Test zu Darwin's Paradox! - Nintendo Switch 2
Eintauchen in die drollige Welt von Darwin
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2. April 2026 um 08:00 - Tobi
Nach dem ersten Trailer im Rahmen einer State of Play und der danach folgenden Ankündigung für die Nintendo Switch 2 hatte ich bereits großes Interesse, den süßen Oktopus Darwin und seine Unterwasserwelt kennenzulernen. Die Demo, welche einen Anstrich von der Metal Gear Solid-Reihe erhielt, konnte mich dann definitiv davon überzeugen, dass ich das ganze Abenteuer rund um das achtarmige Weichtier erleben will. Das Interview mit den Entwicklern zeigte außerdem auf, was für kreative Köpfe hinter dem Projekt stecken. Ob mich der Action-Platformer rund um den intelligenten Tiefseetaucher auch in der Vollversion überzeugen konnte, lest ihr im folgenden Test.
Darwin's Paradox! beginnt mit einem Werbespot im Retrostil des Unternehmens UFOOD, welcher zuerst die Überlegenheit des Oktopus aufzeigt, schlussendlich aber für Tintenfischsuppe wirbt. Bereits in diesem kurzen Intro, welches die einzig gesprochene Passage im gesamten Spiel darstellt, wird das Paradoxon aufgezeigt: die Genialität der Natur und die Simplifizierung ihrer durch die Industrialisierung der Menschen. Zu Beginn schwimmen wir mit dem Protagonisten Darwin und einem Artgenossen durch ein Riff im Ozean. Nach einer kurzen Einführung in die wichtigsten Steuerungselemente wird Darwin von seinem Artgenossen getrennt, da ihn ein Ufo entführt. Darwin wacht anschließend auf einer Müllhalde der Nahrungsherstellungsfirma UFOOD auf. Dabei machen ihm nicht nur Aliens, welche die Menschheit unterwandert haben, sondern auch seine natürlichen Fressfeinde das Leben schwer. Gewappnet mit den einzigartigen Fähigkeiten eines Oktopus muss sich Darwin einen Weg durch die industrielle Welt zurück in seine Heimat bahnen. Die Story des Abenteuers wird ohne jeglichen Dialog erzählt. Es gibt 20 Sammelobjekte, welche weiteren Kontext zur Welt geben, aber alles Weitere wird durch die Umgebung und durch die Mimik und Gestik von Darwin erzählt. Begleitet wird die Erzählweise von einer ordentlichen Ladung Humor – sowohl in ironischen Beschreibungen auf den Sammelobjekten als auch durch die Fülle an Slapstick-Momenten, denen Darwin auf seiner Reise begegnet. Immer wenn man denkt, dass das Erlebnis nicht noch skurriler werden kann, legt das Spiel nochmals eine Schippe drauf.
Nachdem man die ersten Gameplay-Elemente noch in der freien Natur erlernt, werden im weiteren Verlauf des Spiels zusätzliche Fähigkeiten freigeschaltet – wie das Klettern an sämtlichen Oberflächen, das Tarnen in der Umgebung oder auch das Verschießen von Tinte. Diese erhält man dadurch, dass Darwin in verzwickten Situationen an Erinnerungen aus der Kindheit zurückdenkt, die ihm ins Gedächtnis rufen, dass er gewisse Fähigkeiten besitzt. Die insgesamt 15 Kapitel, die unterschiedliche Längen und Abschnitte haben und etwa eine Gesamtspielzeit von 5–7 Stunden ergeben, sind gut strukturiert. Es wird genügend Zeit dafür gelassen, sich mit den Fähigkeiten von Darwin vertraut zu machen, dennoch wird es nie zu repetitiv. Diverse clevere Physik-Puzzles bereichern das Gameplay dank der gut funktionierenden Physik-Engine enorm. Auch wenn sich dabei bereits aus anderen Spielen bekannte Muster erkennen lassen, gibt es dennoch viele neue Ansätze, die das Lösen der Rätsel spannend gestalten. Das Spiel folgt mit vielen seiner Abschnitte einer Problembewältigung durch „Trial and Error“. Das kann in gewissen Bereichen frustrieren, dennoch schafft es das Spiel, ein sehr angenehmes Verhältnis zwischen Spannung und Entspannung entstehen zu lassen. Nach einer Passage, an der man sich lange Zeit die Zähne ausgebissen hat, folgt oft eine ruhigere Phase, in der die Lachmuskeln zum Einsatz kommen, man von Versteck zu Versteck schleicht oder die schöne Unterwasserwelt genießen kann. Dabei ist die Schwierigkeit des Spiels nicht zu unterschätzen. Die durch den Grafikstil möglicherweise suggerierte Orientierung an einem jüngeren Publikum entpuppt sich als falsch, da manche Stellen echt fordern. Neben den Rätseln und Herausforderungen bietet die Spielwelt ebenfalls Raum zur Erkundung. Der Weg wird zwar größtenteils vorgegeben, dennoch wird ein Erkunden der Wege mit dem Entdecken der bereits erwähnten Sammelobjekte belohnt.
Neben dem spaßigen Gameplay bietet Darwin's Paradox! auch etwas fürs Auge. Die knalligen Farben der Unterwasserlandschaften sehen wunderschön aus und kommen durch den Kontrast mit der düsteren Industriewelt umso mehr zur Geltung. Der Land- sowie Unterwasser-Look ist stimmig und wird durch Schatten- und Lichteffekte unterstützt. Da während des Spielens keine Benutzeroberfläche angezeigt wird, kann man den Fokus vollends auf die Spielwelt legen und in ihr versinken, sodass es sich in gewissen Momenten wie ein Animationsfilm anfühlt, den man selbst steuert. Dies kommt auch dadurch zustande, dass sehr viel Liebe zum Detail in die Welt rund um Darwin, aber auch in den Vorder- und Hintergrund gesteckt wurde. Es gibt immer etwas zu sehen und zu schmunzeln, und nur dafür lohnt es sich, gewisse Spielsequenzen zu wiederholen. Obwohl man sich zweidimensional fortbewegt, entsteht dank clever genutzter Kameraführung das Bild einer 3D-Welt. Dabei wird die Optik zudem von einer Reihe an Cartoon-Einflüssen erweitert. Auch im Artstyle äußert sich der bereits behandelte Humor, beispielsweise durch die vielen verschiedenen Wege, wie Darwin aufgrund seiner Umgebung oder durch die diversen Gegner kurzfristig den Löffel abgibt – vom Platzen bis zum Elektroschock sind viele Slapstick-Tode dabei. Auch Darwin als Charakter gibt dank seiner verspielten Art und seiner Kommunikation durch Mimik und Gestik genug her, dass ich mir gut vorstellen kann, dass er zu einem neuen Konami-Kultcharakter werden kann. Man erhält ebenfalls dank einer kleinen Auswahl an Skins, die man im Spielverlauf freischaltet, die Möglichkeit, Darwin etwas zu personalisieren. Ein Großteil der Geschichte wird visuell erzählt und in diesem Punkt merkt man deutlich, dass einige der Entwickler dahinter aus der Filmindustrie kommen. Kein einziger gesprochener Dialog im ganzen Spiel zeigt auf kreative Art, dass es nicht immer Sprache braucht, um eine Geschichte mit Emotionen zu erzählen.
Wo die Sprache ausbleibt, überzeugt ein kräftiger Soundtrack. Schon im Hauptmenü werden wir von einem mächtigen Thema mit Operngesang begrüßt. Der Soundtrack des Spiels bleibt stets atmosphärisch und wird dabei immer wieder von Mystery-Akzenten, die an etwas Außerirdisches erinnern, begleitet. Das Main Theme wird mehrere Male wiederholt; die Kapitel-eigenen Tracks glänzen dafür aber mit auf das Level angepassten Melodien. Beispielsweise ertönt beim Abstieg in die Tiefe ein dumpfer Operngesang, der an den Ruf einer Nixe erinnert, oder in einem anderen Kapitel ist die Musik auf die Schritte von Darwin abgestimmt. Dies zeigt auch die Liebe zum Detail im Sounddesign, welche ebenfalls in der Soundkulisse zur Geltung kommt. Diese stellt einen essenziellen Teil des Abenteuers dar, da sie maßgebend für die erreichte Immersion ist. Das Plätschern vom Wasser oder auch das Matschen im Schlamm sind kleine Feinheiten, die es aber ausmachen, dass man in die Welt von Darwin vollkommen eintauchen kann.
Kleine Ruckler im Gameplay, aber auch in den Cutscenes oder auch das vereinzelte Flackern von Schatten reißen einen zeitweise wieder etwas aus dieser Immersion. Bis auf ein, zwei Spielabstürze, welche hoffentlich durch zukünftige Patches behoben werden, gibt es aber keine technischen Fehler, die das Spielgefühl vermiesen. Das Spiel sieht hübsch aus, läuft flüssig im Handheld- wie auch im TV-Modus und besonders die stressigen Passagen erfordern eine Verlässlichkeit der Controllereingaben, welche größtenteils auch gut vorhanden ist. Das Spiel macht sich ebenfalls die Controllervibration zunutze, welche zusätzlich zur Immersion beiträgt. Auch in Passagen, in denen viel los ist und mehrere sich bewegende Objekte und Figuren gleichzeitig angezeigt werden, kommt die Nintendo Switch 2 nicht ins Schwitzen und das Spiel läuft butterweich. Es bereitet Freude, zu sehen, wie ZDT Studio die Leistung der Nintendo Switch 2 nutzt, und ich bin sehr froh, dass ich mir nicht ausmalen muss, wie das Spiel auf der ersten Nintendo Switch ausgesehen hätte.
Unser Fazit
8
Ein Spiele-Hit