Test zu Super Meat Boy 3D - Nintendo Switch 2

Fleisch gewordene Präzision – in 3D?

Die älteren Zocker unter uns werden sich vielleicht noch an das Original erinnern: Super Meat Boy, eines der ersten Indie-Games, welches es – maßgeblich aufgrund seiner hohen Qualität und Kompromisslosigkeit – in den Mainstream schaffte. Der gnadenlose 2D-Platformer glänzte damals durch punktgenaue Steuerung und sofortige Neuversuche nach dem Ableben. Die einerseits moderne, aber dennoch retrohafte 2D-Optik wirkte auf viele charmant und stellte vor allem das Gameplay in den Vordergrund, sodass bei vielen nostalgische Gefühle an die „guten alten Zeiten“ wach wurden – als Videospiele noch richtig Spaß machten. Dies alles trug dazu bei, dass sich der kleine Fleischklumpen mit Highspeed in die vom immergleichen Einheitsbrei der AAA-Titel geplagten Herzen unzähliger Spieler hüpfte. Doch kann diese bewährte Formel auch in 3D funktionieren? Unser Test verrät es euch!

Die gerenderten Sequenzen sind durchaus ein visueller Gaumenschmaus

© Team Meat | Headup GmbH | Sluggerfly

Für die Story braucht man auf jeden Fall keinen langen Atem: Ein kurzes, aber wirklich schick gerendertes Intro zeigt uns wieder einmal ein totgelutschtes Kidnapping-Szenario – und dann heißt es auch schon: Losrennen, springen … und sterben. Der Fokus liegt eindeutig auf dem Gameplay, und das merkt man in jeder Sekunde.

Immerhin werden wir zwischendurch mit weiteren hübsch inszenierten Sequenzen belohnt, die sich sehen lassen können. Ein Nice-to-have, aber mehr auch nicht. Die Story hat bei Super Meat Boy ohnehin noch nie jemanden interessiert, oder? Das ist auch nicht weiter schlimm, denn dieses Spiel will auch keine Geschichte erzählen, denn es besitzt seine Stärken an anderer Stelle.

Spielerisch bleibt der Titel seinen Wurzeln erfreulich treu. Das bekannte Trial & Error-Prinzip greift sofort – und vor allem ohne nervige Wartezeiten. Ableben? Zack, sofortiger Neustart. Keine Animationen, kein Ladebildschirm, keine Langeweile. Genau so muss das sein und ab geht es wieder in das nächste Level und wahrscheinlich direkt noch einmal in den Fleischwolf in Form eines Sägeblattes oder ähnlichen Schikanen. Das Platforming ist dabei so pfeilschnell wie minimalistisch: Wir können rennen, springen, dashen, Walljumps machen und Stampfattacken ausführen. Mehr braucht es nicht – und mehr will das Spiel auch gar nicht sein.

Nach dem Ableben sehen wir wie beim Original-Teil alle unsere Versuche gleichzeitig

© Team Meat | Headup GmbH | Sluggerfly

Ein besonders charmantes Detail, was auch den ersten Teil schon einzigartig machte: Nach dem Abschluss eines Levels sehen wir alle unsere gescheiterten Anläufe gleichzeitig durchs Level springen, fliegen, platzen oder explodieren. Das ist wunderbar chaotisch und sorgt nicht nur für einen gewissen Aha-Effekt, sondern auch für den einen oder anderen Lacher, wenn sich beispielsweise Massen an Meatboys fast gleichzeitig in einen Säureabgrund stürzen. Ganz wie früher – nur jetzt eben in 3D.

Und genau hier liegt der Knackpunkt. Das reduzierte Gameplay lebt davon, dass wir mit jedem Versuch besser werden. Doch die dritte Dimension bringt wie von vielen befürchtet eine gewisse Unschärfe ins Spielgefühl. Trotz bewusst gewählter Designentscheidungen – wie einem festen Kamerawinkel und der Einschränkung auf 45-Grad-Bewegungen – fühlt sich die Steuerung immer wieder leicht schwammig an. Zwar gewöhnt man sich daran und entdeckt sogar neue spielerische Möglichkeiten, doch die Präzision eines klassischen 2D-Teils wird nie ganz erreicht werden. Dies liegt in der Natur der Sache. Immer wieder schleicht sich das Gefühl ein, dass ein Fehler in einer 2D-Umgebung vielleicht gar nicht passiert wäre. Und genau da stellt sich zwangsläufig die Frage: Brauchte es diesen 3D-Schritt wirklich?

Immerhin helfen optionale Features dabei, die räumliche Orientierung zu verbessern – etwa durch visuelle Hilfen, die unsere Position über dem Boden klarer darstellen, indem sie unter unserem Charakter eine Markierung erscheinen lassen. Das ist kein Luxus, sondern fast schon Pflicht, um die Kontrolle zu behalten, und funktioniert glücklicherweise auch sehr gut.

Die Bosskämpfe sind zwar eine Abwechslung, ziehen sich aber zu lange hin

© Team Meat | Headup GmbH | Sluggerfly

Zusätzliche Motivation liefern die zahlreichen versteckten Pflaster in jedem Level, die nicht nur einen gewissen Sammeltrieb auslösen, sondern auch neue Charaktere freischalten können. Diese bringen sogar leichte Gameplay-Unterschiede mit sich, was dem Ganzen eine zusätzliche spielerische Note verleiht. Wer es richtig knackig mag, kann sich zudem an den Schattenwelt-Leveln versuchen, die erst nach dem Erreichen bestimmter Zeitvorgaben freigeschaltet werden – und noch einmal eine ordentliche Schippe auf den ohnehin schon harten Schwierigkeitsgrad drauflegen.

Ein zweischneidiges Schwert sind die etwas zu langen Bosskämpfe. Diese versuchen zwar, durch die gebotene Abwechslung motivierend zu bleiben, jedoch müssen wir uns hier durch sehr lange Sequenzen kämpfen und diese mit noch unzähligen weiteren Versuchen auswendig lernen, als es bei den normalen Levels der Fall ist – denn diese sind in der Regel sehr kurz und somit nicht unnötig frustrierend. Die Endgegner-Level müssen wir allerdings ebenfalls mit nur einem Versuch bewältigen, obwohl diese sowohl schwerer als auch deutlich länger sind. Das führt zu unnötigem Frust, denn oft sind hier neue Phasen und Bewegungen des Gegners nicht vorherzusehen, wodurch es im Prinzip unmöglich ist, den Boss schon nach ein paar Versuchen zu besiegen.

Technisch zeigt sich das Spiel auf der Nintendo Switch 2 sowohl im Dock als auch im Handheld-Modus solide: Die Grafik ist zwar etwas altbacken, bleibt aber stets übersichtlich, fast immer funktional und vor allem flüssig – was bei diesem Gameplay auch wichtiger ist als visuelle Spielereien. Es gibt so gut wie nie Framerate-Einbrüche, was bei einem so präzisionsabhängigen Spiel wie Super Meat Boy 3D absolute Pflicht ist. Hier haben die Entwickler definitiv den richtigen Fokus gewählt.

Die allseits beliebten Sägeblätter sind natürlich auch wieder mit von der Partie

© Team Meat | Headup GmbH | Sluggerfly

Akustisch ist das Spiel nicht besonders auffällig, aber durchaus pikant: Rock- und Metal-Klänge treiben uns durch die Levels und unterstreichen die Härte des Gameplays passend. Allerdings sind die Tracks leider ein wenig zu repetitiv, was zwar selten wirklich nervig wird, aber dem Sounddesign sicher auch keine Goldmedaille einbringt. Auch die Einstellungen bieten uns keine sonderlich große Auswahl. Text gibt es aber ohnehin kaum, wodurch natürlich auch die fehlende Sprachausgabe oder gewisse Sprachoptionen hinfällig werden. Wir können lediglich besagte Positionshelfer und ein paar andere, kleinere visuelle Hilfen oder Vorlieben anpassen. Hier können wir ein paar visuelle Beeinträchtigungen wie das Bildschirmwackeln abschalten. Außerdem lassen sich beispielsweise die Empfindlichkeit des Analogsticks einstellen oder Musik und Soundeffekte getrennt voneinander regeln. Wesentlich mehr braucht ein minimalistischer Titel wie Super Meat Boy 3D allerdings auch nicht.

Langzeitmotivation ist bei diesem Titel teilweise dadurch gegeben, dass es wirklich viele Wiederholungen braucht, um bis zum Abspann zu spielen und noch deutlich mehr, um alle Schattenlevels freizuschalten, zu beenden oder gar sämtliche Pflaster zu finden. Eine hohe Frusttoleranz dürfte hier absolute Pflicht sein und die wenigsten werden einen solch fordernden und atemlosen Titel besonders lange am Stück spielen können. Aber für einige Runden am Abend kann man das Spiel immer wieder gut anwerfen und wird damit dann auch einige Zeit beschäftigt sein.

Unser Fazit

7

Spaßgarant

Meinung von Benjamin Greim

Unterm Strich ist Super Meat Boy 3D ein mutiger Schritt, der vieles richtig macht, aber nicht ganz an die gnadenlose Perfektion des Erstlingswerks heranreicht. Es bleibt ein extrem schnelles, forderndes und motivierendes Spielerlebnis – nur eben mit ein paar kleinen Stolpersteinen mehr als zuvor, da es durch die Dreidimensionalität unweigerlich ein Stück seiner legendären Präzision einbüßt. Die reduzierte Steuerung, die sofortigen Neustarts und das herrlich motivierende „Nur noch einmal“-Gefühl greifen nach wie vor hervorragend und sorgen für diesen typischen Sog, der uns immer wieder dazu bringt, einen weiteren Meatboy – natürlich nur aus Versehen – durch ein Sägeblatt zu jagen. Inhaltlich punktet der Titel mit einem Sammelobjekt pro Level, freischaltbaren Charakteren und besonders knackigen Schattenlevels. Schade, dass die Bosskämpfe etwas zu lang und dadurch unnötig frustrierend ausfallen. Technik und Performance bleiben dafür erfreulich stabil. Wer eine gesunde und wohl trainierte Frusttoleranz mitbringt, sollte dem Spiel eine Chance geben. Am Ende bekommt man dafür genau das, was die Reihe seit jeher ausmacht – nur eben mit ein paar grafisch bedingten Ungenauigkeiten.
Mein persönliches Highlight: Der Gameplay-Sog, der immer wieder dazu verleitet, ein Level noch einmal zu probieren

Communitywertung

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Auszeichnungen

Super Meat Boy 3D hat von uns bisher keine Auszeichnung erhalten

Kommentare 6

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  • Erdnuss

    Turmheld 5. Mai 2026 um 20:06

    habe es auf 100% gespielt und hatte sehr viel spaß mit dem game :D

  • VegetaBln

    Dad, Gaming, Martial Arts 5. Mai 2026 um 20:27

    Spricht mich optisch zwar wesentlich mehr an als der Vorgänger, aber trotzdem nichts, was ich haben muss. Dafür kommen zu viele, geile Spiele dieses Jahr wieder raus. Ich gönn mir lieber Bubsy 4D Ende des Monats :thumbup:

  • Pixelhero

    My✨Hero💫Pixel 5. Mai 2026 um 21:46

    Ich möchte den Entwicklern meinen Dank aussprechen. Seit meiner Kindheit frage ich mich, wie man Gehacktes macht. Nun habe ich ja eine Idee davon bekommen. ;)

  • Pascal Hartmann

    I'm not a cat 6. Mai 2026 um 06:13

    Zitat

    Wer eine gesunde und wohl trainierte Frusttoleranz mitbringt, sollte dem Spiel eine Chance geben.

    War mir zwar vorher schon bewusst, aber danke für die Bestätigung: nichts für mich :D

  • pixelgegner

    Turmheld 6. Mai 2026 um 06:25

    Ost mein persönliches Game of the Year. Endlich hat es jemand geschafft Kaizo in echtes 3D zu konvertieren. Habe es sofort auf 100% gespielt.

    Nur ein kleiner Wermutstropfen bleibt: es war mir viel zu leicht unf die Level oft zu kurz. Es gab sogar Dark World Level die ich beim ersten mal direkt auf A+ geschafft habe. :(

    Hoffentlich kommt noch ein DLC oder Update oder Community Level damit das Spiel am Leben bleibt.

  • Saturos

    Golden Sun 4 when? 7. Mai 2026 um 22:18

    Werde ich mir physisch holen, mag anspruchsvolle Platformer und solange es sofortige Neustarts / ausreichende Checkpoints gibt, kommt zumindest bei mir auch nie Frust bei solchen Spielen auf.