Test zu Footgun: Underground - Nintendo Switch
Ein Rogue-lite wie gemacht für die deutsche Fußball-Seele?
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20. März 2025 um 12:00 - Benjamin Greim
Rogue-lites gibt es längst in allen Genre-Kombinationen und nach und nach werden auch sämtliche Themen und Settings für das beliebte Genre mit der Zufallskomponente herangezogen. Warum also nicht auch ein Rogue-lite zum Fußball? So oder so ähnlich muss das heimische Studio Turtle Knight Games wohl gedacht haben, als sie sich das Konzept für Footgun: Underground ausgedacht haben. Schließlich handelt es sich bei diesem Sport für Deutsche ja um die vielbeschworene schönste Nebensache der Welt. Ist dieses Spiel also das traumhafteste Rogue-lite, welches sich eine deutsche Seele nur vom Fußballgott wünschen könnte? Oder handelt es sich eher um eine dubiose Mischung aus mattem Gekicke und platten Bällen, die eher schlecht als recht funktioniert? Unser Test verrät euch, ob dieses Zusammenspiel gut kickt.
Gegnertypen sind häufig Insekten, aber auch so mancher Schleim oder Roboter hat sich in die U-Bahn geschlichen
© Turtle Knight Games | CobraTekku Games
Wir stürzen uns nach dem Titelbildschirm direkt ins Match. Der Anpfiff erfolgt allerdings im Untergrund, denn das gesamte Spiel findet in einem verlassenen U-Bahn-System statt, welches nur von überwiegend insektenhaften Monstern bevölkert wird. Warum wir hier sind? Das bleibt leider ein Rätsel. Unser Konterfei steigt aus einer Kapsel, was darauf schließen lässt, dass wir immer neue Klone spielen werden. Hier können wir in späteren Durchgängen verschiedenste Charaktere mit unterschiedlichen Fähigkeiten und Statuswerten auswählen – natürlich erst nachdem wir diese auch durch Errungenschaften freigespielt haben. Die Auswahl an freischaltbaren Fußballspielern ist hier relativ groß, wobei viele der Spieler sich im Gameplay nicht allzu stark unterscheiden.
Außerdem können wir in diesem Anfangsbereich mit einem Kapselautomaten unsere hart erspielten Goldmünzen auf den Kopf hauen und bekommen dafür neue Bälle und Fähigkeiten, die wir wiederum im kommenden Durchgang finden können. Der Kapselautomat verhält sich dabei leider recht träge, was durchaus zu längeren Wartezeiten führen kann, wenn man nach einem guten Run viele Münzen ausgeben darf. Das ist schade, denn so wird dieser eigentlich coole Belohnungsmechanismus durch eine lahme Animation getrübt, denn diese lässt sich leider auch nicht abbrechen. Des Weiteren bietet dieses Start-Areal einen Trainingsraum, in welchem wir unseren jeweiligen Charakter ausprobieren und das Schießen üben können.
Womit wir schon bei den Grundmechaniken wären, die in Footgun: Underground unser tägliches Brot darstellen: Ballkontrolle und Schüsse. Nachdem wir in eine U-Bahn gestiegen sind, wählen wir das erste Level an und stoßen dort direkt auf die ersten Monster. Nun gilt es durch gekonntes Dribbeln und Schießen diese Ungetüme um die Ecke zu bringen. Jeder Zweikampf endet hier tödlich – am liebsten natürlich für unsere Gegner. Die Steuerung ist hierbei etwas ungewohnt und seltsamerweise wird zwar in den Optionen eine alternative Steuerung angezeigt, diese funktioniert allerdings leider nicht. Schüsse geben wir mit dem R-Knopf ab und Dribbeln können wir mit L. Ansonsten gibt es nur noch A, mit welchem wir springen können. Leider lässt sich die Belegung der Knöpfe nicht frei verändern und so müssen wir mit dieser leicht seltsamen Designentscheidung leben. Es ist zwar Geschmackssache, aber es gäbe sicherlich für Viele auch komfortablere Buttons als L und R. Vor allem, da diese Kommandos wirklich permanent ausgeführt werden müssen. So finden wir uns also des Öfteren wild auf L und R hämmernd wieder, während wir gelegentlich mit A springen, um gegnerischen Attacken auszuweichen. Gesegnet seien hier Spieler mit starken Zeigefingern.
Dieses Boss-Monster hat offensichtlich vergessen ein Ticket zu lösen, also tun wir dem Fahrkarten-Kontrolleur einen Gefallen
© Turtle Knight Games | CobraTekku Games
Das Dribbeln ist übrigens auch abgesehen vom L-Knopf etwas gewöhnungsbedürftig und erfordert viel Übung. Wir können und müssen mit dieser Funktion den Ball nämlich in die Höhe bringen, denn einige Gegner bewegen sich nicht am Boden, sondern können an den Wänden oder der Decke fliegen oder krabbeln. Wir haben zwar glücklicherweise einen Pfeil, der uns anzeigt, wohin der Ball fliegen würde, wenn wir ihn losbolzen, aber in der Praxis gestaltet es sich nicht immer so leicht, den Ball auch so zu kontrollieren, dass er auch wirklich in die gewollte Richtung fliegt. Das liegt einerseits daran, dass der Ball sich einfach zu weit von unserem Fuß entfernt, wenn wir ihn zu hoch dribbeln. Andererseits läuft der ganze Prozess tatsächlich sehr zügig ab und so ist es durchaus herausfordernd, den richtigen Moment zu erwischen, um den Ball exakt zu kicken, denn Footgun: Underground ist ein ziemlich rasantes Spiel. Wir haben zusätzlich zum normalen Schuss auch noch die Möglichkeit den nächsten Treffer aufzuladen, indem wir die Schuss-Taste gedrückt halten. Das gibt uns noch ein bisschen mehr taktische Möglichkeiten, wenn wir den Ball gerade sicher kontrollieren und kein Gegner auf uns zurast. Dann pfeffern wir die Murmel mit ordentlich Schmackes in die nächste Käfer-Fratze, was sich häufig sehr befriedigend anfühlt. Die Ballsteuerung bringt bei diesem Titel auf jeden Fall einen gewissen Realismus mit. Sowohl die Wucht der Schüsse als auch die Ballkontrolle und die hohe Geschwindigkeit tragen hier zu einem authentischen Fußball-Gefühl bei. Trotz mancher Frustmomente ist das Gameplay von Footgun: Underground hier auf jeden Fall spaßig und definitiv mal etwas anderes. Und hier gilt zum Glück auch: Übung macht den Fußball-Meister.
Nach und nach arbeiten wir uns also durch das Untergrundsystem und fahren mit der U-Bahn in immer neue Level durch erstaunlich abwechslungsreiche Biome mit beispielsweise Feuer- oder einer Art Dschungel-Thematik. Am Ende jeder U-Bahn-Linie wartet auf uns nach mehreren Level jeweils ein Bossgegner. Die Bosskämpfe sind in der Regel schnell und spaßig, können jedoch auch mit der Zeit etwas repetitiv werden, denn die meisten Kapitel haben immer die gleichen Endgegner. Auf dem Weg dorthin können wir übrigens mehrere Pfade wählen. Dies ist eine kleine strategische Komponente auf der Map, denn es gibt auch Bonus-Level mit verschiedenen Minigames sowie Shops. Insgesamt sind es nur drei bis vier Minispielchen, bei denen wir neue Items und Münzen bekommen können, je nachdem wie gut wir abschneiden. Hier gilt es zum Beispiel den Ball auf Zielscheiben zu bugsieren, eine Piñata zu malträtieren oder eine Jump 'n' Run-Passage in einer vorgegebenen Zeit zu meistern. Dies lockert die Kämpfe auf und bietet uns noch mehr Gelegenheit wertvolle Items zu sammeln, um unseren Charakter aufzubessern.
Nach jedem Level können wir mit den gesammelten Items aus unserem Inventar unsere Fähigkeiten erweitern. Dies sind zum Beispiel Upgrades für die Bälle – wovon wir je nach Charakter meist zwei besitzen können – oder auch Aufbesserungen für unseren Spieler an sich. Beispielweise lässt sich hier die Schussstärke erhöhen, ein weiterer Luftsprung hinzugewinnen oder die Lebensenergie erweitern. Eine wirklich motivierende Mechanik ist hierbei, dass wir zwei gleiche Items zu einem höherwertigen fusionieren können. So lohnt es sich sogar, wenn wir die bereits gesammelten Fähigkeiten finden, denn dadurch können wir diese noch weiter aufbessern. Das Spiel bietet uns für diesen Zweck zum Glück ein paar Inventarslots, mit denen wir Gegenstände für spätere Levels aufbewahren können. So sind wir nicht gezwungen, ständig einen Großteil unserer Beute wegzuwerfen, ohne einen Nutzen davon zu haben. Das ist eine gelungene Gameplay-Entscheidung, denn so wird der Frust an dieser Stelle gering gehalten. Dafür müssen wir hin und wieder ein bisschen Inventar-Management betreiben, was den Spielfluss manchmal ausbremsen kann, vor allem in späteren Levels. Hier hätten wir uns im Shop noch mehr Möglichkeiten gewünscht, zum Beispiel die Option, etwas von der ganzen Ausrüstung verkaufen zu können. Dies ist jedoch nur ein kleiner Kritikpunkt, denn der Aufwand und Frust halten sich hier in Grenzen und die positiven Seiten des Item-Managements überwiegen.
Zu Beginn ist der Schwierigkeitsgrad des Fußball-Rogue-lites sehr banal. Nach einiger Zeit zieht dieser aber plötzlich stark an, was sich etwas unausgewogen anfühlen kann. Manche Gegner in den späteren Biomen handeln außerdem extrem frustrierend. Zum Beispiel, indem sie nur kurz erscheinen und sich auch noch mitten im Raum in der Höhe befinden und somit äußerst schwer mit dem Ball zu treffen sind. Hier ein „Tor“ zu schießen, kann unter Umständen ganz schön lange dauern. Bei solchen Level wird leider das sonst rasante Tempo zu sehr gedrosselt, da man viel Zeit mit Warten und Ausweichen zubringen muss. Zum Teil verliert man in anderen Level aber auch den Überblick über all die fliegenden Partikel, weil alle Bälle farblich unterschiedlich gestaltet sind und die Geschosse von Gegnern zusätzlich mit diversen Farben durch die Luft fliegen. Zu diesem Mix gesellen sich nun noch Partikel, die beispielsweise einfach nur optische Effekte wie Explosionen darstellen. So ist gerne auch mal wirklich viel los auf dem Bildschirm und es fällt schwer, Schädliches von Harmlosem zu unterscheiden – der Platz ist in den Räumen zudem ziemlich begrenzt. Es wird also hin und wieder sehr voll und unübersichtlich. Alles in allem macht die Bolzerei und das Aufleveln aber durchaus Laune und das erfrischend andere Gameplay bleibt eine lange Zeit motivierend, wenn man Rogue-lites etwas abgewinnen kann. Außerdem gewöhnt man sich mit der Zeit an viele der chaotischen Elemente und schafft es, mit jedem Durchgang noch ein Stückchen weiter zu kommen. Der Gameplay-Loop des Spiels ist durchaus motivierend.
Neue Items für den nächsten Durchgang können wir uns aus diesem Automaten ziehen
© Turtle Knight Games | CobraTekku Games
Die Grafik von Footgun: Underground ist nicht besonders spektakulär. Es handelt sich um eine typische Pixel-Optik, wie wir sie in zahlreichen Indie-Spielen sehen. Die Pixel sind jedoch ziemlich grob und die Spielwelt ein bisschen weniger detailliert, als sie es sein könnte. Auch die Designsprache ist zwar meist solide, jedoch ist in manchen Level nicht immer sofort klar, welche Gegenstände nur Teil des Hintergrunds sind und welche eine für uns begehbare Plattform darstellen. Die Spielfiguren, Gegner und vor allem die Bosse sind aber in der Regel schön gestaltet und können sich auf jeden Fall sehen lassen. Von einem groben Faul kann man bei dem grundsoliden Look also definitiv nicht sprechen.
Das Spiel läuft in der Regel reibungslos. Hier und da gibt es kleinere Ruckler, aber meistens komischerweise nur in leeren Passagen, wenn wir zum Endgegner laufen. Selten trafen wir auch einmal auf kleine Bugs. So konnten wir an einer Stelle das Spiel einfach nicht fortsetzen, da wir in der Levelauswahl den Button „Weiter“ nicht betätigen konnten. Ein Neustart hat dieses Problem glücklicherweise gelöst und wir konnten sogar an der gleichen Stelle das Spiel fortsetzen, da der Titel automatisch und häufig speichert, was wir nicht erwartet hatten – denn dies wird auch im Spiel nicht besonders transparent kommuniziert. Es handelt sich hier aber um absolute Ausnahmen. Der Großteil des Spiels hat eine ordentliche und problemfreie Performance. Das Sound-Design ist ebenfalls solide. Mehr aber auch nicht. Besonders positiv hervorzuheben sind hier allerdings tatsächlich die Ballgeräusche. Diese klingen wirklich authentisch und befriedigend und spielen eine große Rolle bei der Vermittlung der Wucht, wenn wir mit voller Kraft einen Schuss ausführen und der Ball nur so durch den Raum geholzt wird. Ansonsten erstreckt sich die Geräuschkulisse über relativ minimalistische Soundeffekte und Gitarren-Melodien, die zwar niemanden vom Hocker reißen werden, aber durchaus einmal leichte Ohrwurm-Qualitäten bieten können.
Wer für diese Art von Spiel affin ist, wird mit dem Titel eine ganze Weile Spaß haben dürfen. Der Umfang ist für diese günstige Preisklasse angemessen, denn es gibt genug Items und Charaktere zum Freischalten und auch zahlreiche Kapitel mit eigenen Bossen, um die Spieler eine ganze Weile bei der Stange zu halten. Der Titel ist natürlich kein riesiges Umfang-Monster, aber das will er sicherlich auch nicht sein. Auch Zusatzinhalte konnten wir keine entdecken und es gibt keine Hinweise, dass mehr Inhalte nachgereicht werden könnten. Der Durchschnitts-Gamer wird mit Footgun: Underground aber sicherlich weitaus länger beschäftigt sein als die üblichen 90 Minuten eines typischen Fußball-Matches.
Unser Fazit
8
Ein Spiele-Hit