Test zu Fatal Frame II: Crimson Butterfly Remake - Nintendo Switch 2
Auf den Spuren des Schmetterlings
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2. April 2026 um 22:00 - Daniel Kania
Fatal Frame – in Europa ehemals Project Zero genannt – zählt wohl zu den bekanntesten Vertretern von japanischen Horrorspielen. Die Koei Tecmo-Marke nahm ihren Anfang mit drei Ablegern für die PlayStation 2, ehe sich Nintendo an der Entwicklung beteiligte und damit eine zeitweilige Exklusivität sicherte, aus der mehrere Titel hervorgingen. Seitdem sind jedoch viele Jahre vergangen und mittlerweile lässt sich die Reihe auf allen Plattformen finden. Zuletzt brachte man Teil 4 und 5 zurück und nun widmete sich Koei Tecmo einem vollen Remake des zweiten und vermutlich auch beliebtesten Ablegers.
Nach dem PlayStation 2-Original aus dem Jahr 2003, dem erweiterten Xbox-Port von 2004 und dem 2012 erschienenen Wii-Remake ist Fatal Frame II: Crimson Butterfly Remake schon die vierte Version des Gruselabenteuers. Die Neuauflage ist seit dem 12. März 2026 für die Nintendo Switch 2, PlayStation 5, Xbox Series X|S und für den PC via Steam erhältlich und wurde in allen Aspekten modernisiert. Zu den Neuerungen gehören etwa ein erweitertes Kampfsystem, neue Mechaniken und Spielsysteme sowie weitere Story-Inhalte, welche Spieler noch tiefer in die Spielwelt eintauchen lassen.
Die Geschichte dreht sich um die Zwillingsschwestern Mio und Mayu, die während eines nostalgischen Ausflugs auf das vergessene Minakami-Dorf stoßen, von dem es heißt, es würde seine Besucher gefangen nehmen. Notizen, welche die beiden auf ihrem Weg in die ewig währende Nacht finden, bestärken das Gefühl, dass es hier nicht mit rechten Dingen zugeht. Entsprechend dauert es nicht lange, bis sie Zeugen des Übernatürlichen werden und umherwandernde Geister es auf sie abgesehen haben. Zu allem Überfluss wirkt Mayu seit ihrer Ankunft wie weggetreten und wandert ständig davon.
Glücklicherweise findet Mio rasch die sogenannte Camera Obscura, ein Gerät, welches das Unsichtbare sichtbar macht. Durch den Vorgang des Fotomachens, der hier einem Exorzismus gleicht, kann sie den Nachtmahren schaden und sie von sich fernhalten. Dabei handelt es sich um die zentrale und für diese Serie auszeichnende Gameplay-Mechanik. Wie groß der Schaden ausfällt, hängt von der Qualität des Fotos und des gewählten Films ab. Im besten Fall stimmen Fokus sowie Zoom und ihr fangt mehrere wichtige Elemente eures Ziels im Bildausschnitt ein.
Da ihr nur eine begrenzte Anzahl an hochwertigem Film finden könnt, ist es wichtig, mit Geschick vorzugehen und das meiste aus euren Angriffen zu machen. Drückt ihr auf den Auslöser, kurz bevor ihr angegriffen werdet, teilt ihr zusätzlichen Schaden aus, was man als Todesfoto bezeichnet. Sobald ein Geist genug geschwächt wurde, wird er anfällig für Schnappschüsse, die nochmals mehr Schaden verursachen. Kombiniert ihr diese zwei Mechaniken, löst ihr die Todeszeit aus, in der ihr für kurze Zeit ununterbrochen Fotos und somit Schaden machen könnt.
Lasst ihr einen Nachtmahr zu nah an euch herankommen, bietet es sich an, die Beine in die Hand zu nehmen oder im richtigen Moment auszuweichen. Beides kostet euch Willenskraft – eine neue Leiste, die direkt neben der Lebenskraft angezeigt wird und wie Ausdauer funktioniert. Wurde Mio schließlich aber doch von einem Geist ergriffen, dann drückt schnell hintereinander den B-Knopf, um euch zu befreien. Mio kann durch Angriffe auch zu Boden fallen, woraufhin ihr entweder noch schnell aufstehen und flüchten könnt oder ihr euch durch ein Foto aus der misslichen Lage retten müsst.
Je näher ein Nachtmahr seiner Niederlage ist, desto wahrscheinlicher wird er verärgert. In diesem Zustand, der durch eine rote Aura zu erkennen ist, wird der Gegner aggressiver und regeneriert einen Teil seiner Leben. Das tritt vor allem bei Bossen auf. Schafft ihr es, dem Gegner in der Schnappschuss-Phase zu schaden, endet dieser verstärkte Zustand. Durch im Spielverlauf gesammelte Gebetsperlen lassen sich die Funktionen der Camera Obscura upgraden, darunter die Stärke, der Auto-Fokus, die Ladegeschwindigkeit vom Film und weitere spezielle Hilfen wie die verschiedenen Filter.
Filter greifen dabei das Linsen-System aus früheren Spielversionen auf und erweitern es, sodass es nicht nur im Kampf, sondern auch bei der Erkundung zum Einsatz kommt. Der Parasichtfilter beispielsweise kann Gegner im Tausch gegen Willenskraft kurzzeitig erblinden lassen, wohingegen er während der Erkundung ermöglicht, Gegner durch Wände zu sehen. Dadurch lässt sich besser abschätzen, wann ihr eure Taschenlampe ausschalten und euch behutsam bewegen – also ducken – solltet, um nicht die Aufmerksamkeit des Gegners zu erregen.
Die Synergie zwischen Kampf und Erkundung geht noch tiefer. Wer sich aufmerksam umschaut, der kann die neuen Geistersteine finden, welche euch nicht nur den Geräuschen der Geisterwelt lauschen lassen, sondern auch als nützliche Ausrüstung mit passiven Effekten dienen. Ähnlich verhält es sich mit Anhängern, die im Punkteshop gegen die durch Fotos erlangten Punkte eingetauscht werden können. Hier finden sich auch Teile für den neu hinzugekommenen Fotomodus. Weitere Gegenstände lassen sich durch Zwillingspuppen freischalten, die in der Welt aufgespürt werden können.
Während die Kämpfe durchaus Nervenkitzel-Momente bieten können, spielen sie sich meistens doch ähnlich ab und verlieren im Spielverlauf zunehmend an Reiz – nicht zuletzt, weil die vielen Begegnungen die begrenzten Ressourcen oft nicht wert sind. Koei Tecmo hat hier kurz nach Release tatsächlich schon mit einem Balance-Patch nachgeholfen, doch Kämpfe im späteren Teil des Abenteuers können sich immer noch in die Länge ziehen, was sich dann eher nach mühseliger Arbeit anfühlt. Die größte Sünde ist für mich wohl der vorletzte Bossgegner, der sich selbst beim Schwierigkeitsgrad „Normal“ viel zu oft hochheilt.
Im Gegensatz dazu ist der Erkundungsaspekt aber sehr gelungen und macht für mich die wahre Klasse des Spiels aus. Wohingegen die Rätsel eher seicht sind und geübte Spieler nicht schocken werden, ist es vor allem die Atmosphäre, die an den Bildschirm fesselt. Durch detailreiche Grafik, exzellentes Sounddesign, überzeugende Synchronisation und immersives Rumble schafft Koei Tecmo eine schaurig-schöne Spielwelt, in der es einen regelmäßig eiskalt den Rücken runterläuft. Selbst simple Aktionen wie das Öffnen von Türen oder das Aufheben von Items gehen mit einem instinktiven Unbehagen einher.
Besonders erinnerungswürdig sind jene Momente, in denen euch ein Kampf nicht weiterbringt und ihr euch stattdessen verstecken müsst, auch wenn wiederholte Fehlversuche aufgrund von langen Ladezeiten hier etwas nerven können. Neben Nachtmahren begegnet ihr auch immer wieder friedvollen Geistern, die, auch wenn ihr Erscheinen einen schon mal böse erwischen kann, bloß vergangene Handlungen zeigen. Dies kann manchmal als Hinweis dienen, ist in erster Linie aber Teil des Storytellings und gewährt weitere Einblicke in die düstere Hintergrundgeschichte des Spiels.
Auch wenn die Hauptfiguren nicht gerade durch Charaktertiefe glänzen, sind sie dennoch das ideale Vehikel für die Geschichte, die hier erzählt wird. Mit jedem Kapitel stieg meine Neugierde, das Ende erfahren zu wollen, doch als ich dort schließlich ankam, fühlte ich mich nicht so recht zufriedengestellt. Das scheint mir auch gewollt zu sein, denn mit weiteren Endings durch erneute Spieldurchgänge und in diesem Remake neu hinzugefügte Nebengeschichten ist der Fluch von Minakami nach dem ersten Durchspielen noch lange nicht auserzählt.
Unser Fazit
8
Ein Spiele-Hit
