Test zu Disaster: Day of Crisis - Wii
Unser Test zum Spiel: Disaster: Day of Crisis
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17. Januar 2011 um 18:41 - Holger Wettstein
Nach langem Hin und Her bringt Nintendo in Zusammenarbeit mit Monolith das völlig neue Franchise und Videospiel Disaster: Day of Crisis auf die Wii. Seit 2006 bereits angekündigt, wurde das actionlastige Spiel zwischenzeitlich komplett auf Eis gelegt, dann wiedergeboren und noch einmal für das japanische und europäische Weihnachtsgeschäft überarbeitet. Letztendlich ist es seit dem 24.10.2008 nun auf unserem Ladentisch zu finden. Nur die Amerikaner müssen dank Reggie noch auf das Spiel warten. Wie sich nun der lang ersehnte Nintendo-Coretitel spielt, erfahrt ihr in unserem dazugehörigen Review.
Raymond Bryce und sein Rettungsteam werden während eines Rettungseinsatzes auf dem Vulkan Aquilas von einem heftigem Vulkanausbruch überrascht. Sein Freund und Kollege Steve kommt während des Chaos’ ums Leben. Unser Ray bekommt dadurch tiefe Schuldgefühle. Er verliert den Glauben an seine Fähigkeiten Menschen zu retten, und kündigt darauf im Internationalen Rettungsteam. Nun erfährt Ray, dass Steves Schwester Lisa von einer ehemaligen Spezialeinheit mit dem Namen SURGE entführt wurde. Ray beginnt seinen Kampf gegen die mittlerweile illegal agierende Organisation und stößt immer mehr auf boshafte Pläne und Intrigen. Gleichzeitig verwüstet eine beispiellose Serie von verschiedenen Naturkatastrophen die USA. Ob das alles einen Zusammenhang hat erfahrt im folgenden Abenteuer.
Doch Disaster wäre kein Kinoerlebnis, wenn man nicht von Anfang an in das Abenteuer integriert werden würde. Mitten auf besagtem Berg werdet ihr direkt in das Geschehen katapultiert und gleich einem kleinen Steuerungstutorial unterzogen. Hier lernt ihr das Laufen, Springen, Klettern, durchs Feuer laufen oder wie ihr eure Lunge wieder von dem ganzen Schmutz aus der Luft reinigt. Gesteuert wird während des üblichen Action-Adventure Alltags mit der Wii-Remote und dem Nunchuk. Die Steuerung ist so komplex ausgefallen, dass vor jeder speziellen Situation alles detailliert und gut erklärt werden muss. Alle Situationen nieder zu schreiben, würde einige Seiten füllen, trotzdem geht fast alles perfekt von der Hand. Nur selten kommt es bei speziellen Rettungsaktionen zu Steuerungsverzögerungen, die aber nicht wirklich ausschlaggebend sind. Neben dem üblichen Herumlaufen machen die Rail-Shooter-Sequenzen euer Leben schwer. In denen zielt ihr per Pointerfunktion auf die Gegner und ballert sie weg. Mit der Z-Taste habt ihr aber immer die Möglichkeit rechtzeitig in Deckung zu gehen. Das Ganze macht anfänglich sehr viel Spaß, da man auf das Timing, die Munition und die Treffergenauigkeit achten muss. Trifft man direkt in den Kopf, erhält man mehr Punkte als wenn man einen Arm anschießt. Auch Kombos sind hier möglich, die euer Punktekonto erhöhen. Manchmal sind die Ballereien aber ein wenig langatmig geraten, die dann gute Konzentration abverlangen. Zusätzlich zu den Shooter-Einlagen gibt es auch Renneinlagen, in denen ihr mit dem Auto vor der SURGE-Mafia, Flutwellen oder Lavaströmen fliehen müsst. Hier wird der Nunchuk abgestöpselt und die Wii-Remote quer gehalten. Per Neigung in die jeweilige Richtung fahrt ihr rasant durch die Straßen, was immer sehr präzise funktioniert und ordentlich Fun macht.
Auf eurem Bildschirm habt ihr mehrere Anzeigen, die hauptsächlich euren aktuellen körperlichen Stand anzeigen. Am oberen linken Rand findet ihr eine Energieleiste und eine Ausdaueranzeige, die sich stetig leert. Dazu existiert noch eine Lungenanzeige und eine Herzfrequenz-Anzeige, auf die man jederzeit achten sollte. Geht eure Ausdauer in die Knie, solltet ihr euch schnell ein aufgesammeltes Item reinziehen, das ihr an fast jeder Straßenecke findet. Rennt ihr durch ein Rauchgebiet, füllt sich eure Lunge sehr schnell mit Rußpartikeln, doch ein tiefes Durchatmen per Z-Taste in Rauchfreien Zonen rehabilitiert euer Organ. Ab und zu müsst ihr auch durch Feuer rennen, das ihr per Bewegungssteuerung schnell von euch abschütteln solltet, damit ihr nicht in Flammen aufgeht. Unterwegs gibt es wie bereits gesagt noch etliche andere Aktionen wie Reden, Untersuchen, Sprinten, Türen öffnen, Items aufsammeln, Objekte zertrümmern und mehr. Die automatische Kamera ist leider nicht immer Herr der Lage. Wenn es Eng wird muss man öfters per Steuerkreuz nachjustieren, um den Überblick zu gewährleisten. Trotzdem kommt man dadurch nie in schwierige Situationen.
Das Ganze ist ein Querschnitt durch bereits bekannte Genres. Im Prinzip bekommt ihr eine gewaltige Kostprobe der Abteilungen Rail-Shooter, Action-Adventure und Autofahr-Missionen. Diese drei Elemente begleiten euch während des gesamten Spiels und wechseln sich auch innerhalb der Levels ab. Jedes Level besteht aus mehreren Checkpoints und führt euch durch die perfekt inszenierte und spannende Story. In jedem Level, welche meistens so 20 bis 30 Minuten dauern, werdet ihr in das spannende Geschehen hineingezogen. Ohne Unterbrechung hat man das Gefühl immer weiter machen zu wollen. Nach jedem Level habt ihr dann die Möglichkeit, euren individuellen Stand abzuspeichern. Zwischen den Levels rüstet ihr wie in einem RPG euren Superheld und das dazugehörige Waffenarsenal auf. Mit den gewonnenen Punkten findet ihr im Shop Waffen und Waffen-Upgrades oder die Option, die körperlichen Grundfähigkeiten wie Kraft oder die Kampffähigkeiten zu steigern.
Insgesamt macht das Gameplay bis auf kleinere Schwächen immensen Spaß. Nur die Geradlinigkeit wird nicht jedermanns Sache sein. Des Öfteren hab ich mir gewünscht, einfach mal abseits des begrenzten Feldes zu agieren. Alternativrouten bei der Autofahrt hätten das Game zum Beispiel aufgelockert. Dafür können die verschiedensten Arten an Rettungseinsätzen vor Ort überzeugen. SO müsst ihr mal eine Herzmassage durchführen, dann einen Mann aus einem reißenden Strom ziehen oder Feuer mit Hilfe eines Feuerwehrschlauchs löschen.
BAM BAM BAM! würde Detlef D. Soost bei dieser Präsentation schreien. Ein bombastisches Intro leitet euch in das Spiel mit der bisher dichtesten Atmosphäre auf der Wii ein. Cineastische Höchstklasse lässt Gänsehaut aufkommen, geniale Effekte, tolle Rendersequenzen und ein für Wii-Verhältnisse extrem gut modellierter Action-Held machen einen guten optischen Eindruck. Doch genau wie es diese ultimativen Highlights gibt, existieren auch einige Tiefpunkte in diesem Abenteuer. Oftmals sind Objekte nur mit wenigen Polygonen bestückt oder viele Figuren haben so gut wie keine Gesichtsmimiken, und die Umgebung strotzt meistens vor unterdurchschnittlichen Texturen. Das Ganze ist wie gesagt ein ständiges auf und ab zwischen einer Grafikwertung von 95 % und 70 %, erzeugt aber letztendlich ein Kino-Feeling wie bisher kein anderer Wii-Titel.
Die brachiale Orchesterbegleitung erzeugt genau wie die Präsentation ein perfektes Feeling. Kristallklare Arrangierungen gepaart mit tollen Bässen und genialem Dolby-Support ziehen euch rasant in den Bann. Auch die englische Sprachausgabe aller Protagonisten ist super genial gesprochen und wirkt sehr authentisch. Doch auch hier gibt es eine große Kehrseite der Technik-Medaille. Allgemein sind zwar die Soundeffekte ganz gut, doch findet man auch sehr schreckliche auf dieser Scheibe. Das Laufen von Ray klingt manchmal wie auf Stöckelschuhen oder das Motorengeräusch bei den Autofahrten hat mich an die guten alten C64-Zeiten erinnert. So ein billiges Summen geht einfach gar nicht. Trotzdem muss man Nintendo loben: Es ist das erste Nintendo-Spiel, in dem zigmal "Shit!" gesagt wird; beziehungsweise "Scheiße" auf dem Bildschirm steht.
Unser Fazit
9
Geniales Spiel