Test zu Kirby Air Riders - Nintendo Switch 2
Ein Spiel voll mit Liebe zum Detail
-
19. November 2025 um 12:00 - Ilja Rodstein
Als der Fun-Racer Kirby Air Ride im Jahr 2003 erschien, waren viele von unseren Lesern noch gar nicht geboren. Das Spiel, welches der aus der Super Smash Bros.-Reihe bekannte Director Masahiro Sakurai entwickelt hatte, bot einen etwas anderen Ansatz als gewöhnliche Rennspiele. Allein das Menü hat sehr stark an Super Smash Bros. Melee erinnert und auch das Spiel war grenzenlos anpassbar. Neben dem Control-Stick benötigte der Racer damals nur eine einzige Taste zum Bremsen und Boost-Aufladen, sodass man es theoretisch mit nur einer Hand spielen konnte. Die Steuerung war sehr fummelig, aber das Spiel dafür ein Einzelstück.
Über 20 Jahre später kündigte Nintendo dann völlig überraschend in der ersten Nintendo Direct zur Nintendo Switch 2 den Titel Kirby Air Riders an, welcher kein Remake, sondern eine vollkommen neue Entwicklung war. Der Nachfolger wurde umfassend in zwei jeweils einstündigen Präsentationen mit dem Director Masahiro Sakurai vorgestellt und nun erscheint er als Exklusivtitel für die Nintendo Switch 2. Während Kirby Air Ride noch ein Spiel unter hohem Zeitdruck war, hat die Entwicklung von Air Riders mehrere Jahre gedauert und konnte daher entsprechend optimiert werden. Wir konnten uns einen detaillierten Eindruck vom Spiel verschaffen und berichten euch, ob sich der Titel nur für Nostalgiker oder auch für Quereinsteiger lohnt.
Viele verglichen Kirby Air Riders nach der Ankündigung mit anderen Fun-Racern wie Mario Kart World oder Sonic Racing: CrossWorlds, die ebenfalls in diesem Jahr erschienen sind. Ich würde Kirby Air Riders allerdings nicht in diesen Topf werfen, denn das Spiel verfolgt ein komplett anderes Konzept und richtet sich auch an eine völlig andere Zielgruppe. Für Casual-Spieler dürfte er eine ziemlich große Herausforderung darstellen, denn er ist weniger zugänglich als die beiden anderen Fun-Racer und trotz der einfachen Steuerung ziemlich schwer zu erlernen.
Mit neun neuen Strecken lässt euch das Spiel verschiedene Gegenden erkunden
© Nintendo / Sora / HAL Laboratory, Inc.
Wie im Vorgänger konzentriert sich das Spiel auf eine Ein-Knopf-Steuerung. Die Fahrzeuge geben automatisch Gas; drückt ihr die Taste, bremst das Fahrzeug ab und lädt einen Boost auf, welcher es ermöglicht, die Kurven scharf zu nehmen. Doch die gleiche Taste ist auch dazu da, Gegner einzusaugen, um deren Fähigkeiten à la Kirby zu kopieren. Ihr könnt auch eine Wirbelattacke ausführen, indem ihr den linken Stick schnell nach links und rechts bewegt. (Hierfür hätte ich mir zumindest eine eigene Taste gewünscht.) Klingt doch ganz einfach, oder nicht? Nicht wirklich, das Spiel erfordert dennoch einiges an Zeit, um wirklich reinzukommen. Im Spiel ist zwar ein Tutorial verbaut, welches jedes Manöver, die meisten Items und die Steuerung sehr detailliert erklärt. Doch auch wenn man dieses komplett durchgespielt hat, ist die Spielpraxis das Entscheidende. Die erste Spielstunde war ich mit dem Spiel noch überfordert, doch je mehr ich es gespielt habe, umso sicherer wurde ich mit den Fahrzeugen und umso weniger kam ich bei jeder Kurve an die Bande. Falls ihr also keine Geduld aufbringen könnt, solltet ihr vielleicht eher einen Bogen um das Spiel machen. Perfekt zum Einlernen ist auch der Road Trip-Modus, hierzu aber später mehr.
Das Spiel enthält verschiedene Charaktere und Fahrzeuge, die im Spiel „Maschinen“ genannt werden. Es ist aber nicht so wie bei anderen Fun Racern, bei denen die Wahl des Fahrzeugs nur die Stats beeinflusst. Stattdessen haben die Charaktere neben den Stats allesamt verschiedene Fähigkeiten zum Angreifen und die Fahrzeuge steuern sich jeweils komplett anders. So gibt es beispielsweise Fahrzeuge, die deutlich besser fliegen, andere bleiben eher auf dem Boden, lassen sich nur durch das Aufladen lenken oder benötigen sehr lange zum Beschleunigen und sind eher auf geraden Strecken präsent. Klassische Items gibt es nicht, sondern Kopierfähigkeiten, die euch für eine gewisse Zeit eine Fähigkeit verleihen. Neben vielen Fähigkeiten aus dem Vorgänger wurden auch einige neue aufgenommen. Sie sind eine gute Ergänzung und in manchen Modi mehr, in anderen weniger wichtig. Neu ist auch die Spezial-Taste, die beim Pro Controller standardmäßig der Y-Knopf ist. Hiermit lassen sich Spezial-Attacken ausführen, die von Charakter zu Charakter verschieden sind und euch entweder angreifen lassen oder beschleunigen. Dies hebt die einzelnen Charaktere voneinander ab und ist daher auch eine positive Ergänzung.
Die drei Hauptmodi Air Ride, Top Ride und City Trial sind der Kern des Spiels und umfassen komplett verschiedene Spielprinzipien. So könnt ihr in Air Ride auf neun neuen und neun alten Strecken spannende Rennen fahren. Diesmal sind nicht vier, sondern sechs Spieler dabei und dadurch wurden die Strecken auch ein wenig breiter. Diese sind zudem hübsch anzusehen, und auch die verschiedenen Fahrer-Maschine-Kombinationen auszuprobieren, macht wirklich Spaß. Sowohl die neuen als auch die alten Strecken sind untereinander völlig unterschiedlich und gut gestaltet worden. Je sicherer man bei den Strecken wird, umso weniger stößt man an die Kanten und es gibt manchmal Abkürzungen, die euch einen gewissen Vorteil verschaffen. Wie gewohnt gibt es auch hier viele Einstellungsmöglichkeiten: Ihr könnt die Rundenanzahl bestimmen sowie die Anzahl der Fahrer und sogar auf Zeit spielen. So wird nach dem Ablauf des Timers die Platzierung, die zu dem Zeitpunkt besteht, aufgelöst. Weiterhin könnt ihr ein Staffel-Rennen fahren, bei dem ihr jede Runde eure Maschine wechselt. Dies ist völlig neu und gab es nicht im Vorgänger. Neben den Rennen stehen euch noch die zwei Optionen „Auf Zeit“ und „Freie Fahrt“ zur Verfügung, wobei ihr Zeitrennen machen oder einfach gemütlich eure Runden drehen könnt, um die Strecke zu erkunden. Es ist sehr schade, dass eure Zeitrekorde lediglich lokal gespeichert werden, eine Online-Rangliste oder wenigstens ein Vergleich mit Freunden existiert nicht. Da nicht alle Maschinen gleich schnell sind, wird pro Maschine ein eigener Rekord gespeichert.
Mit dem Modus Top Ride könnt ihr auch zu viert auf einer Bildschirmanzeige spielen
© Nintendo / Sora / HAL Laboratory, Inc.
Der Modus Top Ride ist ebenfalls eine sehr willkommene Rückkehr. Bei diesem Modus fahrt ihr Rennen auf sehr ähnlichen Strecken aus der Top-Down-Perspektive. Hierbei gibt es zwei Möglichkeiten, die Fahrer zu steuern: Ihr könnt euch entweder mit dem Stick nach links und rechts bewegen oder entsprechend ausrichten, in welche Richtung ihr fahren möchtet. Mit dabei sind auch viele Items, die exklusiv in diesem Modus sind, wie zum Beispiel brennende Reifen, die man beim Driften hinterlässt. Der Modus ist sehr kurzweilig und lässt sich auf großen Bildschirmen sehr gut mit mehreren spielen. Im Vergleich zum Vorgänger sind die Strecken deutlich größer und abwechslungsreicher geworden und an die Originale aus dem Air Ride-Modus angelehnt. Hier gibt es ebenfalls die Optionen „Auf Zeit“ und „Freie Fahrt“, die genauso wie im Air Ride-Modus funktionieren. Insgesamt kann der Modus mit acht Spielern gespielt werden, also doppelt so vielen wie im Vorgänger.
Besonders geschätzt wurde im Vorgänger von vielen der City Ride-Modus, welcher ziemlich einzigartig war. Auch dieser ist zurück und für mich ebenfalls ein großes Highlight geworden. Hier habt ihr (wenn nicht anders eingestellt) fünf Minuten Zeit, so viele Verstärkungen wie möglich zu sammeln, um eure Maschine so weit zu entwickeln, dass sie den finalen Wettbewerb gewinnt. Es gibt dabei eine sehr große Karte, welche verschiedene Pfade und Bereiche enthält, die sowohl überirdisch als auch unterirdisch viele Geheimnisse bereithält. Doch es geht nicht nur darum, Fähigkeiten zu sammeln, es gibt zudem 40 verschiedene Ereignisse, die zufällig während der Party auftreten können. So tauchen zum Beispiel riesige Bossgegner auf, die ihr für eine Belohnung zerstören müsst, alle Spieler bekommen eine besondere Fähigkeit und manchmal werden auch Rennen und Derby-Wettkämpfe gefahren, die euch je nach Platzierung entsprechende Belohnungen versprechen. Möchtet ihr die Maschine wechseln, befinden sich überall Alternativen, auf die ihr nach Belieben umsteigen könnt. Ihr könnt hier entweder sicher die Verstärkungen sammeln oder die Gegner angreifen und so deren Verbesserungen wegnehmen.
Bei den ersten Spielen fühlt sich der Modus noch sehr chaotisch an, doch je mehr man sich einfindet, umso mehr Spaß macht es und umso taktischer geht man beim Spielen vor. Durch die stets unterschiedlichen Events hat der Modus einen sehr hohen Wiederspielwert und fühlt sich jedes Mal gänzlich anders an. Sobald die fünf Minuten vorbei sind, habt ihr eine von vier zufälligen Herausforderungen zur Auswahl. Diese können beispielsweise ein Rennen sein, wenn ihr gute Lenk- und Geschwindigkeitsfähigkeiten gesammelt habt, oder ihr wählt Derby, falls ihr eure Stärke und Verteidigung zeigen wollt, oder den Weitsprung, falls eure Flugfähigkeiten sehr gut sind. So wird der Glücksfaktor vom alten Spiel deutlich heruntergesetzt, denn früher gab es keine Auswahl und ihr hättet ein Rennen fahren müssen, obwohl ihr euch auf Angriffs- und Verteidigungsfähigkeiten fokussiert habt. Das heißt, unter den 16 Spielern gibt es nicht nur einen Gewinner, denn ihr könnt in einem von vier Modi gewinnen. Spielt ihr mit mehreren an einer Konsole, wird abgestimmt und unter den Stimmen ausgelost, was das Ganze zwar kompetitiver macht, aber wieder eine kleine Portion Glück einbaut. Falls ihr nicht unbedingt Lust auf die Fahrt durch die Stadt habt, könnt ihr im Stadion-Modus die entsprechenden finalen Wettkämpfe auch allein spielen. Diese sind ziemlich abwechslungsreich und haben Minispielcharakter. Ihr könnt natürlich auch in Freie Fahrt die Stadt erkunden und so die Geheimnisse ohne Druck aufdecken. Dieser Modus ist mit Abstand mein Highlight des Spiels und auch nach mehreren Stunden habe ich nicht genug und entdecke stets neue Orte und Events.
Völlig neu ist der Solo-Modus Road Trip, welcher alle drei bisher genannten Modi in sich vereint. Es ist kein klassischer Story-Modus, auch wenn er durch die wirklich hochwertig gemachten Zwischensequenzen begleitet wird. Es geht hier eher darum, Herausforderungen zu meistern. Ihr bewegt euch auf einer geraden Strecke und müsst eine von drei Herausforderungen auswählen, die neben Bosskämpfen auch Zeitrennen, Derby-Challenges, Minispiele und vieles, vieles mehr beinhalten. Ich bin inzwischen der Meinung, dass dieser Modus wesentlich besser ist als das Tutorial, denn hier lernt man viel mehr und durch den steigenden Schwierigkeitsgrad wird man mehr gefordert. Wie in City Trial sammelt man hier Fähigkeiten für den Charakter ein und kann zwischendurch Maschinen wechseln. Insgesamt ist der Modus sehr abwechslungsreich, damit besonders unterhaltsam und ein perfekter Einstieg, da dieser alle drei Hauptmodi miteinander vereint.
Alle drei Hauptmodi unterstützen einen Mehrspieler für bis zu vier Spieler auf einer Konsole. Seid ihr mehr als zwei Spieler, sinkt die Bildrate allerdings auf 30 Bilder pro Sekunde. Dies mag vielen vielleicht nicht auffallen, ich empfand es aber durchaus störend. Falls ihr mehrere Nintendo Switch 2-Konsolen habt, könnt ihr auch einen lokalen Mehrspielermodus spielen, welcher es euch ermöglicht, mit bis zu vier Konsolen und jeweils einem individuellen Bildschirm zu spielen. Schade ist die Abwesenheit des GameShare-Features der Nintendo Switch 2, denn mit diesem hättet ihr mit nur einem Spiel vier Konsolen (darunter auch die Nintendo Switch) nutzen können, aber womöglich ist das Spiel zu komplex für dieses Feature.
Alle Modi lassen sich mit einer bestehenden Nintendo Switch Online-Mitgliedschaft auch online spielen, allerdings nur, wenn ihr allein an der Konsole seid. Einen Couch-Koop-Modus für mehr als nur einen Spieler gibt es im Online-Modus nicht. Ihr könnt euch aber selbstverständlich mit euren Freunden, die das Spiel ebenfalls besitzen, zusammenschalten. Allerdings gibt es auch hier Einschränkungen, denn ihr könnt mit Freunden lediglich City Trial mit fremden Spielern spielen. Für die Modi Air Ride und Top Ride benötigt ihr eine eigene Lobby, hier „Fahrerlager“ genannt, welche ihr entweder mit befreundeten Spielern füllt oder mit Computerspielern auffüllen lasst. Folglich bleiben euch mit Freunden nicht besonders viele Optionen. Alle drei Modi enthalten eine optionale Ranglistenfunktion, mit der ihr euch mit der Welt messen und folglich aufsteigen könnt. Jeder Spieler kann zudem einen sogenannten Rider-Pass editieren – eine Karte mit eurem Rang, einem Spruch, eurem Namen und mehreren Symbolen, die ihr frei gestalten könnt. So entstehen für alle individuelle Rider-Pässe, die ihr online teilen könnt.
Die Performance in dem Spiel ist stabil, mir sind keine wirklichen Ruckler aufgefallen. Aufgrund der Testzeit vor dem Release konnte ich das Spiel nur in sehr kleinen Lobbys spielen, aber in der Demo Global Test Ride den City Trial mit bis zu 16 Spielern ausprobieren, und auch das lief bei mir stets reibungslos. Ich bin mir daher sicher, dass die Performance nicht viele Probleme machen wird.
Doch es wäre kein Spiel von Masahiro Sakurai, wenn das schon alles wäre. Dieser hat das Spiel mit so vielen Inhalten gefüllt, dass ihr diese teilweise nie nutzen werdet. Wer die Meilensteine aus Super Smash Bros. kennt, wird die Checkliste in Kirby Air Riders wiedererkennen (auch Kirby Air Ride hatte ein ähnliches System). Hierbei müsst ihr verschiedene Tafelfelder durch Aufgaben freischalten. Manchmal sind es Aufgaben wie „Beende das Rennen auf dieser Strecke auf dem 1. Platz“, andererseits auch schwierigere Challenges wie „Treffe 3 Gegner gleichzeitig mit einem Item“. Für Completionists ist das Spiel ein wahrer Traum, denn insgesamt 750 verschiedene Aufgaben versprechen einen gigantischen Spielumfang, wenn ihr gerne Sachen freischaltet. Ihr könnt hierbei Modi, Fahrer, Maschinen und vieles mehr, etwa Aufkleber für den Rider-Pass, freischalten.
Das Einstellungsmenü ist ebenso prall gefüllt mit Möglichkeiten. So könnt ihr in jedem Modus diverse Einstellungen vornehmen, die ihr womöglich nie benötigen werdet. Allein die Statistiken sind so detailreich, dass ihr 20 Sekunden braucht, um von oben nach unten zu scrollen. Hinzu kommen Wiederholungen der vergangenen 20 Rennen, die stets gespeichert und langfristig gesichert werden können. Die Optionen sind enorm, ihr könnt beispielsweise die Platzierung der einzelnen Info-Anzeigen einstellen, Tipps an- und ausschalten, den 2-Spieler-Splitscreen nebeneinander oder übereinander platzieren, diverse Farbfilter für Farbenblinde aktivieren und sogar die Steuerung anpassen (die eigentlich nur zwei belegbare Tasten hat). Man kann sich hier als Spieler wirklich austoben, was eigentlich löblich ist, aber auch erschlagen kann, da sich die gleichen Menüpunkte teilweise aus drei bis vier verschiedenen Menüs abrufen lassen. Zudem gibt es die Möglichkeit, seine Maschine zu gestalten und mit Accessoires, Farben oder Mustern und Symbolen zu individualisieren. Es ist zwar keine Funktion, die ich selbst nutzen würde, aber für Freunde der Individualisierung wohl genau das Richtige.
Insgesamt ist die Technik des Spiels gut gelungen, es läuft flüssig und sieht meist relativ hübsch aus. Es ist aber dennoch ein Spiel, welches ich auch auf einer Nintendo Switch gesehen hätte, denn bei den Texturen wäre da sicherlich noch Luft nach oben. Richtig überzeugen kann dafür der Soundtrack. Er ist zwar nicht so umfangreich wie bei Super Smash Bros., aber ich finde viele Tracks wirklich gelungen und habe sie bereits vorab in Nintendo Music angehört. Besonders ist auch die Implementierung von Ansagern; in jeder Sprache könnt ihr eine von zwei Stimmen wählen. Falls ihr lieber eine japanische Sprachausgabe haben möchtet, steht auch diese zur Auswahl. Der Ansager ist hier sehr ähnlich wie in Super Smash Bros.
Unser Fazit
9
Geniales Spiel