Test zu Resident Evil Village - Gold Edition - Nintendo Switch 2
Weniger Horror, dafür umso mehr Spaß
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1. März 2026 um 13:30 - Felix Kraus
Resident Evil Village erschien erstmals 2021 für Konsolen sowie den PC und setzte seinerzeit das Abenteuer um Ethan Winters, dem Protagonisten aus dem siebten Serienteil, und seiner Familie fort. Zuvor noch in Louisiana unterwegs, verschlägt es den nunmehr Familienvater diesmal nach Europa, wo er sich in einem fiktiven rumänischen Dorf vielseitigem Schrecken stellt. Das Spiel kam bei der Fangemeinde allgemein gut an, obwohl es den Grusel des Vorgängers deutlich zurückschraubt und stattdessen anderweitig füllt: mit actiongeladenem Spaß. Resident Evil Village ähnelt nämlich in vielerlei Hinsicht dem vierten Ableger der Reihe, welcher 2005 mit der altgedienten Schauerformel brach. Fünf Jahre nach seinem Debüt feiert der achte Haupteintrag in einem Komplettpaket seine Neuveröffentlichung auf der Nintendo Switch 2 – und sorgt auch darauf für unterhaltsame Spielstunden, wie ich euch nachfolgend darlegen werde.
Wie soeben erwähnt, schickt euch Resident Evil Village in ein fiktives rumänisches Dorf, wo ihr als Ethan Winters eure Tochter sucht. Wie es zu besagter Situation kommt, möchte ich an dieser Stelle nicht verraten, birgt schließlich bereits der Anfang eine große Überraschung. Jedenfalls wird euch schnell klar, dass irgendwas an diesem Dorf nicht stimmt. Es wirkt verlassen, die Bewohner scheinen verängstigt und merkwürdige Kreaturen schleichen durch die angrenzenden Wälder; Ethan Winters schwant Übles ... und das lässt auch nicht lange auf sich warten. Ein böses Quintett hat sich eure Tochter unter den Nagel gerissen und verwahrt das zu Kristall erstarrte Mädchen stückweise in ihren jeweiligen Spukorten. Ein groteskes Puzzle, was es zu lösen gilt. Ein weiterer Albtraum beginnt ...
Die Handlung von Resident Evil Village ist reichlich spannend, unterhaltsam inszeniert und bisweilen – gemäß der Serientradition – etwas doof. Ethan Winters ist ein wahres Stehaufmännchen und steckt innerhalb eines Tages mehr weg als so manche Person in ihrem gesamten Leben. Die Schrecken von Louisiana haben spürbare Spuren hinterlassen und äußern sich unter anderem in einer sarkastischen Haltung gegenüber der vielen Gräuel, mit denen ihr am laufenden Band konfrontiert werdet. Wo mir dessen coole Art im Vorgänger noch deplatziert vorkam, passt sie nun viel besser ins Stimmungsbild – denn Humor ist bekanntlich eine hervorragende Bewältigungsstrategie. Zudem harmoniert sie auch blendend mit der Ausrichtung des Titels: weniger Horror, dafür mehr unterhaltsame Action. Gerne vergleiche ich Resident Evil Village mit einer interaktiven Geisterbahn – nicht wirklich gruselig, aber schlichtweg amüsant. Das Spiel führt euch von Schauplatz zu Schauplatz, bietet vielerlei optionale Geheimnisse und verfügt über eine erstaunlich gute Balance. Niemals verbringt ihr mehr Zeit als nötig an einem Ort. Resident Evil Village versorgt euch dauerhaft mit frischen Eindrücken, sodass keine Langeweile aufkommt. Selbst nach meinem nunmehr fünften (!) Durchgang hatte ich eine äußerst gute Zeit und konnte mich abermals an der wunderschönen Kulisse erfreuen.
Auf der Nintendo Switch 2 ist Resident Evil Village zudem einzig und allein in der Gold Edition erhältlich, sprich mitsamt aller Zusatzinhalte, darunter auch das Bonuskapitel Shadow of Rose, welches die moderne „Ethan Winters“-Saga mit einer Art Epilog nochmals abrundet und ein paar echt coole Schreckensmomente bietet. Außerdem könnt ihr nun auch von Anfang an zwischen der First- und der Third-Person-Perspektive wählen, wobei jedoch stets klar wird, dass Resident Evil Village vorzugsweise aus der Ego-Sicht gespielt werden sollte, weil es nun mal auf deren Basis entwickelt wurde; dennoch ein nettes Extra. Allerlei Freischaltbares motiviert überdies zu wiederholten Durchgängen auf verschiedenen Schwierigkeitsgraden, ebenso sorgt der optionale Mercenaries-Modus für Langzeitspaß. Die Spielzeit rangiert also zwischen zwölf und knapp vierzig Stunden, je nachdem, wie viel ihr freischalten möchtet.
Das Gameplay ist, wie schon angedeutet, deutlich actiongeladener als im Vorgänger. Das äußert sich unter anderem in einer größeren Waffenauswahl, vermehrtem Gegneraufkommen und der allgemein flotteren Gangart des Spiels. Analog zu Resident Evil 4 schleppt ihr jederzeit einen Koffer mit euch herum, worin ihr euer Arsenal und andere Hilfsgegenstände verstaut. Neue Schießeisen, Upgrades und mehr findet ihr sowohl in der Spielwelt als auch beim Duke, dem fahrenden Händler, dessen umfangreiches Sortiment mit wachsender Spieldauer zunimmt. Dort könnt ihr auch gefundene Schätze loswerden, die euch der schwergewichtige Kaufmann gegen ein Entgelt abnimmt, welches ihr wiederum in neue Ausrüstung investieren könnt. Weiterhin lädt der Duke auch zum gemeinsamen Dinner ein, sofern ihr die passenden Zutaten dabeihabt. Die Mahlzeiten steigern eure Attribute permanent, sodass ihr bspw. mehr aushaltet oder euch schneller fortbewegt.
Das ist auch bitter nötig, denn die Widersacher in Resident Evil Village haben es teilweise in sich und kommen in mannigfaltiger Form daher. So wirft euch das Spiel neben mittelalterlichen Zombies auch allerlei groteske Mutanten entgegen, die mal mehr, mal weniger einstecken und austeilen können. Auch konfrontiert euch Resident Evil Village mit eindrucksvollen Bossen, die in phänomenal inszenierten Kämpfen zu Fall gebracht werden möchten und definitiv in Erinnerung bleiben. Richtiger Grusel kommt dabei allerdings nur selten auf, z. B. im Puppenhaus, das euch in klassischer „Escape Room“-Manier Rätsel lösen lässt und mit einer unangenehmen Überraschung aufwartet, oder im „Shadow of Rose“-DLC, der den Survival-Horror wieder etwas mehr in den Fokus rückt. Alles in allem bietet Resident Evil Village jedoch einen Heidenspaß und ein deutlich geschmeidigeres Spielgefühl als Resident Evil 7.
Optisch liegt Resident Evil Village aber zweifelsohne vor seinem Vorgänger und überzeugt auch noch eine halbe Dekade später vollends. Die vielen Schauplätze strotzen vor Details, stimmungsvollem Lichtspiel und individueller Charakteristika – hier gleicht kein Eck dem anderen. Die Spielwelt fühlt sich natürlich, wie auch märchenhaft an; eine seltsame Ambivalenz, die schon seinerzeit den vierten Teil auszeichnete. Das Spiel führt euch durch einen pompösen Palast, modrige Gewässer, vernebelte Friedhöfe, brüchige Ruinen und sogar eine schauderhafte Fabrik. Selten bot ein Resident Evil so viel Abwechslung in seiner Kulissenwahl und eine derartige Fülle an Sehenswürdigkeiten. Das war nun mein fünfter Kurztrip in das schaurig-schöne Dorf und ich weiß, dass es nicht mein letzter sein wird. Das spricht, möchte ich meinen, für sich.
Und hierfür eignet sich die vorliegende Fassung bestens. Grafisch bewegt sich Resident Evil Village auf der Nintendo Switch 2 auf einem hohen Level und liefert ein hochwertiges Gesamtbild ab. Die angepeilten sechzig Bilder pro Sekunde werden zwar hier und da unterschritten, was den Spielspaß jedoch kaum trübt oder der Präzision in Feuergefechten schadet. Sowohl stationär als auch mobil liefert die Hybridkonsole ordentlich ab und glänzt mit einer durchweg hohen Grafikqualität. Dasselbe gilt auch für das exzellente Sound-Design, das insbesondere mit geeigneten Kopfhörern nochmals zur Stimmung beiträgt. Resident Evil Village war seinerzeit bereits ein absolut erstklassiges audiovisuelles Erlebnis und kann auch diesmal nicht anders beschrieben werden. Während des Testzeitraums wurden zudem keinerlei Fehler oder Abstürze festgestellt.
Unser Fazit
8
Ein Spiele-Hit