Test zu Omega 6 The Triangle Stars - Nintendo Switch
Eine kunterbunte Schatzsuche durch die Galaxis
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17. März 2025 um 14:00 - Malika El-Fourasi
Zugegebenermaßen habe ich selten ein Spiel gespielt, bei dem mich im Vorfeld Spieletrailer und -beschreibung so ratlos zurückgelassen haben. Drei Dinge haben mich aber überzeugt, es dennoch zu spielen: Zum einen wurde Omega 6 The Triangle Stars von Takaya Imamura geschrieben, der fast drei Jahrzehnte für Nintendo gearbeitet hat und an Reihen wie Star Fox, F-Zero und The Legend of Zelda beteiligt war. Zum anderen basiert das Spiel auf dem gleichnamigen Manga, welcher ab Oktober 2025 zum ersten Mal auf Englisch verfügbar sein wird und bisher nur auf Französisch erschienen ist. Zu guter Letzt finde ich das Spiel audio-visuell sehr ansprechend und habe mich gleich in die 16-Bit-Aufmachung verguckt. Worum es in diesem Adventure Game eigentlich geht, welche Mechaniken es gibt und ob es mich letztendlich überzeugen konnte, lest ihr im folgenden Test.
Kyla steckt in einem Kampf und kann hier zwischen Schere, Stein, Papier und einem Item auswählen
© TAKAYA IMAMURA / Omaké Books / Happymeal Inc. / Pleocene / CITY CONNECTION CO., LTD. / Clear River Games
6,5 Billionen Flugblätter schwirren durch die Galaxis und eins landet auf der Windschutzscheibe des Raumschiffs eurer Androiden-Spielcharaktere Thunder und Kyla. Auf dem Zettel wird für eine Schatzjagd auf dem Planeten Impostar geworben. Wie passend, denn ihr habt gerade auf der schon 400 Jahre andauernden Suche nach einem neuen Heimatplaneten eine horrende Summe als Anzahlung an den Planetmakler bezahlen müssen und könnt so einen ultimativen Schatz gut gebrauchen. Ihr landet auf Impostar und eure erste Aufgabe ist es, den Ort für die Anmeldung zur Schatzsuche ausfindig zu machen. Dafür fragt ihr euch bei den Bewohnern durch, die mal mehr und mal weniger freundlich sind und im Austausch gegen Informationen in der Regel einen Wunsch erfüllt haben wollen: So müsst ihr für den Betrunkenen in der Nebengasse die verlorene Weltraumpistole finden und ein Gerät zur Kommunikation auftreiben. Wenn das erledigt ist, erfahrt ihr den Ort der Anmeldung und kriegt dort zu hören, dass ihr eine Anmeldegebühr bezahlen müsst, die ihr gerade noch so aufbringen könnt. Bei der Anmeldung wird euch außerdem mitgeteilt, dass ihr für die Schatzjagd die Planeten Igni und Froslara bereisen müsst (zusammen mit Impostar ergeben sie die Triangle Stars) und dass es Igni-Steine gibt, die ihr sammeln müsst, um an den Schatz zu kommen.
Das Glück ist auf eurer Seite und ihr gewinnt den ersten Igni-Stein bei einer Tombola. Der zweite von fünf Steinen kommt über Headless zu euch. Headless ist ein weiterer Schatzjäger, der sich euch anschließt und mit dem ihr vereinbart, dass ihr euch den Schatz teilen werdet. Nicht nur Headless begegnet ihr bei der Anmeldung, sondern auch Digun und Ramda, zwei weiteren Schatzjägern, die euch während des ganzen Spiels an den Fersen hängen und in bester Team Rocket Manier in den unpassendsten Momenten auftauchen werden, um vor euch an den Schatz zu kommen. Um längere Zeit auf Froslara verbringen zu dürfen, braucht ihr ein Visum, das ihr euch nicht leisten könnt, denn so eine Anzahlung für einen neuen Planeten ist ganz schön teuer. Deswegen müsst ihr erst mal auf Impostar arbeiten, was bedeutet, dass ihr zu Kopfgeldjägern, Schädlingsbekämpfern und Lieferanten werdet. Wenn ihr das geschafft habt, könnt ihr entscheiden, ob ihr zuerst nach Froslara reisen wollt oder lieber mit Igni weitermacht.
Ihr könnt mit „Gehe zu" durch die Welt navigieren oder mittels „Rufen" schauen, ob Leute anwesend sind, mit denen ihr interagieren könnt
© TAKAYA IMAMURA / Omaké Books / Happymeal Inc. / Pleocene / CITY CONNECTION CO., LTD. / Clear River Games
Ihr verbringt aber erstmal viel Zeit auf dem Anfangsplanet. Als Basis habt ihr euer Raumschiff, in dem mit euch noch die beiden Roboter Flavo und Prop an Bord sind. Die beiden Blechbüchsen haben immer einen flotten Spruch auf den nicht vorhandenen Lippen und erklären euch gerade am Anfang viel zur Spielwelt und den Spielmechaniken. Es handelt sich bei dem Spiel um ein Adventure Game mit Point-and-Click-Anleihen, in dem ihr mithilfe von Befehlen, die oben im Bildschirm angezeigt werden, durch die Welt navigiert. Wollt ihr den Ort wechseln, wählt ihr „Gehe zu“ aus, wodurch euch die zur Auswahl stehenden Möglichkeiten angezeigt werden. Dort könnt ihr dann die Anwesenden „rufen“ und euch einzeln mit ihnen unterhalten oder beispielsweise auch Orte „untersuchen“. Durch den Wechsel des Ortes werden manchmal Zufallsbegegnungen ausgelöst, die in einem Kampf enden können.
Kämpfe funktionieren in Omega 6 mit einer Schere-Stein-Papier-Mechanik. Ihr bekommt bis zu acht Angriffe (Kylas Stärke ist Stein, also hat sie mehr Angriffe davon, Thunders Stärke sind Papier-Angriffe). Ihr seht beim Gegner die Anzahl der Angriffe, wobei die Karten verdeckt sind, bis auf die, die ihr mit euren starken Karten kontern könnt (Kyla sieht also die Anzahl der Scheren bei Gegnern, Thunder sieht die Anzahl der Steine). Ihr könnt in der Regel aussuchen, ob ihr mit Thunder oder Kyla spielen wollt und wenn ein Charakter verliert, springt der andere ein. Je nach Stärke der Gegner müsst ihr ganz schön häufig gewinnen, um diese zu besiegen – die klassische 2:1-Regel greift hier also nicht. Unterstützt werdet ihr dabei durch gewisse Items. Ihr könnt eure Angriffe stärker machen, sehen, welche Angriffe der Gegner noch hat, einen Schere-Stein-Papier-Angriff spielen, der alles kontert oder eine Magiefrucht essen. Die Magiefrucht sorgt für Angriffe ohne das Schere-Stein-Papier-Spiel, was gerade bei zähen Gegnern eine angenehme Sache ist, weil sie so schneller zu besiegen sind.
Items gibt es bei Händlern, als Belohnung nach Kämpfen oder zum Selbstanbau im Raumschiff. Dafür habt ihr dort einen Bonsai, auf dem verschiedene Früchte wachsen können. Diese Art des Kämpfens ist für mich immer etwas willkürlich, weil man nicht so viele Möglichkeiten hat, den Kampf anständig zu steuern. Deswegen habe ich es häufig gar nicht erst zum Kampf kommen lassen, weil ich sie irgendwann zu lästig fand. Bei Zufallsbegegnungen hat man die Möglichkeit zu fliehen, ein wenig Geld zu latzen oder sich einfach zu entschuldigen, wodurch dann eben kein Kampf ausgelöst wird. Gerade das fehlende Anreizsystem sorgte dafür, dass ich eher mal die kampflose Variante gewählt habe, denn die Belohnungen in Form von Items waren die Zeit nicht wert, wenn man so wenig Spaß daran hat. Items gibt es während des gesamten Spiels genug, ohne dass man viel Geld bei Händlern ausgeben oder sich groß um den Bonsai kümmern muss.
Im Gespräch mit Flavo erhaltet ihr wertvolle Tipps
© TAKAYA IMAMURA / Omaké Books / Happymeal Inc. / Pleocene / CITY CONNECTION CO., LTD. / Clear River Games
Das Spiel ist in einem sehr textlastigen Genre verortet, ihr könnt euch also darauf einstellen, dass … nun ja, sehr viel gelesen werden muss. Stellt dafür am besten direkt am Anfang die Textgeschwindigkeit um, damit der Text in einem Rutsch erscheint und nicht Wort für Wort quälend langsam. Auch wenn das Erzähltempo solcher Spiele dem Genre geschuldet nicht das schnellste ist, wird hier doch eine vielfältige Geschichte mit vielen Schauplätzen und vor allem zahlreichen Charakteren erzählt. Die drei Planeten haben rund 100 Bewohner, denen ihr allen begegnen könnt, mit jeweils charakteristischen Eigenheiten. Auf Froslara wohnt die feine Gesellschaft, die im Wiener Schmäh redet und Wettbewerbe zur Darstellung von Manieren veranstaltet, wohingegen Igni ein karger Planet ist, auf dem Roboter ausgebeutet werden und Kämpfe in einem Kolosseum stattfinden. Das Charakterdesign und die schlagfertigen Dialoge mit den Leuten, auf die man trifft, sind definitiv eine Stärke des Spiels. Vertont sind die Gespräche nicht, aber die Dialoge und verschiedenen Dialekte sind sehr gut geschrieben und ins Deutsche übersetzt worden.
Optisch ist es ein 16-Bit-Abenteuer, wie es auch in den Neunzigerjahren auf dem SNES hätte erscheinen können. Es kommt mit sehr satten Farben daher und mein persönliches visuelles Highlight sind die verschiedenen Hintergründe, die man frei auswählen kann und die das 8:7 Bild umrahmen. Die musikalische Untermalung ist abwechslungsreich und kommt mal mit schweren Orgelklängen und dann wiederum mit orientalisch anmutenden Tönen daher. Technisch hat das Spiel keine Probleme bereitet und lief sowohl im Handheld-Modus als auch in der Dockingstation einwandfrei. Der Schwierigkeitsgrad des Spiels lässt sich nicht einstellen, aber man kommt hier in den Kämpfen und bei den Rätseln auch ohne weitere Hilfe ganz gut zurecht. Manche Rätsel und Aufträge erfordern es, dass man die Spielwelt ganz genau durchsucht, aber auch das ist bei der Größe der Welt noch überschaubar und gut zu machen.
Unser Fazit
6
Überzeugend