Rosige Aussichten für das anstehende Horrorerlebnis – mit kleinen Zweifeln

Mit der Source-Mod Nightmare House 2 haben die Entwickler von We Create Stuff bereits bewiesen, dass sie ansprechende, abwechslungsreiche Horrorerlebnisse schaffen können. Die Modifikation ist bis dato umsonst und unterhält für gut zwei Stunden. Wer in Besitz eines einigermaßen leistungsfähigen Computers ist und eine kleine Leidenschaft für Gruselunterhaltung hegt, sollte sich das Abenteuer unbedingt mal ansehen. Und das nicht nur ob des tollen Resultats, sondern weil In Sound Mind, das neueste Projekt des Entwicklerteams, sehr viele Parallelen zum schaurigen Horror-Snack aufweist. Wir hatten die Gelegenheit, vorab in das Spiel hineinzuschnuppern und möchten euch nun unseren Ersteindruck darlegen.


Das Gebäude mit Desmonds Büro dient euch als Hub und stellt zumeist einen sicheren Zufluchtsort dar.

© Modus Games

In Sound Mind lässt euch in die Rolle von Desmond Wales schlüpfen. Seinerseits Therapeut, findet er sich zu Beginn in einem ihm zunächst unbekannten, maroden Gebäude wieder, welches als Hub für die unterschiedlichen Spielabschnitte fungiert, jedoch auch selbst eine gewisse Levelstruktur aufweist und allerlei Geheimnisse birgt. Sporadisch wird unser Protagonist von einem mysteriösen Mann angerufen, der euch offenbar alles andere als gut gesinnt ist. Ihr arbeitet euch also schrittweise durch das zweistöckige Gebäude, bis ihr – zur großen Überraschung von Desmond – in dessen altem Büro aufschlagt. Dort befindet sich ein Aufnahmegerät, welches er während seiner Therapiesitzungen genutzt hat. Eure Aufgabe besteht nun darin, die verstreuten Kassetten zu suchen, die jeweils mit eigenem Level daherkommen und hoffentlich für Aufklärung über die katastrophale Situation sorgen.


Wie ein solches Level ausschaut, beantwortet euch die kostenlose Demo auf Steam. Diese unterhält für etwa zwei Stunden, was schon einmal darauf schließen lässt, dass es sich bei In Sound Mind im Gegensatz zu Nightmare House 2 um ein vollwertiges Einzelspielererlebnis handeln wird. Die Testversion lässt euch die Einleitung und einen größeren Spielabschnitt erleben, der auf einem Tape der jungen Virginia basiert, eine von Desmonds Patientinnen. Sie litt stark unter Agoraphobie, also Platzangst, ob ihrer schlimmen Narben, die sie sich als Kind zugezogen hat. Als ihr vertrauter kleiner Supermarkt dicht gemacht hat, sah sie sich gezwungen, bei einer großen Kette einzukaufen. Der dortige Einkauf mündete in einen schweren Anfall, der sie letztendlich in den Suizid vor den Augen aller anderen trieb. Die Kassette führt euch an ebendiesen nun albtraumhaften Ort, wo der rastlose Geist Virginias nach wie vor wütet und von euch zur Ruhe gebettet werden möchte.


Wer Nightmare House 2 gespielt und gemocht hat, der wird sich auch hier von Anfang an wohlfühlen. Wie schon die Source-Mod lässt euch In Sound Mind allerlei Bewegungsfreiheiten, die auch nötig sind, um die zahlreichen Rätsel zu lösen und versteckte Passagen zu finden. Nicht selten werdet ihr nahezu komplett unaufgeklärt in weitläufige Spielabschnitte geschmissen. Ein gewisser Entdeckerdrang sollte also vorhanden sein, um In Sound Mind genießen zu können. Dieser wird schließlich auch entsprechend belohnt. So könnt ihr innerhalb der Welt haufenweise Dokumente zur Geschichte, kleine optionale Gruselmomente oder Hilfsgegenstände finden, die ab einer gewissen Anzahl Desmonds wenige Attribute dauerhaft verstärken können.


Die Level sind aufgrund der unterschiedlichen Patienten abwechslungsreich gestaltet und orientieren sich am jeweiligen Krankheitsbild.

© Modus Games

Trotz der Agilität eurer Spielfigur weiß In Sound Mind eine dichte Horroratmosphäre zu erzeugen – und das weitgehend ohne Jump-Scares, wie sie so häufig genutzt werden. Die Testversion bietet bereits eine tolle Demonstration von dem, was euch erwartet. Als Desmond fühlt ihr euch stets bedroht, obwohl das Grauen nicht unbedingt greifbar ist. Es gibt zwar auch Gegner, die von euch durch klassische Waffengewalt bekämpft werden müssen, jedoch spielt In Sound Mind primär mit eurer Psyche. Das Level und dessen Inventar verändern sich, Halluzinationen treten auf oder bizarre Situationen werden geschaffen. In der Demo werdet ihr beispielsweise von scheinbar bewegungsunfähigen Schaufensterpuppen verfolgt. Erst subtil und dadurch auch irgendwie bedrohlich, eilen sie euch im späteren Verlauf sogar zur Hilfe und sorgen für ein breites Lächeln auf eurem Gesicht.


Auch die Rätsel richten sich stellenweise nach der jeweiligen Charakteristik des vorliegenden Patienten. Im Falle von Virginia müsst ihr zum Beispiel viel mit ihrer Angst vor dem negativen Auffallen gegenüber anderen spielen. An dieser Stelle möchte ich nicht zu viel verraten, weil die Rätsel in diesem Fall ein Teil des Erlebnisses ausmachen. Jedoch könnte die ein oder andere hinweisarme Suche in den großflächigen Arealen ungeduldige Spieler abschrecken, die sich vorwiegend für die Haupthandlung interessieren und sich weniger um optionale Entdeckungen scheren.


Nebst der atmosphärischen Klänge hat man sich beim Soundtrack auf eine Kooperation mit der Musikgruppe The Living Tombstone eingelassen, die zu jedem Spielabschnitt ein passendes Lied in petto haben und durchaus zu gefallen wissen. Das bislang Präsentierte kann sich auch hervorragend abseits der Spielsessions angehört werden und wird definitiv seine Fans finden.


Einzig die Technik könnte auf der Nintendo Switch ein Problem darstellen. Aufmerksame Leser werden sicherlich wissen, dass das Spiel in diesem Jahr abseits von Nintendos Hybridkonsole für PlayStation 5, Xbox Series X|S und PC erscheint – sehr viel leistungsfähigere Plattformen als Nintendos aktuelles Zugpferd. In Sound Mind ist zwar keine grafische Offenbarung, lebt jedoch von seinen Details und der Lichtstimmung, die unter der schwächeren Hardware leiden könnten. Im Verlauf des Spiels geratet ihr in den Besitz einer Spiegelscherbe, womit ihr verborgene Details in der Spielwelt entdecken könnt. In diesen Passagen muss das Bild zweimal berechnet werden, was sogar bei meinem verhältnismäßig leistungsfähigen Full-HD-Spielerechner zu Einbrüchen in der Bildrate führt. Aber bis zur Veröffentlichung ist es noch etwas hin und die Optimierung daher längst nicht abgeschlossen. Wir bleiben positiv gestimmt.

Unsere Prognose

Meinung von Felix Kraus

Als Kenner von Nightmare House 2, welches ich vor etlichen Jahren mehrmals durchgespielt habe, war ich entsprechend gespannt auf das neueste Projekt von We Create Stuff. Demnach war meine Erwartungshaltung an die Präsentation und Demo hoch – und ich wurde nicht enttäuscht. In Sound Mind kreiert eine tolle Gruselatmosphäre, ohne den Spielspaß vermissen zu lassen. Es macht einfach Laune die einzelnen Spielabschnitte zu erkunden, weil es überall etwas zu entdecken gibt. Die Rätsel sind nicht plumpes Beiwerk, sondern gekonnt in die Spielwelt und mit der Geschichte verwoben. Wer einen leistungsfähigen PC sein Eigen nennt, sollte sich die Source-Mod sowie die Demo zum anstehenden Titel der Entwickler einmal zu Gemüte führen. Einzig die schwache Hardware der Nintendo Switch gegenüber der anderen leistungsstarken Plattformen bereitet mir noch kleinere Bauchschmerzen, da die visuelle Präsentation in diesem Fall schon sehr zum Gesamteindruck beiträgt. Und bevor ich es vergesse: Ihr könnt eine Katze streicheln – und das finden wir super.
Mein persönliches Highlight: Die gekonnt inszenierte Atmosphäre, ohne den Spielspaß und Entdeckerdrang vermissen zu lassen.

Die durchschnittliche Leserwertung

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