Unser Test zum Spiel: Peggle: Dual Shot [Import]

Das Entwicklerstudio PopCap Games, bekannt für die Puzzler-Reihe Bejeweled, ist nach Actionloop im letzten Jahr wieder auf dem Nintendo DS aufgefallen – allerdings nur in Amerika. Die DS-Umsetzung des Geschicklichkeitsspiels Peggle, welches fulminante Erfolge auf dem iPhone und auf den Downloadplattformen von PS3 und Xbox 360 feierte, schaffte es noch nicht über den großen Teich. In unserem Importtest könnt ihr euch davon überzeugen, ob das so bleiben sollte oder ob ein Import, sofern es noch keine Anzeichen eines Europareleases gibt, sinnvoll wäre.

Die Spielmechanik von Peggle ist nicht schwer zu verstehen: Ähnlich wie in den in Japan äußerst beliebten Pachinko-Automaten besteht das Spielfeld aus einem Muster von aneinandergereihten kreis- oder blockförmigen „Pegs“. In der Spielhalle wird versucht, eine Metallkugel von oben so fallen zu lassen, dass die Kugel eine bestimmten Weg einschlägt. Bei Peggle ist dies etwas anders: In der Mitte des oberen Bildrandes befindet sich ein Abschussmechanismus, wie man ihn aus den Puzzle Bobble-Spielen kennt. Die Abschussrichtung des Zeigers wird durch den Spieler bestimmt. Trifft die Kugel auf einen Stein, stößt sie sich den physikalischen Gesetzen gemäß ab und der Stein verschwindet. Ziel des Spiels ist es nun, alle roten Pegs des Levels verschwinden zu lassen. Die Anzahl der Kugeln ist selbstverständlich begrenzt. Am unteren Bildschirmrand fährt zusätzlich ein „Bucket“ (engl. Eimer) hin und her. Wenn es der Zufall so will, landet die Kugel am Ende ihres Falles in ihm und der Spieler hat die Chance auf eine Extrakugel. Das Besondere an Peggle sind natürlich die verschiedenen Level. Teils mit beweglichen Mechanismen ausgestattete Peg-Muster und die verschiedenen Peg-Arten machen den Reiz aus: Rote Steine sichern euch 100 und blaue 10 Punkte. Die lilafarbenen Steine bringen einen Punkte-Boost sowie nach 5 Treffern eine Bonusstage. Wird ein grüner Peg getroffen, kann der Spieler in der nächsten Runde Gebrauch der Spezialfähigkeit seines vor dem Spiel gewählten Charakters machen, wie zum Beispiel dem alles durchdringenden Feuerball des Drachen „Lord Cinderbottom“. Oder ihr nutzt die an den Bildschirmrändern befindlichen flipperähnlichen Scheren des Hummers „Claude“ oder die Hilfe der virtuellen Ziellinien des Einhorns “Bjorn”, die einem die Flugbahn der Kugel voraussagen. Die Fähigkeit des Uhus „Master Hu“ besteht darin, eine mathematisch perfekte Abschussrichtung vorzugeben, so dass der höchstmögliche Score in der Runde erreicht wird. Insgesamt stehen 10 Charaktere zur Wahl, deren spielerischer Wert interessanter ist als die vom Geschmack des Spielers abhängigen Artworks.

In Sachen Umfang kann der Titel vollends überzeugen: „Dual Shot“ kann wahrlich wörtlich genommen werden, denn bei Peggle Dual Shot handelt es sich nicht nur um eine Portierung des ursprünglichen Peggle. Es enthält auch noch den Adventure-Modus und alle Herausforderungslevels des später erschienenen Add-Ons Peggle Nights. Mit den DS-exklusiven Bonuslevels macht das insgesamt 125 Stages. Im bereits erwähnten Adventure-Modus rackert ihr euch durch je fünf charakteristisch gestaltete Etappen pro Spielfigur. Erst nach dem Sieg über den jeweiligen Meister könnt ihr ihn auch selbst anwählen und von seiner Fähigkeit profitieren. Nach jeder geschafften Stage wird automatisch gespeichert, was eine große Motivationshilfe darstellt, da man später wirklich sehr lange mit einem einzigen Level beschäftigt sein kann und ab und zu doch mal eine Pause braucht. Doch ist Peggle ein anstrengendes Spiel? Nein. Man kann den Reiz am Gameplay von Peggle als „Feuerwerk-Effekt“ charakterisieren: Der Spieler richtet lediglich den Pointer aus und schießt ab – danach heißt es zuschauen. Doch das Mitfiebern und Vorausahnen der Flugbahn lässt jede Spielerhand feucht werden. Im Adventure-Modus deutet sich an, was den langfristigen Spielspaß an Peggle ausmacht: Denn ob man am Ende noch acht Kugeln und einen Peg übrig hat oder es mit einer Kugel schaffen muss, fünf über den Bildschirm verstreute Pegs verschwinden zu lassen, sagt kaum aus, ob man verlieren oder gewinnen wird. Kurz gesagt: Der Spielausgang steht stets auf Messers Schneide. Ein genialer Schuss, der richtige Winkel zu einem Seitenhindernis und der richtige Aufprallwinkel an einem unwichtigen Peg während des Fluges kann das große Glück (und einen damit verbundenen hohen Highscore) oder eben das große Ärgenis auslösen. Denn ist der Adventure-Modus einmal beendet, gibt es vor allem zwei weitere Modi, die die Aufmerksamkeit des Spielers fortan auf sich ziehen sollen: Im Challenge-Modus kann aus 90 Herausforderungen gewählt werden, in denen es beispielsweise gilt, einen kompletten Level, also nicht nur die roten Steine, mit einer heruntergestuften Anzahl Kugeln zu säubern.

Die Stages, die einen auf dem ersten Blick völlig unmöglichen Highscore verlangen, dürften in Sachen Motivationskraft kaum an die Duelle gegen den Computer herankommen, denn die deuten an, was Peggle in Sachen Multiplayer bieten kann, wobei wir beim dritten Hauptspielmodus wären. Mit nur einem Nintendo DS und logischerweise einem Spielexemplar kann gegen einen Freund angetreten werden. Da Peggle im Duell-Modus rundenbasierend ist, muss man das Gerät nur kurz aus der Hand geben. Ein lokaler Drahtlos-Modus oder ein Online-Modus wären zwar wünschenswert gewesen, das Fehlen der beiden ist aber zu verkraften. Aus diesem Umstand kann aus einem langweiligen Abend, wenn auch nur ein Nintendo DS zur Hand ist, eine spannende Zock-Session werden; schwitzige Hände sind garantiert. Denn wenn man sich noch auf der sicheren Seite fühlt, ohnehin doppelt so viele Punkte zu haben wie der Gegenspieler, dieser dann aber durch einen genialen Schuss die letzten paar roten Pegs eliminiert und damit den „Fever“ auslöst, ist der Jubel über den aus den Multiplikationen resultierenden riesigen Highscore größer als der eigene Jammer. Aber Peggle ist dadurch beileibe noch kein reines Glücksspiel. Zumindest schafft es diesen Eindruck überzeugend zur erwecken. Denn auch wenn man wirklich nur den Winkel einstellt und zu einem bestimmten Zeitpunkt abschießt, ist man rein innerlich in einem Spannungsaufbau verwickelt, den Tetris und Co erst ab den höheren Levels erzeugen können.

Dieser „Instant-Wahn“, wie man ihn aufgrund des rapiden Anstiegs eben jener Spannung bezeichnen könnte, ist einzig und allein dem Fundament hinter der Spielmechanik zu verdanken. PopCap Games ist eine makellose Umsetzung des Spielprinzips und der fesselnden Faktoren dahinter gelungen. Die Ausrichtung des Pointers via Stylus ist ein Paradebeispiel für die technische Umsetzung eines Puzzlers für den DS: Wo man sich auf der Konsole mit Analogsticks herumschlagen muss, wird dem Spieler auf dem DS die optimale Steuerungslösung geboten. Der Pointer richtet sich exakt in dem Winkel aus, der durch die Position des Drucks auf dem Touchscreen vorgegeben wird. So bleibt allein dem einzigartigen Spielprinzip an sich der Zufallsfaktor gegeben, doch die kleine Entscheidungsfreiheit, die der Spieler in Peggle besitzt, kann er bis aufs Kleinste ausnutzen. Auch in Sachen Kugelphysik macht Peggle DS den Eindruck, man schaue sich auf dem Handheld eine Aufzeichnung eines Spiels auf der Konsole an. Wer sich Sorgen gemacht hat, dass man auch spielerisch-technische Abstriche bei diesem „Port“ hinnehmen müsse, irrt.

Grafisch handelt es sich hier um eine direkte Umsetzung des Originals: Neben den Spielanzeigen wurden alle Muster innerhalb der variantenreichen Szenarios übernommen. So dienen die Pegs vor dem jeweiligen Hintergrund als Sonnenstrahlen, sind brennende Ringe innerhalb eines Zirkus, stellen die Kompositionslinien in Edvard Munchs „Der Schrei“ dar (auch Vincent van Goghs „Sternennacht“ und die schmelzenden Uhren des Surrealisten Dali sind vertreten) oder haben weniger äußerlichen, dafür aber spielerischen Wert. Wenn man sich mit willkürlich gestreuten Punktwolken abkämpft, erfreut man sich an der Talfahrt, die die Kugel unternimmt, wenn sie genau entlang einer langen Strecke von Pegs gen Bucket rollt. Peggle zeichnet sich stilistisch durch die äußert farbenfrohen und grellen Artworks aus. Dass die Qualität der aus den HD-Versionen der Konsolen übernommenen Sprites unter der geringen Farbanzahl und Auflösung des DS zu leiden hatte, ist unumstritten. Wer eine absolute Kitsch-Phobie hat, ist aber sowieso abgeschreckt, ob nun DS-Version oder auf der Konsole. Fraglich allein ist, warum bei den DS-exklusiven Levels nur in den Bonusstages Gebrauch vom oberen Bildschirm als Levelerweiterung gemacht wurde und nicht auch bei normalen Levels. Hier befindet sich stets die Spielanzeige samt Charakterartwork. Doch darüber kann angesichts der Makellosigkeit der Portierung der Stilelemente, die Peggle einzigartig gemacht haben, hinweggesehen werden. So zoomt die Kamera bis aufs Kleinste heran, wenn sich die Kugel dem letzten roten Peg nähert, sodass man in Slow-Motion mit fiebern kann. Haltet ihr den Stylus beim Zielen gedrückt, wird auf dem Topscreen ein Spielausschnitt in vergrößerter Darstellung angezeigt und der Zeiger reagiert feinfühliger. So ist die Abschusseinstellung noch präziser.

Die Melodien innerhalb der Menüs und während der Gefechte sind knallig und eingängig, aber passend. Eben eigenwillig, wie es genau in das Gesamtkonzept von Peggle passt. Wünschenswert wären charakteristische Melodien für die jeweiligen Szenarien gewesen, angesichts der hardwaretechnischen Limitierungen ist aber auch dies verkraftbar. Die Signaltöne wurden übernommen: Ein heller Ton bestätigt den Aufprall auf einen Peg und mit der gesungenen Zeile „Freude, schöner Götterfunken“ aus Beethovens „Ode an die Freude“ ist es den Jungs von PopCap auch gelungen, den reizvollen Überraschungsmoment in der Situation des „Fever“ überzeugend auf dem DS rüberzubringen.

Unser Fazit

9

Geniales Spiel

Meinung von Henry Robbert

Wer hätte es erwartet: Mit Peggle Dual Shot ist PopCap Games eine nahezu makellose Umsetzung eines neuartigen Spielprinzips gelungen, dass für mich in Form eines Handheldspiels sogar noch mehr zu überzeugen weiß als auf der Mattscheibe. Der Adventure-Modus reizt bis zum Ende, ist aber schaffbar. Der Herausforderungs-Modus hingegen stellt die ultimative Motivationsquelle im Spiel dar. Den augenscheinlich unerfüllbaren Erwartungen steht im Moment des Erfolgs ein Glücksgefühl gegenüber, das so meist nur nach dem Bezwingen eines gigantischen Bossgegners in einem Adventure aufkommen mag. Peggle ist fesselnd und mühelos nebenbei spielbar, jederzeit spannend, für zwischendurch immer geeignet und kann einen ganzen Abend retten. Die technischen Abstriche und das Fehlen eines Online-Modus können angesichts des überzeugenden Steuerungskonzeptes und der Liebe zum Detail übersehen und als nicht relevant für den Spielspaß betrachtet werden. Bleibt nur zu hoffen, dass es Peggle Dual Shot auch bald nach Europa schafft. Eine abgespeckte DSiWare-Variante würde ich als schade erachten, da es doch der Spielumfang ist, der Peggle in die höhere Klasse der Puzzle- und Geschicklichkeitsspiele schweben lässt. Wer es nun kaum erwarten kann, selbst Hand anzulegen, dem sei eine der zahlreichen Importseiten empfohlen, auf denen der Titel preiswert zu haben ist.

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