Zugabe auf der Nintendo Switch

Wer hätte gedacht, dass wir jemals wieder über Tokyo Mirage Sessions #FE sprechen würden? Das bunte RPG aus dem Hause Atlus erschien ursprünglich für die Wii U-Konsole und konnte keine großen Wellen schlagen. Es als als „Nischenspiel“ zu bezeichnen, wäre wohl nur angebracht. In unserem Spieletest konnte es zwar 8 von 10 Punkten einsacken, richtet sich aber ganz offensichtlich nur an eine bestimmte Zielgruppe. Umso überraschender war es, als Nintendo eine erweiterte Version des Abenteuers für die Nintendo Switch ankündigte. Tokyo Mirage Sessions #FE Encore nennt sich das Spiel nun und bietet zusätzliche Missionen, Kostüme und mehr. In dieser Vorschau wollen wir euch mit den Grundlagen des Spiels vertraut machen und unseren Ersteindruck der Nintendo Switch-Umsetzung schildern.


Im Rampenlicht


Handlung, Setting und vieles Weitere lässt sich am einfachsten anhand des Spieletitels erklären, welcher aus passenden Schlüsselbegriffen zusammengewürfelt wurde. Gehen wir der Reihe nach vor.


Tokyo – Das Abenteuer spielt sich im heutigen Tokyo ab. Die Innenstadt von Japans Metropole zeigt sich wie immer geschäftig und bunt. Werbeposter, Maid-Cafés und Automaten finden sich an jeder Ecke. Alles sprudelt voller Leben und Unterhaltung. Egal, ob man sich mit dem neuesten Kinostreifen, einem Videospiel oder einer Musikgruppe befasst, es gibt viele Arten, sich zu amüsieren. Auch die verschiedenen Charaktere des Spiels versuchen ihren Platz in der Unterhaltungsindustrie zu finden.


Mirage – Nach einem übernatürlichen Vorfall finden sich die beiden Hauptfiguren Itsuki Aoi und Tsubasa Oribe in einer anderen Welt wieder, der sogenannten Idolasphere. Hier stoßen sie auf Mirages, fast schon Alien-ähnlichen Kreaturen und Monstern, die ihnen feindlich gesinnt sind, bis Itsuki und Tsubasa schließlich ihre Performa-Kräfte entfesseln und zu „Mirage Masters“ werden. Zusammen mit ihren neuen Partnern stellen sie sich nun feindlichen Mirages im Kampf und versuchen, die geplante Übernahme der echten Welt zu verhindern.


Vorbeigehende Passanten werden als bunte Silhouetten dargestellt. So lässt man die Konsole nicht so stark schwitzen und lässt es auch noch schick aussehen. © Nintendo / Atlus / Intelligent Systems

Sessions – Dieser Begriff ist doppeldeutig. Zum einen steht er für die vielen Proben, die von den Charaktere besucht werden müssen, um zu besseren Entertainern in ihrem gewählten Feld zu werden. Zum anderen beschreibt er eine elementare Mechanik des Kampfsystems, wenn sich Itsuki und Co. fiesen Monstern stellen. Harmonieren ausgerüstete Session-Fähigkeiten miteinander, lassen sich lange Angriffsketten aufstellen, welche den Gegnern Saures geben.


#FE – Steht wahrscheinlich für „Fire Emblem“, ist aber auch eine Referenz an die musikalische Natur des Spiels. Ursprünglich sollte das Projekt zu einem waschechten Crossover zwischen der Shin Megami Tensei- und der Fire Emblem-Reihe werden. Atlus entschied sich schlussendlich aber für ein frisches Konzept, welches lediglich Elemente beider Serien aufweist. Aus dem Fire Emblem-Universum stammen dementsprechend einige Charakter-Designs, Namen, Waffen und Spielmechaniken. Die allgemeine Spielstruktur entspricht mehr der Shin Megami Tensei-Reihe, oder noch genauer, der Persona-Reihe von Atlus.


Encore – Zugabe! In der Nintendo Switch-Version lassen sich einige neue Inhalte finden, so etwa „EX Story“-Missionen, in denen ihr die Charaktere besser kennenlernt sowie neue Outfits für den Kampf. Eine nette Dreingabe sind außerdem die DLC-Pakete des Wii U-Originals, welche sich nun im regulären Spielverlauf freischalten lassen. Die „Topic“-Anwendung, ein Verschnitt der populären LINE-Kommunikationsapplikation, und weitere GamePad-Funktionen wurden für das Spielen auf einem einzigen Bildschirm angepasst. Auch neue Funktionen wurden ergänzt, etwa eine Minimap während des Erkundens der Dungeons.


Solide, aber nicht ideale Umsetzung


Der Spielfluss ist zum Großteil in zwei Phasen geteilt. Geht ihr der Story nach, werdet ihr über kurz oder lang in einem der vielen Dungeon landen. Diese sind in ihrem Kern klassische Labyrinthe und bieten eine Handvoll an Rätseln, die euch am Weiterkommen hindern. Ein Beispiel: Im ersten Dungeon des Spiels kämpft ihr euch durch ein riesiges Kaufhaus und klettert durch übergroße Dienstmädchenuniformen, um die höheren Etagen zu erreichen. Die Ausrichtung der entzückenden Kleider ist mit einem Mechanismus verbunden, den ihr erst einmal nachvollziehen müsst.


Schrill und bunt sind die Kämpfe in Tokyo Mirage Sessions #FE Encore. © Nintendo / Atlus / Intelligent Systems

Kommt es zur Konfrontation mit einem Gegner, wechselt das Spiel zum Kampfbildschirm. Eure Figuren – maximal drei gleichzeitig in eurer Gruppe – befinden sich auf einer kreisförmigen Bühne und sind umgeben von einem jubelnden Publikum. Alles leuchtet, glitzert, blinkt. Eine ziemlich ausgefallene, einzigartige Kampfarena, wenn ihr mich fragt. Im Zentrum des Kampfrings befinden sich eure Gegner, bei denen Atlus wieder einmal viel Kreativität bewiesen hat. Wie schon die zahlreichen Dämonen der Shin Megami Tensei-Spiele, kommen auch diese Kreaturen mit verrückten Designs daher, hinter denen oft aber mehr Bedeutung steckt, als ihr erahnen würdet.


Angegriffen wird entweder mit den aus Fire Emblem bekannten Schwertern, Lanzen, Äxten und Bögen oder mit den aus Shin Megami Tensei bekannten Elementarattacken wie Feuer, Wind oder Eis. Jeder Gegner hat sowohl Schwächen als auch Stärken und es ist eure Aufgabe, so viele Schwächen wie möglich zu finden, um im Kampf die Oberhand zu behalten. Angegriffen wird rundenbasiert, wobei die Zugreihenfolge stets am oberen Bildschirmrand abgebildet wird. Landet ihr einen effektiven Treffer, leitet ihr damit eine Session ein und könnt hoffentlich noch einige Male auf den Gegner eindreschen. Sollten euch die Session-Animationen zu lange dauern, können sie nun mit der „Quick Session“-Funktion beschleunigt werden. Praktisch!


In der „Intermission“-Phase des Spiels könnt ihr es ruhiger angehen lassen und das Leben in der Stadt genießen. Alleine ergeben sich euch nicht wirklich viele Aktivitäten, zusammen mit anderen Gruppenmitgliedern lassen sich jedoch schöne Tage verbringen, an denen ihr mehr und mehr der einzelnen Personen kennenlernt. Die Verschnaufspause gilt auch der Vorbereitung auf das bevorstehende Storykapitel. Besucht die Läden, um eure Ausrüstung auf den neuesten Stand zu bringen und gönnt euch eine leckere Mahlzeit, um die Gruppe wieder aufzupeppen.


Itsuki und die anderen Charaktere kommunizieren über die „Topic“-Anwendung. © Nintendo / Atlus / Intelligent Systems

Abschließend für diese Vorschau möchte ich auf die Umsetzung für die Nintendo Switch zu sprechen kommen. Wie zuvor beschrieben, wurden GamePad-Funktionen nun auf den Hauptbildschirm ausgelagert und werden via Knopfdruck aufgerufen. Da die Nintendo Switch nur über einen Bildschirm verfügt, waren Atlus hier die Hände gebunden. Wirklich anders hätte dies nicht umgesetzt werden können. Leider verliert so die „Topic“-Anwendung, ein fiktionaler Chat-Dienst, durch welchen die Charaktere miteinander kommunizieren, einiges an Charme. Störend ist dabei auch, dass nicht die gesamte Bildschirmbreite genutzt wird, sondern die Maße des GamePad-Bildschirms beibehalten wurden. Derartige Schönheitsfehler ziehen sich auch durch andere Bereiche des Spiels. Charakter-Modelle können – mir unerklärlich vor allem in Menüs – auffällig unscharf oder verwaschen daherkommen. Wieso wurde an diesen Stellen nicht nachgebessert?


Einige werden traurig darüber sein, zu hören, dass das Spiel weiterhin nicht in deutscher Sprache angeboten wird. Dass die japanische Synchronisation beibehalten wurde, ist soweit noch verschmerzbar oder vielleicht sogar gewünscht. Die japanischen Stimmen und Gesangseinlagen klingen angesichts des Settings nunmal am authentischsten. Verwunderlich ist es aber, dass Nintendo für das Nintendo Switch-Spiel eine französische Übersetzung hinzufügte, aber keine weiteren europäischen Sprachen. Viele werden sich demnach mit der englischen Übersetzung zufrieden geben müssen.

Unsere Prognose

Meinung von Daniel Kania

Tokyo Mirage Sessions #FE Encore scheint nicht zu viel zu versprechen. Die „Zugabe“ hält sich zum Großteil in Grenzen. Wer das bunte RPG noch nicht kennt, darf darauf gespannt sein und unseren vollen Spieletest abwarten. Wer aber bereits das Original gespielt hat, der sollte sich schon jetzt zweimal überlegen, ob die Neuerungen einen erneuten Kauf rechtfertigen. Gameplay und Präsentation machen einen vernünftigen Eindruck – mit Macken, die im Spieletest näher erläuert werden, und die Umsetzung für die Nintendo Switch wirkt bislang solide, aber nicht ideal. Wir müssen uns zurück nach Tokyo begeben, um noch mehr Eindrücke zu gewinnen!
Mein persönliches Highlight: Als Fan von J-Pop muss man die Musik lieben

Die durchschnittliche Leserwertung

7 User haben bereits bewertet

Kommentare 16

  • Flomo

    Turmheld

    Bekommt das deutsche Texte ?

  • Darkseico

    Turmheld

    @'Flomo'
    Wohl nicht die Vorschau gelesen wa?
    Dann hier für lese faule. Nein nur Englisch und Französisch Text und japanisch dub.

  • RhesusNegativ

    Meister des Turms

    Kein Deutsch, kein Kauf.

  • Solaris

    Next Gen is coming 🐺

    Eine deutsche Übersetzung hätte mich auch schwer gewundert. Persona 5R ist das erste Spiel von Atlus, dass eine deutsche Übersetzung erhält, weil sich die Basis Version gut verkauft hat.
    Dieses Spiel dagegen, ist so speziell, dass es selbst unter Nischentiteln als Nische zählen dürfte.

  • Zocker1601

    Turmritter

    @Solaris deshalb ja auch Französisch. Auch die sollten Englisch können.

  • Solaris

    Next Gen is coming 🐺

    @Zocker1601
    Es sprechen aber mehr Menschen Französisch als Deutsch, von daher geht das schon in Ordnung. Spanisch wäre vieleicht auch noch Vorteilhaft gewesen. ;)

  • Ich-bin-dann-mal-weg

    Die kleinen Fehler klingen ein wenig nervig. Muss ich mal in einem Videotest anschauen.

  • Geit_de

    geit

    Die WiiU Version war schon klasse. Das Spiel ist wirklich toll gemacht und leicht abgedreht, was wohl normal ist für einen Titel dieser Art.

  • EdenGazier

    Prinzipal der Spiele

    @Zocker1601


    Tja anders als die deutsche Sprache ist Französisch in Frankreich unter Kulturgut (Sprachsutzgesetz) und halt in deren Grundgesetz verankert.


    Seit 1994 muss alles was in einer fremden Sprache existiert in Französisch angeboten werden. Sonst kann mit Geldstrafen oder Verbot des Produktes rechnen.


    Angefangen hat es Mal mit Werbeslogan und Anleitungen. Mit der Zeit wurde das Gesetz immer erweitert und gerade in der Welt SW ist das erweitert worden


    Google mal „Loi Toubon“

  • Pit93

    ルパン三世

    Ihren zensierten Scheiß darf Nintendo behalten. Hätte Atlus mal lieber kein Crossover gemacht, dann hätte Nintendo ihre Drecksgriffel da rausgelassen und wir hätten ein ganzes Spiel bekommen....

  • Frog24

    YER DONE!

    Ich mag Fire Emblem und Persona 3 sehr, aber ich kann mit dem ganzen Idol. und JPOP-Kram nichts anfangen :/

  • Darkseico

    Turmheld

    Letzten Endes bleibt es wie bei den anderen oben erwähnt gleich. Kein Deutsch kein kauf. So einfach.
    Ich meine Prügel Spiele oder ähnliches auf Englisch gut und schön aber light novel sowie Rollenspiele sollten schon in der Landessprache sein. Da sie sehr textlastig sind und ich kein bock habe es in einer Fremdsprache zu zocken (Ja ich kann Englisch), sollte man solche sachen berücksichtigen. Schon mal sie sich die Mühe gemacht haben es auf französisch zu übersetzen. Sollen die doch in Japan es auf Englisch anbieten und nicht japanisch. Bin mal dann auf die verkaufszahlen gespannt.

  • Zocker1601

    Turmritter

    @Darkseico der Nagel auf den Kopf. Voll Deiner meinung.

  • KiritoSAO

    Soldat First Class

    Solaris stimmt nicht Catherine hat auch Deutsch text bekommt

  • Wowan14

    Gamer aus Leidenschaft

    @Zocker1601 Können ja aber die Franzosen meiden englisch, hassen es teilweise regelrecht, warum keine Ahnung. Oder sie lieben ihre Sprache so sehr, dass sie diese meiden.


    @Solaris das erste deutsche Atlus Game war Shin Megami Tensei: Lucivers Call (in USA als Nocturne bekannt)
    war echt merkwürdig und ungewohnt all die bekannten Begriffe/Techniken plötzlich in deutsch zu lesen. Da war es auf englisch doch bequemer xD vorallem weil manch deutsche Techniken nur lächerlich klingen.

  • Pyro Ranger

    Dekiru koto ga dekiru

    Ok da warte ich auf jeden Fall noch den Test ab. Ich war mir ja vorher schon unsicher ob ich das Spiel nochmal auf der Switch brauche, wo ichs schon auf der Wii U hab, aber ich denke hier werde ich passen. Muss nicht alles doppelt kaufen.