Kleine Flitzer auf großer Bühne

Begibt man sich auf Bewertungsportalen auf die Suche nach Videospiel-Einträgen für „Hot Wheels“ ergibt sich zweierlei Erkenntnis: Einerseits weisen einige Umsetzung eher durchwachsene Durchschnittsbewertungen auf, auf der anderen Seite scheinen die meisten Titel aber eher unterhalb des Radars zu fliegen und enthalten nur wenige Meinungen von Testern und Usern. Gerade das erscheint verwunderlich, zumal die kleinen Spielzeugautos weltberühmt sind und bereits seit den 1970er-Jahren fester Bestandteil der meisten Kinderzimmer sind. Nun durfte sich Entwickler MileStone an der Marke versuchen und nimmt an Hot Wheels Unleashed derzeit noch das letzte Feintuning vor. Wir hatten allerdings bereits jetzt die Gelegenheit, in die Beta-Version der PC-Umsetzung zu schauen und schildern euch im Folgenden unsere ersten Eindrücke.


Hot Wheels Unleashed möchte einen bestimmten Bereich des Rennspiel-Genres ansprechen, in welchem hochwertige Titel derzeit rar gesät sind. Fernab von irgendwelchen Simulations-Ansprüchen befinden wir uns im Arcade-Racer-Bereich, der aber anders als ebenfalls arcadige Titel wie beispielsweise die Need for Speed-Reihe nicht auf real existierende Fahrzeuge oder Umgebungen setzt. Stattdessen erwarten euch Hot Wheels-typische Gefährte, die von der klassischen US-amerikanischen Protz-Karosse über in Gold getauchte Flitzer bis hin zum fahrbaren Toaster reichen. Die Kreativität bei der Gestaltung der Fahrzeuge ist eines der Markenzeichen von Hot Wheels und kommt auch im neuen Videospiel voll zur Geltung. In der spielbaren Beta-Version standen so bereits fast 30 Rennwagen zur Verfügung – die Vollversion wird letztlich sogar über 60 Karossen umfassen.


Ob Toaster, Dino oder Drache – der kreativen Gestaltung der fahrbaren Untersätze scheinen keine Grenzen gesetzt.

© Mattel

Darüber hinaus setzt der Titel nicht auf eine offene Spielwelt, die vorhandenen Strecken teilen sich vielmehr auf eine begrenzte Anzahl unterschiedlicher Umgebungen auf. So findet ihr euch in den hitzigen Rennen beispielsweise in einer Garage oder auf einem Campus wieder. Die Areale setzen dabei bewusst auf eine überdimensionierte Darstellung, sodass der Eindruck gefestigt wird, dass ihr ein Spielzeugauto in typischer Hot Wheels-Größe steuert. Grundsätzlich sind die Umgebungen sehr schick und detailliert gestaltet und sollen sich abgesehen vom Aussehen dahingehend unterscheiden, dass manche Welten offener und andere etwas verwinkelter daherkommen, was sich entsprechend auf den Bau der Rennstrecken auswirkt.


Während das Spiel nach dem Release versuchen wird, euch neben den diversen Gefährten und Umgebungen mit verschiedenen Spielmodi wie einem Karriere-Modus zu gefallen, lag der Fokus in der nun angetesteten Version einzig auf der Darstellung des Gameplays. So standen uns nur das klassische Quick Race und der Split-Screen-Modus, mit dem der inzwischen tatsächlich selten gewordene geteilte Bildschirm zurückkehrt, zur Verfügung. Das Quick Race, also das schnelle Rennen, ermöglicht einen schnellen Einstieg ins Renngeschehen. Zwischen euch und der Startlinie steht dabei nur die Wahl des Fahrzeugs und der Strecke. Die Beta-Version bot eine variierende Anzahl an Kursen aus allen vier Umgebungen, die mit einem von drei Schwierigkeitsgraden gekennzeichnet sind und damit Hobby-Rennfahrer bis Profi-Flitzer ansprechen wollen.


So unterschiedlich die einzelnen Areale auch gestaltet sein mögen, so trifft das auf die Strecken selbst nicht zu. Das Aussehen und das Fahrverhalten wird durch die Umgebungen grundsätzlich nicht beeinflusst. Das macht es zum jetzigen Zeitpunkt schwierig, den diversen Orten neben dem hübschen Aussehen eine weitere Funktion zuzusprechen. Da wählt beispielsweise Trackmania – zweifelsfrei der bisherige Primus in diesem Rennspiel-Genre-Bereich – einen anderen Ansatz. Hier weisen die einzelnen Umgebungen unterschiedliche Streckenteile und Fahrverhalten auf, sodass jeder Spieler seinen ganz persönlichen Favoriten entdecken kann.


Eine Gratwanderung zwischen abwechslungsreich und konkurrenzfähig


Bei Hot Wheels Unleashed wird wiederum versucht, auf andere Weise Diversität reinzubringen. So weisen die einzelnen Fahrzeuge unterschiedlich stark ausgeprägte Werte in für Rennspiele klassischen Bereichen wie Höchstgeschwindigkeit, Bremskraft und Beschleunigung auf. In diesem Zusammenhang stellt der Boost ein weiteres wichtiges Kernelement dar. Dieser kann in einer von zwei unterschiedlichen Formen auftreten. Entweder ihr erhaltet eine Leiste, die sich mit der Zeit automatisch langsam füllt – was wiederum durch ausgeführte Drifts beschleunigt wird – und bei der ihr selbst entscheiden könnt, wie lang der Boost anhalten soll, oder aber euer Fahrzeug verfügt über Boost-Punkte. Diese füllen sich zwar auf dieselbe Weise, aber einmal aktiviert, erhaltet ihr für einen vorab definierten Zeitraum einen kräftigen Schub. Hinzu kommt, dass die Boost-Fähigkeit der Wagen unterschiedlich stark ausgeprägt ist. So hat die eine Karosse eine längere Schub-Leiste oder mehr Boost-Punkte als andere Boliden. Ob nun aber Leiste oder Punkte, ob mehr oder weniger, ein klarer Vor- oder Nachteil ließ sich daraus zunächst nicht erkennen. Als wichtiges Element werdet ihr den Boost im Renngeschehen ohnehin immer dann nutzen wollen, sobald es sich ergibt – was bei jedem Kurvenausgang und auf jeder Gerade quasi der Fall ist – sodass die maximale Füll-Kapazität nur äußerst selten ausgereizt werden dürfte.


Das durchweg flüssige Spielerlebnis wird durch ein noch ausbaufähiges Gameplay getrübt.

© Mattel

Einen ausbaufähigen Eindruck machte zudem das individuelle Fahrgefühl der Rennwagen. Durch die Anzeige der unterschiedlich ausgeprägten Werte bei der Fahrzeugwahl erwartet man als Spieler, dass sich die Boliden auch anders steuern. So sprechen ein ausgebautes Handling sowie eine erhöhte Bremskraft in der Regel zwar für ein langsameres, aber leichter zu kontrollierendes Renngeschehen, während Hochgeschwindigkeitsboliden eher durch halsbrecherische Manöver auffallen. Ob nun aber Müllwagen oder Raketenantrieb, tatsächlich steuern sich die Fahrzeuge überaus ähnlich. So seid ihr grundsätzlich mit einer ordentlichen Geschwindigkeit unterwegs und verfügt über ein zackiges Handling. Tippt ihr beim Einfahren in eine Kurve die Bremse an, gerät euer Wagen in eine Querlage, sodass ihr vor euch liegende Biegungen noch enger nehmen könnt – gleichzeitig füllt sich durch diesen Drift euer Boost noch etwas schneller. Andererseits kann das Querfahren durchaus tückisch sein, sodass ihr nicht selten Bekanntschaft mit den Außenbanden machen werdet. Das ist grundsätzlich aber nicht weiter schlimm, da Wandberührungen keinen großen Geschwindigkeitsverlust bedeuten und ihr mit einem kurzen Boost sofort wieder mitten im Geschehen seid. Gemeiner wird es jedoch, sollte mal keine Bande vorhanden sein, sodass ihr durch einen Fahrfehler leicht auch mal neben der Strecke landen oder von ihr herunterfliegen könnt. Mithilfe der vorhandenen Reset-Möglichkeit werdet ihr aber schnell zurückgesetzt. Letztlich bleibt allerdings festzuhalten, dass sich die Fahrzeuge nach jetzigem Stand so wie die Umgebung eher nur aus optischer Sicht unterscheiden.


Während es beim Gameplay noch Potenzial zur Verbesserung zu geben scheint, so gibt Hot Wheels Unleashed aus technischer Sicht schon jetzt ein sehr gutes Bild ab. Die Ladezeiten sind kurz und das Spiel ließ sich auf meinem durchaus nicht mehr ganz aktuellen Laptop problemlos mit der Grafik-Voreinstellung „Ultra“ abspielen. Die Framerate lag dabei zu jeder Zeit jenseits der 60 Bilder – sowohl im Einzel- als auch im Mehrspielermodus. Einen Spielabsturz hatte ich zu verzeichnen, doch das soll in dieser Beta-Version nicht negativ ins Gewicht fallen. Und obwohl vorliegend wie erwähnt die PC-Umsetzung angetestet wurde, lässt dies bei diesem Grad der Optimierung auch für die Nintendo Switch-Variante auf ein flüssiges Spielerlebnis hoffen.

Unsere Prognose

Meinung von Chris Holletschek

Im Vorfeld hat Hot Wheels Unleashed vor allem durch seine tolle Optik auf sich aufmerksam machen können. Und auch wenn das in der angetesteten Beta-Version weiterhin als große Stärke verbucht werden kann – sowohl mit Blick auf die Umgebung als auch auf die kreativen Karossen – so hält sich die Begeisterung in Bezug auf das Gameplay noch in Grenzen. Trotz unterschiedlicher Fahrzeugwerte steuern sich die Boliden grundsätzlich gleich. Das bedeutet zwar, dass jeder Wagen konkurrenzfähig ist und jeder seinen eigenen Hot Wheels-Liebling auch erfolgreich spielen kann, etwas mehr Abwechslung hätte ich mir diesbezüglich aber dennoch gewünscht. Wunschlos glücklich bin ich aber schon jetzt mit der technischen Umsetzung des Titels, die eine gelungene Nintendo Switch-Umsetzung wahrscheinlich macht. Obwohl sich mir zusammengefasst nun keine Gameplay-Offenbarung bot, bin ich dennoch auf die Vollversion von Hot Wheels Unleashed gespannt, die mit einem Karriere-Modus, einem Streckeneditor sowie dem obligatorischen Online-Multiplayer noch viel Potenzial verspricht.

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Die durchschnittliche Leserwertung

2 User haben bereits bewertet

Kommentare 2

  • Darkmariopanther

    Nintendo Freak

    Doch einen Streckeniditor. Ich behalte auf jedem Fall das Spiel im Auge. Vielleicht wird sich ja noch viel tun, bevor es dann soweit ist und es verkauft wird.

  • Karlomir

    Turmritter

    Danke für die Vorschau!

    Für mich heißt es noch abwarten. Vor allem ist unklar, wie gut dass Spiel letztlich auf der Switch laufen wird. Bin da spätestens seit Human Fall Flat und Adventure Pals ein gebranntes Kind. Und bislang klingt das auch nicht nach Vollpreis.