Ryza zieht hinaus in die weite, weite Welt

Die Atelier-Reihe erstreckt sich mittlerweile über 20 Jahre und kann auf über 21 Titel zurückblicken (die zahlreichen Ableger nicht eingerechnet). Dabei ist es bisher nur zwei Protagonistinnen der Reihe gelungen, mehr als einen Titel spendiert zu bekommen: Iris und Ryza. Letztere durfte vor gut einem Jahr mit Atelier Ryza: Ever Darkness & the Secret Hideout ihr Debüt auf der Nintendo Switch feiern und konnte bei uns sogar die Spiele-Hit-Auszeichnung abstauben. Die Abenteuer rund um die junge Alchemistin aus dem kleinen Dorf Rasenboden schienen bei den Fans gut genug angekommen zu sein, denn mit Atelier Ryza 2: Lost Legends & the Secret Fairy folgt nun ein Sequel, welches an die Geschehnisse des Vorgängers anknüpft. Wir durften bereits einen Blick auf das Spiel werfen und wollen euch in dieser Vorschau von unseren ersten Eindrücken berichten.


Neben alten Bekannten macht Ryza auch einige neue Bekanntschaften ...

© Koei Tecmo Games Co., Ltd.

Wie bereits erwähnt, knüpfen die Ereignisse von Atelier Ryza 2 an die des ersten Teils an: Die Welt wurde einmal mehr vor dem drohenden Untergang bewahrt und Ryza und ihre Freunde konnten wieder ihrem alten Leben nachgehen – zumindest war das der Plan. Doch wie es häufig im Leben ist, hat die enge Bande nicht ganz so sehr gehalten und die ehemaligen Verbündeten hat es aus den unterschiedlichsten Gründen in alle Winde zerstreut. Auch Ryza ist drei Jahre später nicht mehr in Rasenboden, sondern besucht die Hauptstadt in Übersee. Dass sie jedoch nicht nur aufgrund einer Sightseeing-Tour in die große, weite Welt hinausgeht, wird recht schnell klar. Im Auftrag von Moritz Brunnen soll sie einen mysteriösen Edelstein, der verdächtig wie ein Ei geformt ist, untersuchen und herausfinden, was es damit auf sich hat. Um mehr über das Kleinod zu erfahren, entschließt sie sich also, ihren einstigen Weggefährten Tao in der Hauptstadt zu besuchen, der dort eine Anstellung als Tutor gefunden hat. Und dabei, ihr ahnt es sicher schon, wird es natürlich nicht bleiben und neben Tao wird es auch ein Wiedersehen mit weiteren alten Bekannten geben. Während die Spiele der Atelier-Reihe bisher immer das Heranwachsen einer jungen Frau und all die damit verbundenen Probleme mit in den Fokus gerückt haben, ist das in Atelier Ryza 2: Lost Legends & the Secret Fairy so natürlich nicht möglich, denn diese Punkte hatte der Vorgänger bereits thematisiert. Und so begegnet uns im zweiten Teil eine deutlich reifere Ryza, die angesichts der großen Hauptstadt allerdings auch wieder deutlich die typisch hilflosen und naiven Züge annimmt – wenn zum Glück auch nicht sonderlich häufig.


Worauf im Nachfolger diesmal definitiv nicht lange gewartet werden muss, ist das Kernelement der Alchemie. Bereits nach einer kurzen Einführung wird Ryza das erste Mal darum gebeten, ihre Künste vorzuführen, und ihr als Spieler in die Künste der Alchemie eingeführt. Da unsere Protagonistin allein von der Handlung her bereits Vorerfahrung haben muss, gestaltet sich der gesamte Vorgang recht dynamisch und intuitiv. Und wenn Ryza bereits eingespielt wirkt, können sich auch alle Kenner des Vorgängers sicher fühlen, denn am grundlegenden Alchemie-System hat sich nichts verändert. Ihr wählt weiterhin euer Rezept aus und synthetisiert in einer baumähnlichen Struktur mithilfe aller nötigen Zutaten den gewünschten Gegenstand, Arznei oder sogar Ausrüstungsgegenstände. Dabei gibt es die dringend benötigten Kernzutaten sowie die Möglichkeit, das Endergebnis mithilfe diverser verstärkenden und zusätzlichen Zutaten zu verbessern. So kann einer Bombe, die wir Gegnern an den Kopf werfen, mehr Sprengkraft verpasst werden, eine größere Chance auf einen kritischen Schaden spendiert werden oder wir erhöhen einfach die Qualität oder den Wert des Sprengsatzes. Um all dies zu ermöglichen, müssen die extra hinzugefügten Ingredienzien bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Was im ersten Moment etwas erschlagend wirken kann, entpuppt sich mit der Zeit als recht eingängig und intuitiv, auch wenn man den Vorgänger noch nicht gespielt haben sollte.


... die sich auch durchaus zu wehren wissen.

© Koei Tecmo Games Co., Ltd.

Die benötigten Zutaten für die Alchemie finden sich zumeist in der freien Wildbahn, wo alle unter euch, die einen enormen Sammeltrieb verspüren, innerlich aufjauchzen dürften, denn nahezu alles in der Wildnis lässt sich ernten, pflücken oder zerschlagen, um an zusätzliche Materialien und Zutaten zu kommen. Während viele davon frei zugänglich sind, erhaltet ihr manche nur dann, wenn ihr sie einem gegnerischen Monster abnehmt – wobei es fraglich ist, wieso ein recht harmloses Schafwesen so monströs sein soll. Der Kampf gestaltet sich, wie bereits aus dem Vorgänger bekannt, mitunter recht hektisch und weicht damit von dem klassischen Rundensystem anderer JRPGs ab. Zwar seid ihr immer noch nacheinander dran, doch läuft in der rechten unteren Ecke quasi eine Zeitleiste ab, die euch symbolisiert, wann welcher Kampfteilnehmer zuschlagen darf. Seid ihr an der Reihe, könnt ihr entweder mit einem einfachen Standardangriff zuschlagen, euch verteidigen bzw. gegnerische Angriffe parieren oder eine Fertigkeit einsetzen. Für Letztere benötigt ihr sogenannte SP, die sich mit jedem ausgeführten Basisangriff erneut aufladen. Gleichzeitig könnt ihr gegnerische Angriffe aktiv blocken, sodass sie euch weniger Schaden zufügen, was euch im Laufe des Spiels immer häufiger dazu zwingt, schnell von einem Charakter zum nächsten zu springen und entsprechend zu reagieren. Ihr könnt euren KI-Kollegen zwar ein paar grundlegende Verhaltensweisen befehlen, doch letztendlich ist das eigene Kommandieren stets die bessere Wahl. Kommen dann noch mehrere Gegner gleichzeitig dazu, die auch unterschiedlich auf dem Schlachtfeld verteilt stehen, ist das Chaos perfekt und es kommt eine gewisse Hektik auf, die sich zwar ganz angenehm von anderen JRPGs abhebt, mitunter aber auch mal zu einem gefühlten Kontrollverlust führen kann.


Hinsichtlich der Optik möchte ich keine großen Versprechungen oder Aussagen machen, denn wir konnten im Zuge unserer Preview nur die PC-Version des Spiels ausprobieren. Dort sieht der Titel wirklich schön aus und kann mit einigen hübschen Effekten aufwarten. Wie die fertige Nintendo Switch-Version nachher grafisch abschneidet und aussehen wird, erfahrt ihr dann im eigentlichen Spieletest von Atelier Ryza 2: Lost Legends & the Secret Fairy.

Unsere Prognose

Meinung von Florian McHugh

Der Ersteindruck von Atelier Ryza 2: Lost Legends & the Secret Fairy läuft ganz unter dem Motto „Mehr vom Gleichen“, was jedoch nicht schlecht sein muss. Die altbekannten Systeme wurden allesamt im Großen und Ganzen übernommen und an einigen Stellschrauben verbessert. Was die Handlung betrifft, erwartet uns im Sequel zu Atelier Ryza: Ever Darkness & the Secret Hideout eine deutlich reifere Ryza und ein Spielablauf, der sich nicht mehr ganz so in die Länge gezogen fühlt. Zur technischen und grafischen Komponente können wir derzeit noch nicht wirklich etwas sagen, da unsere Preview-Version auf dem PC lief und sich dahingehend natürlich keine Schlüsse auf die Performance und die letztendliche Darstellung auf der Nintendo Switch ziehen lassen. Was ich jedoch guten Gewissens sagen kann: Auch Neueinsteiger können problemlos in das Spiel hineinfinden, auch wenn Vorkenntnisse in Bezug auf einen Nachfolger natürlich niemals schaden. Der Ersteindruck ist zumindest schon einmal gut.
Mein persönliches Highlight: Alte Stärken wie das komplexe, aber doch schnell zu erlernende Alchemie-System sowie die turbulenten Kämpfe

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