Test zu Hot Wheels Let's Race: Ultimate Speed - Nintendo Switch
Ein rasantes Lizenzspiel, das seinem Stereotyp nur zu Teilen gerecht wird
-
2. Januar 2026 um 15:00 - Michael Barg
Lizenzspiele… was in den 90er-Jahren noch als Qualitätssiegel galt, ist in der aktuellen Moderne eher ein Grund mehr, dieses Spieleregal im lokalen Händler lieber zu meiden. Hot Wheels Let's Race: Ultimate Speed könnte auch in diesem Regal stehen, doch nachdem wir uns einige Stunden mit diesem Titel beschäftigt haben, können wir sagen: Es gibt nach wie vor kein Schwarz oder Weiß; die Wahrheit liegt – wie so oft – irgendwo dazwischen. Die Hot Wheels-Marke von Mattel steht jedenfalls seit jeher für analogen wie auch digitalen Racing-Spaß, der vor allem die jüngere Generation ansprechen soll. Mit einer Netflix-Serienadaption, die "Hot Wheels Let's Race" getauft wurde, erschloss sich Mattel eine neue, sehr junge Zielgruppe – die schon bald auch in die digitale Welt der Serie abtauchen soll. Wir haben uns den Titel genauer angeschaut und verraten euch hier, ob der Titel dem Hot Wheels-Qualitätsmaßstab gerecht wird oder doch eher in der Lizenz-Kiste versauern sollte.
Die Prämisse der 2024 veröffentlichten Netflix-Serie und somit vom Spiel ist schnell erklärt: Hot Wheels Let's Race erzählt eine Geschichte über sechs junge Fahrerinnen und Fahrer, die zum "Hot Wheels Ultimate Garage Racing Camp" eingeladen werden. Dort werden sie ausgebildet, "die nächste Generation von abgefahrenen Rennfahrerinnen und -fahrern zu werden." Das Ziel? Wie immer: der Ultimate Garage-Champion zu werden!
Hieran orientiert sich auch das Grundprinzip vom Racer für die Nintendo Switch – die Videospieladaption ist zwar storyarm und bildet nur den Rahmen, führt aber verschiedene Charaktere mit eigenen Attributen ein. Das ist soweit in Ordnung und eine tiefe Story erwarte ich bei einem Fun-Racer sowieso nicht – der Rahmen ist aber im Grunde ganz nett umgesetzt und bildet einen angemessenen Hintergrund.
Angekommen in der sogenannten Garage könnt ihr zwischen verschiedenen Racing-Modi wählen oder ganz Hot Wheels-typisch eine eigene Strecke bauen. Gehen wir die Inhalte aber mal Schritt für Schritt durch: Das große Aushängeschild dürfte natürlich das Camp sein, in welchem wir uns befinden. Darüber hinaus gibt es eher klassische Modi wie der Championpokal, das freie Rennen und Zeitfahren.
Das Fahrgefühl ist leider etwas steif, rasante Geschwindigkeit kommt trotzdem auf
© Mattel / GameMill Entertainment
Das Camp fungiert einerseits als Tutorial, mit welchem ihr starten solltet, andererseits stellt das Camp die Kampagne dar. Hier könnt ihr zwischen verschiedenen Schwierigkeitsgraden und unterschiedlichen Charakteren wählen. Mit jedem Sieg geht es eine Runde weiter auf eine neue Strecke – der Progress ist sehr linear und weitestgehend fahrt ihr ein Rennen nach dem anderen. Für jedes Rennen gibt es Belohnungen und ihr steigt weiter in der Karriereleiter auf.
Die Belohnungen bestehen aus neuen Karts, Stickern und Streckenteilen – ja, richtig gelesen: Ihr könnt nicht nur neue Teile für eigene Strecken sammeln, sondern auch auswählen, welcher Teilbereich zur aktuellen Strecke hinzugefügt wird. Vermutlich sollt ihr hier den Lieblingsbereich auswählen, welcher euch am ehesten liegt. Daneben bringt die Auswahl etwas Abwechslung ins Geschehen. Habt ihr gar kein Interesse daran, einen Teil auszuwählen, sondern nehmt immer den gleichen Streckenabschnitt, wirken die Strecken bald sehr eintönig. Für etwas Abwechslung solltet ihr euch ausprobieren – in Hot Wheel's Let's Race: Ultimate Speed bestimmt ihr also, wie die Strecken aussehen sollen. Das kann interessant sein – ich allerdings empfand diese Design-Entscheidung als schwierig, weil mir so zu viel in die Hände gelegt wird. Ich lasse mich gerne positiv und kreativ in unseren geliebten Racern überraschen. Wenn ich die Teile selbst auswählen kann, gibt es zwar unzählige Kombinationen – gleichzeitig wird die Strecke dadurch aber erwartbar und teils trotzdem irgendwie eintönig.
Und das ist ein großes Problem vom Spiel: Die Strecken wirken überwiegend zu ähnlich und wenig abwechslungsreich. Während wir in anderen Kart-Racern viele Themen durchfahren und immer wieder überrascht werden, befinden wir uns in Hot Wheels thematisch eigentlich immer auf den gleichen Plastikrennstrecken. Versteht mich nicht falsch: Wenn wir uns die Serie oder die analogen Spielzeuge anschauen, ergibt diese Design-Entscheidung total Sinn; als Videospieladaption wird dies jedoch leider schnell langweilig. Gleichzeitig strotzt der Titel nur so von Inhalten und Streckenvariationen – eigentlich paradox, oder?
Der Schaltknüppel wird in vielen Bereichen des Spiels in eure Hand gelegt. So könnt ihr beispielsweise auch Sticker für eure Autos aussuchen, die euch bestimmte Power-ups geben. Hier könnt ihr aus verschiedenen Fähigkeiten wählen, was an sich ganz nett ist und mal einen anderen Pfad im Genre einschlägt, doch so bleiben auch die Skills im Rennen immer die gleichen. Generell fühlt sich das Spiel also auch hier so an, als würde ich ständig die immergleichen Strecken abfahren. Für mich als Genre-Fan entsteht so eine Eintönigkeit – für Neuankömmlinge oder junge Fans von Hot Wheels könnte dies natürlich anders aussehen.
Was allerdings für weitere Abwechslung sorgt, ist ein Bosskampf nach einigen Rennen. Diese scheinen aus der Serie zu stammen und lockern das Fahrgeschehen etwas auf. Im Prinzip fahrt ihr eine Strecke entlang, müsst einige Items aufsammeln und diese im richtigen Moment auf den Bossgegner werfen. Viel Skill müsst ihr dafür nicht aufwenden, als kleiner pompöser Abschluss eines Cups sind sie allerdings ganz nett.
Hot Wheels Let's Race: Ultimate Speed glänzt allerdings da, wo es soll: im Streckeneditor. Wie oben angesprochen, schaltet ihr im Laufe der Zeit viele Streckenteile frei und könnt damit ganz eigene Tracks kreieren. Egal ob Loopings, viele Kurven oder Schrauben – eurer Fantasie ist hier keine Grenze gesetzt und das möchte ich lobend hervorheben. Was die vorgefertigten Strecken nicht wirklich hinbekommen, könnt ihr ganz einfach selbst im Streckeneditor ergänzen.
So, jetzt haben wir viel über den Rahmen und die vielen Inhalte des Spiels gesprochen – wie spielt sich der ganze Spaß denn eigentlich? Na ja, hier kommen wir zum eher unschönen Lizenzspielteil des Titels. Entwicklerstudio von Hot Wheels Let's Race: Ultimate Speed ist Bamtang Games in Zusammenarbeit mit Publisher GameMill Entertainment – die Spieleschmiede, die bereits für den DreamWorks-Racer verantwortlich ist. Und was soll ich sagen? Diese Spiele haben bestimmt ihre Fangemeinde, doch auf der Nintendo Switch haben sie eine große Gemeinsamkeit: schwammiges und träges Fahrgefühl. Hier stellt das Hot Wheels-Spiel leider keine Ausnahme dar und das Fahrgefühl war eher unschön als ein rasantes Abenteuer.
Die Standardstrecken wirken zu generisch, daher baut doch einfach eure eigenen!
© Mattel / GameMill Entertainment
Natürlich geht es im Titel darum, mit Schnelligkeit als erster im Ziel zu landen; dazu könnt ihr auch driften oder von Plattformen springen – angenehm ist dieser Kern aber leider gar nicht, was sehr schade ist, denn von den vielen Inhalten und Modifikationsmöglichkeiten hätte das Gameplay wirklich profitieren können. Für eine junge Zielgruppe, die gerne eigene Strecken baut und in die Rennanzüge ihrer Heldinnen und Helden aus Netflix schlüpft, macht der Titel bestimmt einiges her – für uns war er allerdings nichts.
Trotzdem möchte ich ausnahmsweise mal den Zustand auf der Nintendo Switch loben: In den letzten Monaten graut es mir immer mehr, solche Spiele auf meiner Konsole zu starten, aber das Hot Wheels-Spiel macht generell eine ganz angenehme Figur. Es gab keine Abstürze und technisch lief der Titel ganz rund. Grafisch wäre zwar noch einiges mehr drin gewesen, aber hier habe ich schlicht keine hohen Erwartungen mehr. In manchen Bereichen ist der Titel von Input-Lag geplagt, auf der Rennstrecke verlief jedoch alles, wie es vorgesehen war. Aktuell ist der Titel im Nintendo eShop für 19,99 Euro zu haben und damit um satte 50 Prozent von den ursprünglichen 40 Euro reduziert. Für diesen Preis könnten die Kleinen reinschauen und einige Stunden an Spaß genießen – die älteren Racing-Fans sollten allerdings eher zu anderen Racern greifen.
Unser Fazit
6
Überzeugend