Test zu Mouse: P.I. For Hire - Nintendo Switch 2

Starker Stil, schwaches Durchhaltevermögen

Um direkt den Elefanten im Raum anzusprechen: Ja, Mouse: P.I. For Hire hat einen Look, der auf den ersten Blick wahnsinnig fasziniert. Gleichzeitig scheint das Spiel aus dem Hause Fumi Games auch einen spannenden Gameplay-Inhalt zu bieten – und tatsächlich kann dieser erste Eindruck im Großen und Ganzen auch aufrechterhalten werden. Durch Stil, Atmosphäre und Charme schafft es der Titel gerade in den ersten Spielstunden, die Spielenden regelrecht in das Geschehen hineinzuziehen. Aber je länger man spielt, desto eher werden auch strukturelle Schwächen offenbart, die im Nachfolgenden beleuchtet werden.

Eine völlig normale Wand, neben der nur ganz zufällig ein explosionsgefährdetes Fass steht

© Fumi Games

Der herausragende Grafikstil ist ohne Zweifel der größte Trumpf des Spiels. Der konsequent umgesetzte Rubber-Hose-Look erinnert an Comics und Trickfilme der 1920er- und 1930er-Jahre und ist nicht nur ein visuelles Gimmick, sondern im Grunde das Herzstück der gesamten Spielerfahrung. Jede Animation, jede auftauchende Figur und die dazugehörige Umgebung sind mit Liebe zum Detail gestaltet und laden fernab der Action zum Erkunden und Entdecken ein. Eingebettet ist das Ganze in eine dichte Noir-Atmosphäre, die in Kombination mit einem Jazz-lastigen Soundtrack und einer insgesamt starken Sprecherleistungen (insbesondere durch den bei Videospiel-Begeisterten bekannten Troy Baker) für eine starke Immersion sorgt.

Die Spielwelt fühlt sich lebendig an, was vor allem daran liegt, dass diese von zahlreichen sichtbaren Figuren bevölkert wird, die allesamt ihren eigenen Charakter und Charme mitzubringen scheinen. Selbst von diesem Charme überzeugen kann man sich allerdings nur selten, denn die meisten anthropomorphen Mäuse sind nur zum Anschauen da und verlieren kein Wort. Diese stumme Begebenheit ist etwas schade, da sie an der Immersion rüttelt – es hätten zwar nicht tiefgründige Gespräche mit jedem Charakter stattfinden müssen, aber ein einfaches Grunzen oder abfälliges Schnauben beim Versuch, jemanden anzusprechen, wäre wohl bereits wirkungsvoll genug gewesen.

Inhaltlich setzt Mouse: P.I. For Hire auf eine Mischung aus Story und Shooter. Als stilecht durch und durch zynischer Detektiv verfolgt ihr eine Geschichte, die sich aus mehreren Fällen zusammensetzt; während diese Fälle zunächst ohne großen Zusammenhang erscheinen, wird nach und nach ein großer Komplott offenbart, der die verschiedenen Puzzleteile miteinander verbindet. Die Erzählweise ist dabei zwar oft unterhaltsam und mit viel Witz gespickt, erreicht trotz ihrer charmanten Art aber nicht immer die Tiefe, die angestrebt gewesen zu sein scheint.

Eine bemerkenswert lebendig wirkende U-Bahn-Station

© Fumi Games

Was dagegen (zunächst) gut funktioniert, ist das Gameplay, das in bester Boomer-Shooter-Manier ein hohes Tempo und ein kreatives Waffenarsenal mit einer angenehm klassischen Progression verbindet. Das kann gerade zu Beginn schnell begeistern, sodass die ersten Spielstunden motivierend und abwechslungsreich erscheinen. Doch je länger man spielt, desto eher besteht die Gefahr, dass diese Begeisterung abflacht. Das Pacing gerät aufgrund eines sich irgendwann nicht mehr weiterentwickelnden Waffen- und Fähigkeitensystems sowie durch sich zu oft wiederholende Gameplay-Abschnitte ins Wanken. So werdet ihr im Verlauf des Spiels zwar an immer neue abwechslungsreich und kreativ gestaltete Orte geführt, diese werden aber von sich stark ähnelnden Gegnertypen bevölkert – auch diese ähneln sich zwar nicht optisch, aber von den Fähigkeiten und Verhaltensweisen her.

Lobend hervorzuheben sind dann aber doch die verschiedenen Bosse, die euch an den diversen Schauplätzen entgegentreten. Hier werden am ehesten die womöglich auch bereits an anderen Stellen gezogenen Parallelen zu Titeln wie Cuphead deutlich: Herausfordernde Kämpfe, kreative Fähigkeiten und sich nach der Hälfte der Auseinandersetzung noch einmal ändernde Umstände sorgen in der sonst eher abnehmenden Gameplay-Kurve für einen Kick nach oben. Sollte diese Herausforderung zu groß sein, lässt sich die Schwierigkeit im Übrigen ganz allgemein in einem dreistufigen System auch anpassen.

Die wahrscheinlich einzig logische Erklärung, weshalb ihr den Doppelsprung erlernt

© Fumi Games

Schießen, erkunden, zurückkehren, wiederholen – dieser Loop bleibt über lange Strecken unverändert, was abseits der Boss-Kämpfe für ein repetitives Gameplay-Gefühl sorgt. Gleichzeitig zeigt sich zunehmend ein ganz strukturelles Problem: So mag das Spiel zu Beginn durch seinen Look und die Atmosphäre noch den Eindruck vermitteln, dass euch hier ein tiefgreifendes Detektiv-Spiel inklusive entsprechender Ermittlungen erwartet; tatsächlich steht die Action aber klar im Vordergrund. Die Untersuchungen dienen hier eher als Rahmen, denn als eigenes Gameplay-Element. Die Fälle verlaufen dabei meist ziemlich linear und lassen wenig Raum für echte Deduktion. Wünschenswert wäre daher ein ausgefeilteres System gewesen, das die Shooter-Mechaniken und den Detektiv-Aspekt sowohl enger miteinander verzahnt als auch beiden Elementen ausreichend Raum zur Entfaltung lässt.

Aus technischer Sicht haben wir dank der Nintendo Switch 2 mittlerweile einen Punkt erreicht, an dem man gerade im Vergleich zu den Konsolen der Konkurrenz quasi keine Abstriche mehr in Kauf nehmen muss. So läuft das Spiel sowohl im Handheld- als auch im TV-Modus butterweich, was angesichts des hohen Spieltempos umso wichtiger ist. Die sonst hohe Immersion wird allerdings durch zahlreiche Alphawände – also unsichtbare Wände, die einen augenscheinlich begehbaren Weg blockieren – spürbar getrübt. Gleichzeitig scheint das Spiel nicht gänzlich frei von Bugs zu sein. So habe ich im Testverlauf während eines Boss-Kampfs auf einen Gegenstand springen können, was den Gegner sichtlich verwirrte. So lange ich auf diesem Gegenstand stand, verharrte der Boss an Ort und Stelle und ließ sich aus der Ferne einfach abschießen. Inwiefern diese Begebenheit zuverlässig reproduziert werden kann, vermag ich nicht abschließend zu beurteilen, aufgrund der tendenziell hohen Beweglichkeit des Protagonisten kann aber definitiv nicht ausgeschlossen werden, dass sich noch an diversen anderen Stellen Möglichkeiten zum Ausnutzen von Spielfehlern bieten – Speedruns des Spiels könnten also ziemlich spannend zum Zuschauen werden.

Unser Fazit

7

Spaßgarant

Meinung von Chris Holletschek

Unterm Strich ist Mouse: P.I. For Hire ein Spiel, das vor allem durch seinen außergewöhnlichen Stil und seine dichte Atmosphäre überzeugt. Die audiovisuelle Präsentation gehört klar zu den größten Stärken und trägt das Erlebnis insbesondere in den ersten Stunden mühelos. Auch das grundsätzliche Gameplay weiß zunächst zu unterhalten, verliert jedoch mit der Zeit an Dynamik und Tiefe, da sich Mechaniken und Gegnerdesign zu wenig weiterentwickeln. Während die Bosskämpfe positive Akzente setzen und das technische Fundament weitgehend solide ist, verhindern strukturelle Schwächen – insbesondere das repetitive Spielprinzip und der nur oberflächlich genutzte Detektiv-Aspekt – ein durchgehend packendes Erlebnis. So bleibt am Ende ein stilistisch herausragender, aber spielerisch nicht voll ausgeschöpfter Titel, der viel Potenzial zeigt, dieses jedoch nicht konsequent bis zum Schluss nutzt.

Communitywertung

1 User hat bereits bewertet

Auszeichnungen

Mouse: P.I. For Hire hat von uns bisher keine Auszeichnung erhalten

Kommentare 16

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  • Mondspiegel

    Turmbaron 1. Mai 2026 um 12:40

    Aktuell auch echt so ein Hype Spiel habe mir ein paar let's play angesehen.Sieht spannend aus aber aktuell habe ich zuviel was ansteht.

  • Vivi824

    Final Fantasy 🥰 1. Mai 2026 um 12:44

    Freu mich auf meine Mouseburg Edition die am 10. Juli kommen soll, wo das Spiel dann physisch dabei ist. :love:

  • Swimfan

    Gamer alter Schule 1. Mai 2026 um 12:44

    Ja, ich würde sagen das ist nach allem, was ich sonst gesehen und gehört habe, eine ziemlich faire Bewertung.

    Mouse P.I. ist tatsächlich so ein Hype gewesen, bei dem alle zutiefst gehofft haben, dass er genial wird. Dabei brutzelt unter dem genialen Artstyle eigentlich ein ziemlich durchschnittlicher und gar nicht mal abwechslungsreicher first person shooter.

    Ich denke die größte Stärke (neben dem Stil) ist, dass die Entwickler die gute Einschätzung hatten und den Titel mit 30€ beziffern, das wirkt dann sehr fair und man kann deutlich besser über Schwächen beim Gameplay hinwegsehen.

  • TheRock

    Mia san Mia 🔴⚪ 1. Mai 2026 um 12:55

    Danke für den Test 🙏🏻😁 Habe es mir physisch vorbestellt 🙏🏻😍

  • Tabby

    Turmbaron 1. Mai 2026 um 13:52

    Das es spielerisch nicht etwas ausgereifter ist finde ich zwar schade, trotzdem wird mich allein der Artstyle wohl bis zum Schluss unterhalten. Ich warte mit dem Kauf aber ebenfalls auf die Retail-Version.

  • Blackadder

    cuteness is justice 1. Mai 2026 um 14:11

    Freue mich auf meine retail Version im Juli. :thumbup:

  • B iz Active

    Ansässiges Böse 1. Mai 2026 um 15:28

    Hab ich runtergeladen, jetzt wartet das Game nur noch drauf gespielt zu werden. Hab gehört es soll wohl ein Doom mit Mickey Mouse Look sein, wilde Mischung, die ich auf jeden Fall zocken muss.

  • Ngamer

    Son of a Patriot 1. Mai 2026 um 16:29

    Ist auch bereits retail vorbestellt

  • Nico.98

    Meister des Turms 1. Mai 2026 um 16:37

    Werde es mir wahrscheinlich Retail holen.

  • Taske

    Meister des Turms 1. Mai 2026 um 17:28

    "Doom" meets "Steamboat Willy"! ;)

    Wer keine übertriebenen Erwartungen mit dem Titel verknüpft, kann sicher sehr viel Spaß damit haben! :)

  • e1ma

    Turmknappe 1. Mai 2026 um 23:06

    Butterweich im HH-Mode? Gerade in den größeren Arealen gibt es ordentliche Einbrüche in der Framerate und hier sind einige Patches noch mehr als wünschenswert.

  • D3ADend

    Turmbaron 2. Mai 2026 um 08:15

    Hab das Spiel auch auf den Schirm, allerdings noch einige Games die ich noch Spielen muss, ist auf der Wunschliste und wird gekauft sobald ich die Spiele gezielt habe die ich noch nicht angefangen hatte ( Dragon Quest III, 11 und Metroid Prime 4).

    Der Style hat auf jedenfall was, wenn man schon was älter ist und sich an den Trickfilmen von damals erinnert.

  • General McCreevous

    Turmheld 2. Mai 2026 um 18:08

    ,,da sich Mechaniken und Gegnerdesign zu wenig weiterentwickeln‘‘

    Genau das gefällt mir besonders gut irgendwie

  • FullmoonCeres

    Beyond Journey's End 3. Mai 2026 um 20:30

    Ein Meisterwerk habe ich nie erwartet. Für den Preis kann man nicht viel falsch machen. Der größte Reiz ist einfach der geniale Retro-Comic-Look und der Sound. Wird physisch mal gekauft.:)

  • lefftY

    Turmknappe 4. Mai 2026 um 02:16

    Ich habe es mir nach längerem Überlegen für die Switch 2 digital gekauft.

    Und wurde, was die Technik angeht, sehr enttäuscht.


    Spiele im Dockmodus, angeblich soll es ja im Leistungsmodus 60 FPS haben, wird im stillstehen erreicht, sobald man sich bewegt gibt es permanente frame Drops und im Qualitätsmodus fühlt es sich sehr zäh an mit den 30 FPS.


    Macht mir leider so keinen Spaß das Spiel zu spielen.


    Vielleicht kommen ja zeitnah noch Patches raus, die sich den Problem annehmen.

  • e1ma

    Turmknappe 4. Mai 2026 um 10:31

    Exakt, deswegen hat mich die Aussage im Test sehr verwundert.