Test zu Dragon Quest VII Reimagined - Nintendo Switch 2
Wie die Neuinterpretation von Dragon Quest VII alles richtig macht
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2. Februar 2026 um 16:00 - Flokaaki | Atha
Seit Dragon Quest VII Reimagined in der Nintendo Direct vom 12. September 2025 erstmals der Öffentlichkeit präsentiert wurde, sind nur wenige Monate vergangen. Nun stehen wir kurz vor der Veröffentlichung am 5. Februar 2026. Nachdem Square Enix bereits die HD-2D Remakes von Dragon Quest I bis III veröffentlicht hat und uns seit geraumer Zeit regelmäßig mit Neuauflagen ihrer Klassiker versorgt, war ich dennoch überrascht, dass nun schon Dragon Quest VII an der Reihe ist. Doch auch diesmal beweist Square Enix ein glückliches Händchen. Sie fassen den Klassiker nicht mit Samthandschuhen an, sondern unterziehen ihn einer sinnvollen modernen Frischzellenkur. Ich habe die vorliegende Fassung für die Nintendo Switch 2 auf Herz und Nieren getestet. Im Folgenden möchte ich demnach aufzeigen, warum auch dieser Teil von uns die Höchstwertung erhält und weshalb ich ihn jedem JRPG-Fan ans Herz lege.
Toriyamas Erbe im Diorama-Look: Die neuen Puppenmodelle fangen den Charme perfekt ein
© Armor Project / Bird Studio / Square Enix / Sugiyama Kobo
Als dieser Teil der Dragon Quest Reihe am 26. August 2000 unter dem Namen Dragon Quest VII: Fragmente der Vergangenheit erstmals in Japan für die erste PlayStation erschien, trat Enix noch als eigenständiger Publisher auf, lange vor der Fusion mit Squaresoft. Federführend war dabei Yūji Horii. Er ist nicht nur der Schöpfer der Serie und CEO seiner eigenen Firma Armor Project, sondern war bei diesem siebten Teil ganz konkret für das Game Design und das Szenario zuständig. Seine Bedeutung für die Kunstform wurde im Jahr 2025 besonders deutlich, als er als erster Spieleentwickler überhaupt von der japanischen Regierung mit dem „Orden der Aufgehenden Sonne“ geehrt wurde. Dies ist eine der höchsten Auszeichnungen des Landes und unterstreicht seinen kulturellen Einfluss und kann hier nachgelesen werden.
Für die unverwechselbare Optik sorgte der leider bereits verstorbene Akira Toriyama. Er kümmerte sich um das Artwork sowie die Charakterdesigns und drückte der Reihe damit seinen persönlichen Stempel auf, den man sonst vor allem von Dragon Ball kennt. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt zudem, dass dies nicht die erste Rückkehr ist: Bereits Anfang 2013 erschien in Japan ein Remake für den Nintendo 3DS, das Europa allerdings erst am 16. September 2016 erreichte und bereits mit allerlei vor allem optischen Verbesserungen aufwartete. Als Producer ist übrigens Takeshi Ichikawa zuständig. Er stand uns erst vor Kurzem für ein ausführliches Interview zur Verfügung (hier nachzulesen). Dort erklärte er unter anderem, wie es zur Entscheidung kam, das Gameplay so anzupassen, dass auch moderne Spieler glücklich werden.
Ein Fest für die Augen: Das schimmernde Meer und die detailreiche Welt
© Armor Project / Bird Studio / Square Enix / Sugiyama Kobo
Auffallend ist natürlich sofort die neue 3D Grafik des Spiels. Während die HD 2D Remakes bereits einen hochwertigen Eindruck hinterließen und das Flair der 16 Bit Ära wunderbar in die Neuzeit verfrachteten, geht Square Enix hier einen Schritt weiter: Dragon Quest VII Reimagined erstrahlt nun in einem wunderschönen neuen Diorama-Stil. Dieser lässt die Welt in völlig neuem Glanz erstrahlen.
Die Hauptcharaktere wurden dabei aufwendig als physische Puppenmodelle erstellt, abfotografiert und mittels CG-Technik nahtlos in die 3D-Umgebung integriert. Das sorgt für eine beeindruckende Plastizität: Man erkennt förmlich den Stoff der Kleidung, was die Dioramawelt unglaublich lebhaft und visuell atemberaubend macht. Dabei blickt man meist aus der Vogelperspektive auf das Geschehen, kann in den Einstellungen aber sogar noch näher heranzoomen. Dass sich die Kamera oft nur bis zu einem gewissen Grad neigen lässt, ist dabei kein Nachteil, sondern kommt der Inszenierung zugute. So erlebt man großartig gestaltete Szenen und behält stets den Überblick, besonders in den wuseligen Städten.
Diese Grafik ist schlichtweg eine Augenweide und beweist auf der Nintendo Switch 2 eindrucksvoll, zu welcher Optik die Konsole fähig ist. Technisch gibt es dabei nichts zu meckern: Das Spiel läuft durchgängig flüssig und die Framerate bleibt stabil, sowohl bei den kämpferischen Zaubereffekten als auch im Trubel der Städte. Da zudem die Ladezeiten beim Gebietswechsel minimal sind, wird der Spielfluss nie unterbrochen und lässt einen vollkommen in diese faszinierende Welt eintauchen.
Ihr schlüpft in die Rolle des 16-jährigen Protagonisten, dem ihr selbst einen Namen verleiht. Er wuchs in dem kleinen Fischerdorf Buttsbüttel auf und führt ein friedvolles Leben. Euer Vater ist der angesehene Fischer Anchonis, der die komplette Insel mit Essen versorgt, während eure Mutter in euch noch immer das kleine Kind sieht, das beschützt werden muss. Euer bester Freund hingegen ist der Prinz von Estard, einer Kleinstadt unweit des Fischerdorfes. Gismar ist ein echter Rabauke, der vom regierenden König immer wieder ermahnt werden muss, keinen Unfug zu treiben.
Nicht allein im Gefecht: Auf der Reise gewinnt ihr wertvolle Verbündete für den Kampf gegen den Dämonenkönig
© Armor Project / Bird Studio / Square Enix / Sugiyama Kobo
Die Insel ist klein, überschaubar und alles geht seinen friedlichen Gang. Doch die beiden Jungs sind neugierig, voller Abenteuerlust und versuchen, sämtliche Geheimnisse der Insel zu lüften. Sie können einfach nicht glauben, dass außer ihrer Heimat nichts weiter als ein endloser Ozean existieren soll. So dringen sie in die „verbotene Zone“ ein – ein Areal, das eigentlich tabu ist, was die beiden jedoch gekonnt ignorieren. Dort stoßen sie auf eine geheimnisvolle Tempelruine samt einer sprechenden Statue, die sie vor eine entscheidende Prüfung stellt: Sie müssen erst die versteckten Steintafelfragmente finden, um ihren Wert zu beweisen und das Tor zu öffnen.
Nachdem sie diese Rätsel-Aufgaben gemeistert und den Weg in den Tempel freigelegt haben, tritt schließlich auch Maribel der Gruppe bei. Die Tochter des Bürgermeisters wirkt anfangs kühl und streitlustig. Doch im Laufe der Reise taut sie auf: Besonders als sie sieht, wie hilflos manche Menschen in der Not sind und dringend Unterstützung benötigen, stößt sie selbst an ihre emotionalen Grenzen und zeigt ihr wahres, gutherziges Gesicht.
Als die Gruppe dem Tempelwächter begegnet, beginnt eine unglaublich spannende Reise. Die gefundenen Steinfragmente lassen sich im Tempel zu vollständigen Tafeln zusammensetzen, wodurch die Truppe in einem gleißenden magischen Licht verschwindet und andere Inseln entdeckt, die von bösartigen Kräften bedroht werden. Ihr lernt neue Menschen kennen, erlebt aberwitzige Geschichten und findet neue Freunde, die an eurer Seite kämpfen, unter anderem Ruff, ein kleiner Junge, der immer mit einem Wolf unterwegs ist, die Kriegerin und Tänzerin Aischa oder Roland vom Heiligen Orden. Die Geschichte gipfelt in einem epischen Finale gegen den Dämonenkönig, das trotz des klassischen Helden-Settings überraschende Wendungen bietet und die typische Dragon Quest-Note besitzt.
Schon beim Spielstart dürft ihr den passenden Schwierigkeitsgrad wählen. Ob leicht, die goldene Mitte oder die harte Probe, ihr entscheidet. Neu ist ein frei konfigurierbarer Schwierigkeitsgrad: Ihr könnt bestimmen, wie viel Schaden ihr verursacht, wie viel Erfahrung oder Gold ihr erhaltet und ob Monster euch auf der Karte verfolgen.
Hohes Risiko, fette Beute: Diese farblich markierten Biester hinterlassen seltene Items
© Armor Project / Bird Studio / Square Enix / Sugiyama Kobo
Ein absolutes Highlight im Bereich der Quality of Life-Verbesserungen betrifft die Dungeons. Die Karte ist nun in jedem Verlies sofort vollständig aufgedeckt. Das lästige Suchen nach der richtigen Route gehört damit der Vergangenheit an. Ihr seht sofort den kompletten Weg und was für Jäger und Sammler noch viel wichtiger ist: auch direkt alle vorhandenen Schatztruhen. So verpasst ihr garantiert keine wertvolle Beute mehr.
Im Spiel seht ihr die Monster auf der Weltkarte umherlaufen. Ihr könnt sie beherzt mit der A-Taste schlagen, um ihnen schon vor Kampfbeginn Lebenspunkte abzuziehen. Solltet ihr einmal nicht weiterwissen, gibt euch der Tempelwächter Tipps zu fehlenden Fragmenten oder Minimedaillen, die auf der ganzen Welt von euch gefunden werden wollen. Apropos Tipps: Durch Drücken der B-Taste könnt ihr jederzeit Gespräche mit der Gruppe führen. Diese geben je nach Fortschritt kleine Hinweise oder sorgen einfach für lustige und manchmal auch traurige Momente, die den Charakteren mehr Tiefe verleihen.
Besonders praktisch sind auch die neuen Komfortfunktionen: Mit jedem neuen Ort erhaltet ihr einen Teleportationspunkt. Über Kurzbefehle auf dem Steuerkreuz könnt ihr Fähigkeiten wie „Alle heilen“ oder „Pfiff“ sofort nutzen. Letzteres ist ideal für alle, die schnell stärker werden wollen. Wer den „Pfiff“ einsetzt, lockt sofort Gegner an. Wenn ihr Glück habt, trefft ihr dabei auf die berühmten Flüssigmetallschleime. Diese Gegner sind bekannt dafür, dass sie euch massive Erfahrungspunkte bescheren, allerdings auch sehr schnell die Flucht ergreifen. Kombiniert mit der Kampfgeschwindigkeit „Blitzschnell“ und der Autokampf-Funktion wird das Aufleveln so sehr angenehm. Dass Türen in Städten nach einem Besuch offen bleiben, erleichtert die Orientierung zusätzlich. Doch dies ist nur ein kleiner Teil der vielen tollen Verbesserungen, die euch in dieser durchdachten Neuauflage erwarten.
Im Laufe der Geschichte wächst nicht nur eure Heldentruppe, sondern es schließen sich euch zeitweise auch Gastcharaktere an, die für die Handlung wichtig sind. In späteren Gefechten dürft ihr maximal vier aktive Kämpfer wählen. Sollten diese fallen, rücken die Reservemitglieder nach, wodurch ihr den Spieß oft noch im letzten Moment umdrehen könnt. Ein Detail, das mir besonders gefallen hat: Endlich sieht man nun auch die eigenen Charaktere und ihre Ausrüstung im Kampfbildschirm agieren. Da die Figuren als wunderschöne Puppenmodelle gestaltet sind, ist es eine wahre Freude, ihnen beim Kämpfen zuzusehen – ein Aspekt, den ich in den alten Teilen oft vermisst habe.
Vom Funken zum Inferno: Später entfesselt ihr bombastische Zauber, die spektakulär inszeniert sind
© Armor Project / Bird Studio / Square Enix / Sugiyama Kobo
Auf der Weltkarte finden sich zudem besonders starke und bedrohliche Monster, die ihr sofort an ihrer Farbe erkennt. Diese sind unglaublich stark und erfordern oft eine gute Taktik oder vorheriges Training. Ein Sieg lohnt sich jedoch, denn sie hinterlassen wertvolles Zubehör. So hilft euch zum Beispiel ein ausgerüstetes „Golemherz“, nicht sofort zu sterben, wenn die Lebenspunkte auf null fallen, oder ein „Nekromauzerherz“, das dabei hilft, kritische Zauber zu wirken.
Im Kampfgeschehen selbst dürft ihr euch auf die „Geladene Stimmung“ verlassen. Wer häufig angegriffen wird oder schwere Treffer einsteckt, kann diesen Modus aktivieren. Da dieser Zustand nur wenige Runden anhält, sollte er taktisch klug eingesetzt werden. Er gewährt mächtige Boni, die vom jeweiligen Beruf abhängen: Kampfkünstler landen dann beispielsweise garantiert kritische Treffer.
Das Herzstück ist jedoch das Berufesystem in der „Allesneu Abtei“. Diese erreicht ihr glücklicherweise schon nach ca. 13 bis 14 Stunden und nicht erst nach 30 Stunden wie im Original. Hier könnt ihr faszinierenden Berufen nachgehen, die eure Werte massiv beeinflussen. Ein Matrose steigert Angriff und Flinkheit aller Verbündeten, während ein Paladin den Schaden senkt. Auch Kennern des Klassikers wird Neues geboten, wie etwa der Beruf des Monstermeisters, der starke Monster beschwören kann, die an eurer Stelle angreifen.
Curry und Karten: In diesem Laden wartet ein Minispiel auf euch, das stark an den Klassiker Memory erinnert
© Armor Project / Bird Studio / Square Enix / Sugiyama Kobo
Dabei hilft euch der neue Kurzbefehl „Karrierekugel“ ungemein. Damit könnt ihr selbst in Dungeons schnell Berufe austauschen, um verschiedene Kombinationen auszuprobieren und Vor- sowie Nachteile direkt zu testen. Manch neuer Beruf lässt sich nämlich erst freischalten, wenn bestimmte Grundklassen gemeistert wurden. So öffnen sich neue Wege, wenn ihr beispielsweise Dieb und Matrose meistert, oder ihr kombiniert Tänzer, Troubadour und Gaukler, um eine völlig neue Laufbahn einzuschlagen.
Doch Vorsicht: Sich nur auf aktive Kämpfer wie Krieger oder Gladiatoren zu konzentrieren, wird euch bei Bosskämpfen nicht weit bringen. Ihr benötigt zwingend unterstützende Berufe wie Priester, die euch heilen. Im späteren Spielverlauf lässt sich zudem ein Nebenjob auswählen, damit ihr gemeisterte Fähigkeiten im Portfolio behaltet, was für eine wunderbare strategische Tiefe sorgt.
Diese Tiefe werdet ihr auch brauchen, denn das Spiel bietet weit mehr als nur die Hauptstory und Kämpfe; es gibt zahlreiche Nebenquests zu entdecken. Wer zwischendurch eine Pause braucht, kann sich dem integrierten Kartenspiel „Glückstreffer" widmen. Das Prinzip ist an Memory angelehnt, bietet aber den kniffligen Twist, dass Karten zwischendurch vertauscht werden – natürlich winken auch hier wertvolle Preise, wenn ihr die richtigen Bildpaare auswählt.
Sucht ihr hingegen die ultimative Herausforderung, wagt ihr euch in die Kampfarena. Die dortigen Turniere bestehen aus mehreren hintereinandergereihten Duellen, die euch auf eine harte Probe stellen. Doch der Aufwand lohnt sich, denn hier gibt es die besten Belohnungen des Spiels zu gewinnen. Es macht einfach riesigen Spaß, durch diese tiefgreifenden Systeme vom einfachen Fischersohn zum besten Kämpfer der Welt aufzusteigen, eine spannende Geschichte zu erleben und in die liebevoll gestaltete Welt einzutauchen. Das Gesamtpaket zeigt eindrucksvoll: Ein rundum gelungener Neustart für diesen Klassiker.
Doch was haltet ihr von Dragon Quest VII Reimagined? Habt Ihr das Spiel bereits vorbestellt und kennt ihr vielleicht schon den 3DS-Ableger oder sogar das Original auf der ersten PlayStation? Schreibt eure Meinung in die Kommentare!
Unser Fazit
10
Meisterwerk