Test zu Resident Evil Requiem - Nintendo Switch 2
Ein Fest für Fans von Neu und Alt
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25. Februar 2026 um 16:00 - Felix Kraus
Resident Evil Requiem steht in den Startlöchern und erscheint übermorgen, am 27. Februar 2026, für Konsolen, darunter die Nintendo Switch 2, und den PC. Der nunmehr neunte Serienteil schickt euch abermals in den Überlebenskampf gegen die schaurigen Schrecken der fiktiven Biowaffenindustrie. Als großer Fan der Reihe erhielt ich die Ehre, vorab ein vollständiges Exemplar durchspielen zu dürfen – und, oh Boy, werde ich euch jetzt vorschwärmen, dass Resident Evil Requiem ein gelungenes Sequel geworden ist. Natürlich muss ich hier und da auch ein bisschen Platz für Kritik lassen, aber alles in allem hatte ich ein Toperlebnis mit Grace und Leon. Also los geht's! Ich habe euch viel zu erzählen.
Wie schon lange bekannt, schlüpft ihr diesmal in die Rolle der jungen FBI-Agentin Grace Ashcroft, um zunächst einmal nur einen Todesfall in einem verlassenen Hotel zu untersuchen. Eigentlich ein Standardprozess für die Regierungsmitarbeiterin, stellt insbesondere der Tatort eine enorme Hürde für unsere Heldin dar, denn die hat dort Schreckliches erlebt. Nichtsdestotrotz nimmt sie den Auftrag an, bricht auf ... und findet sich in einem weit größeren Schlamassel wieder, als sie sich hätte vorstellen können. Sie wird dort nämlich nicht nur Zeugin eines grotesken Ereignisses, sondern trifft auch noch auf den ominösen, zwielichtig anmutenden Dr. Victor Gideon, dessen ungesunde Hautfarbe bereits Schlimmes vermuten lässt. Was Grace jedoch noch nicht weiß: parallel zu alldem rast ein hinreißend schöner, aber sichtlich gealterter Spezialagent ebenfalls zur besagten Herberge, in der Hoffnung, mehr über den besiegt geglaubten T-Virus herauszufinden; Leon S. Kennedy meldet sich zum Dienst.
Resident Evil Requiem erzählt seine Geschichte mithilfe zweier parallel verlaufender Handlungsstränge, die immer mal wieder miteinander verwoben werden. Das Team aus Grace und Leon entwickelt sich schnell zu einem vertrauensvollen, emotionalen Bund, der euch vor dem Bildschirm mitfiebern lässt, insofern ihr kein Herz aus Stein habt. Insbesondere Grace sticht aus dem üblichen „Resident Evil“-Cast hervor, kommt sie doch sehr glaubhaft und durchaus verängstigt rüber. So hört ihr sie oftmals tief und kontrolliert durchatmen, wimmern und erlebt sie mitunter nahe des Nervenzusammenbruchs. Gerade die ersten beiden Punkte fallen besonders auf, wenn ihr – wie von Capcom vorgesehen – ihre Abschnitte aus der Ego-Perspektive genießt. Mein erster Durchgang nahm 15 Stunden in Anspruch und eine Fülle von freischaltbaren Gegenständen, Boni und ein weiterer Schwierigkeitsgrad laden anschließend zum erneuten Durchspielen ein.
Der Plot besticht mit einer tollen, kinoreifen Inszenierung, ist spannend, wendungsreich und natürlich – wie böse Zungen sagen würden – ein bisschen „dumm“; wir reden hier schließlich von Resident Evil. Capcom hat auf das Feedback zu den letzten beiden Teilen gehört, die zwar den Horror und das spaßige Gameplay zurückbrachten, allerdings die markentypische Prämisse vermissen ließen – hierfür gab es ja die Neuauflagen. Doch Resident Evil Requiem vereint nun die Stärken der jüngsten und klassischen Ableger, indem die Grace-Abschnitte frappierend an Resident Evil 7 erinnern und Leons simultane Heldenreise an Resident Evil 2, 3 & 4. Tut euch einen Gefallen und versucht, Spoilern möglichst fernzubleiben. Denn Leons Part steckt voller liebevollem Fanservice, der euch nicht nur einmal, vielmehr dauerhaft ein dickes Grinsen auf das Gesicht zaubern wird, insofern ihr die Reihe schon länger verfolgt. Leider kommen die Antagonisten ein bisschen zu kurz und bleiben nicht annähernd so im Gedächtnis wie die höllische Baker-Familie, das diabolische Quintett aus dem Vorgänger oder der ikonische Albert Wesker. Unterm Strich handelt es sich aber dennoch um eine lohnenswerte Erfahrung, die definitiv Lust auf mehr macht, wenn auch die Bösewichte ein bisschen blass bleiben.
Doch haken wir die Story ab und kommen zum Gameplay. Je nach Spielfigur erlebt ihr quasi ein anderes Spiel. Zwar könnt ihr die Perspektiven innerhalb des Optionsmenüs angleichen, doch Capcom empfiehlt: die Ego-Perspektive für die Grace- und die Third-Person-Ansicht für die Leon-Abschnitte. Weshalb? Weil der Löwenanteil des Grusels im Grace-Part stattfindet, wo der Ressourcenknappheit, feindlichen Übermacht und schlichtweg Angst eine höhere Bedeutung beigemessen wird, was über die Ego-Perspektive deutlich besser transportiert wird. Leon ist derweil für die Action à la Resident Evil 4 zuständig. Als unfreiwilliger Veteran im ganzen Biowaffenzirkus kommt er selbstverständlich deutlich abgebrühter daher und quittiert prekäre Situationen mit einem flotten, sarkastischen, fast schon zynischen Spruch. Die vielen Abenteuer haben deutliche Spuren beim einstigen Kadetten hinterlassen, daher sind seine flapsigen Reaktionen auf bittersüße Art und Weise nachvollziehbar und kein bisschen nervig.
Während ihr die erste Hälfte des Spiels hauptsächlich als Grace bestreitet, rückt Leon zur Halbzeit in den Vordergrund. Der Spaß gilt hierbei für beide Abschnitte – und das liegt nicht zuletzt an der phänomenalen Handhabung der vielen Waffen im Spiel. Die Schießeisen fühlen sich einfach gut an, Treffer erhalten adäquates Feedback und Upgrades haben einen spürbaren Effekt und wirken sich diesmal sogar aufs Aussehen der Waffe aus. Auch handelt es sich bei den Gegnern selten um schlichtes Kanonenfutter. Wie schon in den Neuauflagen zu Resident Evil 2 & 3, geht bereits von einzelnen Zombies eine Bedrohung aus. War deren Bewegungsmuster in den klassischen Spielen noch vorhersehbar, steht euch nun ein chaotischer Widersacher gegenüber, der auch mal plötzlich einen schnellen, ungelenken Satz nach vorne machen kann. Das sorgt bisweilen schon für ein bisschen Herzrasen und Affekthandlungen. Anders verhält es sich bei den Bosskämpfen. Dort verlangt das Spiel in der Regel, dass ihr die Bewegungsmuster eures Gegenübers studiert und entsprechend reagiert.
Ressourcen sind, insbesondere in den Grace-Abschnitten, knapp. Mittels infektiösem Blut und verschiedenen Gegenständen lassen sich zwar allerlei Items herstellen, doch müsst ihr hierfür nicht selten auch auf Konfrontationskurs gehen, ergo eine Kosten-Nutzen-Rechnung aufstellen. Seid ihr jedoch mit der Reihe vertraut, könnt ihr euren ersten Durchlauf problemlos im klassischen (dem hohen) Schwierigkeitsgrad mit ein bisschen mehr Nervenkitzel starten und werdet nichtsdestotrotz eine tolle, unterhaltsame Zeit haben. Hier gilt die traditionelle Regel, sprich ohne Farbband kein Speichern. Allerdings betrifft diese lediglich die Grace-Abschnitte, während ihr als Leon beliebig oft den Spielstand sichern dürft.
Die Spielwelt von Resident Evil Requiem gestaltet sich abwechslungsreich, detailliert und stimmungsvoll. Eine genauere Beschreibung der einzelnen Schauplätze würde aber viele Überraschungen vorwegnehmen, weswegen ich bewusst darauf verzichte. Ihr werdet euch jedenfalls im eingangs erwähnten Hotel aufhalten, später in einem Sanatorium und, gemäß der Serientradition, in einem sterilen Laborkomplex. Überall gibt es etwas zu entdecken und optionale Helferlein abzustauben – also Augen auf, es lohnt sich. Die einzelnen Settings bestechen dabei mit einem hohen Detailgrad und einprägsamen Layout, sodass ihr euch nach wenigen Stunden auch ohne Karte gut zurechtfinden werdet. Hinzukommt eine überaus gelungene Sound-Kulisse, welche die ohnehin schon schrecklich-schöne Atmosphäre mit allerlei Umgebungsgeräuschen, Musikakzenten und anderweitigen Lauten zusätzlich abrundet.
Doch kommen wir (leider) zum größten Kritikpunkt: der Technik. Bitte nicht falsch verstehen, Resident Evil Requiem ist auf der Nintendo Switch 2 sowohl stationär als auch mobil ohne größere Probleme spielbar, doch vielleicht hat sich Capcom mit den angepeilten sechzig Bildern pro Sekunde ein bisschen übernommen. Insbesondere im Handheld-Modus der Hybridkonsole bricht die Bildrate gerne einmal ein, gerade in den actiongeladeneren Leon-Parts. Zwar ist das kein Beinbruch, doch schadet es nicht nur der sonst so stimmungsvollen, prachtvollen Präsentation, sondern auch der Präzision – was in Anbetracht der Ressourcenknappheit schlichtweg doof ist. Ein optionales Limit auf dreißig Bilder pro Sekunde gibt es (noch) nicht, wäre jedoch wünschenswert. Die „Nintendo Switch 2“-Fassung ist also durchaus spielbar, allerdings müsst ihr hier und da mit spürbaren Rucklern vorliebnehmen.
Unser Fazit
9
Geniales Spiel