Test zu South of Midnight - Nintendo Switch 2
Zwischen sprechenden Wesen und einer kleinen Prise Horror …
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31. März 2026 um 17:00 - Krispin Berndt
Microsoft distanzierte sich zuletzt immer weiter von der exklusiven Veröffentlichung auf den eigenen Konsolen, und so erscheinen mittlerweile viele Videospiele von den Xbox Game Studios für andere Plattformen. South of Midnight von Compulsion Games reiht sich nahtlos in die Riege ein und feiert nach einer rund einjährigen Exklusivität nun auch die Veröffentlichung auf der PlayStation 5 und Nintendo Switch 2. Wir haben uns die portable Version von South of Midnight genauer angeschaut und nehmen euch mit auf eine aufregende Reise in die Tiefen der schaurigen Folklore der amerikanischen Südstaaten.
South of Midnight erzählt die Geschichte der Protagonistin Hazel, die inmitten eines verheerenden Sturmes von ihrer Mutter getrennt wird. Während das Eigenheim mitsamt der Mutter vom anliegenden Fluss mitgerissen wird, fragt das sportliche Leichtathletik-Talent vergeblich in der Nachbarschaft nach Hilfe. Schnell zeichnet sich jedoch ab, dass es kein gewöhnlicher Sturm ist, der das sonst ruhige Örtchen Prospero heimsucht. Hazel beginnt, Stimmen aus der Entfernung wahrzunehmen, und sieht inmitten von platzendem Regen und stürmischen Winden seltsame Kreaturen. Hazel wird vor Augen geführt, dass sie wohl doch kein gewöhnlicher Teenager ist, sondern eine Magierin – im Spiel Weberin genannt. Weberinnen können den Geist der Menschen und Kreaturen heilen. Welch ein Zufall, dass es in den Sümpfen zahlreiche düstere Kreaturen gibt, welche die Ausbildung von Hazel nicht unbedingt wohlwollend ansehen.
Die Kämpfe strotzen durch die Fähigkeiten vor Effekthascherei, werden nach kurzer Zeit aber auch etwas eintönig
© Compulsion Games / Xbox Game Studios
Nach etlichen Dialogen, Zwischensequenzen und kleineren Platformer-Elementen beginnt die Reise durch die verseuchten Sümpfe mit einem sehr ausführlichen Tutorial. Dieses wird nahtlos in die fortlaufende Geschichte eingebunden, wirkt durch das schnelle Tempo und die verschiedenen Fähigkeiten aber anfänglich etwas überwältigend und unübersichtlich. Neben der eigentlichen Geschichte – Hazel sucht natürlich immer noch nach ihrer Mutter – stellen sich zunächst die Kämpfe gegen die düsteren Schergen in den Vordergrund. Diese kommen in dafür vorgesehenen Arealen vor – zufällige Kämpfe gibt es nicht. Hazel verfügt über einen Standardangriff, welcher zusätzlich auch für mehr Schaden aufgeladen werden kann, sowie über ihre Weber-Fähigkeiten. Durch diese kann die pfiffige Protagonistin die Gegner heranziehen, wegstoßen oder einwickeln, wodurch die angriffslustigen Kreaturen für kurze Zeit bewegungsunfähig werden. Die Kämpfe sind anfänglich spielerisch und optisch ansprechend, allerdings nutzt sich dies schon nach kurzer Zeit ab. Wer darauf verzichten möchte, findet in den Optionen eine entsprechende Einstellung. Dadurch kann sich voll auf die Atmosphäre und Geschichte konzentriert werden.
Nachdem alle Kreaturen innerhalb der besagten Areale besiegt und befreit wurden, säubert sich auch der umliegende Schauplatz, was für ein erfolgreiches Vorankommen notwendig ist. Die Welt und Schauplätze von South of Midnight sind weitestgehend schlauchartig gehalten und erlauben nur selten einen Ausflug in geheime Ecken. Eine größere Spielwelt ist auch nicht zwingend notwendig und würde nur vom eigentlichen Geschehen ablenken. Die Geschichte sollte nicht durch unnötige Ablenkungen oder künstlich aufgeblasene Quests in Mitleidenschaft gezogen werden. Doch wenn sich mal ein seitlicher Weg abseits des Hauptpfades offenbart, dann warten am Ende kleinere Belohnungen wie Fluff – ein Material, welches die Weber-Fähigkeiten von Hazel durch zusätzliche Angriffe, mehr Schaden oder eine Erhöhung der Verteidigung verbessert.
Natürlich besteht South of Midnight nicht nur aus simplem Umherlaufen und den Kämpfen. So muss Hazel oftmals durch Platformer-Passagen über Sümpfe, Baumstämme oder Schluchten manövriert werden. Dafür stehen nicht nur ein Sprung und Doppelsprung zur Verfügung, sondern Hazel kann an bestimmten Wänden laufen oder kurzzeitig durch die Lüfte gleiten, um große Distanzen, Schluchten und Hindernisse zu überwinden. Das funktioniert soweit alles auch recht problem- und nahtlos, nur den Kletterpassagen fehlt es manchmal etwas an Genauigkeit, was dann zu ungewollten Abstürzen und Toden führt. Zwischendurch erwartet euch in manchen Kapiteln auch ein größerer Gegner als Endboss, beispielsweise ein Krokodil, das sich nicht nur urkomisch bewegt, sondern deutlich leichter besiegen lässt, wenn die in der Spielwelt platzierten Glocken geläutet werden. Sämtliche Kämpfe sind auf dem normalen Schwierigkeitsgrad keine sonderliche Herausforderung. Wer es da etwas anspruchsvoller oder doch leichter haben möchte, dem stehen verschiedene Schwierigkeitsgrade zur Verfügung – von ganz einfach bis knackig schwer.
Die sonst eher düstere Spielwelt lädt zwischendurch an manchen Orten zum idyllischen Verweilen ein
© Compulsion Games / Xbox Game Studios
Die Geschichte von South of Midnight wird wirklich schön in den Dialogen, Zeichnungen und Zwischensequenzen erzählt und sorgte zwischendurch für Gänsehaut und feuchte Augen. Dafür haben sich die Entwickler für einen handgezeichneten Stop-Motion-Stil entschieden, der auch auf der Nintendo Switch 2 insgesamt einen positiven Eindruck hinterlässt und mich oft an die Filme von Tim Burton erinnerte. Ich empfand diesen leicht „ruckeligen“ Stil im eigentlichen Spielgeschehen allerdings etwas störend, dies kann in den Einstellungen aber auch ausgestellt werden, wodurch das Spiel viel flüssiger wirkt. Die besagten Zwischensequenzen bleiben dagegen aber stets in dem Stop-Motion-Stil. Hier kam es bei den eigentlich nahtlosen Übergängen vom Spielgeschehen in die Zwischensequenzen immer zu kurzen Rucklern, die aber keinen nennenswerten Einfluss auf das eigentliche Spielgeschehen genommen haben. Bezüglich der generellen technischen Aspekte auf der Nintendo Switch 2 zeigt South of Midnight sonst eine solide Performance. Insbesondere im TV-Modus entfalten der Stop-Motion-Stil und die idyllische Spielwelt ihr Potenzial. Natürlich müssen, insbesondere im Handheld-Modus und im Vergleich zum PC und der Xbox Series X, grafische Abstriche in Kauf genommen werden.
Begleitet wird das gesamte Spielgeschehen von vertonten Dialogen – wahlweise in französischer oder englischer Sprachausgabe. Deutsche Untertitel können zusätzlich eingeschaltet werden. Hervorgehoben werden muss unbedingt der großartige Soundtrack, welcher sich schnell zu einem absoluten Highlight von South of Midnight entwickelte. Der Soundtrack stammt von dem französischen Komponisten Olivier Deriviere und passt sich nicht nur stets an das Spielgeschehen an, sondern vermittelt einem das Gefühl vom Südstaaten-Flair und hinterlässt regelmäßig absolute Ohrwürmer. So blieb ich häufiger auch inmitten der Spielwelt stehen, um dem Soundtrack zuzuhören. Das Zusammenspiel der emotionalen Szenen der Geschichte von South of Midnight mit dem dazugehörigen Soundtrack ist ein wahrer Ohren- und Augenschmaus. Chapeau, Olivier!
Unser Fazit
8
Ein Spiele-Hit