Test zu Yooka-Replaylee - Nintendo Switch 2
Yooka-Laylee wie es hätte sein sollen?
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14. Oktober 2025 um 09:00 - Philipp Pöhlmann
Nach einer überwältigend erfolgreichen Kickstarter-Kampagne brachte Playtonic Games in Jahr 2017 mit Yooka-Laylee einen spirituellen Nachfolger zu den Collectathon-Spielen der Nintendo 64-Ära heraus. Da sich bei Playtonic vornehmlich ehemalige Rare-Mitarbeiter zusammengefunden haben, welche unter anderem für die Banjo-Kazooie-Spiele verantwortlich zeichneten, die Markenrechte jedoch bei Microsoft liegen – und dort zum Unmut vieler Fans nicht zur Schaffung neuer Spiele genutzt werden –, springen in Yooka-Laylee nicht Bär und Vogel, sondern Chamäleon und Fledermaus durch die 3D-Platformer-Level. Als Fans der guten, alten Zeiten dann das Endprodukt über ihre Bildschirme flimmern sahen, wurde die einstige Begeisterung jedoch schnell von einem Gefühl der Unzufriedenheit verdrängt: Die heißersehnte Rückkehr klassischer 3D-Platformer mit Sammelgegenständen war bestenfalls mittelmäßig. Das gerade frisch erschienene Yooka-Replaylee macht es sich zur Aufgabe, die Versäumnisse des Originals auszubügeln. Ob diese zweite Fassung von Yooka und Laylees Abenteuer näher an die ursprüngliche Vision kommt, verraten wir euch im folgenden Test.
Wie sich Fans erinnern, war die Story im ersten Banjo-Kazooie nicht unbedingt das Element, welches Spielerinnen und Spieler an die Konsole fesselte. Eine böse Hexe entführt die Schwester eures Charakters und ihr müsst sie aus deren Fängen retten. Ähnlich wenig Tiefgang könnt ihr auch von der Handlung von Yooka-Replaylee erwarten. Der fleischgewordene Kapitalismus in Bienengestalt, Capital B, stiehlt von seinem gewaltigen Fabrikkomplex aus mit einem überdimensionalen Büchersauger sämtliche Bücher der Umgebung, um das sogenannte Einbuch zu finden. Dieses besitzt die Macht, alle Dinge, welche auf dessen Seiten geschrieben werden, wahr werden zu lassen. Mit letzter Kraft trennt sich das gerade entführt werdende Einbuch von seinen Seiten, um den hinterlistigen Dieb daran zu hindern, seine Kräfte zu nutzen. Die sogenannten Pagies sind die Hauptsammelgegenstände, welche Yooka und Laylee, denen das Einbuch zuvor gehörte, nun in den verschiedenen Welten des Spiels aufspüren müssen, um sich den Weg zu Capital B und dem Einbuch zu bahnen.
In jeder Themenwelt steht euch eine Verwandlung zum Erkunden und Erfüllen von Aufgaben zur Verfügung
© Playtonic / PM Studios
Genau wie in den Banjo-Kazooie-Spielen findet ihr euch in der Oberwelt, den Hivory Towers, wieder. Sowohl optisch als auch namentlich haben sich die Entwickler allerhand einfallen lassen, um das Bienenmotiv des Bösewichts überall einfließen zu lassen. Highlight der Nintendo 64-Spiele war nämlich – wie bereits erwähnt – nicht die Handlung, sondern die vielseiten Welten mit ihren quirligen Charakteren und einer gehörigen Prise Humor, welche vornehmlich in den Dialogen zum Glänzen kam. Ähnlich auch bei Yooka-Replaylee, bei dem ihr euch neben der industriell und kapitalistisch geprägten Oberwelt auf fünf Themenwelten in riesigen Büchern, den sogenannten Großwälzern, freuen dürft. Hier verschlägt es euch beispielsweise in eine Dschungel- oder Eiswelt, aber auch ein vor Reichtum strotzendes Casino ist mit am Start. In den Welten warten neben den Pagies auch andere Sammelobjekte, zum Beispiel Münzen oder Federn, welche ihr beim entsprechenden NPC gegen Belohnungen eintauschen könnt, auf euch.
Das Duo aus Chamäleon und Fledermaus bringt ein spannendes Moveset mit sich, welches euch beim Erkunden der Welt in die Karten spielt. Chamäleon Yooka kann beispielsweise mit dem Schwanz angreifen oder diesen wie eine Sprungfeder für einen hohen Sprung nutzen. Fledermaus Laylee hingegen kann mit Yooka im Schlepptau durch die Luft gleiten oder unsichtbare Dinge per Echowelle sichtbar machen. Gemeinsam können sie durch die Gegend rollen, um schnell durch die Level zu sausen und schiefe Hänge hinaufzugelangen. Mit der Zunge kann Yooka Schmetterlinge fangen, um Gesundheit und Energie wiederherzustellen. Letztere wird für gewisse Moves benötigt, doch dazu später mehr. Außerdem kann Yooka als Chamäleon seine Anpassungsfähigkeiten nutzen, um sich unsichtbar zu machen oder verschiedene Gegenstände mit der Zunge aufzunehmen und deren Eigenschaften zu kopieren. So könnt ihr mit Feueratem Eisblöcke schmelzen oder Granaten auf brüchige Gegenstände feuern.
Für Yooka-Replaylee haben die Entwickler jedoch ordentlich an den Welten sowie den Spielfiguren geschraubt. Beginnen wir beim Design der Welten sowie Benutzeroberfläche. Im Originalspiel wirkten diese teils unausgereift. Hinzu kam, dass man dem Großwälzer jeder Welt erst weitere Seiten durch gesammelte Pagies hinzufügen musste, um weitere Dinge, die es zu erledigen galt, hinzuzufügen. In Replaylee sind die Welten nun von Anfang an komplett und wurden stellenweise redesignt, um sie besser auszubalancieren. Auch könnt ihr nun ganze 50 Pagies in jeder Welt sammeln, bei den Federn sind es sogar 150 pro Welt. So fühlt sich der Platz besser genutzt an, wenngleich sich auch gewisse Herausforderungen wiederholen. So sind beispielsweise allein acht Pagies in jedem Level an die sogenannten Ghostwriter gebunden. Diese Gesiterwesen erinnern an die Jinjos aus Banjo-Kazooie und belohnen euch jeweils mit einem Pagie. Findet ihr alle fünf in einer Welt, erhaltet ihr nochmals drei Pagies obendrauf. Ähnlich sieht es auch mit so manch anderen Aufgaben aus, die stellenweise doch etwas repetitiv wirken.
Um besser durch die Welten navigieren zu können, wurde eine Karte hinzugefügt. Ihr lest richtig, denn etwas, das heute bei 3D-Platformern eigentlich zum Standard gehören sollte, fehlte in Yooka-Laylee. Auf der Karte werden auch NPCs sowie Pagies verzeichnet, sodass ihr leichter einen Überblick über eure Aufgaben behalten könnt. Ein neuer Charakter dient außerdem als Schnellreiseziel in den einzelnen Leveln, sodass ihr deutlich schneller von A nach B gelangen könnt. Neben den Welten an sich, haben die Entwickler auch an diversen Aufgaben geschraubt, diese verändert oder stellenweise sogar komplett durch neue ersetzt. So können sich Kenner des Originalspiels beispielsweise auf überarbeitete Bosskämpfe freuen, welche weniger Frust aufkommen lassen und auch optisch dem in der Kickstarter-Kampagne versprochenen Spektakel deutlich näher kommen. Der knuffige Pixel-Dino Rextro wurde ebenfalls komplett überdacht. Dessen Herausforderungen aus dem Originalspiel wurden durch eigene kleine 2,5D-Level im Retrolook ersetzt. Insgesamt haben die Entwickler so viele Änderungen vorgenommen, dass sich Yooka-Replaylee nicht mehr wie ein simples Remaster anfühlt, sondern eher wie ein „zweiter Versuch“, um das Spiel so zu gestalten, wie es sich Fans ursprünglich gewünscht hätten.
Dies wird auch in der Art und Weise, wie Yooka und Laylee angepasst wurden, deutlich. Allen voran fühlt sich die Steuerung jeglicher Aktion äußerst präzise an – eine Selbstverständlichkeit, die Spieler von Yooka-Laylee leider vermissten. Im Originalspiel gewannen die beiden ungleichen Kameraden im Laufe der Zeit an Stärke, indem sie neue Fähigkeiten in den Welten freischalteten. Die führte unter anderem dazu, dass ihr alte Welten erneut aufsuchen musstet, da diese nicht in einem Rutsch abgeschlossen werden konnten und sollten. Ein ähnliches Konzept verfolgte beispielsweise auch Banjo-Tooie, dessen Welten auf verschiedenste Weise miteinander verbunden waren und euch immer wieder Sammelgegenstände vor der Nase hielten, die jedoch erst viel später erreicht werden konnten. Replaylee wählt nun einen ganz anderen Ansatz und gibt euch direkt zu Beginn alle Fähigkeiten. Diese Design-Entscheidung ist ein zweischneidiges Schwert. Einerseits habt ihr nun die Möglichkeit, Level direkt in vollem Umfang abschließen zu können. Darunter leidet jedoch gleichzeitig die natürliche Progression, welche eure Charaktere im Laufe des Spiels langsam mächtiger werden lässt.
Viele Aufgaben, darunter auch Bosskämpfe, wurden komplett überarbeitet oder ersetzt
© Playtonic / PM Studios
Dafür kommen immerhin die Tonika besser zur Geltung. Sowohl für Federn als auch für Münzen könnt ihr euch diese Zusatzeffekte kaufen, von denen ihr eine bestimmte Anzahl anlegen könnt. Dadurch könnt ihr euch das Spiel wahlweise schwerer oder leichter machen. Auch gibt es eine ganze Menge optischer Veränderungen, beispielsweise Retro-Filter, welche euch das Spiel unter anderem in einem 8-Bit-Look erleben lassen. Auch witzige Effekte, wie Clownsgeräusche, die bei jedem Schritt ertönen, sind mit am Start. Die Entscheidung, sämtliche Fähigkeiten von Anfang an verfügbar zu machen, ist den Entwicklern mit Sicherheit nicht leicht gefallen, in meinen Augen aber ein sinnvoller Schritt, um das Spiel deutlich zugänglicher und spielerfreundlicher zu gestalten.
Optisch ist Yooka-Replaylee zunächst ein echter Leckerbissen, denn an der optischen Aufmachung des Spiels wurde ordentlich geschraubt. Stellenweise ist das Original in der Neuauflage kaum mehr wiederzuerkennen. Ein Dämpfer ist die auf der Nintendo Switch 2 angepeilte Bildrate von lediglich 30 Frames pro Sekunde, die stellenweise aber nicht gehalten werden kann und unschöne Ruckler aufkommen lässt, die mich persönlich jedoch nicht allzu sehr gestört haben. Auch die Unschärfe-Effekte von weiter entfernten Objekten sind zu verschmerzen. Der Soundtrack wurde ebenso neu aufgelegt und fängt den Charme der alten 3D-Platformer gut ein, wenngleich kaum Melodien dabei sind, die so eingängig sind, dass sie mir so sehr in Erinnerung bleiben werden, wie die Tracks aus den Banjo-Kazooie-Spielen. Kurz vor und um den Launch des Spiels musste ich des Öfteren Abstürze feststellen, die das Spiel beendeten. Aufgrund der Autospeicher-Funktion hatte ich glücklicherweise keinerlei Verluste zu verzeichnen, lediglich der Neustart des Spiels in Kombination mit den langen Ladezeiten ließen Frust aufkommen. Bereits kurz nach Launch wurde jedoch ein Update veröffentlicht, welches – zumindest nach meinen Beobachtungen – die Crashes behoben hat. So geht schnelles Bugfixing!
Unser Fazit
8
Ein Spiele-Hit