Test zu Vampire Therapist - Nintendo Switch

Neulich beim Vampir-Therapeuten ...

Wenn es um Vampire geht, würden wohl die wenigsten zuerst an ein therapeutisches Gespräch denken, sondern vielleicht an Särge, Fledermäuse oder spitze Zähne. In Vampire Therapist geht es aber genau darum: einen Vampir, der andere Vampire und Vampirinnen therapieren möchte. Das mit dem deutschen Computerspielpreis für die beste Geschichte ausgezeichnete Spiel von Little Bat Games wartet also mit einer sehr ungewöhnlichen Prämisse auf: Wir schlüpfen in die Rolle eines amerikanischen Cowboy-Vampirs, der nach Leipzig kommt, um sich des psychischen Wohlbefindens anderer Blutsauger anzunehmen. Darüber hinaus soll man in dieser Visual Novel sogar noch etwas über Psychotherapie lernen können. Ob diese mehr als ungewöhnliche Mischung auch tatsächlich spielerisch aufgeht, erfahrt ihr in unserem Test.

Andromachos fungiert im Spiel als unser Psychologie-Mentor

© Ultimate Games S.A.

Anfangs fällt gleich positiv auf, dass das gesamte Spiel mit tollen Zeichnungen ausgestaltet wurde und die Geschichte sehr wortmalerisch erzählt wird – auch wenn die Themen teilweise alles andere als ästhetisch sind. Wir werden direkt mit einer kleinen Einführung unseres Protagonisten begrüßt, welche derart gut geschrieben ist, dass unser Interesse sofort geweckt wurde. Wie bereits erwähnt, spielen wir einen Cowboy-Vampir namens Sam Walls, welcher sich gewisse Therapiemethoden autodidaktisch beigebracht hat. Offenbar aus altruistischen Motiven möchte er nun anderen Vampiren mit mentalen Problemen helfen.

Vor einem Leipziger Nachtclub dürfen wir auch gleich an zwei Besuchern mit deutschem Akzent unsere therapeutischen Skills testen. Danach geht es zum Chef dieses Gothic-Techno-Schuppens, welcher sich passenderweise „Immernacht“ schimpft. Wir erfahren, dass dieser ein gewisser Andromachos ist – ein 3000 Jahre alter Vampir, welcher die Kunst der Psychotherapie meisterhaft beherrscht. Dieser ruft uns schließlich zu einem persönlichen Gespräch und so entspinnt sich eine wirklich stets spannende Geschichte mit interessanten, schrulligen und glaubwürdigen Charakteren, die wir fortan in den Gemächern von Andromachos therapieren dürfen. Allesamt haben viel zu berichten, denn sie haben durch ihr hohes Alter bereits viel erlebt und werfen entsprechend auch oft die ganz großen Fragen der Geschichte auf.

Sam hat sich zu Beginn des Spiels für psychische Symptome bereits eigene Namen ausgedacht. So sollen wir beispielsweise entscheiden, ob wir ein negatives Denkmuster eher als einen „High Noon Mind“ oder „Saloon Thinking“ einstufen würden, was wirklich unterhaltsam ist. Die Begriffe werden uns natürlich auch erklärt und sind jederzeit im aufrufbaren Handbuch von Sam nachlesbar. Der erfahrene Andromachos fungiert fortan als unser Mentor, der uns später auch die ordentlichen Begriffe aus der echten Psychologie erklärt. Hier lernen wir als Spieler wirklich bestehende Konzepte aus der Psychotherapie kennen und müssen im Laufe des Spiels nun immer wieder Aussagen der Klienten einordnen. Wir lernen hier beispielsweise etwas über kognitive Verzerrungen wie Schwarz-Weiß-Denken, Kontrollillusion oder Stigmatisierung. Hier werden die Dialoge mit sinnvollem Wissen verwoben, wodurch wir die Chance bekommen, unser eigenes Denken zu reflektieren. Der Titel ist also nicht nur interessant und spaßig, sondern auch lehrreich, was gerade in der heutigen Zeit von zunehmenden psychischen Problemen sicherlich nicht schaden kann.

Ein Vampir muss ab und zu auch trinken – natürlich nur einvernehmlich. Bei diesem Minispiel müssen wir deshalb nur ungefährliche Venen treffen.

© Ultimate Games S.A.

Vampire Therapist versteht es, in seinen Dialogen einen bemerkenswert schrägen Spagat hinzulegen: Einerseits hagelt es witzige Wortspiele und unterhaltsame Gags, die uns das ein oder andere Schmunzeln entlocken – schließlich ist ein jahrtausendealter Vampir als Therapeut allein schon eine Grundlage mit reichlich Potenzial für absurden Humor. Außerdem ist das Aufeinandertreffen eines US-Amerikaners mit Europäern immer wieder von ulkigen kulturellen und sprachlichen Missverständnissen geprägt. Andererseits begegnen uns in den Therapiesitzungen echte emotionale Abgründe, die das Spiel erstaunlich ernsthaft und mit Fingerspitzengefühl behandelt. Wer also erwartet, dass es sich hier um eine reine Klamauk-Kiste handelt, wird das eine oder andere Mal überrascht und manchmal auch unerwarteterweise nachdenklich gestimmt werden.

Der Titel hält auch beim Gameplay ein paar nette Quality-of-Life-Features für uns bereit. So können wir mit der R-Taste jederzeit verpasste Dialogzeilen noch einmal nachlesen – eine simple, aber äußerst sinnvolle Funktion, die besonders dann Gold wert ist, wenn man versehentlich zu schnell weitergetippt hat. Darüber hinaus dürfen wir jederzeit speichern und laden, was dem Spielfluss zusätzlich zugutekommt und uns die Freiheit gibt, das Spiel ganz nach unserem eigenen Tempo zu genießen. Allerdings ist hier leider nicht alles Gold, was glänzt, denn Vampire Therapist hat in puncto Steuerung selbst manchmal ein bisschen Therapiebedarf. Die zum Glück sehr seltenen Minispiele gestalten sich mitunter unangenehm fummelig. Aber auch das Auswählen der Klassifizierung kognitiver Verzerrungen – eines der zentralen Spielmechanismen – sorgt regelmäßig für ungewollten Frust: Wollen wir eine Kategorie auswählen, schaltet das Spiel häufig den normalen Dialog weiter, als hätten wir gar nichts ausgewählt. Die betreffenden Passagen müssen wir dann also öfter wiederholen – was auf Dauer die Stimmung etwas trübt und repetitiv werden kann.

Auch bei den Einstellungsmöglichkeiten zeigt sich Vampire Therapist leider etwas zahnlos. Gerade bei der Textgeschwindigkeit und beim Weiterschalten der Dialoge hätten wir uns ein paar mehr Optionen gewünscht. Besonders das Auto Delay hinterlässt einen faden Beigeschmack, denn die entsprechende Einstellung scheint kaum spürbaren Einfluss auf das tatsächliche Verhalten der Dialoge zu haben. Das ist wirklich schade und wir vermuten, dass dies eventuell an der Portierung auf die Nintendo Switch liegt.

Obwohl manche Klienten wirklich anstrengend sind, lässt sich Sam nicht so schnell aus dem Konzept bringen

© Ultimate Games S.A.

Ansonsten läuft die Umsetzung aber erfreulich flüssig und ohne nennenswerte Ruckler oder Bugs. Die liebevoll gestalteten Artworks und Zeichnungen wissen dabei durchaus zu gefallen und verleihen dem Spiel seinen ganz eigenen Charme. Die mitunter wechselhafte Auflösung im TV-Modus führt zwar zu stellenweise verpixelten Grafiken – Text und Interface bleiben davon aber zum Glück verschont, sodass die Lesbarkeit zu keiner Zeit leidet. Wer das Spiel hingegen im Handheld-Modus genießt, darf sich über ein rundum ästhetisches Bild freuen.

Beim Sound macht Vampire Therapist eine gute Figur: Das Spiel ist komplett vertont und die Sprecher leisten eine überzeugende Arbeit, die den skurrilen Charakteren Leben einhaucht. Auch der Soundtrack weiß zu gefallen und untermalt das therapeutische Vampir-Treiben stimmungsvoll. Ein kleiner Wermutstropfen bleibt jedoch: Obwohl das verantwortliche Studio aus Deutschland stammt, ist das Spiel ausschließlich auf Englisch verfügbar – eine deutsche Lokalisierung hätte dem Titel sicher nicht geschadet und dürfte dem ein oder anderen heimischen Spieler zumindest ein leises Seufzen entlocken. Ob dies in Zukunft nachgereicht wird, bleibt ob des kleinen Studios fraglich. Auch eine Nintendo Switch 2-Version vermissen wir bis heute schmerzlich. Auf Nachfrage teilte uns der leitende Entwickler mit, dass diese zwar geplant wäre, jedoch sei unklar, wann hier vonseiten Nintendos grünes Licht erfolgen könne. Also hoffen wir das Beste, denn wer Vampire Therapist dennoch auf der Nintendo Switch 2 starten möchte, bekommt leider recht schnell nur einen schwarzen Bildschirm zu sehen. Wir werden euch aber natürlich über eine etwaige Nintendo Switch 2-Version auf dem Laufenden halten, sobald es Neuigkeiten gibt.

Unser Fazit

7

Spaßgarant

Meinung von Benjamin Greim

Vampire Therapist ist ein charmantes, lehrreiches und ungewöhnlich tiefgründiges Spiel, das seine absurde Prämisse mit überraschend viel Herzblut auslebt. Die gelungene Mischung aus echten psychologischen Konzepten, skurrilen Charakteren und einer spannenden Geschichte macht den Titel zu einem echten Unikat im Nintendo Switch-Sortiment. Schade nur, dass ein paar Steuerungsprobleme, die fummeligen Minispiele und magere Einstellungsmöglichkeiten das Erlebnis etwas trüben. Auch die fehlende deutsche Lokalisierung und die ausbleibende Nintendo Switch 2-Unterstützung hinterlassen einen faden Beigeschmack. Wer jedoch über diese Schwächen hinwegsehen kann und abgefahrene Visual Novels mit einem Schuss Bildungsauftrag zu schätzen weiß, bekommt hier einen handverlesenen, mit dem Deutschen Computerspielpreis ausgezeichneten Titel, der noch lange nachwirkt – wie eine gute Therapiestunde eben sein sollte.

Communitywertung

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Auszeichnungen

Vampire Therapist hat von uns bisher keine Auszeichnung erhalten

Kommentare 3

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  • Xanaso

    Turmknappe 3. April 2026 um 07:46

    Bei dem Titel hab ich eher mit was anderem gerechnet. Das hier klingt echt interessant.

  • wonderboy

    Turmfürst 3. April 2026 um 18:35

    Keine Lokalisierung ? Und Tschüß..

  • AinoHinode

    Teilzeit-Assassine 3. April 2026 um 22:52

    Klingt interessant. Hatte jetzt zuerst nach einem Otome Game angemutet, aber hier ist der Fokus ganz klar wo anders. Vielleicht pack ich es mir mal auf die Wunschliste.