnten einen kleinen Augenblick kürzer ausfallen. Insgesamt haben die Entwickler großartige Arbeit geleistet.
Die Steuerung von LEGO Horizon Adventures ist relativ eingängig und tendenziell an die jüngere Zielgruppe angepasst. Durch das simple Kampfsystem sowie den überschaubaren Fähigkeiten der spielbaren Charaktere müssen sich zumindest keine unendlichen Tastenkombinationen gemerkt werden – was wiederum auch einigen eingerosteten Spielern etwas in die Karten spielen dürfte. Abseits der Vertonung der Zwischensequenzen und den Dialogen zwischen den Charakteren fällt die übrige Soundkulisse des Spiels nicht sonderlich auf. In weiter Entfernung plätschern leichte Klänge als Soundtrack vor sich hin, welcher sich nahtlos an das Spielgeschehen anpasst – gefolgt von den Unterhaltungen menschlicher Gegner oder den Rufen der Maschinen.
Unser Fazit
7
Spaßgarant