Test zu Viewfinder - Nintendo Switch
Perspektivisches Rätselspiel macht auch unterwegs eine fantastische Figur
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26. November 2025 um 15:00 - Michael Barg
Bereits im Jahre 2023 auf der PC-Plattform erschienen, möchte Viewfinder nun auch die Nintendo-Switch-Systeme erobern. Hierbei handelt es sich um einen recht eigenartigen Release, denn warum zum Teufel strebt man zwei Jahre nach der ursprünglichen Veröffentlichung eine weitere Plattform an? Publisher Thunderful Games hat Fans auf der hybriden Konsole wohl nicht vergessen und möchte auch diese Zielgruppe mit einem der interessantesten Puzzler der letzten Jahre bedienen. Ich habe bereits 2023 reingeschaut, mich aber umso mehr gefreut, nach einiger Zeit auch durch die virtuelle Kamera der Nintendo Switch zu blicken. In diesem Test erfahrt ihr, ob ich noch immer ein riesiger Fan von Viewfinder bin oder nicht doch alles eigentlich eine verwobene Erinnerung aus vergangenen Tagen ist.
Positioniert euch an der richtigen Stelle, um die Fotos in die Welt "einzugravieren"
© Thunderful Games / Sad Owl Studios
In Viewfinder schlüpft ihr in die Rolle einer namenlosen Hauptfigur und streift mit der Egoperspektive durch eine verwinkelte und surreale Welt. Diese Simulation, in der ihr euch befindet, wurde von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern kreiert, um die Menschheit vor Naturkatastrophen zu retten. Dabei werdet ihr von Chi und Cait begleitet – Chi ist eine digitale Katze, auf welche ihr hin und wieder trefft, und Cait stellt eine Wissenschaftlerin des Projektes dar. Sie erschuf die Simulation und steht euch bei, während ihr schrittweise Caits Arbeit nachvollzieht.
Umgeben von Simulationspanelen fragt ihr euch als Hauptperson: Was ist real? Was ist mit der Menschheit passiert und wo passe ich eigentlich in dieses Gesamtbild? Diese eher philosophischen Fragen erinnern stark an The Talos Principle, der Erzählstil orientiert sich allerdings an The Stanley Parable – das bedeutet dementsprechend: Stimmen aus dem Off, kryptische Nacherzählungen und verteilte Hinweise in der Welt. Diesen geht ihr nach, während ihr kleinere Umgebungspuzzles löst und den Stimmen lauscht. Hier steht spielerische Entspannung im Vordergrund und ihr interpretiert den Titel auf eure ganz eigene Weise – eben das, was solche Rätselspiele unter anderem ausmacht. Die kurze Story ist spannend aufgemacht und nicht nur das inhaltliche Rätseln motivierte enorm, sondern auch das schrittweise Entfalten der Welt. Besonders der philosophische Ansatz der Realität, gefangen im Surrealismus. hat es mir wirklich angetan. Hier muss ich aber sagen, dass eine solche Kost zwar nicht für Jedermann ist, ihr aber unbedingt mal reinschauen solltet – denn auch die Rätsel und das gemütliche Gameplay machen einiges her.
Im Laufe des Spiels überrascht euch Viewfinder mit immer neuen Ideen
© Thunderful Games / Sad Owl Studios
Spielerisch orientiert sich Viewfinder an dem perspektivischem Puzzler Superliminal. Wie oben angesprochen, wandert ihr mit einer Egoperspektive durch die Level. Zu Beginn sammelt ihr Bilder, welche ihr in der Welt „eingraviert“ – später schießt ihr auch eigene Fotos und überlegt so, wie ihr ans Ziel kommt. „Eingravieren“ bedeutet in diesem Fall, dass ihr ein Foto in der Hand haltet und dieses kurzerhand in eure Welt reinschmilzt. Zuerst schafft ihr somit Brücken und durchquert allerlei Hindernisse, später müsst ihr die Bilder auch drehen und präziser perspektivisch anpassen – hier wächst Viewfinder wirklich über sich hinaus und schafft neue Maßstäbe im Rätselgenre. Während The Talon Principle in Sachen Rätseln ebenfalls Logikmeilensteine bricht, Portal hingegen physikbasierte Rätsel revolutionierte, möchte ich Viewfinder mit seinen Perspektivrätseln auf ein ähnliches Treppchen stellen. Diese Art, Rätsel zu präsentieren und lösbar zu gestalten, sticht wirklich hervor und hielt mich den gesamten Spielzeitraum an der Stange – eben wie im Jahr 2023 schon. Gleichzeitig präsentiert der Titel eben eine philosophische Geschichte, die sich mit dem „Outside-the-Box“-Gameplay deckt – und mich vollkommen einsog.
Mit seinen vier bis sechs Stunden stellt Viewfinder ein vergleichsweise kurzes Erlebnis dar. Erwartet hier keinen Rätselbrecher, der euch bis zu 25 Stunden vereinnahmt (wie beispielsweise The Talos Principle). Auch der Schwierigkeitsgrad der Rätsel kommt nicht an The Talos Principle heran, sondern orientiert sich eher an den Portal-Spielen – eben ein entspanntes Rätselabenteuer zum Herunterkommen, das allerdings nicht weniger Spaß macht. Vielleicht wollten die Sad Owl Studios, die Entwickler, ein Rätselspiel für alle Altersgruppen auf die Nintendo Switch portieren, was sie mit Viewfinder definitiv geschafft haben.
Technisch überrascht die neue Version ebenfalls: Auch wenn ihr visuelle Abstriche machen müsst und auch der Input etwas hinkt (wie bei Third-Party-Ports eigentlich immer), solltet ihr auch auf der Nintendo Switch nochmal zugreifen. Das Spiel hält die 30 Bilder pro Sekunde und grafisch kann ich eigentlich nichts aussetzen. Klar, ihr dürft kein grafisches Wunderwerk wie The Talos Principle 2 erwarten, dennoch macht der minimalistische und teilweise unkonventionelle Look von Viewfinder auch in niedrigerer Auflösung einiges her.
Ich bin zwar vor knapp zwei Jahren schon einmal in die perspektivische Simulation eingetaucht, trotzdem fühlten sich die altbekannten Rätsel irgendwie neu an – wie ein erfrischendes Wiedersehen mit alten Freunden. Glücklicherweise könnt ihr auch auf der Nintendo-Switch-Version allerlei Erfolge sammeln, um noch etwas mehr Spielzeit herauszukitzeln. In der Regel werdet ihr für neugieriges Spielverhalten belohnt und erschafft so auch das ein oder andere witzige, etwas selbstreferenzielle Szenario. Viewfinder erscheint am dritten Dezember für 24,99 Euro im Nintendo eShop. Auch wenn der Preis für eine Portierung aus dem Jahre 2023 mit dieser kurzen Spieldauer recht hoch erscheint, greift zu. Es lohnt sich.
Unser Fazit
9
Geniales Spiel