Test zu Yakuza Kiwami - Nintendo Switch 2
Vom Knacki zum Babysitter
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28. November 2025 um 18:00 - Felix Kraus
Ach ja, Yakuza Kiwami ... die Neuauflage des Serienbeginns feierte 2016 ihr Debüt auf der PlayStation 4 in Japan (dort auch auf der PlayStation 3) und schwappte ein Jahr später über die Landesgrenze zu uns. In der Zwischenzeit feierte das fernöstliche Action-Adventure aus dem Hause Ryu Ga Gotoku Studio und SEGA seine Veröffentlichung auf dem PC, Xbox-Konsolen und erst im letzten Jahr sogar auf der Nintendo Switch (unseren dazugehörigen Test findet ihr hier). Und nun, vor wenigen Wochen, am 13. November 2025, ging das schlagkräftige Abenteuer rund um die japanische Kriminalunterwelt auch auf der Nintendo Switch 2 an den Start – zusammen mit dem neu aufgelegten Nachfolger Yakuza Kiwami 2, welchen wir allerdings in einem separaten Text behandeln werden. Der nachfolgende Test soll sich abermals mit der Geburtsstunde des nunmehr renommierten Videospielhelden Kazuma Kiryu beschäftigen.
Yakuza Kiwami ist das Remake des Serienerstlings, der initial 2005 auf der PlayStation 2 an den Start ging, sprich der Startschuss der mittlerweile weltweit bekannten Reihe um den charmanten Mafioso Kazuma Kiryu. Schon in den ersten paar Spielstunden wird klar, welch ein Wagnis Yakuza seinerzeit war. Ich möchte an dieser Stelle hinzufügen, dass ich den Titel seinerzeit bereits auf der PlayStation 4 vollständig genießen durfte – und selbst mit diesem Vorwissen fiel es mir zu Beginn schwer, der Handlung zu folgen. Was euch dort in wenigen Minuten an Begriffen, Namen und Plots um die Ohren gepfeffert wird, kann man kaum in einem Satz zusammenfassen.
Also da ist unser miesepetriger, aber irgendwo auch gutherziger Protagonist Kazuma Kiryu, der eben noch kurz davor ist, seine eigene kleine Verbrecherbande zu leiten, jedoch jäh seines Traums beraubt wird, weil er sich dazu entscheidet, einen Freund in einem Mordfall zu decken. Daraufhin landet unsere Spielfigur erst einmal im Gefängnis, wo er den Großteil der Neunziger verbringt. Nach etlichen Jahren Knast seid ihr nun wieder auf freiem Fuß und stolpert gleich in das nächste Malheur: der Clan wurde bestohlen. Satte zehn Milliarden Yen hat der Dieb eingeheimst. Euer Freund, den ihr seinerzeit gedeckt habt, ist mittlerweile Familienoberhaupt und ein ganz schöner Stinkstiefel. Ach ja, und euer einstiges Love Interest ist spurlos verschwunden ... aber stattdessen taucht das Kind ihrer Schwester auf.
Ihr seht, da ist viel los in Japans Rotlichtbezirk – und die ganzen kleinen Nebengeschichten wurden an dieser Stelle nicht einmal angerissen. Das sind ganz schön viele lose Handlungsstränge, die da scheinbar unverwandt vor euren Augen baumeln. Doch Yakuza Kiwami schafft es doch tatsächlich, das Ganze zu einer kohärenten Geschichte zu verweben; und hier liegt sicherlich auch das Geheimnis des Serienerfolgs. Nichtsdestotrotz empfiehlt sich an dieser Stelle reichlich Sitzfleisch, Durchhaltevermögen und eine hohe Toleranz für fernöstlichen Blödsinn, wenn auch der erste Teil noch nicht ganz so sehr auf den Putz haut wie seine Nachfolger. Für einen simplen Durchgang ohne großartigen Schnickschnack drumherum, veranschlagt Yakuza Kiwami etwa zwanzig Spielstunden. Wer das Action-Adventure allerdings voll auskosten möchte, kann gut und gerne viermal so viel Zeit investieren.
Denn abseits der Haupthandlung gibt es allerhand zu entdecken. Ob Minispiele, Sammelkram oder humorvolle Nebenmissionen – Yakuza Kiwami bringt alles mit und packt es in seine überschaubare Spielwelt. Trällert in der Karaoke-Bar ein paar Lieder, beweist euch in „Pocket Circuit“-Rennen oder findet zu eurer alten Stärke wieder, die während eures Aufenthalts hinter schwedischen Gardinen etwas eingerostet ist. Zwar kommt die Inszenierung der einzelnen Nebentätigkeiten nicht an die der Kampagne heran, charmant ist sie jedoch allemal.
Apropos alte Stärke, in Yakuza Kiwami wird selbstverständlich jede Menge geprügelt. Ja, Auseinandersetzungen werden nicht in GTA-Manier mit dem Schießeisen (oder nur ganz selten) gelöst, sondern mit der Faust. Und das nimmt durchaus komödiantische Züge an – denn die Ganoven wollen euch wirklich für die fadenscheinigsten Gründe aufs Maul hauen. Mal blockiert ihr den Weg, mal passt ihnen euer Gesichtsausdruck nicht und an anderer Stelle steht ihnen schlichtweg der Sinn nach einer Schlägerei. Ihr habt es mittlerweile sicherlich erahnen können: Backenfutter wird in Yakuza Kiwami in üppigen Portionen serviert. Und hier muss ich mich leider der Meinung unseres Redakteurs Michael anschließen. Denn trotz der vier Stile und allerlei Variationen, konnte und kann mich das Kampfsystem leider nicht abholen. Insbesondere Bosskämpfe ziehen sich teilweise wie Kaugummi, da die Widersacher wirklich, wirklich viel einstecken können und gefühlt keinerlei Reaktion auf die stumpfe Gewalteinwirkung eurerseits zeigen. Daran können auch die cool choreografierten Heat-Aktionen nichts rütteln.
Kommen wir nun aber zur Technik. Yakuza Kiwami läuft auf der Nintendo Switch 2 mit butterweichen 60 Bildern pro Sekunde, ohne jedweden Einbruch, was dem Spielfluss und der Action äußerst zuträglich ist. Klar sieht man dem Spiel an, dass es schon einige Jahre auf dem Buckel hat. Gerade Figurenmodelle und deren Mimik wirken heutzutage etwas hölzern und rudimentär. Auch fällt das Spiel mit häufigen Ladezeiten negativ auf, wo doch die detailverliebte und liebevoll gestaltete Spielwelt so sehr zum Erkunden einlädt. Was die Auflösung angeht, fällt der Unterschied weniger groß aus. Das liegt aber auch daran, dass man auf der Nintendo Switch seinerzeit schon einen soliden Job abgeliefert hat. An dieser Stelle wollen wir zudem noch erwähnen, dass ihr euren Nintendo Switch-Spielstand auf das Upgrade übertragen könnt, allerdings nicht vice versa.
Unser Fazit
7
Spaßgarant