Test zu Farmagia - Nintendo Switch
Ein toller Genre-Mix, aus dem man mehr herausholen könnte
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26. Januar 2025 um 11:00 - Kerstin Steiner
Viele Spiele vermischen gerne verschiedene Genres, um das Gameplay spannend zu halten. Klassiker sind hier Action-Adventures oder Action-Rollenspiele, doch was Marvelous bei Farmagia alles untergebracht hat, sorgt auf den ersten Blick für Skepsis. Die einzelnen Elemente erinnern nämlich nicht nur an die Story of Seasons-Reihe, sondern auch an Rune Factory, denn in Farmagia müsst ihr nicht nur dem Landleben nachgehen, sondern auch mit angebauten Monstern gegen Feinde kämpfen. Hinzu kommen weitere Eindrücke aus verschiedenen, bekannten Spielen wie Pikmin oder Monster Hunter, wodurch Farmagia ein bunter Mix aus allem zu sein scheint. Klingt kurios und nach ein bisschen zu viel? Das dachte ich mir auch, als ich das Spiel gespielt habe, weswegen ich hier meine Erfahrungen mit dem Genre-Mix mit euch teilen möchte.
Im Mittelpunkt der Geschichte steht Protagonist Ten, der zusammen mit seinen Freunden zu den Farmagia gehört. Der Begriff setzt sich aus den englischen Wörtern farming und mages zusammen und sie können die Monster, die sie in ihren Kämpfen einsetzen, wortwörtlich wie Tomaten oder Kartoffeln züchten. Sie befinden sich inmitten eines weltlichen Konflikts in der Fantasy-Welt Felicidad, der zwischen den fünf Kontinenten herrscht, nachdem der oberste Anführer gestorben ist und der Thron von der autoritären Figur Glaza erklommen wurde. Dadurch, dass sich ein General gegen die herrschende Regierung widersetzt, bricht ein Bürgerkrieg aus, den Protagonist Ten mit seinen Freunden beenden muss.
Eine große Aufgabe steht uns also bevor und die Aufmachung zu Beginn ist ein wirklich toller Start ins Spiel. Die Intro-Sequenz macht Lust auf mehr und erinnert an große JRPGs, die ebenfalls oft mit einer grandiosen Story aufwarten. Hier muss man positiv betonen, dass es nicht bei einer tollen Cut-Scene am Anfang bleibt, sondern man als Spielerin und Spieler immer wieder in den Genuss dieser aufwendigen Sequenzen kommt. Die sind auch alle noch komplett vertont, was sie wirklich lebendig wirken lässt.
Recht schnell landet man dann auch schon im Geschehen und im Tutorial. Das erklärt euch Schritt für Schritt die wichtigsten Gameplay-Elemente, die ihr aber auch jederzeit im Kompendium nachlesen könnt. Anschließend geht es direkt ans Eingemachte und ihr wollt als Ten alles lernen, um gegen den Diktator kämpfen zu können. Dazu gehört jedoch eine große Portion Erfahrung, doch Ten hat viele Freunde, die ihm unter die Arme greifen.
Immer wieder kehrt ihr in die Hauptmenü-Übersicht zurück, von wo aus ihr verschiedene Aktivitäten auswählen könnt. Am wichtigsten ist hier zweifellos das Missionsmenü, worüber ihr in die Dungeon-Crawler-ähnlichen Gebiete kommt und die Geschichte vorantreibt. Wählt ihr den Punkt aus, arbeitet ihr nicht nur die Hauptquest ab, sondern könnt auch zusätzliche Missionen erledigen, die ihr am schwarzen Brett annehmen könnt. Habt ihr ein entsprechendes Gebiet ausgewählt, geht es auch schon los. Zusammen mit euren Monstern, die an eine Mischung aus Pokémon und Pikmin erinnern, zieht ihr los, um gegen Gegner anzutreten. In der Übersicht könnt ihr jedoch auch im Laden einkaufen, euch für die Nacht ausruhen oder zur Farm wechseln.
Zu Beginn habt ihr bei den ersten Missionen nur eine Art Monster dabei, davon aber gleich 20 Stück auf einmal, die ihr per Befehl auf die Gegner jagen könnt. Zusätzliche Fähigkeiten lassen stärkere Angriffe zu oder ihr könnt euch in eine Art Schutzkuppel vor gegnerischen Angriffen zurückziehen. Die Kämpfe sind stets sehr dynamisch, schnell und setzen auf perfektes Timing, um Gegner aus den Socken zu hauen. Im Verlauf des weiteren Spiels werden sie sehr viel komplexer, da ihr nicht nur unterschiedliche Monster, sondern auch Freunde von Ten an eurer Seite habt. Hier muss man stets den Überblick behalten, da es sonst sehr chaotisch werden kann.
Oft bewegt ihr euch in einem abgesteckten Gebiet, den sogenannten Labyrinthen, in denen die Gegner- oder Bosskämpfe stattfinden. Nach einem Sieg findet ihr verschiedene Belohnungen in der näheren Umgebung. Nicht nur hinterlassen die Monster selbst Gegenstände, ihr könnt auch Boni für euch und eure Monster sammeln, sodass ihr innerhalb einer Mission stärker und besser werdet. Dafür findet ihr in den Labyrinthen Feenhäuschen oder Gegenstandranken, die ihr öffnen könnt. Die Häuschen geben euch temporäre Boni in Form von Feen, die verschiedene Attribute verbessern. So können eure Monster beispielsweise mehr Schaden austeilen. In den Gegenstandranken findet ihr Items, die ihr für die Verbesserung oder das Training eurer Monster benötigt – doch dazu später mehr.
Am Ende einer Mission wartet ein Bosskampf, der natürlich deutlich kniffliger als die normalen Gegnerkämpfe ist. Doch selbst diese schwierigeren Gegner sind aufgrund des Platzes gut zu besiegen. Meist handelt es sich bei den Bossen um Questfiguren, die ihr erledigen müsst, um die Mission erfolgreich zu beenden. Daher solltet ihr euch genau die Fähigkeiten eures Gegenübers einprägen, da ihr den Kampf dann durch Ausweichen und entsprechende Angriffe gut über die Bühne bringen könnt. Denn letztendlich haben die Monster immer eine große Schwäche, die offensichtlich neben ihrem HP-Balken angezeigt wird. Habt ihr es mit mehr Gegnern auf einmal zu tun, kann das allerdings auch sehr unübersichtlich werden.
Zwischenzeitlich fallen grüne Kugeln auf den Boden, die euch heilen, solltet ihr doch mal einen Angriff zu viel abbekommen haben. Auch eure Monster müsst ihr regelmäßig wieder auf ihre Beine oder Pfoten heben, denn sie liegen bewusstlos auf dem Boden, wenn ihre HP leer sind. Durch simples Hindurchlaufen holt ihr sie jedoch aus ihrer Paralyse wieder heraus und es kann weitergehen. Auch wenn es hier teilweise chaotisch und schnell zugeht, war ich überrascht, dass die Nintendo Switch das alles gut hinbekommt, was die Performance angeht. Die Missionen haben zudem Zeitlimits, allerdings hatte ich in keiner meiner Missionen jemals Probleme damit. Obwohl zu Beginn darauf hingewiesen wurde, dass nicht viel Zeit bleibt, konnte ich mir genügend Zeit lassen, um das Labyrinth zu durchqueren. Darüber hinaus könnt ihr noch Nebenmissionen innerhalb der Labyrinthe abschließen. Eine Übersicht dazu wird euch stets am rechten Bildschirmrand angezeigt.
Neue Monster bekommt ihr nicht zum Beispiel durch Zähmen oder Fangen in der Wildnis, sondern durch die Landwirtschaft. Statt Karotten, Tomaten oder Kartoffeln anzubauen, säht ihr Samen, die ihr finden oder kaufen könnt, bewässert sie und erhaltet innerhalb eines oder mehrerer Ingame-Tage neue Monster. Was kurios klingt, ist auch so. Je nach Monster braucht ihr größere oder kleinere Anbauflächen und mit der Zeit bekommt ihr auch immer mehr Platz, um Monster zu züchten. Dadurch könnt ihr Forschungspunkte freischalten, wodurch ihr zusätzliche Fähigkeiten erhaltet. Das Farmen ist aber kein Hauptaspekt des Spiels, sondern eher eine kleine Nebenbeschäftigung, die zwischen den actionreichen Kämpfen immer wieder für eine Erholungspause sorgen. Dennoch beschränkt sich der Farming-Aspekt auf das Minimum, was man aus anderen Genre-Vertretern kennt, da es hier einfach nur um das Züchten von neuen Monstern und das Freischalten von Forschungspunkten geht.
Hier könnt ihr auch eure Monster trainieren und sie haben unterschiedliche Bedürfnisse. Für ein Level-Up werden Materialien oder Geld gebraucht, weswegen ihr diese immer nur nach und nach freischalten und nicht direkt ein ultimativ starkes Monster erschaffen könnt. Dafür müsst ihr erst in der Geschichte weiterkommen, wodurch das Training so gesehen erst einmal wieder blockiert wird, bevor ihr einen bestimmten Punkt in der Geschichte erreicht. Wie man es von anderen Monster-Taming-Spielen kennt, gibt es auch hier verschiedene Klassen, die natürlich einen Einfluss auf den Kampf haben. Mischt ihr euer Team gut durchdacht zusammen, könnt ihr richtig viel bewirken, denn dann habt ihr sowohl Nah- als auch Fernkampfangreifer dabei und könnt sogar auf Heilung von Monstern hoffen. Leider fehlt hier viel Tiefgang, denn wirklich strategisch könnt ihr eure Massen an Monstern letzten Endes nicht einsetzen.
Letztendlich bietet Farmagia einen tollen Mix an verschiedenen Gameplay-Elementen, die zusammen Sinn ergeben und Spaß machen, allerdings hat man kontinuierlich das Gefühl, dass man mehr daraus hätte machen können. Die Boni während des Kampfes wirken sich kaum auf das Kampfgeschehen aus, da man seine Monster die meiste Zeit eh nur auf die Gegner spammt und keine richtige Strategie ausarbeiten kann. Jeder Aspekt greift zwar ineinander, jedoch wäre hier noch Potential nach oben gewesen, das man leider nicht mitgenommen hat. Das gilt auch für die Umgebungen und das Design der Labyrinthe. Vieles sieht sehr ähnlich aus und nichts sticht positiv hervor, sodass man einen Moment innehalten möchte, um sich alles in Ruhe anzuschauen. Hier trumpfen einzig die Zwischensequenzen, die wirklich schön ausgearbeitet sind.
Dafür machen die Geschichte und die Charaktere einiges her, denn auch wenn man hier keine Überraschungen oder unerwarteten Plot-Twists geboten bekommt, macht es Spaß, den Charakteren auf ihrer Reise zu folgen, da sie selbst mehr als nur Platzhalter in dem Spiel sind. Die Figuren sind witzig, haben eine gute Chemie untereinander und es gibt einem das Gefühl, als würde man einen soliden Anime verfolgen. Hier stechen auch die Elementals positiv hervor, mit denen Ten eine Bindung eingehen muss. Das erreicht ihr durch Geschenke oder Missionen und ihr werdet mit stärkeren Fähigkeiten und tollen Sequenzen belohnt, die erneut zeigen, wo die Stärken von Farmagia liegen.
Unser Fazit
7
Spaßgarant