Test zu Mouse: P.I. For Hire - Nintendo Switch 2
Starker Stil, schwaches Durchhaltevermögen
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1. Mai 2026 um 12:00 - Chris Holletschek
Um direkt den Elefanten im Raum anzusprechen: Ja, Mouse: P.I. For Hire hat einen Look, der auf den ersten Blick wahnsinnig fasziniert. Gleichzeitig scheint das Spiel aus dem Hause Fumi Games auch einen spannenden Gameplay-Inhalt zu bieten – und tatsächlich kann dieser erste Eindruck im Großen und Ganzen auch aufrechterhalten werden. Durch Stil, Atmosphäre und Charme schafft es der Titel gerade in den ersten Spielstunden, die Spielenden regelrecht in das Geschehen hineinzuziehen. Aber je länger man spielt, desto eher werden auch strukturelle Schwächen offenbart, die im Nachfolgenden beleuchtet werden.
Eine völlig normale Wand, neben der nur ganz zufällig ein explosionsgefährdetes Fass steht
© Fumi Games
Der herausragende Grafikstil ist ohne Zweifel der größte Trumpf des Spiels. Der konsequent umgesetzte Rubber-Hose-Look erinnert an Comics und Trickfilme der 1920er- und 1930er-Jahre und ist nicht nur ein visuelles Gimmick, sondern im Grunde das Herzstück der gesamten Spielerfahrung. Jede Animation, jede auftauchende Figur und die dazugehörige Umgebung sind mit Liebe zum Detail gestaltet und laden fernab der Action zum Erkunden und Entdecken ein. Eingebettet ist das Ganze in eine dichte Noir-Atmosphäre, die in Kombination mit einem Jazz-lastigen Soundtrack und einer insgesamt starken Sprecherleistungen (insbesondere durch den bei Videospiel-Begeisterten bekannten Troy Baker) für eine starke Immersion sorgt.
Die Spielwelt fühlt sich lebendig an, was vor allem daran liegt, dass diese von zahlreichen sichtbaren Figuren bevölkert wird, die allesamt ihren eigenen Charakter und Charme mitzubringen scheinen. Selbst von diesem Charme überzeugen kann man sich allerdings nur selten, denn die meisten anthropomorphen Mäuse sind nur zum Anschauen da und verlieren kein Wort. Diese stumme Begebenheit ist etwas schade, da sie an der Immersion rüttelt – es hätten zwar nicht tiefgründige Gespräche mit jedem Charakter stattfinden müssen, aber ein einfaches Grunzen oder abfälliges Schnauben beim Versuch, jemanden anzusprechen, wäre wohl bereits wirkungsvoll genug gewesen.
Inhaltlich setzt Mouse: P.I. For Hire auf eine Mischung aus Story und Shooter. Als stilecht durch und durch zynischer Detektiv verfolgt ihr eine Geschichte, die sich aus mehreren Fällen zusammensetzt; während diese Fälle zunächst ohne großen Zusammenhang erscheinen, wird nach und nach ein großer Komplott offenbart, der die verschiedenen Puzzleteile miteinander verbindet. Die Erzählweise ist dabei zwar oft unterhaltsam und mit viel Witz gespickt, erreicht trotz ihrer charmanten Art aber nicht immer die Tiefe, die angestrebt gewesen zu sein scheint.
Was dagegen (zunächst) gut funktioniert, ist das Gameplay, das in bester Boomer-Shooter-Manier ein hohes Tempo und ein kreatives Waffenarsenal mit einer angenehm klassischen Progression verbindet. Das kann gerade zu Beginn schnell begeistern, sodass die ersten Spielstunden motivierend und abwechslungsreich erscheinen. Doch je länger man spielt, desto eher besteht die Gefahr, dass diese Begeisterung abflacht. Das Pacing gerät aufgrund eines sich irgendwann nicht mehr weiterentwickelnden Waffen- und Fähigkeitensystems sowie durch sich zu oft wiederholende Gameplay-Abschnitte ins Wanken. So werdet ihr im Verlauf des Spiels zwar an immer neue abwechslungsreich und kreativ gestaltete Orte geführt, diese werden aber von sich stark ähnelnden Gegnertypen bevölkert – auch diese ähneln sich zwar nicht optisch, aber von den Fähigkeiten und Verhaltensweisen her.
Lobend hervorzuheben sind dann aber doch die verschiedenen Bosse, die euch an den diversen Schauplätzen entgegentreten. Hier werden am ehesten die womöglich auch bereits an anderen Stellen gezogenen Parallelen zu Titeln wie Cuphead deutlich: Herausfordernde Kämpfe, kreative Fähigkeiten und sich nach der Hälfte der Auseinandersetzung noch einmal ändernde Umstände sorgen in der sonst eher abnehmenden Gameplay-Kurve für einen Kick nach oben. Sollte diese Herausforderung zu groß sein, lässt sich die Schwierigkeit im Übrigen ganz allgemein in einem dreistufigen System auch anpassen.
Schießen, erkunden, zurückkehren, wiederholen – dieser Loop bleibt über lange Strecken unverändert, was abseits der Boss-Kämpfe für ein repetitives Gameplay-Gefühl sorgt. Gleichzeitig zeigt sich zunehmend ein ganz strukturelles Problem: So mag das Spiel zu Beginn durch seinen Look und die Atmosphäre noch den Eindruck vermitteln, dass euch hier ein tiefgreifendes Detektiv-Spiel inklusive entsprechender Ermittlungen erwartet; tatsächlich steht die Action aber klar im Vordergrund. Die Untersuchungen dienen hier eher als Rahmen, denn als eigenes Gameplay-Element. Die Fälle verlaufen dabei meist ziemlich linear und lassen wenig Raum für echte Deduktion. Wünschenswert wäre daher ein ausgefeilteres System gewesen, das die Shooter-Mechaniken und den Detektiv-Aspekt sowohl enger miteinander verzahnt als auch beiden Elementen ausreichend Raum zur Entfaltung lässt.
Aus technischer Sicht haben wir dank der Nintendo Switch 2 mittlerweile einen Punkt erreicht, an dem man gerade im Vergleich zu den Konsolen der Konkurrenz quasi keine Abstriche mehr in Kauf nehmen muss. So läuft das Spiel sowohl im Handheld- als auch im TV-Modus butterweich, was angesichts des hohen Spieltempos umso wichtiger ist. Die sonst hohe Immersion wird allerdings durch zahlreiche Alphawände – also unsichtbare Wände, die einen augenscheinlich begehbaren Weg blockieren – spürbar getrübt. Gleichzeitig scheint das Spiel nicht gänzlich frei von Bugs zu sein. So habe ich im Testverlauf während eines Boss-Kampfs auf einen Gegenstand springen können, was den Gegner sichtlich verwirrte. So lange ich auf diesem Gegenstand stand, verharrte der Boss an Ort und Stelle und ließ sich aus der Ferne einfach abschießen. Inwiefern diese Begebenheit zuverlässig reproduziert werden kann, vermag ich nicht abschließend zu beurteilen, aufgrund der tendenziell hohen Beweglichkeit des Protagonisten kann aber definitiv nicht ausgeschlossen werden, dass sich noch an diversen anderen Stellen Möglichkeiten zum Ausnutzen von Spielfehlern bieten – Speedruns des Spiels könnten also ziemlich spannend zum Zuschauen werden.
Unser Fazit
7
Spaßgarant