Herzlich Willkommen in Haven Springs

Morgen erblickt mit Life is Strange: True Colors der mittlerweile dritte Teil der Hauptserie auf dem PC, Google Stadia, Xbox Series X|S und PlayStation 4|5 das Licht der Videospielwelt. Besitzer einer Nintendo Switch hingegen müssen sich noch etwas bis zum Launch des Adventures gedulden – die portable Version soll aber noch im Laufe des Jahres erscheinen. Im Zuge der bevorstehenden Veröffentlichung wurden wir vor wenigen Tagen von Square Enix gefragt, ob wir uns Life is Strange: True Colors vorab schon einmal auf der PlayStation 5 anschauen und unsere ersten Eindrücke mit unseren Lesern teilen möchten. Dieser Bericht soll und wird nicht den Spieletest von Life is Strange: True Colors auf der Nintendo Switch ersetzen und dient eher als kleiner Vorgeschmack und zur Überbrückung der Wartezeit. Deshalb wird es in dieser Vorschau auch keine unbekannten Spoiler zu der Handlung oder eine abschließende Wertung geben.


Eine Geschichte von Empathie und Emotionen


Sicherheitshalber erfolgt hiermit aber trotzdem eine ausdrückliche Spoilerwarnung. Solltet ihr bisher noch keinen Trailer oder die Spielbeschreibung von Life is Strange: True Colors angeschaut oder durchgelesen haben und euch vor Veröffentlichung nicht Spoilern lassen wollen, so solltet ihr diese Vorschau nun schließen. Das erste Kapitel von Life is Strange: True Colors beginnt mit der Ankunft der Protagonistin Alex Chen, die aus der Großstadt in das idyllische und von Berglandschaften umgebene Haven Springs des Bundesstaates Colorado zieht. Dies geschieht nicht ohne Grund, denn dort trifft und besucht sie ihren Bruder Gabe, den sie zuletzt vor acht Jahren gesehen hat. Das Ziel der Reise ist schon nach wenigen Minuten klar: Alex sieht in der Kleinstadt einen Neuanfang für ihr viel zu turbulentes Leben – bei ihrem Bruder und fernab der harten Vergangenheit sowie den schlechten Einflüssen.


Die malerische Landschaft von Haven Springs ist eine Augenweide!

© Square Enix

Gabe und Alex Chen sind seit Kindesbeinen auf Waisen – und während ihr älterer Bruder in Haven Springs schon vor einigen Jahren sein Leben in den Griff bekommen konnte und eine eigene kleine Familie gründete, wurde Alex von einem Pflegeheim zur nächsten Pflegefamilie und wieder zurück geschickt. Doch als wäre dies nicht schon genug, verfügt Alex Chen über eine übernatürliche Fähigkeit. Sie kann nämlich die Emotionen anderer Menschen auf eine besondere Art und Weise und wortwörtlich nachempfinden, welche für den Spieler durch verschiedenfarbige Auren erkenntlich sind und eingeordnet werden können.


Beispielsweise sieht Alex glückliche Menschen mit einer hellen, eher gelblichen Aura und verängstigte Menschen mit einer bläulichen Aura. Wütende Menschen hingegen strahlen eine rötliche, eher bedrohliche Aura aus und signalisieren dem Spieler, Entscheidungen mit besonderer Vorsicht zu treffen. Ansonsten würde eine alltägliche Situation schnell eskalieren, was sich auf den Verlauf der Geschichte auswirken könnte. Keine Sorge, diese Fähigkeit muss manuell durch einen Druck auf die hintere Schultertaste aktiviert werden – ansonsten wären die Bewohner von Haven Springs für den Spieler eine Discokugel auf zwei Beinen.


In bestimmten Situationen und Gesprächen können die Emotionen von Alex manipuliert werden, wodurch ihr wichtige Informationen und weitere Gesprächsoptionen aufdecken könnt. Die gesammelten Informationen können anschließend für (oder gegen) den jeweiligen Charakter verwendet werden. Die Frage lautet nun, wozu man eigentlich die Gefühle anderer Menschen manipulieren sollte? Kurz nach der Ankunft von Alex in Haven Springs stirbt ihr Bruder Gabe bei einem tragischen „Unfall“ – wobei die Anführungszeichen selbst in der offiziellen Spielbeschreibung bewusst von Square Enix verwendet werden. War dieses schreckliche Ereignis in Wirklichkeit ein Unfall oder gibt es in Haven Springs etwa Bewohner, die für den Tod von Gabe verantwortlich sind, aber ihre Hände in der Öffentlichkeit in Unschuld waschen wollen? Wer sagt die Wahrheit und wer führt tatsächlich etwas Böses im Schilde?


Schwerwiegende Entscheidungen und viele Nebenbeschäftigungen


Sicherlich wäre Life is Strange: True Colors kein „richtiger“ Ableger der Hauptreihe, wenn eure getroffenen Entscheidungen keinerlei Gewicht auf den Verlauf der Geschichte hätten. Selbstverständlich ist dies auch in dem dritten Teil der Fall, daher sollte in manchen Situationen zweimal überlegt werden, welche der verfügbaren Optionen am Ende ausgewählt wird – Gewissensbisse und falsche Entscheidungen sind also auch in Life is Strange: True Colors vorprogrammiert. Nach dem Ende eines jeden Kapitels könnt ihr euch die Entscheidungen und Statistiken eurer Freunde oder Spieler auf der ganzen Welt anschauen und so eure getroffenen Entscheidungen miteinander vergleichen. Bereits in den Vorgängern wurde die Geschichte in Kapiteln erzählt und auch in Life is Strange: True Colors ist dies der Fall, allerdings mit einem kleinen Unterschied. Alle fünf Kapitel stehen den Spielern schon zum Launch zur Verfügung, sodass nicht noch mehrere Wochen oder gar Monate auf die Weitererzählung gewartet werden muss. Die einzige Ausnahme bildet die Vorgeschichte von Steph Gingrich, welche erstmals in dem Spin-Off Life is Strange: Before the Storm vorkam und auch in diesem Teil eine wichtige Rolle einnimmt. Die Zusatzepisode mit dem Namen "Wavelenghts" erscheint am 30. September und ist für die Käufer der Deluxe- und Ultimate Edition kostenlos.


Die empathische Fähigkeit von Alex hilft euch bei der Lösung der verworrenen Geschichte – oder bringt euch in Schwierigkeiten.

© Square Enix

Life is Strange: True Colors spielt in einer eingeschränkten Open World, allerdings können viele Teile von Haven Springs oder dessen Umgebung erst im Laufe des Spielgeschehens betreten werden. Es sollten aber keine Wunderdinge oder gar gigantische Areale erwartet werden, denn die Größe der frei begehbaren Spielwelt ist ziemlich übersichtlich – dafür aber ganz besonders schön anzuschauen. Überdimensionale Gebiete wie in anderen Open World-Titeln sind aber auch nicht von Nöten, denn in der Kleinstadt gibt es auch fernab der Geschichte zahlreiche Nebenaktivitäten, welche für viele weitere Spielstunden sorgen.


Beispielsweise können mit den Fähigkeiten von Alex die Probleme der Bewohner von Haven Springs mitgehört und gelöst werden, am Arcade-Automat verdächtig bekannte Minispiele in einem anderen Design und Namen gezockt und Highscores aufgestellt werden, im Plattenfladen von Steph den Klängen des großartigen Soundtracks gelauscht oder an einem der vielen Schauplätzen einfach die idyllische Umgebung genossen werden. Es lohnt sich also durchaus auch mal Abstand und Pause von der aufreibenden Geschichte zu nehmen und sich in Ruhe in der Stadt umzuschauen – und die Gespräche anderer Leute zu belauschen.


Selbst in Life is Strange: True Colors ist mittlerweile das digitale Zeitalter und die gewöhnungsbedürftige Jugendsprache angekommen. Neben einigen modernen, leicht fremdschämartigen Sprüchen zwischen den Charakteren besitzt Alex auch ein Smartphone. In diesem findet ihr viele Nachrichten und Verläufe zwischen Alex und ihren Freunden aus der Vergangenheit und im Laufe des Spielgeschehens auch von Charakteren aus Haven Springs. Durch die Nachricht kann ein weiterer Blick in die Vergangenheit der Protagonistin geworfen werden. Das Untermenü des Smartphones wird durch ein persönliches Tagebuch von Alex mit geheimen Einträgen zu den Ereignissen sowie eine Art Forum erweitert, in welchem die Bewohner von Haven Springs regelmäßig neue Beiträge zu aktuellen Ereignissen verfassen. Social Media entwickelt sich nicht nur im realen Leben schnell zu einem zeitfressenden Teufelskreis, auch im Spiel selbst habe ich zwischendurch gerne ein bisschen Zeit in dem virtuellen Forum verbracht und mir die teils sehr unterhaltsamen Beiträge durchgelesen. Durch die vielen Nebenschauplätze und Ereignisse wird die Hauptgeschichte des Spiels etwas aufgelockert, sodass man nicht die ganze Zeit unter einer emotionalen Anspannung steht – ohne dabei aber zu sehr abzulenken oder die ernsten Geschehnisse ins Lächerliche zu ziehen.


Die vielen verschiedenen Charaktere erzählen ihre ganz persönlichen Geschichten und haben allesamt ihre charakterlichen Eigenarten. Die Vergangenheiten und gegenwärtigen Handlungen der Menschen aus Haven Springs wurden von den Entwicklern bis ins kleinste Detail ausgearbeitet, sodass schnell eine positive oder negative Bindung zwischen dem Spieler und den Charakteren aufgebaut wird. Durch die regelmäßige Weitererzählung der bisherigen Lebensereignisse von Alex sowie ihrer heutigen Sichtweise auf das Leben mitsamt ihren nachvollziehbaren Ängsten und Gedanken gehört sie für mich zu den „nahbarsten“ Charakteren in der Geschichte von Life is Strange. Eine große Rolle spielt hier aber auch die großartige Synchronisation – und hier muss unbedingt die hervorragende Arbeit der zuständigen Sprecher hervorgehoben werden. Diese vermitteln dem Spieler stets die passende Stimmung für die aktuelle Situation, ohne dabei aufgesetzt oder übertrieben zu klingen. Das Gesamtpaket wird durch einen wundervollen, stimmigen Soundtrack abgerundet, dessen Lieder hauptsächlich aus der Feder und den Stimmbändern der australischen Indie-Band Angus & Julia Stone entstammen und sich wie die Faust aufs Auge dem Spielgeschehen anpassen. Ergänzt wird der Soundtrack durch Songs von namhaften Bands wie Kings of Leon oder ALT-J.


Schafft die Nintendo Switch Life is Strange: True Colors?


Ich möchte in dieser Vorschau möglichst wenig auf die technischen Aspekte von Life is Strange: True Colors eingehen, da ein Großteil der Leser sicherlich auf die Nintendo Switch-Version des Spiels wartet. Ich hatte auf der PlayStation 5 keine nennenswerten Probleme bei der Performance, auch wenn es in sehr seltenen Fällen mal zu kleinen Einbrüchen bei der Framerate gekommen ist. Natürlich ist Life is Strange: True Colors auf der neuen Konsole von Sony eine Augenweide, deshalb wird Square Enix wohl oder übel nicht drumherum kommen, die grafischen Details für die portable Version des Spiels herunterzuschrauben. In erster Linie wird sich das Downgrade höchstwahrscheinlich bei dem Detailgrad und Auflösung der Umgebung und Charakteren sowie bei den Licht- und Schatteneffekten bemerkbar machen. Für mich gibt es aktuell keine großen Bedenken, dass die Portierung von Life is Strange: True Colors auf die Nintendo Switch eine schier unlösbare Herausforderung für die Entwickler von Deck Nine darstellen sollte. Die Verschiebung der Veröffentlichung spricht außerdem dafür, dass die Entwickler selbst im besten Falle eine saubere Portierung gewährleisten möchten und lediglich etwas mehr Zeit für die Entwicklung benötigen – immerhin wurde die Nintendo Switch-Version auch erst vor wenigen Wochen angekündigt. Spätestens mit dem Launch von Life is Strange: True Colors auf der Nintendo Switch werden wir die technischen Aspekte in unserem Spieletest genauestens unter die Lupe nehmen.

Unsere Prognose

Meinung von Krispin Berndt

Die Geschichte von Life is Strange: True Colors gleicht einer rasanten Achterbahnfahrt. Es geht schon im ersten Kapitel mit voller Geschwindigkeit in die Höhe, dann folgt der erste emotionale Fall bis einen die Kurven halb aus der Bahn werfen und viele weitere tränenreiche Augenblicke folgen – selbstverständlich kommen die Tränen nur von dem Fahrtwind. Natürlich ist es das Ziel der Entwickler die Spieler mit auf eine emotionale Reise zu nehmen und auch Themen anzusprechen, welche im realen Leben absolut nachvollziehbar sind und einem zum Nachdenken anregen. Nach dem Spin-Off „Life is Strange: Before the Storm“ durften die Entwickler von Deck Nine mit Life is Strange: True Colors erstmals auch einen Teil für die Hauptserie beisteuern – und heben die Reihe damit auf ein neues Niveau. Insbesondere die Protagonistin Alex ist mit ihrer emotionalen Vergangenheit und den Erlebnissen ein großartiger, tiefgründiger und mitfühlender Charakter – und ein absolutes Aushängeschild für die Zukunft von Life is Strange. Wer die bisherigen Spiele gerne gespielt hat, der sollte sich auch unbedingt den neuesten Teil anschauen. Doch auch Neueinsteiger können bedenkenlos zugreifen, denn bis auf eine Handvoll altbekannter Charaktere aus den Vorgängern schreibt Life is Strange: True Colors seine eigene Geschichte. Zumindest von der Geschichte her ist das Spiel wahrlich ein emotionaler Volltreffer. Jetzt müssen wir nur noch ein paar Wochen und mit einer großen Portion Geduld auf die Nintendo Switch-Version warten und schauen, wie sich diese aus technischer Sicht auf dem Hybriden von Nintendo schlägt – dann folgt auch unser abschließendes Fazit.
Mein persönliches Highlight: Die emotionale und spannende Geschichte, der wohlklingende Soundtrack sowie das bewegende Leben von Alex Chen.

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Die durchschnittliche Leserwertung

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Kommentare 4

  • Destination_IX

    Turmbaron

    Ich freu mich schon sool drauf. :love:

  • Simon Münch

    Inselsprecher

    Ich habe mich emotional noch nicht mal von LiS 2 erholt. Der dritte Teil wirkt definitiv vielversprechend. Jetzt bin ich noch heißer drauf:wario:

  • AinoHinode

    Turmheldin

    Ich habe bisher keinen Titel aus dieser Reihe gespielt aber das was ich bisher gesehen oder gelesen habe, spricht mich sehr an. Wenn es aus der Switch nicht zu sehr ruckeln wird, kommt es sicher auf meine Liste. :)

  • Deny

    Turmheld

    Simon Münch Ich muss Teil 2 mal fertig spielen.... weil die erste Episode erzählt ja keine leichte Geschichte ^^