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Assassin’s Creed Valhalla für PC im Test – Brandschatzen und Morden im idyllischen England Über den Tellerrand

Die nordische Mythologie ist seit je her ein weites Feld, das mit so manchen obskuren Geschichten (wo sonst entstand die Welt aus dem Kadaver eines toten Riesen?) und wiederum spannenden Erzählungen aufwarten kann. Sei es die Tatsache, dass die nordischen Götter mitunter unter den Menschen wandeln oder der Prophezeiung von Ragnarök, dem Ende der Welt, die alten Mythen und Sagen bieten eine Unmenge an Stoff für spannende Geschichten, die schon immer für diverse Bücher, Filme und auch Videospiele herhalten durften. Meine erste eigene Begegnung mit dem Stoff hatte ich mit dem Zeichentrickfilm Walhalla, der 1986 erschien (das war vor 34 Jahren, na fühlt ihr euch nun auch so alt wie ich?) und von den Geschichten Thors und Lokis berichtete, welche die Menschen besuchten. Doch auch in der heutigen Zeit beschäftigen sich Serien wie Vikings mehr oder weniger akkurat mit der nordischen Mythologie und dem Leben der Wikinger an sich. Da ist es nicht verwunderlich, dass auch die Videospielindustrie sich dem Thema angenommen hat und der Publisher Ubisoft den neuesten Ableger der Assassin’s Creed-Reihe in die Zeit der raubeinigen Wikinger versetzt. Ob sich der französische Entwickler damit vertan hat oder einen Glückstreffer landen konnte und wieso mich der Titel mitunter auch mal an Breath of the Wild erinnert hat, das möchte ich euch im Folgenden näher erläutern, denn wir konnten die PC-Version von Assassin’s Creed Valhalla testen.


Wenn man ein Spiel vom Umfang wie Assassin’s Creed Valhalla nicht direkt zum Erscheinungstermin testen muss, hat man einen gewaltigen Vorteil: Man kann einen ruhigen Schritt zurück machen und sich die ersten Meinungen zu Gemüte führen und gerade was diesen Titel angeht, könnten die verschiedenen Wertungen der Presse nicht unterschiedlicher sein. Wo die einen das Spiel in den Himmel loben und es als den besten Teil der Serie betiteln, sind andere der absolut gegenteiligen Meinung und attestieren der neuesten Meuchler-Action Mutlosigkeit und fehlende Abwechslung. Zeit also, selbst einen Blick auf das Gesamtwerk zu werfen.


Als Eivor zieht ihr mit eurem Clan gen England auf der Suche nach einer neuen Heimat.

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In Assassin’s Creed Valhalla verkörpert ihr Eivor, ein Mitglied des Raben-Clans das wahlweise männlich oder weiblich ist. Während des Einstiegs ist das Geschlecht jedoch dank Kurzhaarfrisur und noch fehlender körperlicher Attribute nicht erkennbar, denn ihr erlebt Eivors Kindheit und die Umstände, seine oder ihre Eltern bei einem Angriff eines verfeindeten Clans ihr Leben zu verlieren. Nachdem bereits Ezio in Assassin’s Creed 2 seine Eltern und Bayek in Origins sein Kind verlieren durfte, geht es nun erneut einem Familienmitglied an die Gurgel und Eivor sinnt auf Rache. Und ohne allzu viel spoilern zu wollen: Dieses Motiv spielt während der eigentlichen Handlung, in der Eivor (die in meinem Test weiblich war und von mir fortan daher als „sie“ betitelt wird), längst erwachsen ist, nur eine recht nebensächliche Rolle. Denn die Ereignisse überschlagen sich schnell und somit ist die Wikinger-Kriegerin plötzlich in der Situation, dass sie mit ihrem Clan unter der Führung ihres Halbbruders Sigurd in Richtung England aufbricht, um dort ein neues Leben zu beginnen. Natürlich dürfen auch die serientypischen Templer und Assassinen nicht fehlen, denen sich Eivor zwar nicht anschließt, deren Techniken und Waffen sie sich aber beibringen lässt und zunutze macht. Damit ist auch die Brücke zur serienübergreifenden Thematik hergestellt, die auf den ersten Blick wieder einmal das typische Schwarz-Weiß-Schema aufstellt: Templer böse, Assassinen gut – auch wenn sich Ubisoft teils bemüht, ein paar Graustufen mit einzubringen, mit eher mäßigem Erfolg.


Die Geschichte von Valhalla haut niemanden wirklich um, was nicht zuletzt an der Protagonistin des Spiels liegt. Hat Eivor zu Beginn der Handlung mit ihren Rachegedanken noch eine klare Motivation, verkommt sie im Laufe der Zeit immer mehr zu einer recht charakterlosen Spielfigur, die immer so handelt, wie es die Dramatik oder das Skript gerade von ihr verlangt. Mal eine abgebrühte Kriegerin, dann wieder eine verständnisvolle Persönlichkeit, mal eine gute Beraterin, nur um dann im nächsten Moment eigenwillig und egoistisch zu handeln. Zwar könnt ihr im Laufe der Geschichte immer wieder Entscheidungen treffen, die letztendlich auch das Ende beeinflussen, doch selbst diese Momente tragen nicht wirklich dazu bei, dass Eivor ein erkennbares Profil gewinnt. Während Connor aus dem dritten Teil zwischen seinem Erbe und einer neuen Gesellschaft stand, Ezio den Mörder seiner Familie jagte oder ein Shay Cormack sich von den Assassinen verraten fühlte und sich daher in „Rogue“ den Templern anschloss, folgt Eivor den Entscheidungen ihres Bruders und stolpert von einem Auftrag zum nächsten. Denn Valhalla fehlt eindeutig der große Überbau, der die gesamte Handlung zusammenhält. Zwar werden innerhalb der einzelnen Gebiete, die ihr besucht, spannende und gute Geschichten erzählt, die jedoch allesamt in sich abgeschlossen wirken und damit ein „Großes Ganzes“ vermissen lassen und wenn dann am Ende plötzlich wieder eine „Deus-ex-Machina“-Mechanik eingesetzt wird, dann ist das umso bitterer. Da hilft es auch nicht, dass die serienumspannende Gegenwartshandlung rund um die Archäologin Layla mittlerweile deutlich mehr an Fahrt gewinnt und auch mit einem interessanten Twist endet.


Schaffe, schaffe, Häusle baue...


Ein Aspekt, der dieser ganzen Trägheit entgegensteuern soll, ist die Siedlung eures Clans. Kaum seid ihr nämlich in England angekommen, gilt es eine eigene Heimat zu errichten und diese zu einem florierenden Ort des Handels und als Zentralpunkt eurer Macht auszubauen. Das gab es bereits in früheren Serienablegern und spielt sich grundsätzlich nicht großartig anders, als man es von anderen Titeln gewohnt ist: Um neue Gebäude zu errichten, benötigt ihr spezielle Ressourcen, die ihr wiederum durch Plünderungen und verschiedene Quests erhalten könnt. So errichtet ihr mit der Zeit die klassischen Bauten wie eine Schmiede, einen Händler, einen Bootsbauer oder auch eine Brauerei, die euch passive Boni sichert. Was das Ganze etwas auflockert, sind die Bewohner des Dorfes, die mitunter alle mit ihren eigenen kleinen Geschichten und einer ziemlichen Liebe zum Detail daherkommen, sofern man sich darauf einlässt. Denn vieles erfahrt ihr erst durch das Lesen von Tagebüchern und Briefen, die in den Hütten der Dorfbewohner zu finden sind. Auf diese Weise kommt ein gewisser rollenspielerischer Aspekt hinzu, den man allerdings aktiv suchen muss. Für alle anderen wird die Siedlung nur eine weitere Grind- und Upgradefunktion sein, in die man Zeit und Ressourcen stecken muss.


Wo ein Wikinger ist, da darf ein geplündertes Dorf nicht fehlen!

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Auf spielerischer Ebene bietet euch Valhalla eine ganze Menge zum Erleben an. Neben den typischen Story-Missionen, welche die Handlungen vorantreiben, könnt ihr euch noch in zahlreichen weiteren Aktivitäten austoben, wie man es von der Serie bereits gewohnt ist. So könnt ihr euch in den Städten und Dörfern dem Würfelspiel hingeben, euch an einem Trinkwettbewerb versuchen oder euch beim Flyten messen, einer Art sprachlicher Wettkampf, bei dem ihr euren Gegenüber versucht mit Worten niederzumachen, indem ihr auf Rhythmus und Reim achten müsst. Daneben gibt es außerhalb der sicheren Grenzen auch noch zig weitere Dinge zu erleben. Eines davon sind die sogenannten Weltereignisse. Dabei handelt es sich um kleine, kurze Quests, die meist innerhalb weniger Minuten erledigt sind und jede für sich eine kurze Geschichte oder Begegnung beinhalten. Diese kleinen Ereignisse sollen euch als Spieler dazu bringen, während der Erkundung der Spielwelt auch einmal vom Pferd zu steigen oder von bereits bekannten Pfaden abzuweichen. Was sich im ersten Moment wie eine gelungene Idee anhört, die etwas Abwechslung in den Spielalltag bringen könnte, entpuppt sich aber mitunter als recht lästig und vor allem … unpassend. Denn viele dieser Weltereignisse, die ich erleben durfte, hatten einen recht erzwungenen Humor. So bin ich gerade durch die Landschaft gestapft und höre plötzlich aus der Ferne einen Hilfeschrei und siehe da: In der Nähe steht ein Turm mit einem Krieger davor und einer Frau, die anscheinend gefangen gehalten wird. Also nichts wie hin, den Bösewicht vermöbelt und in die Flucht geschlagen, woraufhin mir die Gerettete erzählt, dass das Ganze nur Teil eines Rollenspiels war, um die eigene Erregung fürs Liebesspiel anzuheizen. Oder ihr trefft zwei Wikinger, die das Brandschatzen üben wollen und euch bitten, ihre Hütte anzuzünden. Was dann folgt, ist eine Szene, die aus einer schlechten Sitcom stammen könnte und in der ihr eine Axt aus dem brennenden Haus bergen sollt, die sich dann am Ende doch nicht im, sondern direkt neben den beiden Möchtegern-Räubern befindet – blöde Wortwitze und Sprüche inklusive. Grundsätzlich spricht nichts gegen etwas lockeren Humor in einem Spiel, doch in einem Setting, bei dem es um brandschatzende Wikinger geht, die in England einfallen, um sich eine neue Heimat aufzubauen, wirken die meisten dieser Momente einfach nur fehl am Platze und Eivor verkommt regelmäßig zur Deppin vom Dienst.


Dabei geht es auch anders und zwar immer dann, wenn es ans richtige Plündern und Brandschatzen geht. Denn genau in diesen Momenten kommt Assassin’s Creed Valhalla seinem Wikinger-Szenario so nahe, wie es nur geht. Im Spiel gibt es nämlich feste Ortschaften, wie zum Beispiel ein Kloster, die ihr mit eurem Langboot und euren Mannen ansteuern und auf Knopfdruck eine Plünderung starten könnt. Dann gilt es alle Verteidiger zu erledigen, Hütten in Brand zu setzen und alles zu plündern, was nicht niet- und nagelfest ist. Das macht einen ziemlich imposanten Eindruck, wenn Eivor in ihr Horn bläst, die Meute mit einem lauten Kriegsschrei gen Küste schippert, dann alle mit gezogenen Äxten losrennen, um sich dem Feind entgegenzuwerfen und Strohhütten irgendwann lichterloh brennen sowie Luft vom Feuer gerötet ist. Seid ihr einmal erfolgreich, winken euch nicht nur Ressourcen für eure Siedlung, sondern meist auch mächtigere Gegenstände und Waffen, die euch das Leben erleichtern können. Im Allgemeinen könnt ihr all eure Ausrüstung im Laufe des Spiels an eurer Schmiede mehrmals aufrüsten, was den Waffen und Rüstungen nicht nur bessere Werte, sondern auch ein neues Aussehen und passive Fertigkeiten verleiht. Im Allgemeinen hält sich Valhalla angenehm in Sachen Lootflut zurück und ihr werdet nicht am laufenden Band Beute finden, die ihr gar nicht brauchen könnt. So lohnt es sich auch, die alten Waffen lieber einmal mehr aufzuwerten, damit die Schädel eurer Feinde besser gespalten werden.


Wir greifen zusammen mit unseren (leider nicht immer so klugen) Kriegern eine Festung an.

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Natürlich stellen sich euch im Laufe der Zeit auch einige Feinde in den Weg, die euch an eurem Vorankommen hindern wollen. In diesen Momenten kommt das Kampfsystem zur Geltung, welches recht wuchtig daherkommt, allerdings keine großartigen Neuerungen mit sich bringt. Auf Knopfdruck könnt ihr mit einem leichten oder schweren Schlag angreifen, den Angriffen eurer Gegner ausweichen oder, sofern ihr einen Schild mit euch führt, diesen parieren und auch spezielle Sonderfertigkeiten einsetzen. So kann Eivor auf Knopfdruck mehrere Äxte auf ihre Feinde schleudern oder sie stürmt den nächstbesten Feind an und wirft ihn zu Boden. Die Kämpfe an sich laufen recht simpel ab und wer eine Herausforderung sucht, dem empfehle ich den höchsten Schwierigkeitsgrad, denn selbst auf diesem werdet ihr nicht oft das Zeitliche segnen. Auch wenn es sich während einer Plünderung eher weniger anbietet, könnt ihr die sonstigen Kämpfe und Missionen auch eher aus dem Verborgenen angehen. Denn Valhalla bietet euch endlich wieder ein motivierendes Schleichsystem, in dem ein hinterhältiger Angriff den Feind auch sofort erledigt – selbst größere Brocken, sofern ihr die entsprechende Fertigkeit freigeschaltet habt, doch dazu gleich mehr. Wer sich die Umgebung nämlich zunutze macht, der kann unerkannt an Wachposten vorbei schleichen, Gegner von ihren Verbündeten weglocken und gegebenenfalls ein ganzes Lager ausheben, ohne dass es jemand mitbekommt. Das erinnert angenehm an die früheren Serienteile, in denen der Schleichaspekt noch eine deutlich gewichtigere Rolle eingenommen hat als in den jüngsten Vorgängern.


Von stumpfen Wikingern und einem idyllischen England


Doch leider kam mir im Laufe des Spiels immer wieder die Frage auf, ob sich all diese Mühe letztendlich lohnt. Denn neben dem sehr simplen Kampfsystem, das euch selten einen Misserfolg verpasst, gibt es eine weitere Problematik, mit der Valhalla diesbezüglich zu kämpfen hat: Die teils strohdumme KI. So hatte ich bei meiner ersten Plünderung das Problem, dass meine eigenen KI-Verbündeten am laufenden Band mit Pfeilen auf explosive Ölgefäße gefeuert haben, während ich selbst gerade daneben mit einem Gegner im Nahkampf stand. Das Ende vom Lied: Ich durfte mehrmals von vorne beginnen, weil Eivor ständig in Flammen stand und jämmerlich verbrannt ist. Bei einer Story-Mission sollte ich mithilfe meiner Verbündeten eine Festung erstürmen und deren Tore öffnen, damit ich mit Hilfe meiner Krieger gegen die feindliche Übermacht ankomme. Ich hätte die Kollegen aber gar nicht gebraucht. Nicht nur standen einige von ihnen einfach stumm in der Gegend herum, nein, auch der Feind schien sich nicht dafür zu interessieren, dass ich seelenruhig einen Krieger nach den anderen niedergemetzelt hatte – die Kameraden blieben teilnahmslos stehen und haben erst dann reagiert, wenn ich sie persönlich mit meiner Axt aus ihren Tagträumen geprügelt hatte. Diese Aussetzer sind nur ein paar Bugs, die den Spielspaß mitunter ziemlich trüben – zwischendrin hatte ich ganze Plotstopper, die verhindert haben, dass die Handlung voranschreiten konnte. Ich hoffe sehr, dass dies noch per Patch ausgebessert wird.


Selten war eine Open-World so schön wie das mittelalterliche England in Valhalla.

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Wenn dann aber alles funktioniert, könnt ihr die einzelnen Kämpfe und Missionen ganz nach euren eigenen Vorlieben angehen. Denn jeder gewonnene Kampf und jede abgeschlossene Quest bringt euch Erfahrungspunkte, die euch wiederum bei einem Levelaufstieg Skillpunkte bescheren. Diese könnt ihr anfangs in eine von drei Zweige eines Talentbaumes stecken: Heimlichkeit, Nah- oder Fernkampf. Je mehr Punkte ihr in den jeweiligen Bereich steckt, desto mehr Abzweigungen werden euch offenbart und ihr könnt Eivor somit ganz nach euren Wünschen anpassen. Meistens handelt es sich um passive Boni wie mehr Nah- und Fernkampfschaden, eine höhere Resistenz gegenüber bestimmten Waffengattungen oder es fällt Gegner schwerer, euch im Schleichmodus zu entdecken. Dazwischen gibt es jedoch immer wieder neue Fertigkeiten, die eure Spielweise ziemlich verändern können. So seid ihr dann in der Lage, Pfeile und Geschosse, die auf euch abgefeuert werden, im letzten Moment abzufangen und wieder auf den Gegner zurückzuschleudern. Oder ihr lernt, wie man eine Ketten-Assassination vollführt. Im Laufe des Spiels überkommt einem früher oder später ein etwas hilfloses Gefühl, ob man sich denn jetzt auch richtig entschieden hat, aber seid unbesorgt: Valhalla ist mit seinen Skillpunkten recht großzügig, wodurch ihr euch selten wirklich verzetteln könnt, was eure Punktevergabe angeht.


Auch wenn die bisherigen Punkte allesamt nicht so vielversprechend klingen, kann Assassin’s Creed Valhalla vor allem mit einer Sache unglaublich punkten: Seiner Spielwelt. Ich hatte ja bereits in der Einleitung erwähnt, dass ich mich zwischenzeitlich an Breath of the Wild erinnert hatte und das mittelalterliche England und Norwegen sind der Grund dafür. Ich habe selten eine so wunderschöne Open-World erlebt wie hier – sei es die schneebedeckten Landschaften oder die weiten Felder und Graslandschaften in England. Alles wirkt wie aus einem Guss und man kann sich zwischenzeitlich gar nicht sattsehen, so malerisch und schön wirkt die Umgebung. Das hat mitunter dazu geführt, dass ich nicht nur stumpf von A nach B geritten, sondern zwischendrin immer wieder vom Weg abgekommen bin, um zu sehen, was mich über diesen einem Hügel dort drüben erwartet. Wenn man dann noch gerade in den Sonnenuntergang reitet und der Himmel sich blutrot färbt, dann möchte man den Designern von Ubisoft gerne auf die Schulter klopfen und ihnen zu diesem Machwerk gratulieren. So wunderschön diese Welt auch aussieht, ihr mangelt es dann aber trotzdem an etwas, was Breath of the Wild eher bietet: Nämlich genug zum Entdecken. Während einem in Links Abenteuer immer wieder etwas ins Auge sticht, was es zu erkunden gilt, ist England zwar eine Augenweide, kann aber ansonsten nur mit den bereits erwähnten Weltereignissen und den sonstigen Aktivitäten unterhalten, die sich in der Welt finden. Nichtsdestotrotz wirkt die Umgebung in Valhalla stets glaubwürdig und nachvollziehbar und zeigt kleine Details, wie die Tatsache, dass die englischen NPCs in einem englischen Kauderwelsch sprechen, der symbolisieren soll, dass Eivor ihre Sprache nicht beherrscht (nur um sie dann in den Story-Missionen dann aus Plotgründen doch zu verstehen).


Aus technischer Sicht macht Assassin’s Creed Valhalla einen gemischten Eindruck. Denn selbst wenn man die teils extremen Bugs, die ich vorher bereits erwähnt hatte, außer Acht lässt, kam es immer wieder vor, dass das Spiel von einem Moment auf den anderen enorm zu Ruckeln begann. Diese Momente schienen auch vollkommen willkürlich, da das Spiel die meiste Zeit auf allen Details auf der Höchststufe flüssig lief, nur um dann zwischenzeitlich von enormen Rucklern geplagt zu werden, wo meistens nur ein Neustart des Spiels für Abhilfe gesorgt hat. Getestet habe ich das Spiel mit einer GeForce 2080 RTX, einem Ryzen 7 2700X Achtkerner sowie 32 GB RAM Arbeitsspeicher. Von der musikalischen und soundtechnischen Seite aus kann Valhalla hingegen jedoch meistens punkten. Sowohl die musikalische Untermalung als auch die Synchronsprecher liefern allesamt eine gute Leistung ab, vor allem Eivors weibliche Stimme in der englischen Version des Spiels hat mir sehr gut gefallen.


Fazit: Kann Assassin’s Creed Valhalla überzeugen oder nicht?


So sehr ich die wunderschöne Spielwelt auch lieben gelernt habe, mit Assassin’s Creed Valhalla hat Ubisoft definitiv nicht den besten Ableger der Serie hingelegt. Ein Hauptcharakter, der keine wirklichen Ecken und Kanten aufweist und eher wie ein Fähnchen im Wind wirkt, eine Geschichte, der ein guter, überspannender Handlungsbogen fehlt und Weltereignisse, die zwar Abwechslung mit sich bringen, allerdings viel zu oft in erzwungen „lustigen“ Situationen enden, zeugen leider aus erzähltechnischer Sicht davon. Dazu kommt eine gelegentlich noch ziemlich dumme KI sowie einige technische Probleme und Bugs, die das Gesamtbild etwas weiter trüben. Was den Entwicklern aber sehr gut gelungen ist, ist die Darstellung des mittelalterlichen Englands. Selten habe ich eine so überzeugende und schön anzusehende Spielwelt erleben dürfen, durch die ich auch einfach gerne gewandert bin. Zudem ist es auch schön, dass das Schleichen wieder deutlich sinnvoller ist und nicht nur bloß ein schnödes Beiwerk – hier hat man sich wieder auf die eigenen Wurzeln besinnt. Das restliche Kampfsystem fällt ziemlich ernüchternd aus und wird euch nur auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad wirklich viel abverlangen, dafür könnt ihr euren Charakter aber auch nach Herzenslust spezialisieren: Dem sehr umfangreichen Talentbaum sei Dank. Fans der Serie, die schon Origins und Odyssey mochten, werden dem Spiel sicher noch eher zugeneigt sein als all diejenigen, die nach dem Soft-Reboot schon genug hatten. Mir hat Assassin’s Creed Valhalla trotz all seiner Macken Spaß gemacht und ich werde sicherlich immer wieder eine Runde durch das schöne Britannien reiten, aber mein Herz gewinnen konnte der Titel dann leider doch nicht, auch wenn ich mich sehr auf das Wikinger-Szenario gefreut hatte.

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Kommentare 11

  • DLC-King

    Freedom of Choice

    Die Reihe hat sicherlich ihre Qualitäten aber mich hat sie nie gepackt.


    Sowohl vom Gameplay,vom style als auch technischen Aspekt empfand ich alles immer als lahm.

    Auf mich wirkt alles immer so gewollt und langweilig.


    Eigentlich müsste man ja sagen Wikinger setting müsste noch frisch und spannend sein aber auf mich wirkt es im AC Korsett gar nicht.

    Eigentlich schade.


    Aber eins haben alle Ubisoft Spiele gemeinsam bei mir und dass ist das ich sie oft in den menüs absolut überladen finde.

    Man muss sich nur die Karte und untermenüs anschauen um erschlagen zu werden.


    Habe über die ganzen jahre schon oft bei Ubisoft Umfragen teilgenommen und genau das moniert, aber der Großteil wird es anscheinend anders sehen.

    Pech für mich dass mir die Spiele nicht gefallen und Pech für Ubisoft dass ich als Gamer der wirklich viele Spiele kauft (diesen Monat waren es 8 Spiele und das zum vollpreis) keines ihrer Werke kauft.

    Immortal hat das selbe Problem meiner Meinung nach.

  • Muki

    Turmbaron

    Ich bin froh black flag auf der Switch zuhaben, das Karibik setting ist einfach das schönste.

  • afriixy

    Turmheld

    DLC-King bedenke aber, dass sich die Spiele seit Odyssee / origin um 180 grad gedreht haben!

    Ich fande die davor auch extremst öde, weil es immer der gleich Einheitsbrei war.

    Aber als das rpg mit rein kam und das Söldnersystem. Ohhhh! Seit dem liebe ich die Reihe.

    Und die nordische Mythologie ist mit der griechischen echt meine lieblingsreihe.


    Werde mir das auch noch vergünstigt gebraucht kaufen. :*

  • DLC-King

    Freedom of Choice

    afriixy


    Irgendwann schaue ich sicher bei einem weiteren Ableger wieder tiefer wieder rein.


    Schauen wir mal in Zukunft.

    Schließe da nichts aus. ✌🏻

  • alfalfa

    Turmfürst

    "GeForce 2080 GTX" - 2080 ist RTX.


    Wenn es da schon Ruckler gibt, brauche ich es mit meiner GTX 1080 gar nicht erst probieren.

    Vielleicht mal auf der Series X, wenn das Spiel schön günstig geworden ist, aber eigentlich habe ich nach Lesen des Tests kaum noch Bock drauf...

  • Phantomilars

    Weltraummönch

    Der Schleich-Modus funktioniert also wieder besser, in einem Spiel mit Wikingern als Helden. Das waren bekanntlich die Begründer des Stealthmodus 8o

  • Solaris

    Power your Games

    Phantomilars

    Von denen könnte sogar Sam Fisher aus Splinter Cell noch was lernen. ^^

    Der Test deckt sich mit dem was ich bislang gelesen habe, ganz nett aber nichts was man unbedingt gespielt haben müsste.

  • Florian McHugh

    Tellerrandwäscher

    alfalfaRTX, sorry. War noch bei meiner alten GTX gedanklich :D


    Aber ja, es ruckelt manchmal schon ziemlich auf allen Details hoch. Zum Glück ist das aber nicht die Regel

  • Kamekkoopa

    • 1985 •

    Kein Nintendo Spiel // Fail

  • Fabinho84

    Turmbaron

    Kurze Frage für jemanden der Origins durchgezockt hat und es gut fand (kein The Witcher aber es hat trotzdem Spaß gemacht ).Lohnt sich eher die Gold Edition für kleines Geld von Odyssey oder aber Valhalla ?

  • Florian McHugh

    Tellerrandwäscher

    Hmmm, schwierig. Wenn du Origins mochtest würde ich dir eher noch Odyssey empfehlen mit allen DLCs - es sei denn dir gefällt das Wikinger Setting mehr