Vorschau zu Atelier Yumia: Die Alchemistin der Erinnerungen und das erträumte Land - Nintendo Switch
Träumst du noch oder synthetisierst du schon?
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21. Februar 2025 um 08:00 - Daniel Kania
Mit den Atelier Ryza-Spielen haben es Koei Tecmo und Gust ein Stück weit geschafft, die langjährige Alchemie-RPG-Serie zum Teil des Mainstreams zu machen. Ihr neuester Titel, Atelier Yumia: Die Alchemistin der Erinnerungen und das erträumte Land, knüpft nun daran an und wirkt wie der nächste große Schritt für die Reihe. Mit einer offenen Welt, einem actionreichen Echtzeit-Kampfsystem und vielen neuen Gameplay-Features, welche den bewährten Kern der Serie ergänzen, scheint es so, als stünde Atelier vor seinem eigenen „Breath of the Wild“-Moment.
Im Rahmen eines Preview-Events durften wir selbst Hand anlegen und sind für einige Stunden in das neue Alchemie-Abenteuer eingetaucht, das uns in die Haut von Yumia Liessfeldt schlüpfen lässt. In einem Reich, in dem Alchemie als gefährlich und böse angesehen wird, nachdem eine mysteriöse Katastrophe den Kontinent in den Ruin trieb, macht sich die Protagonistin auf, um die Wahrheit hinter dem Untergang von Aladiss und die wahre Natur der Alchemie herauszufinden. Unter Umständen wird ihr diese Reise sogar etwas über die Vergangenheit ihrer eigenen Familie verraten.
Die Alchemie, das Zentrum der Atelier-Serie, zu einem Tabu zu machen, ist ein spannender Twist und die ideale Prämisse für eine etwas ernstere und erwachsenere Erzählung. Als Alchemistin wird Yumia als Exotin – wenn nicht sogar als Gefahr – betrachtet und stößt auf Widerstand und Skepsis. Das zeigt sich schon bei ihren ersten Begleitern, den Duerer-Geschwistern. Der stramme Viktor lässt im Umgang mit Alchemie Vorsicht walten, wohingegen seine energiegeladene Schwester Isla ihre Neugier hinsichtlich der „verbotenen Kunst“ kaum verbergen kann.
Wie andere Serienteile auch stützt sich Atelier Yumia auf drei Säulen: Synthese, Erkundung und Kampf. Diese sind tief miteinander verflochten und erzeugen einen zufriedenstellenden Gameplay-Loop. Mit der Synthese – die spielerische Umsetzung der Alchemie – stellt ihr Items für Erkundung und Kampf her und beim Erkunden und Kämpfen wiederum sammelt ihr neue Materialien für die Synthese. Neu in diesem Spiel ist die sogenannte Einfache Synthese, welche Yumia erlaubt, unterwegs einige simple Gegenstände für die Erkundung herzustellen, was für einen angenehmeren Spielfluss sorgt.
Bei der Synthese hilft es, Items mit großem Resonanzbereich zu verwenden
© Koei Tecmo Games Co., Ltd.
Der Erkundungsaspekt ist es auch, bei dem man die großen Ambitionen des Entwicklerteams am meisten spürt. Verglichen mit früheren Ablegern ist Atelier Yumia auf einem ganz anderen Level – ja, man hat praktisch ein völlig anderes Spielgefühl. Die Welt besteht aus riesigen offenen Bereichen, die nahtlos ineinander übergehen, und es gibt Sammelgegenstände und Sehenswürdigkeiten bis zum Abwinken. Um euch über das komplexe Terrain zu bewegen, könnt ihr neuerdings doppelt und dreifach springen oder ihr rast im späteren Spielverlauf auf einem Motorrad durch die Gegend.
Einfache Synthese und andere Aktionen beim Erkunden verbrauchen Energie von eurem Energiekern. Diese könnt ihr bei einem Energiegenerator, wie er im Atelier zu finden ist, wiederherstellen lassen. Damit ihr eure Erkundung aber nicht ständig unterbrechen müsst, weil euch der Saft ausgeht, bietet es sich an, Basen an diversen Orten des Kontinents einzurichten. Diese können mit dem in diesem Teil hinzugekommenen Bau-Modus von Grund auf entworfen werden. Für die weniger kreativen Abenteurer gibt es aber auch die Möglichkeit, aus verschiedenen Vorlagen zu wählen.
Eine weitere Neuerung, die mir die Erkundung versüßt hat, ist Yumias Stab, mit dem sie nicht nur „zaubern“ kann, sondern der gleichzeitig als Gewehr fungiert. Unerreichbare Erze oder Früchte an Bäumen können zum Einsammeln einfach abgeschossen werden. Schüsse haben außerdem die Funktion, euch einen Vorteil gegen Monster zu verschaffen. Brecht ihr so die Verteidigung eines Gegners, bevor ihr das Gefecht gegen ihn aufnehmt, ist er zum Kampfbeginn betäubt, wodurch ihr unbesorgt auf ihn eindreschen könnt.
Auf Items und Gegner schießen zu können, sorgt für zusätzliche Gameplay-Abwechslung
© Koei Tecmo Games Co., Ltd.
Während alte Ableger ein rundenbasiertes Kampfsystem hatten, bricht Atelier Yumia mit der Tradition und lässt Kämpfe in Echtzeit abspielen, was – wie ich finde – deutlich besser zur Action und Inszenierung der modernen Atelier-Spiele passt. Statt Taktik ist nun vor allem Geschick gefragt, wenn ihr das meiste aus euren Angriffen holen wollt. Das könnt ihr zum Beispiel, indem ihr einen gegnerischen Angriff im richtigen Moment blockt oder ihm noch besser ausweicht. Dann wird eure nächste Technik umso stärker. Wohin ein Gegner zielt, erkennt ihr durch seine Animationen und durch Markierungen auf dem Boden.
Wollt ihr großen Schaden anrichten, solltet ihr die Schwächen der Gegner ausnutzen. Jeder Gegner hat sowohl ein Attribut (Nahkampf, Fernkampf) als auch ein Element (Wind, Elektrizität etc.), gegen das er anfällig ist. Angriffe mit bestimmtem Attribut arbeiten darauf hin, den Gegner zu betäuben. Ist ein Gegner einmal betäubt, könnt ihr dann eine mächtige „Aktion von Freund“ auslösen, indem ihr mit dem passenden Element angreift. Techniken lassen sich für mehr Schaden auch aneinanderreihen, wobei ihr immer die Abklingzeiten im Auge behalten solltet.
Zu Preview-Zwecken haben wir das Spiel bislang nur auf der PlayStation 5 und auf dem PC anspielen können und werden euch technische Details zur Nintendo Switch-Version daher im vollumfänglichen Test nachreichen. Schon jetzt fällt aber auf, dass die Spielwelt auf starker Hardware wunderschön aussehen kann und die Optik stellenweise nur von matschigen Fels-Texturen oder ähnlichem getrübt wird. Die Charaktermodelle sehen gut aus; für meinen Geschmack hätten die Gesichter aber noch etwas Feintuning gebraucht. Islas immerzu lächelnder Ausdruck sieht manchmal ungewollt komisch aus.