Test zu Date Everything! - Nintendo Switch
Die Qual der Wahl im eigenen Haushalt
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19. Juni 2025 um 20:00 - Joel Wittwer
Das Genre der Simulatoren ist mittlerweile äußerst vielfältig und bietet unzählige Möglichkeiten, Erfahrungen in Form eines Videospiels zu erleben, die sich im echten Leben vielleicht nie ergeben würden. Einige genießen es, in einem Ableger der Landschafts-Simulatoren mit großen Traktoren akribisch die Felder zu bewirtschaften, während andere eher die Belustigung suchen, indem sie im Goat-Simulator mit einer Ziege durch die Gegend springen. Date Everything! bietet eine völlig andere Erfahrung, möchte aber mit seinem Konzept genauso unterhalten wie andere Genre-Vertreter. Ob sich diese Erfahrung wirklich lohnt, erfahrt ihr in diesem Test.
Wir starten das Spiel in unserem Arbeitszimmer. Dort sitzen wir am Computer und bearbeiten Kundenanfragen als Angestellter der Firma Valdivian. Leider erledigen wir unseren Job aus der Sicht unseres Chefs, David Most, eher schlecht, weshalb wir schließlich von einer KI ersetzt werden. So sind wir schnell arbeitslos – und haben jede Menge freie Zeit. Diese wird prompt genutzt, als uns ein Hacker über eine Chatplattform kontaktiert und uns ein mysteriöses Paket schickt. Der Inhalt: Eine magische Brille namens „Dateviators“, die es ermöglicht, Gegenstände im eigenen Haus zum Leben zu erwecken und mit ihnen zu interagieren. Damit beginnt unsere Reise durch das Eigenheim. Nach dieser Einführung bleiben größere Story-Elemente allerdings weitgehend aus. Zwar erhalten wir noch einige Hintergrundinformationen von unserem mysteriösen Hacker – etwa, warum die Brille entwickelt wurde und wie sie mit der Firma in Verbindung steht, doch wirklich packende Wendungen oder herausragendes Storytelling sucht man vergebens. Die Geschichte dient in erster Linie als Rahmen für das Gameplay und liefert den Vorwand, um mit dem Kernelement des Spiels, dem „Daten“, loslegen zu können.
Das Gameplay wird uns mit dem Aufsetzen der Brille direkt erklärt. Die Brille selbst entpuppt sich als „Skylar Specs“ – der erste Charakter, dem wir begegnen. Sie führt uns mit einem Beispiel in die Spielmechanik ein. Grundsätzlich steht uns das gesamte Haus zur Verfügung, und wir können über einfache Tasteneingaben Türen und Gegenstände öffnen oder schließen. Sobald wir die Brille per Knopfdruck aufsetzen, können wir mit ZR einen Gegenstand anvisieren und ihn mit einem Strahl aus kleinen Herzen zum Leben erwecken. So treten wir mit den Gegenständen in unserem Haus in Kontakt und starten ein Gespräch.
Nach dem kleinen Tutorial steht uns das Haus als Sandbox zur Verfügung. Wir können mit bis zu 100 verschiedenen Gesprächspartnern interagieren. Ein Gespräch läuft dabei stets ähnlich ab: Der Charakter stellt sich vor, und wir werden in einen Dialog verwickelt. Die Themen sind abwechslungsreich, und je nach Situation haben wir verschiedene Antwortmöglichkeiten zur Auswahl. Gespräche können unterschiedlich lang dauern. Damit wir nicht endlos Charaktere abklappern, gibt es eine Energieleiste mit fünf Herzen. Pro Tag können wir fünf Gespräche führen, danach muss der Protagonist schlafen gehen, um seine Energie wieder aufzufüllen. So entsteht der Eindruck, nach und nach Beziehungen zu den einzelnen Charakteren aufzubauen und zu pflegen.
Date Everything! bietet drei verschiedene Beziehungsarten: Liebe, Freundschaft und Hass. Jede dieser Formen ist bei jedem Charakter möglich und erhöht den Wiederspielwert erheblich. Sobald allerdings ein Beziehungsstatus erreicht wurde, sind weitere Interaktionen mit diesem Charakter eingeschränkt. Beispielsweise kann ich mit meinem Bett „Betty“ eine Liebesbeziehung eingehen. Ist diese Geschichte abgeschlossen, kann ich ihr zwar jeden Tag einen Kuss geben, doch weitere Dialogoptionen bleiben aus. Bei 100 Charakteren mit je drei möglichen Wegen ist das verständlich, dennoch sollte erwähnt werden, dass sich die Beziehungen nie besonders tief entwickeln. Je nach erreichtem Beziehungsstatus erhalten wir Attributsboni, etwa auf Intelligenz, wodurch sich bei späteren Gesprächen neue Antwortmöglichkeiten eröffnen können. Im Kern geht es darum, die Charaktere kennenzulernen und zu daten: Man spricht mit ihnen, verbraucht seine Energie, schläft, und beginnt am nächsten Tag von vorn. Auch wenn die Dialoge abwechslungsreich sind, kann dieser Gameplay-Loop auf Dauer etwas repetitiv wirken.
Die Präsentation des Spiels ist grundsätzlich gelungen – mit ein paar Ausnahmen. Die 100 individuellen Charaktere sind kreativ, abwechslungsreich und mit viel Liebe zum Detail gestaltet. Die visuelle Darstellung der jeweiligen Gegenstände ist fantasievoll und immer wieder für eine Überraschung gut. Hier zeigt Date Everything! seine größte Stärke: Das Dating-Element, die Präsentation, der schräge Humor und die gelungenen Dialoge machen einfach Spaß. Jeder Charakter ist vollständig vertont und bringt eine eigene Dynamik mit. Mitunter interagieren sogar Charaktere untereinander, was für herrlich absurde Situationen sorgt. Die Vertonung ist dabei hervorragend gelungen. Man merkt, wie viel Mühe sich die Entwickler bei den Dialogen gegeben haben. Einige Sprecher sind auch aus anderen Spielen bekannt. So leiht etwa Ben Starr, der Sprecher von Clive Rosfield aus Final Fantasy XVI, seine Stimme dem Charakter „Dorian“, der alle Türen im Haus repräsentiert. Das Spiel ist allerdings bisher nur auf Englisch verfügbar. Wer nicht über gute bis sehr gute Englischkenntnisse verfügt, wird Schwierigkeiten haben, alle Wortspiele und den Humor zu verstehen.
Leider sieht es im Haus selbst nicht ganz so überzeugend aus. Ähnlich wie die eher dünne Geschichte wirkt auch das Haus wie eine bloße Kulisse. Viele Texturen sind matschig und grafisch eher auf niedrigem Niveau. Zwar stehen zahlreiche Gegenstände in den einzelnen Räumen, doch viele davon wirken schlicht und wenig detailliert. Der Tageszeitwechsel wird durch die Sonne angezeigt, was grundsätzlich eine schöne Idee ist – allerdings gibt es im Haus keinerlei Schattenwürfe. Dadurch wirkt die Umgebung stellenweise künstlich und flach.
Die Performance auf der Nintendo Switch ist in Ordnung. Das Spiel läuft nicht butterweich, aber auch nicht durchgehend ruckelig. Gelegentlich merkt man, dass Animationen leicht verzögert erscheinen oder der Sound nicht direkt wechselt, wenn sich eine Situation ändert. Abstürze oder schwerwiegende Probleme sind bei meinem Test jedoch nicht aufgetreten. Auf der Nintendo Switch 2 läuft das Spiel ebenfalls problemlos und ein Stück weit flüssiger, ohne allerdings einen riesigen Unterschied zu machen.
Unser Fazit
6
Überzeugend