Unser Test zum Spiel: The Walking Dead: Survival Instinct

Wandelnde Leichen sind heutzutage kaum noch aus unserem Leben wegzudenken. Ob in Comic- oder Manga-Form, in Filmen, Serien oder in Videospielen: Überall sind Zombies zu finden. Eines der erfolgreichsten aus ihnen hervorgegangenen Franchises ist zweifelsfrei The Walking Dead. Angefangen als Comic-Serie, ist TWD auch als TV-Serie in aller Munde. Eine Videospielumsetzung von Telltale Games konnte die Fans ebenfalls überzeugen. Activision möchte auf den Zombie-Zug aufspringen und mit The Walking Dead: Survival Instinct ein Stück vom Gedärme-Kuchen abhaben.



The Walking Dead: Survival Instinct basiert auf der bereits erwähnten TV-Serie und lässt euch in die Haut von niemand geringerem als Daryl Dixon schlüpfen, der sich mit seinem Bruder Merle durch die gerade erst eingesetzte Zombie-Apokalypse schlagen muss. Daryl ist anfangs mit seinem Vater und anderen Bekannten in den Bergen, um auf Jagd zu gehen. Plötzlich fallen Schüsse und Schreie ertönen aus der Ferne. Noch gar nicht richtig begreifend, was denn gerade passiert, wird Daryls Vater tödlich von den wandelnden Leichen verwundet. Daryl selbst soll dem Leiden seines Vaters schließlich ein Ende setzen, aber er bringt es nicht übers Herz und lässt diese Aufgabe seinen Halbonkel Jess erledigen. Das anschließende Ziel ist das entfernte Atlanta, in dem man Sicherheit vor den Zombies erwartet. Ihr merkt schon: Das Spiel präsentiert euch eine Art Vorgeschichte zur Serie, für die man sogar Norman Reedus und Michael Rooker als Sprecher ihrer jeweiligen Charaktere Daryl und Merle verpflichten konnte.

Euer primäres Ziel im Spiel ist es – Überraschung – zu überleben. Dafür muss möglichst viel Treibstoff, Nahrung und Munition her, die es in jeder Mission einzusammeln gilt. Bevor ihr eine Mission beginnt, könnt ihr verschiede Vorbereitungen treffen. Zum Beispiel stehen euch bis zu zwei Personen zur Verfügung, die sich euch im Spielverlauf angeschlossen haben, und diese könnt ihr vor Missionsbeginn ebenfalls auf die Suche nach Nahrung, Munition oder Benzin schicken. Sie dürfen optional eine eurer Waffen mitnehmen, um ihre Überlebenschancen zu erhöhen. Klingt zunächst nach einer äußerst interessanten Idee, deren Potenzial von Entwickler Terminal Reality aber leider überhaupt nicht genutzt wurde. Nachdem ihr nämlich die Aufgaben eurer Begleiter festgelegt habt, seht ihr sie bis zum Abschluss des Levels nicht wieder. Sie streifen also nicht zur selben Zeit in eurer unmittelbaren Umgebung herum und es ist am Ende quasi dem Zufall überlassen, ob und mit wie viel Gesundheit sie zu euch zurückkehren.

Ansonsten gibt es kaum Interaktionen mit den verschiedenen Personen, abgesehen vom ersten Kennenlernen. Meist wollen sie, dass ihr etwas für sie beschafft und danach schließen sie sich euch an. Zum Beispiel möchte ein Polizist Batterien für sein Funkgerät haben, bevor er mit euch reist. Im Grunde ist es aber völlig egal, wer mit euch unterwegs ist, denn kehren eure Begleiter nach Abschluss der Mission nicht zurück, wird es euch auch nicht jucken. Die Beziehungen zwischen den Charakteren stehen hier leider nicht im Mittelpunkt, also ganz anders, wie man es eigentlich von The Walking Dead gewohnt ist.

Um zwischen den Einsatzorten der Missionen voranzukommen, habt ihr im Übrigen mehrere Möglichkeiten. Mit einem fahrbaren Untersatz wählt ihr entweder Highways, Haupt- oder Nebenstraßen, um den nächsten Ort zu erreichen. Wählt ihr die Highways, ist zwar die Gefahr größer, dass euer Fahrzeug unterwegs den Geist aufgibt, allerdings verbraucht ihr so auch am wenigsten Benzin. Haupt- und Nebenstraßen haben zwar einen höheren Treibstoffverbrauch, dafür findet ihr über diese Wege mehr Nahrung, Munition oder weiteren Treibstoff. Klingt auf den ersten Blick auch wieder recht interessant, aber glaubt ja nicht, dass ihr selbst fahren dürft. Die „Fahrten“ sind nämlich nur als Tarnung für die Ladezeiten gedacht. Während der nächste Spielabschnitt lädt, dürft ihr so auf einer Karte den Weg von Daryl und seinen Begleitern betrachten.

Aber lassen wir die Lebenden erst einmal ruhen und wenden uns den Untoten zu, die euch ans Leder wollen. Während eurer Streifzüge durch die tristen und relativ farblosen Umgebungen gilt es natürlich auch, die Beißer auszuschalten. Dies erledigt ihr zum Beispiel mit der Hilfe von Messer, Hammer oder einer gewöhnlichen Pistole. Ihr solltet aber lieber auf die lautlosen Waffen vertrauen, auch wenn das Ausschalten der Beißer damit etwas länger dauert. Wie jeder Zombie-Fan weiß, muss man die Untoten durch das Zerstören des Gehirns endgültig in die Knie zwingen. Mit dem Messer müsst ihr die Beißer meistens ganze drei Mal treffen, bevor sie dann stocksteif umfallen. Schleicht ihr euch von hinten an sie heran (ok, das funktioniert auch, wenn ihr rennt) und drückt den R-Knopf, schaltet ihr sie sofort aus. Zwischen den von euch mitgeführten Items wechselt ihr entweder per Knopfdruck oder durchs Auswählen auf dem Wii U GamePad, auf dem euch jederzeit euer Inventar angezeigt wird.



Die künstliche Intelligenz der Zombies arbeitet darüberhinaus eher gegen den Spielspaß. Während einige Zombies euch scheinbar schon aus weiter Entfernung entdecken und auf euch zulaufen, lassen sich andere dagegen überhaupt nicht von euch stören. Oftmals sind die Zombies, von denen es nur wenig optisch unterschiedliche gibt, auch absichtlich so platziert, dass sie euch den Rücken zudrehen. Praktisch, denn so können sie nach und nach mit nur einem Messerstich ausgeschaltet werden! Motivation sieht anders aus… Aber Vorsicht: Wird eure Spielfigur schon von mehr als drei Untoten in die Mangel genommen, kann das Spiel auch ganz schnell vorbei sein. Während ihr euch mit einem Zombie beschäftigt, attackieren euch auch schon die anderen. Irgendwann wird dann ein Quicktime-Event ausgelöst, in dem euch ein Zombie packt. Dann müsst ihr den wackeligen Cursor in der Mitte platzieren und den ZR-Knopf drücken.

Oftmals stellen sich die Beißer schon in einer Schlange an, sodass das QTE immer wieder ausgelöst wird. Damit lässt sich im Grunde eigentlich auch schnell und einfach töten, aber wenn euch eine Herde von Untoten gegenübersteht, werdet ihr nicht selten mit dem Tod bestraft. Und glaubt mir, das wird schon nach kurzer Zeit unheimlich nervig… Deswegen ist auch vom Einsatz von lauten Schusswaffen abzuraten, da durch den Lärm mehr Beißer angelockt werden, als ihr mit ein paar Schüssen ausschalten könnt. Auch sonst wirkt die KI der Untoten sehr unausgereift. Mal bleiben sie an Kanten hängen, mal laufen sie einfach durch verschlossene Türen oder Wände oder bleiben eben einfach regungslos stehen. Dieses unfertige Gefühl lässt sich aber auch an Daryl selbst feststellen. Habt ihr zum Beispiel den Hammer ausgerüstet und schleicht euch von hinten an einen Zombie heran, um diesen dann mit einem Stealth-Kill auszuschalten, erledigt Daryl dies plötzlich wieder mit dem Messer. Nach dem Angriff hat er aber wie durch Zauberhand wieder den Hammer in der Hand!

Wieso zerschmettert er den Kopf des Zombies nicht gleich mit Hilfe des Hammers? Naja, vielleicht war das den Entwicklern dann doch zu brutal. Wollt ihr einen Kampf vermeiden, könnt ihr sie immerhin durch Werfen von Glasflaschen oder dem Einschalten eines Radios ablenken. Auch die nicht immer optimal verteilten Checkpoints sind ein kleiner Dorn im Auge. Vor allem, wenn man kurz vor Abschluss einer Mission ist, dann stirbt und vieles noch einmal von vorne machen muss. Schaltet ihr die Konsole innerhalb einer Mission aus, dürft ihr bei der nächsten Spielsession noch einmal von vorn beginnen, da die Checkpoints nur innerhalb der Missionen gespeichert werden.

Ein weiterer Spielspaß-Killer ist die ziemlich veraltet wirkende Technik des Titels. Die verschiedenen Schauplätze sind wie bereits erwähnt ziemlich trist und genau wie die Zombies sehr farblos. Es gibt viele unsichtbare Levelgrenzen, die Texturen sind matschig, ab und zu schweben Zombies und Körperteile in der Luft, ab und zu gibt es Ruckler und durch andauernd flackernde Schatten und schlechte Lichteffekte lässt sich auch kein Blumentopf mehr gewinnen. Selbst wenn das Spiel nur auf Xbox 360 und PS3 erschienen wäre, ein Unwissender würde kaum glauben, dass es aus dieser (bzw. mit der Wii U eigentlich sogar der nächsten!) Konsolen-Generation stammt. Um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, endet das Spiel nach ca. sechs Stunden ziemlich abrupt und ließ mich noch unzufriedener zurück. Immerhin habt ihr mit der Wii U-Version die Möglichkeit, das Spiel nur auf dem GamePad spielen zu können.

Die Entwickler hätten mit The Walking Dead: Survival Instinct wirklich etwas Tolles auf die Beine stellen können. Das System mit den Begleitern ist interessant, aber sehr belanglos implementiert. Ein Koop-Modus wäre damit eigentlich auch möglich gewesen. Im Endeffekt hat man ebenfalls die Chance vertan, eine interessante Geschichte zu erzählen, obwohl man mit Daryl und Merle Dixon zwei sehr interessante Charaktere als Protagonisten gewählt hat. Würde man die beiden gegen zwei x-beliebige Charaktere aus dem Spielverlauf austauschen, würde es leider keinen großen Unterschied machen…

Unser Fazit

4

Erträglich

Meinung von Benjamin Böttcher

Ich bin ein großer Fan von The Walking Dead. Umso enttäuschter war ich, als ich feststellen musste, dass es sich bei The Walking Dead: Survival Instinct um eines dieser typischen Lizenzspiele handelt. Zugegeben, etwas Spaß macht es am Anfang ja schon, aber mehr auch nicht. Die altbackene Präsentation in Verbindung mit den vielen kleinen Bugs insbesondere bei der künstlichen Intelligenz der Zombies und die absolut uninteressante Geschichte inklusive ihrer austauschbaren Charaktere lassen das Spiel einfach unfertig und wie schnell auf den Markt geworfen erscheinen. Fans von The Walking Dead können sich das Spiel eventuell noch für einen Zehner mitnehmen, alle andere sollten lieber die Finger davon lassen und sich gleich mit ZombiU beschäftigen.

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Die durchschnittliche Leserwertung

4 User haben bereits bewertet

Kommentare 7

  • Big Al

    自由の戦士

    Ist genau das was ich nach den Videos erwartet habe, liebloser Lizenz Schrott der nur darauf ausgelegt ist mit seinem Namen unwissenden Personen das Geld aus den Taschen zu ziehen.
    Solche Ergüsse wird man als Gamer wohl immer ertragen müssen.

  • RhesusNegativ

    Meister des Turms

    Schade, schade. Ich hätte so gerne neues Zombie Futter gehabt für meine Wii U :(

  • Shortiloe

    Schade, schade. Ich hätte so gerne neues Zombie Futter gehabt für meine Wii U :(



    Nicht nur du. Irgendwie hoffe ich ja, dass Ubisoft auf der E3 nen Sequel zu ZombiU ankündigt, ganz unwahrscheinlich ist es ja nicht. :s

  • RhesusNegativ

    Meister des Turms

    Nicht nur du. Irgendwie hoffe ich ja, dass Ubisoft auf der E3 nen Sequel zu ZombiU ankündigt, ganz unwahrscheinlich ist es ja nicht. :s

    Ich hoffe es sehr. Aber ich hätte auch ganz gerne eine schöne Zombie-Ballerei á la Left 4 Dead.

  • XAlesana

    Turmritter

    Und noch ein unnötiges Lizenz Game für die Wii U ..

  • eXpanda

    Piii-chu

    Haha, mal Hand aufs Herz:
    Wie schlecht kann man eigentlich sein? Wie kann man dieses Spiel versemmeln?!
    Ich fasse zusammen warum es gut hätte sein müssen und welchen riesigen Bonus die Entwickler zunichte gemacht haben:
    1. Es ist Walking Dead
    2. Daryl Dixon

  • KamahI

    Turmknappe

    Haha, mal Hand aufs Herz:
    Wie schlecht kann man eigentlich sein? Wie kann man dieses Spiel versemmeln?!
    Ich fasse zusammen warum es gut hätte sein müssen und welchen riesigen Bonus die Entwickler zunichte gemacht haben:
    1. Es ist Walking Dead
    2. Daryl Dixon

    Punkt zwei wusste ich bisher noch nicht :cursing: und muss sagen, du hast 1000%ig recht!! Was hätte man ein geiles Spiel mit DARYL als Hauptcharakter machen können...