Vampire: The Masquerade – Swansong in der Vorschau – Ermitteln in der Welt der Dunkelheit

Wenn man das Wort Vampir fallen lässt, hat jeder eine unterschiedliche Idee, was man darunter versteht. Die einen denken an den klassischen Graf Dracula, andere wiederum haben vielleicht die eher comicartigeren Interpretationen aus Blade im Kopf und ein paar wenigen dürfte Dr. Acula aus Scrubs in den Sinn kommen. Ich persönlich assoziiere mit dem Begriff seit meiner Jugend etwas anderes, nämlich ein Pen & Paper-Regelwerk aus der sogenannten Welt der Dunkelheit, das auf den Namen Vampire: Die Maskerade hört. In dieser Welt leben die Blutsauger direkt unter uns und manipulieren nicht nur die Geschicke der Weltgeschichte, sondern intrigieren auch fröhlich untereinander um Macht und Einfluss.


Zu Beginn gilt es herauszufinden, wie ein Massaker unter Vampiren begonnen hat.

© Nacon

Neben unzähligen Editionen, Romanauskoppelungen und sogar einer wirklich miesen TV-Serien-Adaption in den 90ern fand das Pen & Paper-System seinen Weg auf verschiedene Videospiel-Plattformen – der wohl bekannteste und berühmteste Vertreter davon dürfte das grandiose Vampire: The Masquerade – Bloodlines sein, auf dessen Nachfolger Fans bis heute warten. Um den Fans die Wartezeit bis dahin zu versüßen, liefert der Entwickler Big Bad Wolf Studio mit Vampire: The Masquerade – Swansong einen neuen Titel, der in der Welt der Dunkelheit angesiedelt ist. Da die Nintendo Switch-Version noch kein genaues Erscheinungsdatum bekommen hat, haben wir uns die PC-Version genauer angeschaut und wollen euch in dieser kurzen Vorschau verraten, wieso sich das Warten lohnen dürfte.


Vampire: The Masquerade – Swansong ist ein Rollenspiel, das gänzlich ohne Kämpfe auskommt und vor allem einen Fokus auf Dialoge und Ermittlung setzt. Ihr verkörpert darin nicht nur einen, sondern gleich drei Vampire, die jeweils einem anderen Clan – Vampire mit jeweils eigenen Fähigkeiten und Stärken und Schwächen – angehören. Da wäre zum einen die Toreador Emem, der diverse Clubs in Boston gehören und die vor allem mit ihrer Präsenz und einer übermenschlichen Geschwindigkeit punkten kann. Galeb ist Mitglied des Clans Ventrue, den „Blaublütigen“ unter den Vampiren, und eher der Mann fürs Grobe. Zu guter Letzt rundet die Malkavianerin Leysha das Trio ab. Sie leidet wie all ihre Clanmitglieder unter einer Geistesstörung und kann Visionen einer möglichen Zukunft sehen. All diese drei Vampire erhalten den Auftrag, einer Verschwörung auf den Grund zu gehen, die sich zu Beginn des Spiels langsam entfaltet. Und wie ich bisher, nach gut 15 Stunden Spielzeit, sagen kann, weiß die Geschichte rund um die rivalisierenden Vampire und einer externen Bedrohung durchaus zu überzeugen. Die drei Protagonisten tragen einen großen Teil dazu bei, doch mehr dazu im eigentlichen Test zum Spiel.


Euch verschlägt es an die unterschiedlichsten Orte innerhalb Bostons.

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Anders als viele andere Vertreter des Pen & Paper-Regelwerks verzichtet Swansong vollkommen auf Kämpfe. Die einzelnen Gebiete, in welche die drei Vampire jeweils geschickt werden, erfordern ausschließlich euer Gespür als Ermittler sowie euer Fingerspitzengefühl in den vielen Dialogen. Und das ist in diesem Fall tatsächlich spürbar, denn das Spiel lässt euch gut und gerne auch einmal bei einem Teilauftrag scheitern, woraufhin ihr mit den Konsequenzen leben müsst und sich im schlimmsten Fall auch der Schwierigkeitsgrad in zukünftigen Missionen erhöhen kann. Um die drei Protagonisten entsprechend und individuell zu gestalten, könnt ihr verschiedene Punkte in Attribute, Fertigkeiten sowie Disziplinen – die Spezialkräfte eines jeden Clans – setzen, um euch Vorteile in den jeweiligen Szenarien zu verschaffen. Das funktioniert bisher recht gut, auch wenn ich öfter an einen Punkt gekommen bin, an dem ich bereut habe, die Erfahrungspunkte meines Charakters nicht anders verteilt zu haben. Dies dürfte zumindest die Wiederspielbarkeit des Titels enorm erhöhen.


Hatte ich anfangs noch meine Bedenken, ob Swansong auf der Nintendo Switch überhaupt laufen wird, bin ich nach dem bisherigen Anspielen recht zuversichtlich, dass die Hardware der Konsole das Spiel stemmen sollte. Denn selbst auf dem PC wirkt die Grafik nicht allzu hardwarehungrig und die Animationen kommen eher steif und hölzern daher. Wer hingegen vollkommen überzeugen kann, sind die (englischen) Sprecher im Spiel. Selbst die Nebencharaktere sind gut vertont und vor allem die Sprecherin von Leysha liefert eine mehr als überzeugende Darbietung ab.

Unsere Prognose

Meinung von Florian McHugh

Wer gerne einmal ein Spiel in der düsteren Welt der Dunkelheit erleben will, das sich vor allem auf Dialoge, Ermittlungen und Rätsel fokussiert, der dürfte mit Vampire: The Masquerade – Swansong seine Freude haben. Nach bisher 15 Stunden Spielzeit habe ich mich bereits durch mehrere spannende Szenen rätseln dürfen, bei denen Scheitern durchaus eine Option ist und das Spiel euch danach keine zweite Chance gibt. Zusammen mit den größtenteils gut geschriebenen und interessanten Charakteren dürfen sich all diejenigen auf das Spiel freuen, die nach einem eher düsteren Rollenspiel suchen.
Mein persönliches Highlight: Die drei Protagonisten sowie die Implementierung des Regelwerks in das Spiel

Die durchschnittliche Leserwertung

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Kommentare 3

  • Wowan14

    Gamer aus Leidenschaft

    Oh ist das Spiel endlich raus. Wird ja gefühlt ewig darüber was berichtet. Naja sobald es um Vampire geht bin ich eh sofort raus. Konnte dem noch nie was abgewinnen. Warum das plötzlich wieder "in" ist bleibt mir ein Rätsel, ähnlich wie mit Zombies.

  • Florian McHugh

    Retro-TowerCaster

    Wowan14 Vampire: Die Maskerade war eigentlich nie "out" . Da kommen seit Ewigkeiten immer wieder Spiele basierend auf dem Pen & Paper-Regelwerk, letztens erst wieder ein paar Visual Novels für die Nintendo Switch. Vampire: Maskerade wählt da auch einen recht interessanten Ansatz und geht weg von den Comic-Vampiren und versucht das Ganze deutlich geerdeter einzuordnen. Aber ja; wenn man die Thematik Vampire an sich nicht mag, dann kann das auch wenig retten.

  • Cordovan Karolus

    Turmritter

    Kann ich bestätigen. Seit v5 als Regelwerk erschienen ist, scheint es wieder bergauf zu gehen. Insgesamt ist die Lore auch ganz nett. Im Hintergrund spielt sich Sabbat und Gehenna ab, man kann aber eben auch schön low spielen und in Boston "Hunde vom Baum retten". Wahrscheinlich weil es auch Nicht-Pen-und-Paper-Spielet abholt. Ich bin sogar in einer Gruppe mit 11 (!) Personen, die lose immer mal wieder spielt. Immer mit so fünf Spielern aus dem Pool einen Spieltag. Hatten jetzt schon elf Spieltage, zwei davon habe ich gemeistert und das tolle ist, dass die Regeln entsprechend einfach sind, dass wirklich auch Nichtrollenspieler locker mitkommen und trotzdem so "komplex" (Stichwort Clandisziplinen) sind, dass die Spieltiefe gewährleistet ist.


    Macht auf jeden Fall jeder Person Spass. Hatten auch schon den Fall eines Doppelspiels, wo acht Spieler auf zwei Spielleiter und Räume verteilt wurden.


    Ich denke, da es ein sehr erzähllastiges Spiel ist, ist es besser für Einsteiger geeignet als regellastigere Spiele. Ausserdem ist das Genre deutlich zugånglicher als das sonst so übliche Fantasy.